Musikindustrie - Diskussion

Andie Arbeit

Aktives Mitglied
Die bisherigen Beiträge habe ich aufmerksam gelesen. Um es deutlich zu sagen, meine Situation soll nicht vorbildlich sein, ich lebe in einer, wie Danysaurus treffend feststellt, sehr exklusive und komfortable Situation, der ich mir bewusst bin und dafür ich ich auch dankbar. Ich habe zwei große Hobbys, ich arbeite ehrenamtlich, also wirklich ehrenamtlich ohne jegliche Vergütung und Entschädigung für den Tierschutz und ich pflege meinen Tick mit der Musik. Musik ist mein Hobby und ich tingle an Wochenenden viel über Flohmärkte und Plattenbörsen. Dort ist immer noch preiswert Ware zu erhalten und sorgt dann auch mit dafür, dass dieses Zeug nicht vernichtet wird. Hier kommt dann der Stellenwert und der Zeitfaktor dazu. Meine Sammlung hat starke Defizite in den 1980er Jahren. Da standen ganz andere Dinge im Vordergrund, Familie, Beruf, Existenz, heute lebe ich mein Hobby ausgiebig aus.
Angesprochen wurde aber auch die soziale Situation. Aktuell suche ich für meine Tochter (nach Scheidung) eine Wohnung und schlage die Hände über den Kopf zusammen. Die aktuelle Mietsituation und -preise sind der Wahnsinn: unsozial und unmoralisch! Wir bekommen das hin, doch Mietpreise von 15 € pro Quadratmeter oder knapp 4.000 € pro qm für eine Eigentumswohnung muss mehr als nur ein Kopf schütteln nach sich ziehen. Da haben Menschen dann durchaus andere Werte als nur Musik, doch auch Musiker müssen leben. Musik die ich höre will ich auch besitzen. Ich weiß aber auch nicht, wie ich in dieser, unserer Situation aus diesem Dilemma heraus komme, Musiker müssen schließlich auch überleben (Insoweit will ich eigentlich für den illegalen Musikkonsum kein Verständnis haben) auf der anderen Seite brauchen Menschen auch einen Ausgleich, einen gewissen Abstand und wir benötigen die Musik, die Kunst und die sollte unabhängig bleiben. Mich nervt es schon, wenn gute Musik, die ich mit bestimmten Ereignissen verbinde, für Werbung genutzt wird.
Insgesamt bleibt die soziale Schieflage das Grundproblem für mich. Auf der einen Seite haben wir Menschen, die vor Geld stinken (sorry) und auf der anderen Seite haben wir die, die ums Überleben kämpfen müssen. Für mich bleibt es dabei, in dieser Schieflage liegt das Grund und Hauptproblem. Soweit zu nächst einmal. Ich sehe die Probleme, doch wo ansetzen?
 

Andie Arbeit

Aktives Mitglied
Ich haber mir diesen Teil mal rausgepickt und muss sagen: ich will (und kann) das durchaus nachvollziehen.
Da bei mir ja noch nicht einmal "Kinder" vorhanden sind (2 Neffen und 2 Nichten zählen da nur sehr bedingt), überlege ich in meinem Alter auch schon mal, was in durchaus absehbarer Zeit nach meinem Tauchgang ins große schwarze Nichts mit meiner Musiksammlung so passieren mag und ob es sich wirklich lohnt, künftig noch massig Kohle zu investieren.
Ich habe ebenfalls mittlerweile 60 Jährchen auf dem krummen Buckel und meine persönliche Lebenserwartung beträgt auf Grund einiger Geschehnisse in den letzten paar Jahren sicherlich keine 20 Jahre mehr....ohne jeden Zweifel.
Da bekommt man zwangsläufig eine wirklich andere Einstellung, was das Lieblingshobby seit Jahrzehnten und natürlich auch die künftige Ausweitung der Musiksammlung angeht. Es kommt in diesem Zusammenhang natürlich ebenfalls fast zwangsläufig zu einer doch sehr verstärkten Selektion und der Einsicht: es kommt nur noch das ins Haus, was wirklich gefällt. Nichts, was "wachsen" muss, nichts, dem ich 2. oder 3. Chancen geben müsste oder sollte. Solche Dinge betrachte ich mittlerweile als Verschwendung meiner relativ knapp bemessenen Zeit.
Die €uronen, die mir zu einem relativ angenehmen (Musikhörer)-Leben verbleiben, landen andererseits aber auch nicht in irgend einer Erbmasse. Wofür und für wen denn? Da haue ich sie dann doch lieber für diverse angenehme Dinge des eigenen Lebens auf den Kopp.....und ein wenig halte ich zurück fürs Altersheim. :D:D

