"Progressive House", "Progressive Trance" - was ist das?

WeepingElf

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Ich weiß nicht, ob es hier Leute gibt, die sich mit elektronischer Dance Music auskennen, aber wenn es sie gibt, dann habe ich folgende Frage an sie:

Weiß jemand, was das Wörtchen "Progressive" (oder "Prog", oder auch "Proggy") in Stilbezeichnungen wie "Progressive House" oder "Progressive Trance" genau bedeutet? Welche Merkmale muss etwa ein House-Track haben, um "progressive" zus ein? Besteht irgendein Zusammenhang mit "Progressive Rock", oder hat das damit gar nichts zu tun? Die Wikipedia sagt was von einem "dramturgiearmen Schichten-Aufbau der Tracks", aber da kann ich mir auch nicht allzu viel drunter vorstellen, was freilich auch daran liegt, dass ich mich in diesem Metier nicht auskenne.
 

Music is Live

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Ganz ehrlich keine Ahnung.... :confused:

ich kannte mal ein Techno-DJ (habe seine "Künstlername nicht mehr im Sinn) und hatte öfter ihn bei seiner "Arbeit" zuhören dürfen/müssen..... da er über mein Musikgeschmack wusste wollte er mir immer klar machen, dass er eine progressive Form des Technos macht.... nur ich hörte nie seine erläuterten Unterschiede zum normalen Techno..... es nervte genauso dolle..... ich konnte mich eben nie begeistern für diese Szene..... scheiß Musik, scheiß Beats, scheiß Drugs.... aber nett anzusehende Frauen und Männer (für die Frauen hier :p) .... doch alles verplant/verblendet/nicht anwesend....

doch zum DJ kann ich nur feststellen..... wer am Wochenende 400,00 DM mit seiner Musik gemacht hat, hat was richtig gemacht..... :cool: (normal gearbeitet hat er ja auch noch, war also Taschengeld)
so war damals die Szene.... schnell in jeglicher Form, selbst im Geldverdienen für "Nobodys" ....

aufgrund der extrem schnellen, weißen Lebensart des Bekannten, zählt er zu den - eben irgendwann mal gekannten, nicht mehr interessanten Menschen.....
 

WeepingElf

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Mir geht es da nicht anders! Nun kenne ich keinen professionellen DJ, habe aber einen Cousin, der auf elektronische Musik abfährt und sich ab und zu auch hobbymäßig als DJ betätigt, dem habe ich die Frage gemailt, er hat aber noch nicht geantwortet.

Es gibt da wohl eine ganze Menge feine Unterschiede zwischen Stilen, die sich für jemanden wie mich alle gleich anhören - Gabber Gabber Bumm Chak. Ishkur's Guide unterscheidet um die 100 Stilrichtungen, es sollen aber noch viel mehr sein, anscheinend geht es da schon um Nachkommastellen der BPM-Zahl, hat man den Eindruck ;) Irgendsowas Esoterisches mag das auch mit dem "Progressive" sein.

Auch die Metaller haben, nebenbei bemerkt, eine ziemlich ausgiebige Stil-Taxonomie, die sich dem Uneingeweihten nicht so ohne weiteres erschließt. Ich zum Beispiel höre kaum einen Unterschied zwischen Black Metal und Death Metal. Aber bei den verschiedenen Prog-Stilen mag es Leuten, die nichts mit Prog am Hut haben, ähnlich sein! Das sind einfach "verschiedene Welten", die sich dem "Außenstehenden" nicht erschließen.
 

micha108

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House oder Trance waren/sind Spielarten, die dann von einigen DJ weiter entwickelt wurden, was dann das Adjektiv progressiv nach sich zog. Durchaus bekannte DJ waren Sasha und Jon Digweed ... Im Grunde gibt es in diesem (weiten) Bereich jede Menge Spielarten :rolleyes:.

Was das Schichten angeht, ist es auch bei anderen Spielarten Merkmal. Wo man das Schichten gut hören kann, ist bei einem meiner Favoriten gut zu hören, also ich meine Underworld ... hier mal ein Beispiel, wo das Schichten eigentlich ganz gut nachvollziehbar ist, auch wenn es nicht zum Bereich des progressive House/Trance ist, obwohl hier stilistisch viele Merkmale vorhanden sind :


oder mehr spacig


Im Prinzip werden beim Schichten Sounds - durchaus auch in Schleifen - auf und übereinander helegt, die so einen musikalischen Effekt erzeugen. Durchaus sind Parallelen zu dem zu erkennen, was man unter Minimal-Musik kennt (Philip Glass, Steve Reich)

So ist es auch nicht überraschend, dass sich DJ deren Musik durchaus remixen, ohne dass das eigentlich verloren geht, gutes Beispiel: Reich remixed ...
 
Zuletzt bearbeitet:

Jan

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oh, ein ziemlich artfremdes Genre für mich. Ich hörte in den 90gern ziemlich gerne Bands á la Frontline Assembly, Skinny Puppy usw. Diese Combos liefen unter dem Begriff Electronic Body Music und waren wohl mit die Vorläufer der Techno Bewegung. Allerdings ziemlich rauh und hart... Könnte schon sein, dass da jede Menge Progressivität dahinter steckte; allen voran bei Frontline Assembly; nicht zuletzt manchmal unterstützt von Mr. Devin Townsend, der die Gitarren beisteuerte. Kanadische Synergien möglicherweise. Kann aber auch gut als Vorreiter des Indutrial Rock/Metal/Dance gelten.

