Talk Talk

Jester1969

Mitglied
Da ich die letzten Tage wieder viel Talk Talk gehört habe, war ich nun drauf und dran irgendwo was reinzuposten. Das würde dem großartigen Mark Hollis nicht gerecht werden. Auch wenn der Thread in der Versenkung verschwinden sollte - hier ist er.
RIP Mark (25.02.2019).


Die Londoner Band wurde 1981 gegründet. Der kommerziellen Höhepunkt wurde Mitte der 1980er Jahre erreicht. Die Gruppe produzierte Popmusik, die von ernsthafteren Themen handelten als diejenige vieler zeitgenössischer Synthie-Pop-Bands, womit sie Kultstatus erlangte. Das aus dem Jahr 1984 stammende Lied Such a Shame war durch den Roman Der Würfler von Luke Rhinehart beeinflusst.

Der Keyboarder Simon Brenner schied nach dem ersten Album The Party’s Over, das im Juli 1982 erschien und einen ersten Erfolg für die Band insbesondere im englischsprachigen Raum darstellte, aus. Auf den folgenden Produktionen übernahm Tim Friese-Greene die Produktion und das Spielen der Tasteninstrumente und komponierte zusammen mit dem Sänger Mark Hollis, wurde allerdings nie festes Mitglied der Band und spielte auch nicht bei Konzerten der Band mit, die für Live-Auftritte auf Session-Musiker zurückgriff. Die beiden Alben It’s My Life (1984) und The Colour of Spring (1986) waren große kommerzielle Erfolge, und so bekam die Band zunächst freie Hand für künftige Produktionen. 1986 spielten Talk Talk beim Montreux Jazz Festival; der Auftritt wurde für das Fernsehen aufgezeichnet und genießt mittlerweile Kultstatus. 1988 entstand das künstlerisch avantgardistische Werk Spirit of Eden, bei dem u. a. Jazz-Größen, wie Henry Lowther, der Violinenvirtuose Nigel Kennedy und der Instrument-Erfinder Hugh Davies, mitwirkten. Dieses anspruchsvolle Projekt begeisterte Kritiker und viele Musiker, konnte aber kommerziell bei weitem nicht an die früheren Erfolge anknüpfen, so dass die Plattenfirma die Band fallen ließ. Daher erschien das letzte Album Laughing Stock 1991 auf dem Jazz-Label Verve. Später wurde dieser neue Stil als Post-Rock bezeichnet. EMI gab 1991 ein Remix-Album History Revisited heraus, das zu Rechtsstreitigkeiten mit der Band führte, weil dies gegen den Willen der Musiker geschah. Schließlich löste Mark Hollis die Band auf.

Mark Hollis brachte 1998 als Solo-Künstler ein gleichnamiges Album heraus, zog sich aber danach aus der Musikszene zurück. Ein letztes extrem minimalistisches Stück wurde von ihm unter dem Pseudonym John Cope – benannt nach einem gleichnamigen Song von Talk Talk – auf dem Album AV1 von Dave Allinson und Phil Brown veröffentlicht.

Studioalben:
1982 The Party’s Over
1984 It’s My Life
1986 The Colour of Spring
1988 Spirit of Eden
1991 Laughing Stock
(1998 Mark Hollis)
1999 London 1986

Quelle:

Reviews:
 

Jester1969

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Ein paar paar Einstiegsworte in Kürze:
Vermutlich wie die meisten, wurde ich erst mit It´s my Life (01/1984) auf Talk Talk aufmerksam. Das komplette Album fand ich damals schon erstklassig. Gerade die unkommerziellen Songs (Tomorrow Started, Renee) liefen sicherlich ebenso häufig.
Auch an dem Debut fand ich Gefallen. Zwar deutlich Synthi-Pop lastiger, aber Have you heard the News kann da schon als Abgrenzung genannt werden.
Mit The Colour of Spring schufen sie da das erste Inselalbum. April 5th findet ihr in meinen Top25 Kompositionen, weil von Talk Talk einer drin sein musste.
Nicht nur mich haben sie dann mit The Spirit of Eden geschockt. Der Umstieg war brutal, aber mittlerweile nachvollziehbar. Heute gehört das Album ebenfalls zu meinen Lieblingsalben überhaupt. Der Abschluss folgte dann mit Laughing Stock, fabelhaft und konsequent. Ich mag beide Phasen: Sowohl die Anfänge und auch das ruhige nachdenkliche Ende.
Interessant ist auch das selbstbetitelte Solowerk von Mark Hollis (1998) das nach Laughing Stock erschien.
Einer der Künstler der jüngeren Geschichte, die einfach zu wenig Zeit und Raum hatten uns alles “zu sagen”.

April 5th
 
Zuletzt bearbeitet:

nobby62

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Talk Talk liebe ich, bis auf die Bootlegs steht hier auch alles.
1984 durfte ich sie mal live in der Dortmunder Westfalenhalle erleben.
Das ZDF, 3Sat oder auch Arte könnten mal diese alten Konzerte wiederholen, da käme mal wieder etwas Kultur ins Programm :) Ist Musik für die Ewigkeit, wie Mark Hollis selbst sagte.


