Musikindustrie - Diskussion

Fenimore

Aktives Mitglied
So, dann möchte ich auch noch was dazu sagen. Ich fange an mit einem Buchtipp: Tim Renner, Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm. Darin räumt ein Branchenintimus mit den üblichen Verschwörungstheorien gegen die Plattenfirmen auf. Wie er schreibt, sind die "nicht böse, sondern bestenfalls blöde".

Tatsache 1: Es gibt keine Verschwörung böser Plattenfirmen-Manager gegen gute Musik. Es gibt nur den Konflikt zwischen der Sichtweise der Musiker, die in einem Album oder einem Song ein Kunstwerk sehen, und der der Plattenfirmen, für die dasselbe Stück Musik nur ein Produkt ist. Tatsache 2: Die großen Plattenfirmen fahren Profitmaximierungs-Strategien, die sich nachteilig auf die Qualität der Musik auswirken, aber bei denen es nur darum geht, Geld zu machen und keine schlechte Musik. Den A&R-Leuten werden da Controller in den Nacken gesetzt, die mit sehr spitzen Bleistiften rechnen, damit die Quartalszahlen stimmen. Es ist eben viel besser kalkulierbar und gewinnträchtiger, mit einer DAW und einer willfährigen Sängerin Wegwerfpop zu produzieren, statt sich mit einer eigensinnigen Band mit hehrem Künstler-Selbstverständnis herumzuärgern. Und wenn die Leute die Platte schnell leid werden, umso besser, dann kaufen sie sich schneller eine neue. Durchsatzwirtschaft halt eben. Wen wundert's da, dass das Publikum irgendwann nicht mehr bereit ist, für diese dünne Plempe noch Geld auszugeben.

Und Tatsache 3 noch hinzuzufügen: es ist gar nicht so, dass die Majors Nischenmusik ignorieren! Sie betreiben vielmehr Outsourcing, indem sie mit Indies Vertriebsverträge abschließen. Davon haben alle Beteiligten was: die Majors, indem sie einen Fuß in der Tür in "schwierigen" Märkten haben, und die Indies und die dort unter Vertrag stehenden Künstler, indem sie Zugang zu erstklassigen Vertriebsstrukturen haben und so mehr Scheiben verkaufen können.

Und was mein eigenes Musikkonsumverhalten betrifft: ich kaufe CDs, sei es im örtlichen Fachhandel oder im Netz bestellt (in letzter Zeit immer mehr letzteres, weil das örtliche Fachhandelssortiment so seine Grenzen hat), weil ich die Musik in guter Qualität auf einer guten Stereoanlage hören will, und der Meinung bin, dass die Musiker es verdient haben - und die Labels auch, denn dank derer kommen wir alle ja überhaupt erst an die Musik ran. Portale wie Bandcamp oder YouTube dienen nur zum Probehören - da höre ich mal in die Musik rein, und wenn sie mir gefällt, kaufe ich die CD.
Es wäre gut, wenn wir uns jetzt mal um Konkretes kümmern würden. Z. Bsp. Gibt es besondere Labels die ihr mögt. Produzenten die besonderes leisten, besondere Studios usw. Es gibt ja viele Teilnehmer im Musikbusiness.

Mit Dunk-Records hab ich schon mal einen Anfang gemacht.

@WheepingElf: der klarste Beitrag bisher, merci.
 

Alexboy

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So, dann möchte ich auch noch was dazu sagen. Ich fange an mit einem Buchtipp: Tim Renner, Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm. Darin räumt ein Branchenintimus mit den üblichen Verschwörungstheorien gegen die Plattenfirmen auf. Wie er schreibt, sind die "nicht böse, sondern bestenfalls blöde".

Tatsache 1: Es gibt keine Verschwörung böser Plattenfirmen-Manager gegen gute Musik. Es gibt nur den Konflikt zwischen der Sichtweise der Musiker, die in einem Album oder einem Song ein Kunstwerk sehen, und der der Plattenfirmen, für die dasselbe Stück Musik nur ein Produkt ist. Tatsache 2: Die großen Plattenfirmen fahren Profitmaximierungs-Strategien, die sich nachteilig auf die Qualität der Musik auswirken, aber bei denen es nur darum geht, Geld zu machen und keine schlechte Musik. Den A&R-Leuten werden da Controller in den Nacken gesetzt, die mit sehr spitzen Bleistiften rechnen, damit die Quartalszahlen stimmen. Es ist eben viel besser kalkulierbar und gewinnträchtiger, mit einer DAW und einer willfährigen Sängerin Wegwerfpop zu produzieren, statt sich mit einer eigensinnigen Band mit hehrem Künstler-Selbstverständnis herumzuärgern. Und wenn die Leute die Platte schnell leid werden, umso besser, dann kaufen sie sich schneller eine neue. Durchsatzwirtschaft halt eben. Wen wundert's da, dass das Publikum irgendwann nicht mehr bereit ist, für diese dünne Plempe noch Geld auszugeben.

