Voodoo Rhythm Records

Volkeris

Mitglied
Records to Ruin Any Party:

Da ich gerade The Dead Brothers höre, habe ich überlegt, dass es interessant wäre hier mal eine Sammlung und Meinungen zusammenzutragen die Voodoo Rhythm Records betreffen. Catabolic kann da bestimmt auch so einiges beisteuern.

Und da gibt es so einige Sahnestücke.

Ich fange mal mit meinen Favoriten an:

Wie schon erwähnt:

The Dead Brothers
The one and only Death Blues Funeral Trash Orchestra.

Sammeln übrigens gerade über Crowdfunding für ihr nächstes Album. Falls jemand da noch ein paar Euros übrig hat.

https://www.100-days.net/en/projekt/the-dead-brothers/project




 
Zuletzt bearbeitet:

Catabolic

Alter Hase
Kult! Und sowas von verschärft. Den Reverend konnte ich live erleben mit den Monsters und mit den originalen MONKS damals in Zürich am Konzert. Einfach genial!
 

Catabolic

Alter Hase
Records to Ruin Any Party:
Catabolic kann da bestimmt auch so einiges beisteuern.
Bitte sehr:

The Monsters - M.jpg


Beat Zeller, also known as The Reverend Beat-Man, feierte mit seinen wüsten Garagenpunks The Monsters 30 Jahre Bandgeschichte. Das 2016 erschienene Album "M" mit der Originalität im Rock 'n' Roll gleichzusetzen, war so eine Sache. Wie so oft im Leben schadete es auch in diesem Falle nicht, im Zweifelsfall lieber klug zu stehlen als schlecht zu kopieren. Sogar die alte kommunistische Doktrin von Eigentum als Diebstahl wurde vor allem in dieser kapitalistischsten aller Künste umgesetzt. Kunst ist nicht nur im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit und hier schliesslich bei möglicherweise nicht legalem Filesharing angelangt. Als Basis diente hier auch zwecks Publikumsgewinnung die nicht allzu gross zu öffnende Schere zwischen kreativem Alleinstellungsmerkmal und normativer Stilausrichtung. The Monsters kommen aus der eigentlich nicht als Rock'n'Roll-Brennpunkt konzipierten Schweizer Hauptstadt Bern. Ob man dort von den Gehsteigen essen kann, zweiminütiges Zuspätkommen mit fünf Jahren Verbannung ins im Berner Hinterland liegenden Emmental bestraft wird oder die Gehsteige tatsächlich um 20 Uhr hochgeklappt werden, das alles ist nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich existiert dort aber schon seit Jahren eine zumindest kleine Szene lokaler Tunichtgute und das Gute, Wahre und Schöne verweigernder Menschen, die selbst noch im Frührentenalter als Halbstarke durchgehen.

Trash Rock'n'Roller: Primitiver Rock aus der sprichwörtlichen Garage ist von den 60er Jahren herauf eine natürliche Verweigerungshaltung mittelstädtischer 'juvenile delinquents', die in ihrem sturen Beharren auf Antimodernität immer schon in der Provinz ihr natürliches Habitat fanden: 1. Wir wissen zwar nicht, worum es geht, wir sind aber dagegen! 2. Was man singen kann, kann man auch brüllen. 3. Diese Computer werden sich nicht durchsetzen. 4. Und überhaupt! 1986 gründete der solo auch als Reverend Beat-Man auftretende Berner Beat Zeller die Band The Monsters. Mittels primitiven, gewaltbereiten Rock'n'Rolls, Garagen-Punks und trashigen Rockabillys (ungefähre Eigenbeschreibung) sollte gegen die nicht gut genuge Gesamtsituation angekämpft werden. Nicht wenige wollten das gerne hören, aber nur wenige wollten das verkaufen müssen. Deshalb entstand 1992 das hauseigene Label Voodoo Rhythm Records.

