Warum ist Prog Eure Musik?

WeepingElf

Aktives Mitglied
Wir alle mögen Prog. Aber warum ist Prog unsere Musik? Was ist für Euch das Wesentliche am Prog, das, was er einerseits anderen Rock-Genres, andererseits anderen intellektuell anspruchsvollen Genres wie Klassik, Jazz und Avantgarde voraus hat, dass Ihr ihn am liebsten hört?

Aus meiner Warte ist das gar nicht so einfach. Gegenüber anderen Rock-Genres hat Prog natürlich den Vorzug der Vielschichtigkeit. Da gibt es komplexe, abwechslungsreiche Arrangements, denen man auch nach vielfachem Hören noch neue Facetten abgewinnt. Kurzum: die Musik wird nicht langweilig.

Aber wie ist das im Verhältnis zu Klassik, modernem Jazz und Avantgarde? Irgendwie finde ich diese Musikrichtungen weniger spannend als Prog, ich kann nicht so genau sagen, warum. Es fesselt mich einfach nicht so sehr.

"Klassik" ist natürlich ein weites Feld, das spannt sich vom Barock über die eigentliche Klassik (von Haydn bis Beethoven) und Romantik bis zur klassischen Moderne (Debussy, Stravinsky und andere). Von diesen Zeitstilen finde ich persönlich die späteren die interessantesten, aber der Barock mit seinem filigranen Kontrapunkt hat auch seine Reize, während mich die Klassik im engeren Sinne weniger anspricht. Aber irgendwie ist das alles weniger spannend als Prog. Es hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich Musik mit Gesang von der Tendenz interessanter finde als Instrumentalmusik, und mir klassischer Gesang nicht so recht behagt.

Der moderne Jazz (ab 1945) ist auch reizvoll, aber irgendwie spricht er mich auch weniger an als Prog. Das mag daran liegen, dass der kompositorische Aufbau zumeist viel schematischer ist als im Prog. Es wird am Anfang ein Thema vorgestellt, dann kommen die Soli der einzelnen Instrumentalisten über die gleiche, sich wiederholende Akkordfortschreitung, dann zum Abschluss noch mal das Thema. Das hat was von einem Variationssatz, einer Gattung, die mir schon in der Klassik nicht behagt, weil einem da leicht das Thema spätestens bei der vierten Variation zum Hals heraushängt. Dazu kommt, dass das oft zu einem Schaulaufen für Instrumentalakrobaten verkommt. Auch hier kommt wiederum das im Zusammenhang mit der Klassik genannte Defizit der Instrumentalmusik zum Tragen.

Schließlich die Avantgarde, auch "Neue Musik" genannt. Mit dem meisten davon kann ich rein gar nichts anfangen. Atonale, chaotisch-dissonant klingende Musik ist einfach nicht meine Hausnummer. Den Schönbergs und Stockhausens dieser Welt kann ich nicht folgen, aber auch Avantgarde-Rock erschließt mich mir nicht.

Viel Spaß beim Diskutieren!
 

Marifloyd

Inventar
Ein feines Thema! Ich glaube, es ist auch eine Frage der musikalischen Sozialisation. Als Kind habe ich schon sehr gerne Musik gehört. Meistens Schlager und mein Vater hatte eine Platte von Mozarts "Kleiner Nachtmusik". Was habe ich das Teil geliebt. Dann habe ich mit Freunden im Jugendalter die Rockmusik gehört und kennengelernt Als ich zwölf Jahre alt war, führte mich mein vier Jahre älterer Bruder hin zu ELP und Pink Floyd. Meddle und Atom Heart Mother liefen rauf und runter. Es folgten Eloy und viele andere. Die Musik war infolge ihrer Vielschichtigkeit für mich spannender und eröffnete mir Türen neuer musikalischer Welten. Yessongs war für mich ein Musikkosmos. Allerdings war ich auch immer offen für andere Musikrichtungen. Heute empfinde ich Prog entspannend und spannend zugleich. Ich mag es, wenn meine Gedanken bei Longtracks mitgenommen werden und sich mit der Komplexität vieler Progstücke auseinandersetzen. Zudem ist Prog für mich sehr oft wunderbar melodisch und unterhaltsam. Natürlich möchte ich auch unterhalten werden! Auch mag ich manch Mystisches am Prog, wie z. B. bei Yes oder Rick Wakemans "Journey To The Centre...". Und dann mag ich es, wenn man sich im Prog Zeit für Themen mit Hilfe von Longtracks oder Konzeptalben nimmt. Songs bekommen so die Chance sich zu entwickeln. Toll ist auch das Gefühl, wenn man zu nicht sofort eingängigen Klängen einen anhaltenden und bleibenden Zugang erlangt. Klar, dass gibt es auch in der Klassik und im Jazz. Deshalb mag ich diese beiden Musikrichtungen halt auch sehr. Ich fühle mich nicht als Kenner oder Experte des Prog. Aber vielleicht versteht ihr dennoch anhand meiner Ausführungen, weshalb ich u.a. unglaublich gerne Prog höre!?
 