Tja, hier mal paar Soundschnippsel:


Devin Townsend an der Gitarre:

 

micha108

Aktives Mitglied
oh, ein ziemlich artfremdes Genre für mich. Ich hörte in den 90gern ziemlich gerne Bands á la Frontline Assembly, Skinny Puppy usw. Diese Combos liefen unter dem Begriff Electronic Body Music und waren wohl mit die Vorläufer der Techno Bewegung. Allerdings ziemlich rauh und hart... Könnte schon sein, dass da jede Menge Progressivität dahinter steckte; allen voran bei Frontline Assembly; nicht zuletzt manchmal unterstützt von Mr. Devin Townsend, der die Gitarren beisteuerte. Kanadische Synergien möglicherweise. Kann aber auch gut als Vorreiter des Indutrial Rock/Metal/Dance gelten.

Tja, hier mal paar Soundschnippsel:


Devin Townsend an der Gitarre:

Nicht zu vergessen Front 242, die haben seinerzeit den Begriff Electronic Body Music (EBM) kreiert. Und EBM wird tatsächlich als Vorstufe zu Techno genannt, wobei zu Beginn Techno alle Spielarten meinte: so war Marusha und Blümchen genauso Techno wie Aphex Twin, Autechre oder die späteren Cabaret Voltaire. Den Spielarten entsprechend gab es Label, so hat man eher nach Label gekauft statt nach Gruppen/Musiker. Zumal die Musiker oder DJ unter verschiedenen Namen veröffentlichten. Aphex Twin war auch Polygon Window war auch The Dice Man, Richard H.Kirk war auch Sandoz war auch Electronic Eye war auch Sweet Excorcist war auch Blacworld ....:rolleyes:

Die technischen Möglichkeiten waren mehr und bot Neues. Als Freund elektronischer Musik (u.a. Tangerine Dream, Klaus Schulze) war das eine aufregende Zeit. Auch weil elektronische Musik in den 80ern süsse Esomatschepatsche war (auch KS und TD).

(Mitte bis Ende der 90er gab es dann verstärkt auch ein "Berliner-Schule"- Revival, Gruppen wie Redshift oder Radio Massacre International. Vor allem Redshift ist jedem zu empfehlen, der TD der Fröse, Franke, Baumann - Zeit mag ....)

und wenn es so etwas wie "elektronischen Prog" geben würde, dann sind das für mich Alben wie:

Future Sound of London - Lifeforms, ISDN
Richard H. Kirk - Virtual State
Banco de Gaya - Last Train to Lhasa
Aphex Twin - Selected Ambient Works
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Bei meinen Recherchen bin ich noch nicht so richtig weitergekommen, aber es scheint so zu sein, dass das, was in der deutschen Wikipedia steht von wegen "Schichtenaufbau" (es werden nach und nach mehr Sounds hinzugepackt) ziemlicher Plumpaquatsch ist. Jedenfalls steht in der englischen Wikipedia was ganz anderes, da ist von Eurodance-Einflüssen die Rede.

Das erste Mal bin ich auf den Begriff "Progressive House" in irgendeiner Musiksendung im Fernsehen (könnte auf MDR gewesen sein) in den frühen 90ern gestoßen, und zwar in Zusammenhang mit diesem Track. Da ist von "Schichtenaufbau" nichts zu erkennen, schon eher vielleicht was von Eurodance-Einflüssen. Die Beispiele auf dem Ishkur-Guide lassen so was auch nicht erkennen, die sind aber andererseits zu kurz, um zu sagen, ob sich da im Laufe der Minuten in der Richtung was tut. Jedenfalls heißt es dort, "This 'progressive' nonsense has to stop". Mein Cousin meinte mal, "Progressive House ist absoluter Schrott".

Sicher scheint nur zu sein, dass das nichts mit Progressive Rock zu tun hat!
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Das Auseinandergehen der deutschen und der englischen Wikipedia hat vielleicht ganz einfach damit zu tun, dass die Bezeichnung "Progressive" in Bezug auf EDM in den beiden Sprachen eben Unterschiedliches bedeutet. Das scheint, nach den Diskussionsseiten zu urteilen, nicht einfach ein Problem zu sein, das darin besteht, dass ein einzelner User da Unsinn in die deutsche Wikipedia geschrieben hätte (so was kommt bekanntlich vor, hat aber meistens eine kurze Lebensdauer, weil es genug Leute gibt, die das bemerken und korrigieren). Im deutschen Sprachraum versteht man unter "Progressive" eben einen fortschreitenden Schichtenaufbau, während es im Englischen Eurodance-Einflüsse bezeichnet. Aber weder das eine noch das andere hat natürlich irgendwas mit Prog zu tun!

Solche Unterschiede gibt es ja durchaus auch anderswo, selbst innerhalb des Englischen (in den USA ist "Power Metal" was anderes als in Europa). Und Scheinanglizismen sind im Deutschen bekanntlich gar nicht so selten. So mancher deutsche Tourist mag sich schon in einem englischen Lederwarengeschäft in eine peinliche Situation gebracht haben, in dem er nach einem "Bodybag" fragte - das Wort gibt es zwar im Englischen, bedeutet aber "Leichensack"!
 

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