Auf Voodoo Rhythm veröffentlichte Zeller seitdem diverse, grundsätzlich immer gleich klingende Aufsässigkeitsalben wie dieses "M". Auf diesem zu hören waren unter anderem gut gebrüllte, ewig juvenile Instantklassiker mit möglicherweise nicht immer selbstkomponierten Hooklines und Riffs. Sie trugen schöne Namen, die oft gar nicht mehr Text als den Songtitel benötigten, man wollte ja nicht geschwätzig sein: "Happy People Make Me Sick", "Too Pretty To Be Loved" oder "Let Me Spend The Night With Your Wife". Alt, aber nicht milde Im Vergleich zu über die Jahre zusammengesammelten Labelkollegen wie dem wahnsinnigen US-Pilotenhelm Mikrofon-Schreihals Bob Log III, den Zeitlupen-Balladeuren The Dead Brothers oder Bands mit lustigen Namen wie The Pussywarmers, The Hormonauts, The Watzloves oder The Sex Organs legten The Monsters Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Auch Friseurbesuche durften unternommen werden. Wenn dann allerdings die mit Fuzzeffekt verzerrten Gitarren beim Anschneiden der Grosshirnrinde Hits wie "Baby You're My Drug" einleiteten, der Reverend das Lob der Wollust und Triebhaftigkeit predigte und gleich zwei Schlagzeuger auf eineinhalb Schlagzeuge eindreschen liess, musste eines schon klar sein: Diese Musik ist alt, aber sie ist nicht milde.

Seit 30 Jahren schlichen sich The Monsters immer wieder aus ihrem modrigen Kellerloch, nachts, um mit einer einzigartig schmutzigen Mischung aus Trash-Pop, Garage und Sex-Soul-Beat die Haupt- und Nebenstrassen der Musikmetropolen heimzusuchen. Den Monsters ging es damals wie heute darum, dem hässlichen, strahlenden Gesicht des Mainstream in selbiges zu schlagen, ein Kampf, der laut, fies und wild geführt werden musste. Und genauso klang ihr Soundtrack zu dieser Dresche: Schrill, heftig, aber auch immer mit voodooeskem Humor, mit Selbstironie, bei allem Angriffsgeist. Fritz Lang, der grosse Expressionisten-Regisseur, dessen Serienmörder-Meisterwerk 'M - eine Stadt sucht einen Mörer' zu diesem Album inspiriert hatte, wäre wahrlich stolz gewesen. Und stolz war der Reverend beim Hauslabel Voodoo Rhythm auch, weil auf einer zweiten CD gleich 15 befreundete Bands aus diesem herrlichen Schmuddel- und Kellerkinder-Umfeld bis nach Neuseeland und den USA einen Sampler mit Coverversionen der Monster-Songs beigesteuert hatten.

./.
 

Catabolic

Alter Hase
./.

The Monsters hatten im Jahre 1989 die LP "Masks" in gerade einmal drei Tagen im Sedel, Schweinesound Studio eingespielt, und die Platte wurde damals auf dem Berner Label Record Junkie Records in einer Auflage von 666 Stück veröffentlicht. Die Auflage war fix ausverkauft und danach nie wieder nachgepresst worden. Von wegen CD oder digital: Damals kannte noch niemand diese Worte, doch irgendwann war die Zeit gekommen, diese ersten Gehversuche der Monsters einer grösseren Öffentlichkeit vor die Füsse zu werfen. Die Songtexte waren immer noch sehr stupid und instrumentalistisch war die Band im Neandertaler-Stadium, und das war, was dieses Machwerk ausmachte. Purer Teenage Trash-A-Billy. Im Probenraum wollte niemand singen und die Instrumente waren zu laut und die PA zu leise, so musste Beat-Man singen. Er hatte die lauteste Stimme. Ihre damalige Liebe für Rockbilly und 60's Garagenpunk wurde so im Primitivsten umgesetzt