Zuletzt bearbeitet:

Catabolic

Alter Hase
Warum ist Prog meine Musik ?

Weil sie von allen Musikstilen, die ich in meinem musikalischen Leben in fast 50 Jahren kennen und schätzen gelernt habe, bis heute jene rockmusikalische Spielart darstellt, bei der ich noch immer nicht enden wollende Kreativität erleben darf, wenn ich stetig neue Bands und Musiker kennenlerne.

Und es ist interessanterweise auch genau jener Musikstil, von dem ich damals am allerwenigsten gedacht hätte, dass er sich in punkto Hörgunst mein ganzes Leben lang halten würde. Wenn ich da - nur als kleines Beispiel - alleine an YES denke: Mann, da gibt es Platten und Songs, die ich bestimmt schon hundertfach gehört habe mit meinen knapp 60 Jahren und noch immer nicht müde werde, gern zu haben.

Prog ist - zumindest für mich - der Musikstil, der sich daher am wenigsten abgenutzt hat und sich für mich auch am wenigsten "out of fashion" anhört, was vermutlich auch mit der Experimentierfreudigkeit der entsprechenden Musiker zu tun hatte und hat.

Auf der anderen Seite bin ich aber auch immer noch der überzeugten Meinung: Rettet den Dreiminutensong!

;)
 

moonmadness

Aktives Mitglied
Prog, Prog, Prog.

Warum hast du so eine Obsession mit dem Begriff?

Ich hör einfach alles was mich anspricht, genauso wie ich manchmal gern Chinesisch esse und den anderen Tag einfach nur Pommes. Zugegeben ich habe noch nie Pommes und dazu eine knusprige Ente probiert ;).

Was soll man dazu weiter sagen. Im Jazz gibt´s sehr geile Sachen, das aber ist prinzipiell ein anderes Paar Schuhe.

Ich hab wohl vl. auch keine Ahnung was Prog ist, und ehrlich manchmal oder meistens will ichs nicht so genau wissen.

Sowas wie Yes, oder gar Marillion oder sowas? Sicher nicht meine Lieblingsmusik.

Camel oder so mancher Canterbury-Recke (Steve Hillage?), ja doch sehr viel eher!

Na viel Spaß noch...
 

The-Knight

Aktives Mitglied
Prog, Prog, Prog.

Warum hast du so eine Obsession mit dem Begriff?
Vielen Dank @ moonmadness - mir geht es ganu wie dir

@WeepingElf: du scheinst schon sehr bessessen zu sein von Prog - ProgRock - ProgressiveRock ..... - ist ja auch nicht schlimm - warum machst du nicht einen eigene Fred dafür auf - (z. B. 'WeepingElf's Prog-Ecke') dann wäre alles was du und alle anderen zum Thema Prog - ProgRock - ProgressiveRock zu sagen hast / habt in einem eigene Fred und man findet alles schneller.

