NWOBHM (New Wave Of British Heavy Metal)

Gast 5

Aktives Mitglied
Sehr geil finde ich persönlich auch Radium, die 1980 in Nottingham gegründet wurden und deren recht düsterer Heavy Metal ziemlich roh, dreckig und punkig rüberkommt. Somit zählen Radium folgerichtig zu den derberen, grobschlächtigeren NWOBHM-Acts, konnten allerdings auch getragene und ruhigere Songs.

1981 veröffentlichte die Band eine scheißheiße EP mit dem Titel "Through the smoke", die heute natürlich auch zu den gesuchten NWOBHM-Raritäten gehört.

Viel mehr ist dann auch nicht passiert, allerdings erschien 2014 völlig überraschend eine Compilation mit dem Titel "Through the smoke / Into the grave....alive ´81", die sowohl das Material der besagten einzigen 7" als auch Livematerial enthält, welches - dem Titel entsprechend - 1981 mitgeschnitten wurde.

Selbstredend handelt es sich aber auch dabei um eine Rarität, denn dieses Teil wurde ausschließlich als Doppel-Vinyl in einer Auflage von 500 Stück feilgeboten...wer sich jetzt also schon hoffnungsvoll die Hände rieb in der Erwartung, das Ding bei High Roller bestellen zu können, muß jetzt eine Enttäuschung verkraften. :D

Daher nun auch mein Aufruf an High Roller: Nehmt Euch Radium an und zwar schnell! :)


RADUM kannte ich jetzt auch nicht - aber das finde ich gerade richtig sehr geil!
 
Oxym gehören zu den ganz heißen Eisen im Feuer der NWOBHM. Leider hat die talentierte Truppe aus Rochedale
nur eine einzige Single ("Music Power", 1980, Cargo Records) zustande gebracht, die allerdings zu den erfreulichsten NWOBHM-Releases überhaupt zählt.

Wer Rush mag und ansonsten mit den eher filigraneren (progressiver orientierten) NWOBHM-Acts wie Chasar, Trespass oder Shiva etwas anfangen kann, wird mit Oxym bestens bedient und sollte sich auf jeden Fall nach der Single umsehen.

Bei den intelligent strukturierten Heavy-Songs von Oxym lohnt es sich jederzeit, beide Ohren zu riskieren. :)

Der Song "Hot Rain" wurde ebenfalls 1980 noch dem legendären "New Electric Warrior"-Sampler beigesteuert, danach hörte man bedauerlicherweise nie wieder was von dieser großartigen Band.


 

Gast 5

Aktives Mitglied
Oxym gehören zu den ganz heißen Eisen im Feuer der NWOBHM. Leider hat die talentierte Truppe aus Rochedale
nur eine einzige Single ("Music Power", 1980, Cargo Records) zustande gebracht, die allerdings zu den erfreulichsten NWOBHM-Releases überhaupt zählt.

Wer Rush mag und ansonsten mit den eher filigraneren (progressiver orientierten) NWOBHM-Acts wie Chasar, Trespass oder Shiva etwas anfangen kann, wird mit Oxym bestens bedient und sollte sich auf jeden Fall nach der Single umsehen.

Bei den intelligent strukturierten Heavy-Songs von Oxym lohnt es sich jederzeit, beide Ohren zu riskieren. :)

Der Song "Hot Rain" wurde ebenfalls 1980 noch dem legendären "New Electric Warrior"-Sampler beigesteuert, danach hörte man bedauerlicherweise nie wieder was von dieser großartigen Band.


Auch noch nie davon gehört. Klingt stark!
 

Gast 2

Guest
Wer zur Hölle ist Steffen?

Betrügst Du mich etwa?
Betrügen ... ähhm, nöööö, ... wie geht das denn überhaupt ?!!? :rolleyes:

Steffen is(s)t gerne Schwarzbrot mit Schwarzwurst - und kennt Sara10 nicht. Kannste Dir so ebbes vorstellen ? Der hat noch nie davon gehört ... das ist doch eigentlich unerhört !