1991, exakt in der Zeit, als kommerzieller Techno, Grunge und Heroin Groove Punk die Welt übersäten, veröffentlichten The Monsters aus Bern in der Schweiz ihr zweites Studioalbum "The Hunch", benannt nach einem Hasil Adkins Song. Man hatte den Monsters damals nahegelegt, in ein großsses, properes Tonstudio zu gehen und eine fette Aufnahme zu machen und so hatte man das dann 1990 auch gemacht - und glücklicherweise auch zum letzen Mal in ihrer Karriere. Das Tonstudio war allerdings so enorm teuer für ausgebrannte Punk Rock Teenagers wie es die Monsters damals waren, sodass sie sich nur Aufnahmen für eine Seite der Platte leisten konnten. Die zweite Seite wurde dann bei einem Konzert 1991 im ISC Club in Bern, ihrer Heimatstadt, zusammen mit Sam von The Radiations und Jimmy Ochsenbein aufgenommen. Diese Platte brachte den Monsters damals den kommerziellen Durchbruch und wurde überdurchschnittlich oft verkauft. Es gab Song-Auskopplungen und Lizenzierungen von anderen Labels; so wurde unter anderem der Song "The Creature From The Black Lagoon" auf dem Los Angeles Label Dionysus Records herausgebracht unter dem Musikstil 'Grungeabilly'. The Monsters wurden dann auch sehr aktiv und tourten durch ganz Europa. 1990 und 1991 gab es noch einen Wechsel am Schlagzeug. Und so spielte auf der ersten Seite der LP "The Hunch" noch Peppe mit, auf der Live-Seite dafür schon der neue Schlagzeuger Di Putto

Der Beginn des sogenannten 'Primitive Rock'n'Roll Chainsaw Massacre Trash Garage' folgte dann mit dem Album Nummer drei, betitelt "Youth Against Nature". Aufgenommen wurde dieses Album Ende 1994 zusammen mit Robert Butler (Pantichrist) und Kat Allen (Reithalle Bern) als erste Aufnahme für die Band ohne Kontrabass und geschrumpft in ein Trio (der erste Gitarrist Yves hatte 1992 die Band verlassen). Der Gitarre wurde ein Fuzz Pedal und dem Gitarrenverstärker nun das Level 13 eingebaut. Dies war der musikalische Wendepunkt der Band. Nach den etwas Psychobilly lastigen Veröffentlichungen "The Hunch" und "Masks" war man des relativ cleanen Studiosounds überdrüssig geworden, mietete beim lokalen Musikgeschäft ein Homerecording Studio (Akai-1214) und nahm die Sache selbst in die Hand. Für den Gesang mussten die Mikrophone aus der benachbarten Reithalle dran glauben. Um die Kosten möglichst gering zu halten, wurde das gesamte Material in lediglich zwei Tagen aufgenommen und abgemischt. Die acht Songs umfassende EP "Jungle Noise" wurde 1995 auf dem Deutschen Label Jungle Noise als 10" veröffentlicht und die überschüssigen Songs als Singles über diverse andere Labels vertrieben. Der Song "It's Not My Way" wurde ursprünglich für eine Anti Kriegs-Compilation aufgenommen, dann aber nicht verwendet, da der Song den Verantwortlichen zu trashig war. Seit diesem Zeitpunkt starteten die Monsters durch und begeisterten ihre seither stetig gewonnene Nachfolgerschaft mit unzähligen Konzerten auf zahlreichen Touren in ganz Europa.