Himmelherrgottsa(c)krament....in diesem Thread kommt man ganz schön ins Philosophieren....Filosofieren....oder so. :rolleyes:
Habe Deine Beitrag nochmals gelesen, als ich meinen schon geschrieben hatte. Deine Worte unterstreichen das gesamte Dilemma, das gestammte Spektrum der Problematik dieser Diskussion. Auf den Punkt gebracht.
 

Music is Live

Aktives Mitglied
Ich sehe die Probleme, doch wo ansetzen?
Moin moin ....
diese Frage ist nicht für die allgemeine Gesellschaft zu beantworten.... da alle zu unterschiedlich sind....

eine bessere Verteilung des Gesamtvermögens (global betrachtet) wäre natürlich wünschenswert, doch leider leben wir in einer stark ausgeprägten EgoistenZeit...
jeder denkt nur an sich...
ob reich oder Arm.... (Ausnahmen bestätigen die Regel, die es zum Glück noch reichlich gibt)

eine gerechte Umverteilung würde ja bedeuten, dass die Reichen etwas abgeben, ohne Gegenleistung....
doch da setz deren Egoismus ein... und leider ist es immer so gewesen, dass die Reichen auch die Macht inne haben.... "Ich soll was geben, was bekomme ich ???"
der große Versuch es anders zu gestalten ist an den selben selben Krankheiten gescheitert....
(der Kommunsimus wurde durchs Kapital gestürzt, weil auch da wenige dies für sich allein sammelten und damit die Macht sich ranzogen)..

gerade die jetzige, besondere Zeit zeigt diesen Missstand deutlich auf.... siehe einfach über den Teich rüber....

was bleibt uns.. !!??

jeder kann für sich etwas erreichen.... durch soziales Engagement...
im Kleinen wie im Großen...
packen wir es an... wir schaffen das... (nein, keine Merkelstreicheleinheit)
 

Kieran White

Aktives Mitglied
Ich haber mir diesen Teil mal rausgepickt und muss sagen: ich will (und kann) das durchaus nachvollziehen.

Schönen Sonntag, @Wombat!!
Ja, meine Sammlung ist wirklich wunderbar -- für mich. Nur für mich.
Mein Nachwuchs kann mit der Musik gar nichts anfangen. Manchmal höre ich: "Leg mal was auf von dir" -kommt dann auch nur Status Quo Live 1976 in den Abspieler, kommt schnell das lange Gesicht. Vor diesem Corona-Mist habe ich die Tochter mal mit Freundinnen zu einem Sportturnier gefahren nach Herzberg. Hab dann freudig gut gelaunt BLUE FOR YOU reingeladen in den Player im Auto und bekam nach kurzer Zeit Protest:"Mach das aus"....
Na, und in geschätzten 20 Jahren wird diese Musik wohl auch kaum zum Kreis dessen zählen, was sie hören wollen.
Als mein Vater vor nun fast 30 Jahren gestorben war, in nichthohem Alter, hatte ich seine Büchersammlung vor mir, analog so mächtig wie meine Tonträgerkollektion. Die Sachen, sie interessierten mich einfach nicht, tat mir leid.
Aber ich kannte meinen Vater, er hätte damals auch gesagt "Ich kann sie nicht mehr lesen, hau sie weg!". Ich habe dann ca 10 Bücher (bis heute )behalten und nie gelesen...., um sein Andenken zu bewahren. Der Rest ging an das Antiquariat und das meiste..in den Container. So wird es meiner Sammlung später auch ergehen, das ist ok, alles hat seine Zeit. An Materielles sollte man sich nicht zu sehr hängen.
Aber das ist eben DER Grund, dass ich beschlossen hatte: KEINE Tonträger mehr, seither höre ich auch verstärkt bei You Tube zu. Ich habe rausgefunden, dass es mindestens 3760 leicht erreichbare Alben allein aus den 70gern dort gibt plus unzählige versteckte.Könnte und wollte ich eh nicht alle hören. Und ich höre heutzutage viel weniger Musik, als manche es hier eventuell glauben.