Außerdem ist mir aufgefallen das du ein Thema aufmachst und wenn dann mal Vorschläge kommen um ein Thema zu Ende zu bringen dann passiert nichts mehr - wie bei deinem Thema 'Prog-Stilkunde nach 2000' - da wurde der Vorschlag gemacht

ielleicht kommt man der Sache langsam näher, wenn man induktiv vorgeht, also vom Besonderen zum Allgemeinen. Nicht mit vordefinierten Musikstilen beginnen, sondern mit Künstlern, Bands, ihren Phasen und einzelnen Alben. Zunächst also einmal eine Materialsammlung oder Brainstorming vornehmen. Um dann zu fragen: Was ist die Minimaldefinition von Prog im 21. Jahrhundert? Welche Merkmale müssen unbedingt, welche können vorhanden sein? Um sich so von den "Randbezirken" in die "Innenstadt" des Prog vorzuarbeiten. So könnte sich nach und nach eine sinnvolle Stilkunde herauskristallisieren.

Beginnen könnte man doch ganz konkret damit, eine Liste von sagen wir 100 Alben in einer möglichst großen Bandbreite, die "irgendwie Prog sind" und seit 2000 entstanden sind, zu erstellen. Das ist eine überschaubare Menge, aber groß genug, um dann Merkmale, Kriterien und Kategorien aufzustellen, zu gewichten und zu sortieren, um herauszufinden, WAS denn nun dieses "irgendwie" ist. Wenn sich das als brauchbarer Weg erweist, könnte man nach und nach immer mehr Material sammeln und kategorisieren, und so langsam zu einem immer vollständigeren Bild gelangen.
und von deiner Seite kam dann nichts mehr dazu - ich glaube so kann man ein Thema nicht zufriedenstellend beenden - denn ich denke das willst du doch sonst hättest du damit nicht angefangen - und ich fände es auch besser wenn man sieht das sich etwas entwickelt ........

Bei den Prog-Themen die du aufmachst sollen doch Ergebnisse rumkommen - oder habe ich da was missverstanden ?
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Vielen Dank @ moonmadness - mir geht es ganu wie dir

@WeepingElf: du scheinst schon sehr bessessen zu sein von Prog - ProgRock - ProgressiveRock ..... - ist ja auch nicht schlimm - warum machst du nicht einen eigene Fred dafür auf - (z. B. 'WeepingElf's Prog-Ecke') dann wäre alles was du und alle anderen zum Thema Prog - ProgRock - ProgressiveRock zu sagen hast / habt in einem eigene Fred und man findet alles schneller.
Ich denke, wir sind hier in einem Prog-Forum, soll es da nicht erlaubt sein, Prog als Ganzes zu diskutieren? Ich bin nicht besessen davon, sondern interessiere mich halt sehr für solche Fragen, zumal ich an einem Buch über Prog arbeite. Da liegt es doch auf der Hand, das Thema "Prog" von verschiedenen Seiten beleuchten und die eigenen Gedanken hier zur Diskussion stellen zu wollen.

Oder stört es Euch, dass ich hier ein halbes Dutzend Threads aufgemacht habe? Vielleicht hätte ich die Fragen alle in einem Thread sammeln sollen, das wäre zugegebenermaßen ökonomischer gewesen. Aber wenn es Euch zu viel ist, kann ich damit erst mal eine Pause einlegen.

Ich weiß, dass es eine Schwäche von mir ist, dass ich mich in ein Thema, das mich gerade umtreibt, sehr hineinsteigern kann und dann ein Bedürfnis verspüre, das in allen Facetten zu diskutieren, bis hin zu Antwortposts auf eigene Posts. Auch habe ich natürlich schon längst bemerkt, dass den meisten hier Stilklassifikationen ziemlich unwichtig sind. Ich war halt immer schon ein leidenschaftlicher Klassifizierer ;)

Insofern gut, dass hier jemand sagt, dass ihn das stört.

Außerdem ist mir aufgefallen das du ein Thema aufmachst und wenn dann mal Vorschläge kommen um ein Thema zu Ende zu bringen dann passiert nichts mehr - wie bei deinem Thema 'Prog-Stilkunde nach 2000' - da wurde der Vorschlag gemacht

und von deiner Seite kam dann nichts mehr dazu - ich glaube so kann man ein Thema nicht zufriedenstellend beenden - denn ich denke das willst du doch sonst hättest du damit nicht angefangen - und ich fände es auch besser wenn man sieht das sich etwas entwickelt ........
Der Vorschlag war meines Erachtens nicht sonderlich konkret und ich wusste nicht so recht, was ich darauf erwidern sollte, deshalb "kam da nichts". Die Frage war damit nicht beantwortet. Ich hatte das so empfunden, dass er das Thema abwürgen wollte, statt Konstruktives beizutragen. Aber ich kam ja zu einem Ergebnis, auch wenn ich noch nicht so recht weiß, wie ich eine der Stilkategorien benennen soll.