Nach 30 Jahren im musikalischen Zerstören gutbürgerlicher Werte waren die Monsters schliesslich im Jahre 2016 nach Toulouse gefahren, um in einen stinkigen, modrigen Übungsraum zusammen mit LoLo Spider von Destination Lonely ihr Album "M" einzuspielen. Das Album startete mit einem Fuzz Trash Garage Punk-Knaller mit dem Titel "Baby You're My Drug" und ging fliessend in die Hardcore Boogie-Nummer "Dig My Hair" über. So ging es im Grunde auch das ganze Album lang weiter, Verschnaufpause nicht inklusiv, eine knappe halbe Stunde pures Vollgas. Als Alternative zu dem Geschwätz und dem allwissenden Nichtwissen der Menschheit im Heute, hatte sich die Band entschlossen, gemeinsam dagegen anzutreten und alle Songtexte auf ein paar Worte zu beschränken, um sich irgendeinem sinnfreien Geschnatter zu verweigern. So war es dann gekommen, dass weit weg von jeglicher Poesie, sich nicht einmal die Wörter reimen durften - So what the ****. Der Song "Voodoo Rhythm" war erstens ein Tribut an ihr Platten Label Voodoo Rhythm Records, anderseits für Muddy Roots Music (Tennessee), wo die Monsters an etlichen Festivals gespielt hatten. Dass Reverend Beat-man und seine Monsters bis heute ohne jede vermeintliche Stilfähigkeit herumbolzen, spricht letztlich für sich. Ehrlichere Musik findet man bis heute absolut nirendwo, ausser in diesem musikalischen Bereich. It's only Rock'n'Roll and know what ? I fucking like it!
 

Catabolic

Alter Hase
The Dead Brothers - Wunderkammer.jpg

THE DEAD BROTHERS - Wunderkammer
(Voodoo Rhythm Records VR1231, 2006)

Das vierte Album der Dead Brothers (den Soundtrack zum Tatowierer-Film 'Flammend Herz' eingeschlossen) geriet wahrlich zu ihrem besten und ausgereiftesten Album bis dato. Das Label Voodoo Rhythm Records brachte es auf den Punkt und nannte "Wunderkammer" schlicht 'The White Album of the Dead Brothers'. Die Schweizer Band mit Mitgliedern aus Genf, Bern und Zürich und verwandschaftlichen Wurzeln in Nordafrika und Australien, verband in ihrer "Wunderkammer" auf unnachahmliche Weise eine Rock'n'Roll-Herkunft mit Zigeunermusik, Country, Swing und von verschiedenen Blasinstrumenten geprägte Trauermarsch-Musik, welche einer Begräbniskapelle aus vergangenen Jahrhunderten gut gestanden hätte. Neben Songs, die perfekt ins bekannte Dead Brothers-Repertoire passten, gab es zusätzlich einen griechischen Swing, eine wunderschöne Coverversion des durch Marlene Dietrich bekannt gewordenen Friedrich Holländer-Stücks "Wenn ich mir was wünschen dürfte", sowie zwei vom Neueinsteiger Delaney Davidson komponierte Songs, die genausogut der Feder von Leonard Cohen hätten entstammen könnten.

Die Wurzeln der Dead Brothers ziehen sich sehr weit zurück durch die Musikgeschichte. Seit 20 Jahren graben sie an ihren Gräbern. Punk Rock, Country und Blues sind nur ein Teil ihrer komplexen DNA, die ähnlich veranlagt ist wie die, ihrer nahen Verwandten Cab Calloway, Kurt Weill’s Drei Groschen Oper oder den Grössen der Europäischen Folklore-Instrumentalisten. Einige Bandmitglieder beleben seit Ewigkeiten die Schweizer Folk Szene (Landstrichmusig, Patent Ochsner, Echo, d’Giigemaa), andere wiederum stecken tief in der Theater-, Comedy und Film Szene (Stadt Theater Hannover, les Trois Suisses, 9 Volt Nelly) - Einige sind Orchesterleiter oder Italienische Sänger. Und bevor die Dead Brothers überhaupt zusammenfanden, spielte Dead Alain 17 Jahre bei der Genfer Punk'n'Roll-Band Les Maniacs. Alle finden für ihre Sehnsüchte ein Zuhause in der Musik der Dead Brothers. 1998 öffneten sie Pandoras Box in der Blues und Psycho Swing mit ihrer akustischen Wut verschmolzen. Heute ist ihr Sound überall zu finden: Ob in Werbung für Autos, in Fernsehserien oder Filmen und natürlich bei ihren Konzertenreisen, die inzwischen durch mehr als 20 Länder führten. Gründe genug für die toten Brüder und Schwestern, immer noch an die verlorene Welt zu glauben, von der sie träumen.