Und bei den vielen merkwürdischen Namen hier im Forum, wo jeder jeden zitiert und antizipiert, da komme ich in meinem jugendlichen Alter schon mal durcheinander. Daher
erbitte ich weihnachtliche Gnade ob der Tatsache (hmm, ist es denn tatsächlich eine solche ?!), dass ich, Dich zitierend aber nicht betrügerisch fremdgehend, im Fred geantwortet
habe. Alles chlor ?!
Rein vorsorglich: Fred ist nicht ein weiterer möglicher, zur Betrügerei im Sinne von Betrügen heranzuziehender Kandidat. Kannste ganz entspannt Dich zurücklehnen ... :cool:
 
Sooooo......nach einer kleinen Auszeit möchte ich diesen Fred jetzt wieder mit weiterem Leben füllen. :)


Als nächstes komme ich auf die Band Axe bzw. Fist zu sprechen, einem weiteren Schmuckstück aus den Tiefen der an funkelnden Rohdiamanten nicht gerade armen NWOBHM.

Die Historie der Band läßt sich bis in die Mitte der 70er Jahre zurückverfolgen. Damals spielten die späteren Gründungsmitglieder in verschiedenen lokalen Rock-und Pubbands. Aus diesen Wurzeln entstand 1978 zunächst die Band Axe.

Das Quartett absolvierte diverse Auftritte, fiel jedoch schon nach etwa einem Dreivierteljahr wieder auseinander.
Erst Ende 1979 konnte man sich zu einem Neustart durchringen, allerdings mit einem anderen Bassisten und unter dem neuen Namen Fist. Letzteres u.a. auch deshalb, weil es in Amerika bereits eine Band mit dem Namen Axe gab.

Nach wenigen Auftritten und der Aufnahme eines Demos konnte man bereits das Interesse des NWOBHM-Mutterlabels Neat Records wecken und bekam dort einen Vertrag, so dass man schon im Frühjahr 1980 die legendäre 7"-Single "Name, rank and serial number" herausbringen konnte.

Die Single verkaufte sich durchweg gut, es folgten Auftritte mit anderen Bands wie Samson und schließlich ein weiterer Vertriebsvertrag mit MCA, welcher der Band natürlich Möglichkeiten eröffnete, die weit über das vereinigte Königreich hinausgingen.

Bereits im Sommer 1980 wurde die Debüt-Single über MCA ein weiteres Mal veröffentlicht und zum Ende des Jahres hatte man den ersten richtigen Longplayer "Turn the hell on" im Kasten, eine Scheibe zum Niederknien für jeden Hard´n Heavy-Gourmet.

Mit dem Song "Brain Damage" waren Fist zum gleichen Zeitpunkt auch auf einem hauseigenen NWOBHM-Sampler ("Brute Force") der MCA vertreten.

Auch in Sachen sonstiger Singleauskopplungen ließ sich die MCA nicht lumpen und brachte ebenfalls noch 1980 gleich zwei weitere 7" heraus ("Forever Amber" und "Collision Course"), wobei der auf dem erwähnten "Brute Force"-Sampler vertretene Song "Brain Damage" gleichzeitig auch die B-Seite der "Forever Amber"-Single darstellte.

Anschließend ergab sich eine England-Tournee mit UFO, bevor im Frühjahr 1981 via Neat Records ein weiterer legendärer NWOBHM-Sampler ("Lead Weight") unters Volk geschmissen wurde. Dort waren Fist nicht nur mit dem unveröffentlichten Song "Throwing in the towel" vertreten, sondern kurioserweise befand sich mit "S.S.Giro" auch noch eine alte Aufnahme aus vergangenen Axe-Tagen auf der Kompilation.

Obwohl alles scheinbar gut zu laufen schien, hatte die ganze Chose wenig später Sand im Getriebe und kam nicht mehr vorwärts. Das restliche Jahr 1981 passierte nicht mehr viel. Andere Kollegen trumpften mit einem Spitzenwerk nach dem anderen auf und taten alles, um das Feuer mehr oder weniger am lodern zu halten. Bei Fist indes rührte sich so gut wie gar nichts.

Erst irgendwann 1982 - inzwischen hatte es auch zwischenmenschlich gekracht und zwei Leute waren ausgestiegen sowie durch gleich drei neue Members ersetzt worden - erschien endlich das Zweitwerk "Back with a vengeance", allerdings diesmal nur noch bei Neat Records. MCA waren inzwischen wieder raus aus der Nummer.