Bei den Prog-Themen die du aufmachst sollen doch Ergebnisse rumkommen - oder habe ich da was missverstanden ?
Natürlich sollen da Ergebnisse rumkommen, aber wenn keiner was Konstruktives postet, sondern jeder nur die Legitimität der Frage in Zweifel zieht (oder den Thread kaputtkaspert, wie das hier auch schon passiert ist), wie sollen dann Ergebnisse herauskommen? Man kann sich schlecht über unbeantwortete Fragen beschweren, wenn man selbst nicht bereit ist, zu einer Antwort beizutragen, finde ich.
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Um nun zum Thema zurückzukehren: Ja, es ist eine Frage der Sozialisation, und war es bei mir auch. Also erzähle ich hier mal, wie ich selbst zum Prog gekommen bin. Schließlich ist mein Musikgeschmack für meine Generation (ich bin Jahrgang 1969) etwas ungewöhnlich.

Aber ich hatte einen unverheirateten, noch recht jungen Onkel (Jahrgang 1955), dessen Zimmer in unserem Dreigenerationenhaushalt gleich neben meinem lag, und so lieferten die Rock-Klassiker der 70er den Soundtrack zu den Abenteuern meiner Lego-Raumschiffe.

Damals kapierte ich freilich noch nicht, dass das, was da aus dem Zimmer meines Onkels herüberschallte, was anderes war als das, was im Radio lief (na gut, damals war das noch nicht so unendlich weit wie heute). Aber in der 7. Klasse hatte ich einen jungen, modernen Musiklehrer, der eine Unterrichtseinheit zum Thema "Original und Bearbeitung" machte anhand der Bilder einer Ausstellung von Mussorgski. Da legte der Lehrer eben auch die ELP-Version auf, aber die Synthesizer-Fassung von Isao Tomita begeisterte mich seinerzeit noch mehr, also wünschte ich mir die Platte zu Weihnachten und bekam sie auch.

Beinahe wäre ich in das Elekroniklager abgedriftet. Ich hatte dann irgendwann einen Commodore 64 und befasste mich darauf auch mit Computermusik, bis das Audio-Interface des Rechners den Geist aufgab, das war's dann damit. Vielleicht war das besser so - wäre das nicht passiert, würde ich heute vielleicht Techno oder House hören ;)

Später dann hatte mein Bruder eine Pink-Floyd-Phase, die mich auch "infizierte", dann lernte ich durch Schulkameraden, die sich in der oben genannten Unterrichtseinheit auf die Spur von ELP & Co. hatten bringen lassen, Marillion, Rush, ELP und Yes kennen, sowie die Genesis der 70er und King Crimson.

Auf einem Rush-Konzert in Hannover 1992 bekam ich dann einen Handzettel von einem niederländischen Prog-Label namens SI Music in die Hand gedrückt, und bald darauf stieß ich im Internet auf eine Newsgroup namens rec.music.progressive, und so entdeckte ich dann, dass es da eine viel, viel größere Welt gab, als ich mir hatte träumen lassen. So ist das bei mir eben gekommen.
 

Music is Live

Aktives Mitglied
ich muss mal feststellen, dass ich es zwar teilweise recht "anstrengend" und zeitraubend, was WeepingElf hier alles sich einfallen lässt um Diskussinen ins Leben zu rufen....
er macht sich im Vorfeld Gedanken um eine gute einleitung uns zu geben.... Das sich vieles/alles/und mehr :D um Prog / progressive Musik / Art Rock (ich höre auf weitere Bezeichnung zu suchen, der Platz könnte eng werden) dreht mag an seiner Leidenschaft liegen und an diesem Forum, mit Schwerpunkt ... ähmmm ... Prog..... :eek::eek:

Eine Begriffsdefenition wurde hier schon versucht und zeigte eigentlich gut auf, dass jeder etwas anderes drunter versteht, auch wenn es für alle einen gemeinsamen Rahmen gibt.....