In der Ferne schlurft, untermalt von Grillenzirpen, ein karger Rhythmus und nähert sich, als eine traurige Hawaiigitarre einsetzt. "Trust in me and close your eyes". Verführend langsam und unnachgiebig entführt die verzerrte Stimme sein Opfer tief in eine absonderliche Zwischenwelt, wo das süsse Gift einlullt, die Trompete aufbellt, die Orgel zwirbelt und eine verlorene Seele sich widerstandslos hingibt. "Slowly and surely your senses will cease to resist". Die Interpretation von "Trust In Me", wie überhaupt das musikalische Drehbuch der Dead Brothers, kennt anders als das Dschungelbuch, aus dem dieses Lied der Schlange im Original stammt, keine Rettung. Leidenschaftliche Hingabe, lieben, schwelgen, weinen, tanzen, trinken und lachen im Angesicht des Sensemanns stehen beim Hörer und Besucher dieser schillernden Welt auf dem Programm. Als Begräbnisorchester starteten die Dead Brothers 1998 mit Heimbasis Genf ihre Reise ins Jenseits im Rahmen der Rock'n'Roll Parade "Electric Circus". Sie vertilgten unterwegs Hank Williams in einer Rumpelkammer, liehen im Pfandladen ihr Instrumentarium, krachten mit rohem Punk, Delta Blues und europäischen Volksmusiken zusammen, enterten mit Gleichgesinnten das Juraschiff an der Expo und drangen bis in die so genannte Hochkultur als Theaterband vor (unter anderem Bertold Brechts Dreigroschenoper in Basel).

./.
 

Catabolic

Alter Hase
./.

Nach den Alben "Dead Music For Dead People", "Day Of The Dead" und dem instrumentalen Soundtrack zum Dokumentarfilm "Flammend Herz" öffnete das fabulöse Quartett zum vierten Mal den Sarg. Ein Sarg freilich, der sich als unaufgeräumte, kuriose, tiefe und arg verwinkelte Wunderkammer herausstellte. "Wunderkammer" war denn auch der fast schon programmatische Titel des dritten regulären Albums der interkontinentalen Dead Brothers. In jeder Ecke und jedem Winkel lauerten neue Falltüren, die tiefer ins Labyrinth einer funkelnden Unterwelt führten. Einer Unterwelt, die so gar nichts Morbides an sich hatte, eher wie ein abenteuerlicher Spielplatz streunender Melancholiker wirkte und allenfalls mit den Phantasien in Tim Burtons wunderbarem Film 'Corpse Bride' vergleichbar wäre. "Wunderkammer" war das bis dato reichste Album der Dead Brothers. Im Kollektiv schrieben Alain Croubalian, Pierre Omer, Delaney Davidson und Christoph Gantert die Songs des Werks, projizierten eigene Visionen in fremdes Liedgut und schufen vielschichtige Arrangements für ihre von verschiedensten Stilen durchzogene, weltumspannende Musik. Wurde "Dead Music For Dead People" der Legende nach mit nur einem einzigen Mikrophon aufgenommen, loten die Vier nun im freien Spiel mit den Möglichkeiten des Studios neue, tiefe Dimensionen ihrer Musik aus.

Ohne die Rohheit der ersten Alben aufzugeben, pflegten sie in ihrer "Wunderkammer" die Liebe zum musikalischen Detail: Windsägen heulten im Hintergrund, exotische Stimmen tauchten auf, Spelunken-Klaviere malten verschwommene Stimmungsbilder und ergänzten das knorrige Stamm-Instrumentarium der Band (Banjo, Akkordeon, Gitarre, Blasinstrumente, Perkussion) aufs vorzüglichste. Traumwandlerisch eingesetzte Studio-Kniffe und Zitate wirkten nie verschwenderisch, nie beliebig, der multi-instrumentale Charakter der einzelnen Musiker wie auch die Band als Kollektiv gewannen deutlich an Tiefenschärfe. Und so labte sich der Hörer am kaputten, knochentrockenen Punk von "My Baby's White", trank im Bistro zu chaotischem Zigeunerjazz à la Django Reinhardt, stand im grossartigen "Just A Hole" lebensmüde an seinem eigenen Grab und landete in "The Story Of Woody And Bush" in einem staubigen Western Saloon, der sich in eine psychedelische Halluzination auflöste. Kurz: Die rauhen und doch zerbrechlichen, melancholischen und doch lachenden, widerspenstigen und doch einladenden Dead Brothers schlugen dem zagen Alltag einmal mehr ein Schnippchen.