Ja, das ist so.

Da bei mir ja noch nicht einmal "Kinder" vorhanden sind (2 Neffen und 2 Nichten zählen da nur sehr bedingt), überlege ich in meinem Alter auch schon mal, was in durchaus absehbarer Zeit nach meinem Tauchgang ins große schwarze Nichts mit meiner Musiksammlung so passieren mag und ob es sich wirklich lohnt, künftig noch massig Kohle zu investieren.
Nein, es lohnt sich nicht mehr. Für Dich nicht, für mich nicht. Zum Geburtstag las ich mir manchmal noch was schenken, aber der ist halt nur 1x im Jahr...

Ich habe ebenfalls mittlerweile 60 Jährchen auf dem krummen Buckel und meine persönliche Lebenserwartung beträgt auf Grund einiger Geschehnisse in den letzten paar Jahren sicherlich keine 20 Jahre mehr....ohne jeden Zweifel.
Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Deine Gesundheit auf einem Level bleibt, dennoch, das Dich den Umständen entsprechend zufrieden hält.
Ich befinde mich seit einem Jahr in Besitz einer CPAP-Maschine aufgrund Schlafapnoe. Nach einer langen Eingewöhnungszeit hat sie sich als Segen herausgestellt, anders, als vorher, bin ich morgens wieder munter und ausgeschlafen.
Niemand weiß aber, was da noch an unerkannten Gefahren im Körper lauert. NIEMAND kann sagen, in unserem Alter wenigstens "Jau, ich bin voll gesund"..


Die €uronen, die mir zu einem relativ angenehmen (Musikhörer)-Leben verbleiben, landen andererseits aber auch nicht in irgend einer Erbmasse. Wofür und für wen denn? Da haue ich sie dann doch lieber für diverse angenehme Dinge des eigenen Lebens auf den Kopp.....und ein wenig halte ich zurück fürs Altersheim. :D
:D

So, wie Du es schilderst, ist es wirklich das beste, das nicht ausgegebene Geld für Dinge zu benutzen, die einem tatkräftig Freude und Entspannung bringen, für (wenn das wieder geht) Reisen, Haushaltshelfer, für soziale Kontakte aber vor allem.
Meine Mutter war ziemlich jung gestorben. Ich habe erst später begriffen, was sie alles NICHT machen konnte.

Himmelherrgottsa(c)krament....in diesem Thread kommt man ganz schön ins Philosophieren....Filosofieren....oder so. :rolleyes:
Das ist eine gute sache, hoffentlich geht der Strang jetzt so sympathisch weiter, wie es nach den letzten Posts den Anschein hat.
 

phonoline

Mitglied
danke für die antwort...

ich hielt es später nach etwas nachdenken auch für möglich, dass deine ganze existenz womöglich an derartigem hängt... also albumgestaltung... grafiken... da war doch was? in kierans langem thread irgendwo, müsste ich suchen. also wenn das so ist, könnte ich gewisse wut besonders gut verstehen. wobei das jetzt nicht heissen soll, dass ich´s nur dann nachvollziehen könnte.
Ich mache das hier: https://www.bsights.de/album-design/

Mein Ärger hat allerdings nicht nur mit meinem Beruf zu tun. Ich bin ja auch Fotograf und für den deutschen Mittelstand tätig, also nicht ausschließlich abhängig von zahlenden Musikfans. Ich habe einfach diesen Kodex in mir, dass ich Musik nicht klaue. Weil ich selbst nicht beklaut werden möchte und weil ich weiß, wie viel Arbeit, Zeit, Geld und Herzblut Musiker und Labels investieren.
 
Zuletzt bearbeitet:

phonoline

Mitglied
Insgesamt bleibt die soziale Schieflage das Grundproblem für mich. Auf der einen Seite haben wir Menschen, die vor Geld stinken (sorry) und auf der anderen Seite haben wir die, die ums Überleben kämpfen müssen. Für mich bleibt es dabei, in dieser Schieflage liegt das Grund und Hauptproblem. Soweit zu nächst einmal. Ich sehe die Probleme, doch wo ansetzen?
Ich überlege z.Zt., zurück in den Norden zu ziehen. Ein Check auf diversen Immobilienseiten nach 3-4-Zimmer-Wohnungen ab 75qm zentral in Hamburg hat mir die Schuhe ausgezogen. Unter 2000 Euro in guter Lage für eine schöne Wohnung ist da aktuell nichts zu machen. Es ist vollkommen pervers. Als ich vor 6 Jahren aus Hamburg nach Berlin zog, war Berlin noch halbwegs bezahlbar, in Hamburg merkte man schon, dass die Preise anziehen. Ich wohnte in einer sehr schönen Wohnung am Hamburger Hafen direkt am Fleet, für die ich rd. 1000 netto für ca. 100qm zahlte. Vergleichbares kostet heute in ähnlicher Lage fast das Doppelte oder mehr. Ich werde also vorerst in Berlin bleiben müssen. Die Wohnung, die ich hier habe, bekomme ich zu dem Preis trotz Mietendeckel so schnell nicht wieder.

Das alles hat natürlich rein gar nichts mit der Musikindustrie und meinem Kaufverhalten zu tun. Schon als mittelloser Student habe ich immer gerne Geld für Musik ausgegeben und darauf geachtet, dass Aufmachung und Inhalt stimmen. Das wird sich so schnell nicht ändern. Ich finde Spotify furchtbar, weil es für all das steht, was in unserer heutigen Gesellschaft falsch läuft: sinn- und wertbefreiter Konsum in Dauerschleife, egal wo und wann.
 

Fenimore

Aktives Mitglied
Ich mache das hier: https://www.bsights.de/album-design/

Mein Ärger hat allerdings nicht nur mit meinem Beruf zu tun. Ich bin ja auch Fotograf und für den deutschen Mittelstand tätig, also nicht ausschließlich abhängig von zahlenden Musikfans. Ich habe einfach diesen Kodex in mir, dass ich Musik nicht klaue. Weil ich selbst nicht beklaut werden möchte und weil ich weiß, wie viel Arbeit, Zeit, Geld und Herzblut Musiker und Labels investieren.
Schöne Sachen machst du da. Einer der Gründe weshalb ich Vinyl so liebe und hoffe, dass es noch lange geben wird. Die Covergestaltung verkauft eine Platte mit.
 

Catabolic

Aktives Mitglied
Ich überlege z.Zt., zurück in den Norden zu ziehen. Ein Check auf diversen Immobilienseiten nach 3-4-Zimmer-Wohnungen ab 75qm zentral in Hamburg hat mir die Schuhe ausgezogen. Unter 2000 Euro in guter Lage für eine schöne Wohnung ist da aktuell nichts zu machen. Es ist vollkommen pervers. Als ich vor 6 Jahren aus Hamburg nach Berlin zog, war Berlin noch halbwegs bezahlbar, in Hamburg merkte man schon, dass die Preise anziehen. Ich wohnte in einer sehr schönen Wohnung am Hamburger Hafen direkt am Fleet, für die ich rd. 1000 netto für ca. 100qm zahlte. Vergleichbares kostet heute in ähnlicher Lage fast das Doppelte oder mehr. Ich werde also vorerst in Berlin bleiben müssen. Die Wohnung, die ich hier habe, bekomme ich zu dem Preis trotz Mietendeckel so schnell nicht wieder.