letztendlich sehe ich es wie z.B. toni und moonmadness.... egal was es ist, es muss gefallen..... und da hier alle in oben gemeinten gemeinsamen Rahmen doch noch so viel Unterschiede mit sich bringen, ist doch nur klasse, da erweitert sich doch versehentlich gleich der ... ähmmm... Prog Horizont......

ich sage/schreibe mal so locker einfach nur ... -> Thx Weepy11.... :D
 

Music is Live

Aktives Mitglied
Mein Weg zum Prog war schleichend.... über verschiedene, teils zeitgenössische Stile bahnte sich der Weg zu anspruchsvoller Musik.... so gesehen war/ist mein Musikgeschack progressive....
;)
 

Cathedral Wall

Mitglied
Bin mir nicht sicher, ob ich mit einem Zitat direkt angesprochen wurde, aber auf jeden Fall wollte ich keinerlei Diskussion abwürgen, sondern viel mehr anregen. Ich habe momentan nicht allzu viel Zeit, aber nächste Woche und dann um Weihachten herum werde ich eine kleine Liste an Alben von progressivem Rock seit 2000 im weitesten Sinne vorstellen, die meiner Ansicht nach zu einem Verständnis beitragen, was denn nun Prog im 21. Jahrhundert bedeuten könnte. Da möchte ich dann ganz unbeschwert von Kategorien und Schubladen, rein vom unmittelbaren Höreindruck her, an der Frage arbeiten.
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Bin mir nicht sicher, ob ich mit einem Zitat direkt angesprochen wurde, aber auf jeden Fall wollte ich keinerlei Diskussion abwürgen, sondern viel mehr anregen. Ich habe momentan nicht allzu viel Zeit, aber nächste Woche und dann um Weihachten herum werde ich eine kleine Liste an Alben von progressivem Rock seit 2000 im weitesten Sinne vorstellen, die meiner Ansicht nach zu einem Verständnis beitragen, was denn nun Prog im 21. Jahrhundert bedeuten könnte. Da möchte ich dann ganz unbeschwert von Kategorien und Schubladen, rein vom unmittelbaren Höreindruck her, an der Frage arbeiten.
Dann habe ich Deine Absicht falsch verstanden, das tut mir leid. Dein Ansatz ist vollkommen legitim, auch wenn es mir an der Stelle nicht so hilfreich erschien, wie es ist. Dass ich darauf nicht näher einging, liegt ganz einfach daran, dass es, bevor man diese Untersuchung anstellt, dazu nichts zu sagen gibt!

Da sollte man wirklich ohne vorgefasste Stilkategorien zusammentragen, was es so gibt, und versuchen, das nach Höreindruck und Textverständnis in Kategorien einzusortieren. Wie man die dann nennt, das ist eine Frage, die sich erst ganz zum Schluss stellt. Ich bin ja selbst zu dem - vorläufigen! - Ergebnis gekommen, dass es im "Kern" des Prog neben dem Retro-Prog vor allem zwei "Schubladen" gibt, zum einen den grüblerisch-melancholischen Prog (wie man den auch nennen mag) à la Steven Wilson, zum anderen den epischen Prog à la Arjen Lucassen. Aber es gibt dann ja noch die diversen Randgenres in den Grenzgebieten zu Metal und Alternative Rock, und im Wortsinn progressive Rockmusik ist sowieso was anderes als das Genre, das den Namen, aus welchen Gründen auch immer, "Prog" trägt.

Das sollten wir in dem entsprechenden Strang weiter diskutieren, wenn Du (oder jemand anderes) dazu Lust hast.