Im Januar 2006 wurde überdies der Film 'He Who's Not Busy Being Born Is Busy Dying' lanciert. Der Regisseur M.A. Littler, der bereits für das Portrait über die musikalische Heimat der Band, dem heimischen Voodoo-Rhythm Label, verantwortlich zeichnete, begab sich dabei mit den Dead Brothers auf die Suche nach dem verbindenden Kern des Universums. Eine ewige Suche, die die vier beseelten, rastlosen Musiker mit ihrem Drang zur Kreation vorläufig in die traumhafte, surreale Wunderkammer führte. Zwischen Gorgol Bordello und Tom Waits fanden die Dead Brothers letztlich ihren Stuhl. In minimalistischem Sound machten sie bombastische Hörerfahrungen möglich. Ihr Album "Dead Music For Dead People" war diesbezüglich schon ein Überraschungserfolg, der auch in Punk Kreise eindringen konnte. Beerdigungsmusik gehört in unserem Alter ja mittlerweile zum Leben, und das ist ja jetzt nicht unbedingt die Art von Musik, die auf Teufel komm raus auf der Suche nach unbeackerten musikalischen Weiden nervt, sondern das sind Musiker, die ganz relaxt das tun, woran sie Freude haben. Damit werden sie Generationen von schlechten Plagiaten zum Vorbild dienen, aber die Dead Brothers sind das Original.

File under: Garage, Jazz, Country, Gypsy Punk & Rock'n'Roll. Verwirrt ? Das ist gut so.


 

Volkeris

Mitglied
Wahnsinn Mäse. Die Vortrefflichkeit deiner Beschreibungen fasziniert und begeistert mich immer wieder aufs Neue. Ein wahrer Genuss ist es das zu lesen. Vor allem, wenn man die Band kennt, ist es als ob die Musik beim Lesen deutlich zu hören ist.
 

Catabolic

Alter Hase

Mal wieder den Reverend ausgepackt. Das Schweizer Original. Beat Zeller, Trash Gott, Voodoo Rhythm Plattenlabel-Besitzer, Bärner Pönk. Ein absolutes Qualitäts-Unikat in dieser ganzen modernen Rock'n'Roll ********.

Brandneu auf Voodoo Rhythm Records erschienen: Die neue Single der Berliner Strassenköterin Trinity Sarratt, die in San Francisco aufwuchs und der Liebe wegen in Berlin strandete. Dreht sich grad öfters mal bei mir im Moment.


Single.jpg

Starke B-Seite mit einer coolen Version von Gershwin's "Summertime". Passt.

 

Catabolic

Alter Hase
Der Meister seines Fachs himself mit einem Song aus seinem Album "Surreal Folk Blues Gospel Trash, Vol.1", das selbstverständlich bei mir im Regal steht und endlich mal wieder eine CD-Schublade von innen sehen darf. Go Beat Go!

 

Catabolic

Alter Hase
Der Reverend live in den Lauben zu Bern in seinem Keller-Plattenladen. Wie oft war ich da drin und hab mein Portemonnaie geplündert, um an geilen Rock'n'Roll ranzukommen. Schöne Erinnerungen.


Home of Voodoo Rhythm Records. Wie es sich für ein echtes Independent Label gehört, natürlich in einem echten Gruftkeller unter den Lauben der Altstadt von Bern. Vor gut 6 Jahren war ich zum letztenmal dort.... :confused:

1.jpg

2.jpg

3.jpg
 

Das aktuelle Magazin

Neueste Beiträge

Oben