Das alles hat natürlich rein gar nichts mit der Musikindustrie und meinem Kaufverhalten zu tun. Schon als mittelloser Student habe ich immer gerne Geld für Musik ausgegeben und darauf geachtet, dass Aufmachung und Inhalt stimmen. Das wird sich so schnell nicht ändern. Ich finde Spotify furchtbar, weil es für all das steht, was in unserer heutigen Gesellschaft falsch läuft: sinn- und wertbefreiter Konsum in Dauerschleife, egal wo und wann.
Habe den ganzen Strang jetzt mal mehr oder weniger durchgelesen. Ist zufällig Jemand von Euch Musiker ? Selbstvermarkter ? Produzent ? Arrangeur ? Plattendesigner und Tontechniker ? Ich will mich keineswegs irgendwie aufspielen - aber all das habe ich fast 40 Jahre lang gemacht. Für mich und auch für andere Künstler. Angefangen hatte ich als 18 Jähriger bei Vertigo, damals einem Ableger von Polydor/Phonogram. Schon damals war mir die Geschäftspolitik der Plattenfirmen ein Graus, weshalb ich umgehend ausstieg und alles selbst in die Hand nahm: Vom Produzieren der Musik über das Arrangieren der Songs, der Organisation und den Vertrieb der Tonträger. Geld habe ich damit wohl verdient, aber zum Leben reichte es nie. Alles, was heute angeprangert wird, was dem Künstler/Musiker an Entschädigung entgeht, gab es schon zu Ende der 70er Jahre. Damals waren es bloss noch keine Internet-Plattformen, sondern ganz profane Arschlö.... in den Büros der Plattenfirmen. Die waren damals wie heute strikte kommerziell unterwegs und pumpten eine Menge Geld in ihre vertraglich gebundenen Künstler und Bands (ich verwende da lieber den Begriff geknechtet oder auch versklavt). Mitspracherecht gab es praktisch keines mehr, dafür einen so genannten Produzenten, der alles weiss, vor allem, alles besser, und der genau wusste, wie man mit so Musikern rumspringen muss, damit die Plattenfirma viel mit ihm verdient. So, und jetzt geh als Musiker unter solchen Bedingungen mal Deine Musik machen - nicht mal über die erste Songtext-Zeile kommst hinaus, denn schon da wird Dir reingeredet: "Ne, das kannst so nicht machen, das wollen die Leute nicht hören". Okay, also machst Du fortan vor allem Musik für den Produzenten und für die Plattenfirma, die ja Geld in Dich reinsteckt. Jetzt machst Du alles richtig und veöffentlichst eine Platte, die gnadenlos floppt. So, jetzt ist der Punkt gekommen, an welchem Du Dich entscheiden kannst: Entweder Du suchst Dir jetzt ein anderes Hobby, denn auf dem "professionellen" Weg hast keine Chance mehr, weil Du jetzt ein Künstler bist, der von einer Plattenfirma geschasst wurde - oder Du machst weiter mit Musik und machst alles selber.

Ich entschied mich für Letzteres, weil ein Künstler/Musiker sich halt irgendwie verwirklichen will, habe dabei viel lernen müssen und auch gelernt. Man wird besser, wenn man alles selber macht, als wenn man Jemanden alles machen lässt. Das war immer meine Uberzeugung. All die vielen Arbeiten, die es braucht, um überhaupt mal eine Platte zu machen - wer das nicht selbst gemacht hat, kann sich nicht vorstellen, was für ein Riesenaufwand das ist und wie viel Glauben an das eigene Schaffen es braucht, um nicht immer wieder das Handtuch werfen zu wollen.

Heute gibt es all diese Plattformen und Dienstleistungen im Netz. Fast alle haben eines gemeinsam: Sie stützen weder die Kultur, noch den Künstler. Das ist zwar eine riesige Kacke, aber es passt sehr gut zu der heutigen Spassgesellschaft, die sich einen Dreck darum schert, ob Jemand von seiner Arbeit leben kann oder nicht. Ich vergleiche gerne einen selbständigen Künstler/Musiker mit einer alleinerziehenden Verkäuferin an der Aldi-Kasse. Doch selbst ihr geht es noch besser als manchem Künstler: Ihr Leben am Existenzminimum wird immerhin öffentlich thematisiert. Was der Künstler/Musiker isst, oder wie er am Ende des Monats seine Rechnungen bezahlen soll...dafür gibt es nicht mal eine vernünftige und menschenwürdige Lobby.
 
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Okzitane

Aktives Mitglied
Na gut, dann geb ich hier mal den Ketzer....

Unsere heißgeliebten Vinyl-Alben, gar als Konzept angelegt, sind eigentlich nichts weiter als Zeitgeist und Teil der Populär-Kultur, und damit dem natürlichen Ablauf des Verschwindens... bzw. dem Überleben in Nischen unterworfen.
Das ganze Alben wichtig wurden geschah so Mitte/Ende der 60er, und verlor mit Beginn der 90er immer mehr an Relevanz. Vinyl-Alben nehmen dabei lediglich ein Zeitraum von 25 (!) Jahren ein. Sie kamen und gingen also innerhalb einer einzigen Generation.
Ihnen also den Stellenwert großen Kulturgutes zuzuschreiben ist äußerst fraglich. Nimmt man es genau, orientiert sich die heutige, Song orientierte Musik wieder mehr an den Ursprüngen der Pop-Kultur bevor Alben Bedeutung gewannen.
Und wer mal wirklich nachdenkt... Wie viele Sammler in den 70er /80er Jahren gab es wirklich? Platten wurden schon damals zum Konsumprodukt, die irgendwann in der Tonne landeten. Also sollte man nicht so tun als wäre unsere Generation besonders liebevoll mit dem "Kulturgut" umgegangen. Es war auch unsere Generation, die der heute verpönten Jugend den iPod in die Hand gedrückt hat, den haben sie nicht selber mitgebracht.
Und Musik als solches verschwindet nämlich keineswegs, im Gegenteil, sie wird mit der Globalisierung stetig mehr, verlagert sich aber von der weißen, anglo-amerikanisch geprägten Vorherrschaft im Kulturbusiness zu einem weltweiten, dezentralen Business... dank des Internets. Das hatte zugleich einen nicht zu unterschätzenden Kreativitätsschub zur Folge, und eine Zunahme der Vielfalt an Musik... der allerdings in der Fülle an Material nicht mehr zu überblicken ist, was daran der nicht zu leugnende Nachteil ist.