Um auf das Thema dieses Strangs zurückzukommen: Zweifellos ist "Prog-Fan-Sein" eine Frage der musikalischen Sozialisierung, wie ich ja schon vorhin geschrieben habe. Das ist der erste Teil der Antwort auf die Frage, "Warum ist Prog Eure Musik?". Der zweite Teil ist, warum man beim Prog geblieben und nicht zu "noch interessanteren" Musikrichtungen weitergezogen ist. Das kann ja so sein, dass jemand, der Prog hört, irgendwann Modern Jazz, indische Musik oder was auch immer "entdeckt" und sagt, "Ach Mensch, das ist doch viel besser!". Aber bei vielen von uns ist das nicht passiert. Bei mir jedenfalls (bislang) nicht, und ich bin nun wirklich kein "Prog-Nerd", der sich nicht für andere Musikrichtungen interessiert. Ich bin da durchaus offen und tolerant, wenn Leute was anderes hören wollen, und sei es so was fickeres wie Eurodance. Da kann jemand seine Gründe haben, warum er das am liebsten hört. Aber bei allem, was ich so kenne, spricht mich Prog doch am meisten an, und das hat doch wahrscheinlich mit irgendeiner Kombination von Merkmalen zu tun, die diese Musikrichtung auszeichnet.
 

gentlegenerator

Neues Mitglied
Interessante Frage, stelle ich mir selbst oft. Hab' keine Antwort darauf. Sozialisierung fällt bei mir aus, hab' zuerst Klassik + ZDF - Shitparade gehört. Bin nach dem (zum Glück vorläufigen) Winterschlaf des Prog Ende der 70er zum Jazz gewechselt. Gibt auch immer noch eine Menge Jazz, der mich durch seine Schönheit zu Tränen rühren kann. Und doch turnt mich Prog einfach am meisten an. Kann mich noch erinnern, wie ich fassungslos die 1. Tangent-CD gehört habe und zur Kenntnis nehmen durfte, dass es neben Marillion mit Spock's Beard, Flower Kings etc. schon seit Jahren wieder eine lebendige Prog-Szene gab und ich es nur nicht mitgekriegt hatte. Wilson wurde dann bis zur letzten CD zu meinem größten Hoffnungsträger, auch wenn er für mich keinen Prog im engeren Sinne macht.
Am Ende geht es für mich um die Melodien. Warum es besonders die Melodien in "Duel with the devil", "Childlike faith...", "Two blocks from the edge", "Experience", "A boy in darkness", "Starless", "Rogue", "Close to the edge", "Left out" oder "Supper's ready", um nur einige zu nennen, sind, weiß ich nicht. Es darf ruhig fett von Pathos sein, allerdings nicht nur schön. Deshalb gibt mir Mozart weniger als The letters. Die Spannung zwischen Licht und Dunkelheit sollte hörbar sein, das Dunkle kann auch gerne im Vordergrund stehen ("Arrow" von VdGG: einfach grandios), und eine gewisse Raffinesse tut ihr übriges... Lande immer wieder beim selben (tautologischen) Punkt: Prog bringt's, kann nicht anders
 

Marifloyd

Inventar
Hallo @gentlegenerator!
Sei willkommen! Deine Aausführungen kann ich größtenteils teilen. Mir gibt Mozart schon sehr viel und die Klassik auch. Viele Elemente der Klassik erkenne ich auch in der Prog-Musik. Musik ist ja nun einmal eine sehr persönliche Wahrnehmung!
Ich eünsche Dir noch viel Spaß im Forum, in dem man sicher jede Menge entdecken kann! :)
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Es gibt wenige Musikrichtungen, die so viel Abwechslung bieten wie Prog. Ein Prog-Stück schreitet durch mehrere verschieden gebaute Werkteile fort, und das ist eine wesentliche Bedeutungsfacette des Wortes progressiv. Zwar ist Prog auch in anderer Hinsicht progressiv, jedenfalls wenn er gut ist, aber das ist, glaube ich, der Kern dessen, was dieses Genre ausmacht, und weshalb ich und viele andere es so lieben. Man wird eben von der Musik auf eine schöne Reise mitgenommen, während vieles anderes, was es so gibt, von Mainstream-Pop über EDM und den meisten Jazz bis zum Großteil der "Neuen Musik" musikalisch eher "auf der Stelle tritt".
 