Die Band spielte Konzerte u.a. mit Y & T, trat bei der bekannten "Friday Rock Show" auf (wurde auch mitgeschnitten) und ließ mit "The Wanderer" ebenfalls noch 1982 eine weitere 7"-Single auf die Fans los, allerdings alles nur noch mit mäßigem Erfolg.

Nach etwas unmotivierter Herumdümpelei und ohne weitere Veröffentlichungen kam es 1985 schließlich zur Auflösung der Band.

Um 2001, 2002 herum belebten einige Ur-Mitglieder die Band allerdings neu und brachten zunächst die Kompilation "Back with a vengeance: The Anthology" heraus, bevor man dann im Jahre 2005 mit "The Storm" sogar einen neuen Studiorelease nachschob, der aber natürlich außer in Insiderkreisen nur wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte.

Danach setzten Fist dann erneut für eine Weile aus, rauften sich aber mit geändertem Line-Up immer wieder mal sporadisch neu zusammen. Ab und zu tritt die Band heute auch immer noch live auf, z.B. bei Festivals.

Musikalisch bewegen sich Axe bzw. Fist zwischen den Polen des typisch englischen, melodischen 70er Hardrocks und Früh-80er-Heavy Metals.



 
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Gast 1

Guest
Fist sind mir auch noch im Gedächtnis, da muß ich mal wieder nachhören. "Throwing In The Towel", "Name, Rank & Serial Number" das ist mir schon noch im Gedächtnis.

Es gab doch auch ein Namensproblem mit den Fist, da es zur selben Zeit eine kanadische Hardrockband ebenfalls namens Fist gab. Da war doch irgendwas. Oder wars andersrum und die hatten dann Probleme und mußten sich von Fist zu Myofist umbenennen?

Die hatten jedenfalls auch ein ganz starkes Album "Fleet Street" 1981 rausgebracht. Wurde viel gedudelt im Hause Vertigo
 
Die Kanadier haben unter Myofist weitergemacht, zumindest auf den Märkten außerhalb Kanadas.

Die amerikanischen Axe, der ursprüngliche Grund für die Umbenennung der englischen Axe zu Fist, sind übrigens auch eine feine Truppe. :)
 
Zu den interessantesten Eintagsfliegen der NWOBHM gehören die namentlich durch Tolkien inspirierten Aragorn.

Das 1978 gegründete Quartett hat, obwohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort, nie größere Anerkennung erfahren.

Nach zwei eher wenig beachteten Demos im Jahr 1980 sowie parallel dazu einigen grundlegenden Besetzungswechseln schaffte es die Band aus Macclesfield dann doch noch, einen Plattenvertrag mit Neat Records zu ergattern.

Dort konnte man 1981 die einzige offizielle Veröffentlichung, die empfehlenswerte (und natürlich rare) 7"-Single "Black Ice" (B-Seite: "Noonday") herausbringen.

Auf dem Neat-Sampler "Lead Weight" war die Single-B-Seite "Noonday" kurz darauf auch noch einmal vertreten, das war es dann aber auch schon in Sachen Veröffentlichungspolitik.

1982 wurde noch ein weiteres Demo eingespielt und mit den Planungen und Aufnahmen für eine Fulltime-LP begonnen. Die Aufnahmen wurden wohl auch abgeschlossen, allerdings blieb das Resultat traurigerweise unveröffentlicht, wohl auch, weil Neat Records weiteren finanziellen Support ablehnten.

Anfang 1983 fanden noch einige Live-Auftritte statt, bevor Aragorn im Frühjahr 1983 still und leise zu Grabe getragen wurden.

Im Jahr 2003 gab es nachträglich mit "Noonday - The Aragorn Anthology" aber immerhin noch eine Kompilation, welche neben den früheren Demos u.a. auch das Material des unveröffentlichten Albums enthält.

Musikalisch stehen Aragorn für rauen, etwas düsteren und eher schlichten, schnörkellosen Heavy Metal, der hier und dort auch einen leichten Black Sabbath-Einfluß erkennbar werden läßt.