Und Tatsache 3 noch hinzuzufügen: es ist gar nicht so, dass die Majors Nischenmusik ignorieren! Sie betreiben vielmehr Outsourcing, indem sie mit Indies Vertriebsverträge abschließen. Davon haben alle Beteiligten was: die Majors, indem sie einen Fuß in der Tür in "schwierigen" Märkten haben, und die Indies und die dort unter Vertrag stehenden Künstler, indem sie Zugang zu erstklassigen Vertriebsstrukturen haben und so mehr Scheiben verkaufen können.

Und was mein eigenes Musikkonsumverhalten betrifft: ich kaufe CDs, sei es im örtlichen Fachhandel oder im Netz bestellt (in letzter Zeit immer mehr letzteres, weil das örtliche Fachhandelssortiment so seine Grenzen hat), weil ich die Musik in guter Qualität auf einer guten Stereoanlage hören will, und der Meinung bin, dass die Musiker es verdient haben - und die Labels auch, denn dank derer kommen wir alle ja überhaupt erst an die Musik ran. Portale wie Bandcamp oder YouTube dienen nur zum Probehören - da höre ich mal in die Musik rein, und wenn sie mir gefällt, kaufe ich die CD.
Gefällt mir sehr gut:)
 

Senfei

Mitglied
...... Und was mein eigenes Musikkonsumverhalten betrifft: ich kaufe CDs, sei es im örtlichen Fachhandel oder im Netz bestellt (in letzter Zeit immer mehr letzteres, weil das örtliche Fachhandelssortiment so seine Grenzen hat), weil ich die Musik in guter Qualität auf einer guten Stereoanlage hören will, und der Meinung bin, dass die Musiker es verdient haben - und die Labels auch, denn dank derer kommen wir alle ja überhaupt erst an die Musik ran. Portale wie Bandcamp oder YouTube dienen nur zum Probehören - da höre ich mal in die Musik rein, und wenn sie mir gefällt, kaufe ich die CD.
Bandcamp ist ja nicht nur zum reinhören und downloaden da. Man kann dort ebenso CDs und LPs kaufen, direkt beim Künstler, ohne dass Zwischenhändler und Sonstwer noch dran verdienen. Das ist ja das Geniale. Kauft man einen Tonträger gibt es den Download schon mal gratis obendrauf und man kann damit die Zeit bis zur Lieferung der LP oder CD gut überbrücken. Manche Alben gibt es wiederum nur als Download zu kaufen, weil sie es, aus welchen Gründen auch immer, nicht bis in's Presswerk geschafft haben. ............. I like Bandcamp :)
 

Catabolic

Aktives Mitglied
Wer beim Status-Quo-Label Vertigo mal unter Vertrag war, kann so schlecht nicht gewesen sein...
Oh, da täusch Dich mal nicht. Bei Vertigo gab es durchaus komisches Zeugs, das sich kaum verkaufen liess. Ich würde meine ersten Gehversuche auf Vinyl heute auch am liebsten ungeschehen machen, aber es blieb bei mir ja auch bei einer einzigen Single für die Firma.
 

Catabolic

Aktives Mitglied
AUCH NICHT SCHLECHT!! Also aus meiner etwas verklärten Sicht (war schon ein extrem cooler Veröffentlichungskatalog, das muss man ja trotzdem sagen) ... kann man die Band noch irgendwo hören?
Das willst bestimmt nicht hören.... :confused:

Ich hab aber noch ein gut klingendes Tape, das ich eigentlich mal restaurieren wollte. Mach ich vielleicht mal noch. :rolleyes:

Leider ziemlich beschissener Klang hier:

 

Marifloyd

Inventar
Zunächst möchte ich betonen, dass ich wie sicherlich die Mehrheit hier, ausschließlich ein Musikkonsument bin. In dieser Rolle bemühe ich mich fair meine Musiklust zu befriedigen. Deshalb kaufe ich Vinyl, CD’s und Musikvideos. Ja, ich gestehe, dass sich einige wenige gebrannte CD’s in meiner Sammlung befinden. Aber die haben für mich als Sammler in keiner Weise den Wert eines gekauften Albums. Extrem wichtig ist mir das Visuelle und Haptische eines Albums. Das das seinen Preis hat ist gut so, denn Künstler wollen und müssen verdienen. In Zeiten von Corona denke ich hierüber oft nach. Ich gehe davon aus, dass Musiker fast nur noch mit ihren Auftritten und den dortigen Verkauf von Musikträgern und Fanartikel leben können.