nixe

Inventar
Es gibt wenige Musikrichtungen, die so viel Abwechslung bieten wie Prog. Ein Prog-Stück schreitet durch mehrere verschieden gebaute Werkteile fort, und das ist eine wesentliche Bedeutungsfacette des Wortes progressiv. Zwar ist Prog auch in anderer Hinsicht progressiv, jedenfalls wenn er gut ist, aber das ist, glaube ich, der Kern dessen, was dieses Genre ausmacht, und weshalb ich und viele andere es so lieben. Man wird eben von der Musik auf eine schöne Reise mitgenommen, während vieles anderes, was es so gibt, von Mainstream-Pop über EDM und den meisten Jazz bis zum Großteil der "Neuen Musik" musikalisch eher "auf der Stelle tritt".
Das ist doch endlich mal *ne Aussage! & weil Prog soviel Abwechslung bietet, kommen viele damit nicht klar. Vorallem diese engstirnigen RadioDJs!
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Das ist doch endlich mal *ne Aussage! & weil Prog soviel Abwechslung bietet, kommen viele damit nicht klar. Vorallem diese engstirnigen RadioDJs!
Ich habe aber auch den Eindruck, dass viele Leute nur deshalb keinen Prog hören, weil sie nicht wissen, dass es so was gibt! Man hört ja im Radio so gut wie nichts davon, auch Zeitschriften wie Musik Express und Rolling Stone schreiben darüber nichts, woher sollen die Leute das dann wissen? Aber so langsam scheint sich das zu ändern, es scheint doch so zu sein, dass Prog eine gewisse Renaissance erlebt, wenn auch bislang vor allem im Zuge der Retrowelle auf der Ebene der Wiederentdeckung der Klassiker, aber vielleicht kommen die Leute so langsam dahinter, dass es auch guten modernen Prog gibt.

Es ist aber auch in Zeiten, in denen die meisten Leute im Büro und nicht mehr in der Montagehalle arbeiten, in der Freizeitkultur ein ziemlicher Antiintellektualismus vorherrscht (was man den Leuten auch nicht wirklich verübeln kann - man will sich in der Freizeit eben mit Dingen beschäftigen, die möglichst wenig mit der Arbeit zu tun haben), und weil Prog nun mal eine ziemlich intellektuelle Musikrichtung ist, hören die Leute eben lieber "Bauchmusik", zu der sie geistig "abschalten" und sich körperlich abreagieren können.
 

toni

Alter Hase
Prog ist für mich Bauchmusik !
Was nützt es mir wenn mein Gehirn sagt : Toll , super , aber mein Bauch schweigt dazu !
Ich bin ein Bauch und Herz Hörer , also muss es mich berühren , an sonst ist es für mich nix !

Denn meisten Leuten muss Musik sofort ins Ohr gehen , wenn nicht : ist es bei ihnen schon vorbei .
Da liegt wohl eher das Problem : sich intensive Zeit zu nehmen um Musik zu hören !
Aber in einer Welt die sich immer schneller dreht wohl nicht mehr so einfach und man ist ziemlich alleine .
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Toni, Du hast Recht. Prog ist Musik für beides, sowohl den "Kopf" als auch den "Bauch". "Kopfmusik" findet man woanders: etwa in der zeitgenössischen akademischen ("klassischen") Musik, vor allem in der Zwölfton- und seriellen Musik, aber heutzutage auch allzu oft im Jazz (das war mal anders!). Da hört man deutlich, dass die Musiker in ihren Werken Theorien verarbeiten und keine Emotionen. Da werden Töne gesetzt, weil irgendeine "Regel der Kunst" es so verlangt, und nicht, um damit bestimmte Gedanken und Empfindungen auszudrücken. Das kann auch ein Computer (und tatsächlich haben ja Komponisten wie Iannis Xenakis das mit Computern gemacht!). Und das ist stinklangweilig! So was will ich nicht hören. Prog hingegen spricht mich sowohl intellektuell als auch und vor allem emotional an, und deshalb höre ich ihn so gern.
 

Music is Live

Aktives Mitglied
Da liegt wohl eher das Problem : sich intensive Zeit zu nehmen um Musik zu hören !
dies kann ich nur bestätigen.... einmal weil es mir selber so ergeht, weniger zeit zum genussvollen Hören zu haben...
zweitens weil im Bekanntenkreis die ehemaligen intensiv Hörer heute sich auch lieber schnell berauschen lassen und ein halbes später vergessen haben was da mal war.....

doch damit weiß ich es mehr zu schätzen, hin u. wieder mich dem kompletten Genuss hin zu geben.... :)
 

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