Gerade die "Black Ice"-Single mit ihrem rohen, ungekünstelten und ungeschönten Klang weiß eindeutig zu begeistern. Aus dieser Band hätte mit etwas mehr Glück durchaus etwas werden können.

 
Ebenfalls ziemlich kurzlebig waren Axis, die lediglich von 1978 bis 1982 existierten. Obwohl sie damit genau in die Hochphase der NWOBHM fielen, konnten sie keinen Vorteil daraus ziehen. Nichtsdestotrotz gehören auch Axis zu den ganz besonders feinen Trüffeln in Sachen NWOBHM.

Gegründet in der Grafschaft Cleveland im Nordosten der britischen Insel, gaben sich im Laufe der wenigen Jahre diverse Mucker bei Axis die Klinke in die Hand, die davor oder danach u.a. bei Gruppen wie Samson, Tank, Emerson
oder White Spirit auftauchten.

Die erste und einzige, im Übrigen superbe 7"-Single "Lady" (B-Seite: "Messiah") erschien 1980 über Metal Minded, einem Sublabel der bekannten Company Neat Records, welches aber ebenfalls nicht allzu lange die Zeit überdauerte - nach zwei Singles war dort schon wieder Schluß.

Nach der vorzüglichen "Lady"-Single machte sich die Band recht zügig an die Arbeit für eine weitere Single, welche für 1981 geplant war und diesmal sogar direkt beim Mutterlabel Neat erscheinen sollte, dort sogar schon eine Katalognummer zugewiesen bekommen hatte.

Doch wie das Schicksal oder andere ungünstige Umstände es wollten, ist es dazu nicht mehr gekommen und jene Single erblickte nie das Tageslicht.

Es gab immer wieder Besetzungswechsel, die überhaupt während der gesamten Lebensdauer der Band ziemlich häufig vorkamen und daher nur wenig Kontinuität ins Gruppengefüge einkehren ließen.

Neat brachten noch zwei NWOBHM-Sampler heraus ("60 Minutes plus", 1982 und "All Hell is loose", 1983), welche beide das Stück "Flame burns on" enthielten.

Weiter passierte aber nichts und Axis lösten sich bereits Ende 1982 stillschweigend wieder auf.

Musikalisch wird auch hier das typische Gravitationsfeld aus 70er Hardrock und frühem 80er Heavy Metal berührt, plus einer Prise AOR / Melodic Rock und ein paar gelegentlichen progressiven Einsprengseln. Auf jeden Fall ist die Musik durchweg interessant und gut gemacht.

Wer auf raue und gleichermaßen melodiöse Bands wie Samson, frühe Def Leppard oder White Spirit steht, aber auch Sachen wie Rush mag, der kann sich mit Axis garantiert anfreunden. Ich persönlich halte sie für eine der stärksten und überzeugendsten Truppen jener musikalisch so überragenden, einzigartigen Ära.

Für Einsteiger (und Leute, die keine Zeit, Lust, Geduld oder kein Geld haben, nach der raren Originalsingle zu suchen) sehr zu empfehlen ist die Kompilation "Flame burns on", die 2011 bei High Roller Records erschien und neben den Songs der besagten Single auch unveröffentlichtes Material sowie einige Livetracks beinhaltet.



 
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Bronz, die aus Bath stammten, waren mit ihrer Gründung Mitte der 70er Jahre eigentlich schon ziemlich frühzeitig dran.

Trotzdem erschien das erste Album "Taken by storm" erst 1984, also schon einen ordentlichen Ticken zu spät, um noch vom Schwung der ersten NWOBHM-Welle mitgerissen werden zu können. Schlechtes Timing.

Zuvor hatte die Band ihre Zeit hauptsächlich mit zahlreichen Liveauftritten verbracht, darunter einige Festivalgigs und diverse Supportslots bei Kollegen wie More, Angel Witch oder Diamond Head, quer durchs vereinigte Königreich.

Irgendwann wurde man schließlich von Bronze Records gesigned, die immerhin auch Motörhead, Uriah Heep, Osibisa, Colosseum oder Manfred Mann´s Earth Band unter Vertrag (gehabt) hatten.