Als ich noch arbeitete, spielte der Anschaffungswert nicht so eine erhebliche Rolle für den Kauf einer Scheibe. Seit ich aber zum Personenkreis der Rentner gehöre, sieht die Sache aber schon anders aus und ich überlege genau, ob ich eine Scheibe wirklich im Regal haben muss. Und Musikfreunde mit noch weniger finanziellen Möglichkeiten haben es da wirklich nicht leicht. Deshalb kann ich es nachvollziehen, wenn dann die Songs gestreamt werden. Plattformen wie YouTube oder Spotify nutze ich auch, um Alben kennenzulernen, um sie mir dann ggf. zu kaufen.

Heute habe ich mit meinem Sohn gesprochen. Von der Band in der er mitspielt kann man auch zwei Alben bei Spotify hören. Er sagte mir, dass der Erlös hieraus nicht der Rede wert ist. Der Verkauf ihrer CD’s stagniert und läuft eigentlich nur nach Konzerten. Die Jungs haben bislang viel Geld in ihre Leidenschaft gesteckt und sie gehen auch davon aus, dass sich daran nichts ändern wird. Sie müssen allerdings nicht von ihrer Musik leben, da sie alle einer Arbeit nachgehen. Das sieht bei vielen Musikern allerdings ganz anders aus. Ein Bekannter von mir arbeitet hauptberuflich als Musiker. Er gibt Musikunterricht und tritt mit seiner Gitarre auf. Derzeit ist er ohne Arbeit und gibt Konzerte im Netz. Hiermit ist er sicherlich kein Einzelfall.

Mein Fazit ist, dass ich als Konsument bezahlen möchte.
 
Zuletzt bearbeitet:

Catabolic

Aktives Mitglied
Heute habe ich mit meinem Sohn gesprochen. Von der Band in der er mitspielt kann man auch zwei Alben bei Spotify hören. Er sagte mir, dass der Erlös hieraus nicht der Rede wert ist. Der Verkauf ihrer CD’s stagniert und läuft eigentlich nur nach Konzerten. Die Jungs haben bislang viel Geld in ihre Leidenschaft gesteckt und sie gehen auch davon aus, dass sich daran nichts ändern wird. Sie müssen allerdings nicht von ihrer Musik leben, da sie alle einer Arbeit nachgehen.
Das kenne ich selbst seit Jahrzehnten schon. Darum unterstütze ich Bands und Musiker auch, wo ich kann. Ich kaufe zum Beispiel viele CDs und LPs wenn immer möglich über die Webseiten der Künstler, auch wenn mich das den einen oder anderen Euro mehr kostet. Ich gehe öfters zu den etablierten Online Händlern, um dort nach Schnäppchen zu suchen. Oder wie grade dieser Tage direkt beim Label, wo ich bei Blue Rose eine Latte Scheiben gekauft habe. Die Grossen brauchen meine Kohle eigentlich nicht - und ich ihre Geschäftspraktiken nicht. So geht das gut auf am Ende.
 

Kieran White

Aktives Mitglied
Das willst bestimmt nicht hören.... :confused:

Ich hab aber noch ein gut klingendes Tape, das ich eigentlich mal restaurieren wollte. Mach ich vielleicht mal noch. :rolleyes:

Leider ziemlich beschissener Klang hier:

Die waren bestimmt riesige Status Quo Fans, ein Riff aus "Break the Rules" ist auch zu hören.
Gefällt mir aber richtig gut die Nummer, trotz des Klangs. Klasse!!
 

The Wombat

Mitglied

Bei Pattern-Seeking Animals gab es eine Diskussion, ob das Album überproduziert sei.
Zum Thema Produktion hier ein kleiner Beitrag.
Das ist ein wirklich interessanter Clip, allerdings kam die Begrifflichkeit "überproduziert" hier nicht vor....es sei denn, ich habe in dem Clip irgendwo nicht so richtig hingehört oder was verpasst.
Zu dem Clip-Beitrag muss ich sagen: ich war zwar mein ganzes Leben lang technik-affin, aber vor diesen riesigen Mischpulten mit den 1000 Knöppkes, den 2000 Dreh- und Schiebereglern habe ich gewaltigen Respekt. Ich habe echt keine Ahnung, wozu man 20 und mehr Reihen an Schiebe- oder Drehreglern tatsächlich so braucht.
 

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