Hier das Konzert aus Dortmund:
 

Perfectionist

Aktives Mitglied
Schöner Thread! Ich habe mir gestern zufällig das hier reingezogen - live mit Mark Feltham, der ja in Montreux leider fehlte:


... konnte aber kommerziell bei weitem nicht an die früheren Erfolge anknüpfen, so dass die Plattenfirma die Band fallen ließ. Daher erschien das letzte Album Laughing Stock 1991 auf dem Jazz-Label Verve. Später wurde dieser neue Stil als Post-Rock bezeichnet. EMI gab 1991 ein Remix-Album History Revisited heraus, das zu Rechtsstreitigkeiten mit der Band führte, weil dies gegen den Willen der Musiker geschah. Schließlich löste Mark Hollis die Band auf.
Das ist so nicht ganz korrekt. EMI wollte Talk Talk eigentlich behalten, aber es gab Knatsch - zunächst war das Label entsetzt, dass "Spirit of Eden" so unkommerziell geraten war und wollte, dass die Band "nachbessert". Diesen Vorwurf hat man dann später zurückgezogen, aber Manager Keith Aspden wusste, dass es schwer werden würde, noch ein weiteres Werk mit demselben Budget und derselben künstlerischen Freiheit durchzukriegen, weshalb er die Band aus dem Vertrag herausnehmen wollte.
EMI wiederum war der Meinung, dass Talk Talk rechtzeitig über die Vertragsverlängerung informiert worden waren. Am Ende bekam die Band Recht und konnte zu Verve bzw. Polydor abwandern.

Interessant ist auch das selbstbetitelte Solowerk von Mark Hollis (1988) das noch vor Laughing Stock erschien.
Im ersten Post war das noch korrekt :cool: Marks Soloalbum ist von 1998 und sein letztes LP-Statement. Es war wohl auch ursprünglich als Talk-Talk-Album "Mountains of the Moon" geplant, obwohl weder Tim Friese-Greene noch Drummer Lee Harris beteiligt waren. Trotzdem ist es musikalisch eine nahtlose Fortsetzung von "Spirit of Eden" und "Laughing Stock".
 

Jester1969

Mitglied
Schöner Thread! Ich habe mir gestern zufällig das hier reingezogen - live mit Mark Feltham, der ja in Montreux leider fehlte:


Das ist so nicht ganz korrekt. EMI wollte Talk Talk eigentlich behalten, aber es gab Knatsch - zunächst war das Label entsetzt, dass "Spirit of Eden" so unkommerziell geraten war und wollte, dass die Band "nachbessert". Diesen Vorwurf hat man dann später zurückgezogen, aber Manager Keith Aspden wusste, dass es schwer werden würde, noch ein weiteres Werk mit demselben Budget und derselben künstlerischen Freiheit durchzukriegen, weshalb er die Band aus dem Vertrag herausnehmen wollte.
EMI wiederum war der Meinung, dass Talk Talk rechtzeitig über die Vertragsverlängerung informiert worden waren. Am Ende bekam die Band Recht und konnte zu Verve bzw. Polydor abwandern.
war Zitat wiki. Schön wenn man darüber hinaus dann weitere Einzelheiten erfährt.
 

Jester1969

Mitglied
Im ersten Post war das noch korrekt :cool: Marks Soloalbum ist von 1998 und sein letztes LP-Statement. Es war wohl auch ursprünglich als Talk-Talk-Album "Mountains of the Moon" geplant, obwohl weder Tim Friese-Greene noch Drummer Lee Harris beteiligt waren. Trotzdem ist es musikalisch eine nahtlose Fortsetzung von "Spirit of Eden" und "Laughing Stock".
ist natürlich ein Schreibfehler. Gleich ausgebessert. Thx.
 

Jester1969

Mitglied
Habe gerade zum wiederholten Male etliche Nachrufe gelesen. Einen möchte ich hier zitieren ...

Mark Hollis (Talk Talk) ist tot: ein Fadeout in fünf Akten
Wird es jemals wieder eine Band wie Talk Talk geben? Eine Gruppe, die als Konsens-Kapelle begann und als kommerziell erfolglose KritikerInnen-Darlings endete? Die in nur zehn Jahren von Duran-Duran-Copycats zu Sound-Architekten mutierte, die Claude Debussy und Miles Davis miteinander verwob? Die erst den Bombast-Synth-Pop perfektionierte, um im Anschluss den Post-Rock zu erfinden? Es ist schwer vorstellbar.
...

Eden
 

Perfectionist

Aktives Mitglied
war Zitat wiki. Schön wenn man darüber hinaus dann weitere Einzelheiten erfährt.
Meine Info kommt auch von Wikipedia :) Der englische Artikel über "Spirit of Eden" ist da recht detailliert.

Was Nachrufe angeht, so erinnere ich mich v.a. an die vielen Laudationes von Musikerkollegen. Peter Gabriels Statement ist mir da besonders im Gedächtnis geblieben.
 

Catabolic

Alter Hase
Bei mir fing es mit dem Single-Hit "Life's What You Make It" an, den ich anfangs genausowenig mochte wie die paar (Disco-)Singles davor. Dann hörte ich den Nachfolger zur Single: "Living In Another World", da war's um mich geschehen. Heute habe ich einiges von Talk Talk, die grandiose DVD von Montreux ist einfach überwältigend schön. Und dann dieser Track hier - das ist einfach wunderbare Musik:

 

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