Dort erschienen dann 1984 das besagte Debütalbum "Taken by storm" sowie die Single "Send down an angel" (B-Seite: "Tiger").

Zu hören ist recht typischer, melodisch-hymnischer Heavy Metal im Stil der Zeit. Kann man sich gut geben, aber herausragend ist die Musik auch nicht unbedingt. Nix besonderes eben - im mit zahlreichen feinen Pretiosen gesegneten NWOBHM-Bereich letztlich als eher durchschnittlich zu betrachten.

Kurz darauf brachen Bronze Records zusammen und die Band Bronz (wie gut der Bandname doch zum Labelnamen passt...) gleich mit.

Mit einer neuen Besetzung sollte ein zweites Album ("Carried by the storm") entstehen, doch während der Arbeiten an diesem Album lief einiges schief, so dass die Scheibe am Ende unveröffentlicht blieb und erst viele, viele Jahre später (2010) doch noch nachträglich das Licht der Welt erblickte.

Bronz versuchten zwischenzeitlich immer wieder, aktiv zu werden. Zuletzt 2013, als man sich ein weiteres Mal an ein neues Album wagte. Doch auch dieses Mal ging alles in die Hose, weil Originalgitarrist Shaun Kirkpatrick tragischerweise verstarb. Eine Band, die wirklich immer vom Pech verfolgt wurde.



 
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Weiter gehts...

...die Handsome Beasts gehören zu den kultigsten und irgendwie liebenswertesten Truppen der gesamten NWOBHM, obwohl ihre Musik nie besonders originell oder sonstwie herausragend war. Sicherlich ist sie aber bis zu einem gewissen Grad eigenständig und besitzt Wiedererkennungswert, wie das bei den meisten NWOBHM-Bands der Fall ist.

Auf der anderen Seite erscheint die Mucke aber nie von unerreichbarer Spitzenklasse, weil sie dafür letztlich dann doch einen Ticken zu durchschnittlich geraten ist. Was nicht heißen soll, dass es nicht einige überaus akzeptable Songs der Gruppe geben würde.

Was den Chaotenhaufen aus Wolverhampton so einzigartig machte, liegt anstelle der Musik viel mehr vor allem in der Person ihres charismatischen früheren Frontmannes Garry Dalway begründet und in der Neigung zu überwiegend schrägen, anzüglichen, provokativen oder einfach nur hinreißend bescheuerten Albumcovern - beides Dinge, die den Jungs sicherlich so etwas wie ein unbedingtes Alleinstellungsmerkmal garantierten.

Garry Dalway kokettierte gerne mit seinem immensen Körpergewicht. Der adipöse Frontmann dürfte sicherlich einer der schwergewichtigsten Sänger der Rockgeschichte gewesen sein, was ihn indes nicht daran hinderte, ungehemmt seine gewaltige Plauze, auf der sich im Übrigen mühelos eine Dose Bier abstellen ließ(!), bei Live-Autritten nackt über die Bühne zu schieben.

Der Hang zu Koketterie und Selbstironie läßt sich u.a. auch sehr schön auf dem Artwork zur ersten Scheibe "Beastiality" erkennen, auf dem der schmerzfreie Dalway nackt mit Nickelbrille und fettigen Haaren neben einem Schwein posiert, während seine rechte Hand auf einem Schild ruht, auf dem der Hinweis "Please do not feed animals" zu lesen ist...

Das eigenwillige Image der Band stieß selbstredend nicht überall auf Gegenliebe. Das britische Metal-Magazin "Kerrang!" brachte seinerzeit zum Thema Handsome Beasts folgenden despektierlichen Kommentar: "Lower division NWOBHM-act from Wolverhampton, fronted by the original fat bastard Garry Dalway." :D

1981 waren die Handsome Beasts eine der ersten Bands, die auf dem neugegründeten Heavy Metal Records-Label die Chance bekamen, sich den Fans auf breiterer Ebene vorzustellen und zwar auf dem legendären Sampler "HM Heroes", wo man mit dem Song "Local heroes" verewigt wurde.

Das lief so gut, dass man schließlich die erste offizielle 7"-Single für das Label überhaupt einspielen durfte, was man mit "All riot now" auch prompt in die Tat umsetzte. Die Musik der Biester war durchschnittlicher, prototypischer NWOBHM-Sound in meist mittleren Tempobereichen, mit etwas wackeligem Gesang und dezenten Blues-Einflüssen.

Wie gesagt, nichts extrem überwältigendes, aber soweit trotzdem völlig in Ordnung und auch absolut wohlwollend von den Fans aufgenommen. Also durchaus eine spaßige Angelegenheit.

Ebenfalls 1981 erschienen die zweite 7"-Single, welche den Titel "Breaker" trug, sowie die bereits angesprochene Debüt-LP "Bestiality", welche allerdings auch die bereits als 7" veröffentlichten Songs beinhaltete, also zu 50% aus bereits bekanntem Material bestand.

Man ließ es sich nicht nehmen, noch ein paar Kohlen zusätzlich ins Feuer zu schaufeln und brachte es mit der sehr netten "Sweeties"-7" gar noch auf eine dritte Single-Veröffentlichung im Jahr 1981. Eine LP und drei Single-Veröffentlichungen im selben Jahr - das hat bei Heavy Metal Records keine andere Band geschafft !

Genützt hat es trotzdem nichts, denn der kommerzielle Erfolg blieb aus, was dazu führte, dass die Band kurze Zeit später getrennte Wege ging. Das hielt Garry jedoch nicht davon ab, knapp zehn Jahre später einen zweiten Anlauf zu wagen und mit dem durchaus gutklassigen "The beast within´" ein veritables Comeback-Album in die Läden zu wuchten.

Außer "Fat" Garry Dalway war ein komplett neues Line-Up am Start, was sich aber nicht weiter störend auf die Musik auswirkte, die nun - nach fast zehn Jahren Pause - jedoch völlig aus der Zeit gefallen wirkte und natürlich nicht den Hauch einer Chance gegen die Unmengen nachgewachsener Bands hatte.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit und man hatte schlicht die zwischenzeitlichen Entwicklungen im Genre verpennt. Ich persönlich finde so was (musikalisch) überhaupt nicht schlimm - ich bin eh alte Schule bis zum Abwinken, da ist jede Hoffnung verloren ;) - aber nicht wenige Fans tendieren dann doch meist eher zu den neueren, frischeren und härteren Angeboten aus dem Sektor und nicht unbedingt zu einer obskuren Underground-Truppe, die wenig "zeitgemäß" klingt.

Im Wesentlichen war es das dann auch, obwohl Garry Dalway nicht aufgab und die Band mehr oder weniger funktionsfähig am Leben erhielt. 2004 erschien dann sogar mal wieder eine neue LP, zweckmäßig "04" betitelt, die aber leider völlig unbedeutend ist.

Unglücklicherweise verstarb der charismatische Garry kurze Zeit später (und viel zu früh) - im Jahr 2005 - an einem Herzanfall. Wahrscheinlich, weil er so gesund gelebt hat.

Die übrige Band machte ohne ihn mit verschiedenen Sängern weiter; zunächst Simon Hall, kurze Zeit später S.I.Fielding und seit Ende 2007 nunmehr mit ex-Wrathchild-Fronter Rocky Shades. Kurz zuvor erschienen in Form des Albums "Rock and a hard place" die letzten Aufnahmen mit Garry Dalway.

Ansonsten ist seitdem aber nicht mehr allzuviel passiert. Die Band tingelt auf Hobbyniveau durch die meist lokale Umgebung und gibt gelegentlich Konzerte, die dem Vernehmen nach auch nicht allzu schlecht besucht sein sollen. Neue Albumaufnahmen sind seither aber nicht mehr vorzuweisen.



 
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Gast 1

Guest
...wenn du es nicht hättest, hätte ich gleich mal "Local Heroes" reingestellt. Ich hatte das Album der Beasts und das Stück mochte ich immer besonders. Und schön, dass du das Cover als derben selbstironischen Scherz kapiert hast, das haben nämlich sehr viele in der Netzgemeinde nicht, die das immer bei besonders eklig etc. wählen. Aber Humor, zumal britischen, muß man verstehen.
 

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