So... und jetzt leg ich mir eine alte Stones-Scheibe auf. :D
 
Zuletzt bearbeitet:

Okzitane

Aktives Mitglied
Das ist zwar eine riesige Kacke, aber es passt sehr gut zu der heutigen Spassgesellschaft, die sich einen Dreck darum schert, ob Jemand von seiner Arbeit leben kann oder nicht.
Das nennt man Kapitalismus, und den gibt's nicht erst seit der Digitalisierung.

Das Problem, was man als Künstler hat, ist doch in dieser Gesellschaft, das man ein "Produkt" anbietet welches dem Geschmack des Käufers enstprechen muß um Geld zu verdienen; nur das man dieses "Produkt"; im Gegensatz zu einer handwerklich geleisteten Arbeit, welche Qualitätsanforderungen entsprechen muß; nicht wirklich bewerten kann. Darin liegt die ganz Crux. Glück haben nur die, welche bei staatlichen Orchestern angestellt sind, da von denen der "Qualitätsnachweis" erbracht werden muß, das sie dem Klangkörper gerecht werden.
Das war und wird also so bleiben, solange wir dieses System aufrechterhalten... oder man führt das bedingungslose Grundeinkommen ein.
 

Fenimore

Aktives Mitglied
Na gut, dann geb ich hier mal den Ketzer....
......
So... und jetzt leg ich mir eine alte Stones-Scheibe auf. :D
Weiche von mir Du Ketzer...

Gibst du den Ketzer, dann gebe ich den naiven Bewahrer. Catabolics Beitrag und Werdegang kann ich nachvollziehen, es ist für mich aber einer von vielen. Es gibt auch sicher andere, positivere Geschichten. Sonst hätten wir in der Zeit Nicht so viele hervorragende Musik erleben können. Es war schon immer so, dass den Anfang meist kleine, engagierte Labels gemacht haben. Daher kam meist neue Musik. Große Labels sind von sich aus träge und wenig innovativ. Leider ist es, wie in allen Märkten so, dass die großen die kleinen schlucken und die Innovationskraft auf der Strecke bleibt.

Aber...

Es entstehen immer neuere, kleine, engagierte Labels. Label sind an sich nicht pfui, wenn sie das Geschäft ernsthaft betreiben, können sie dem Künstler mehr helfen als schaden. Macht der Künstler alles selber, nimmt 70% des Umsatzes ein, hat aber hohe Kosten zu tragen. Beim Label kriegt er „nur“ 20%, hat aber deutlich geringere Kosten und mehr Zeit seine Kreativität auszuleben. Und 70% von vielleicht 100 verkauften Alben sind weniger als 20% von 1000, die er vielleicht mit Hilfe und Vertriebskraft des Labels verkaufen kann.

Vinyl...

ist für mich weiterhin das optimale Medium. Es betont die Wertigkeit der Musik und transportiert die Musik auf natürlichem Wege. Unser Gehör ist auch analog und nicht digital.

Labels... wer glaubt hier, dass Künstler wie Opeth, Katatonia, SW oder auch Newcomer sich heute noch vom Label über den Tisch ziehen lassen?

Labels 2... dieser Tage hab ich dunk-music.com entdeckt. Die 4-5 Macher dahinter sind: Label, Festivalveranstalter, Aufnahmestudio, Presswerk, Radiostation in einem.
Ich denke, eineBand ist da ganz gut aufgehoben. Schaut euch mal dort um, muss nicht jeder gleich 4 Alben bestellen wie ich.

Grundsätzlich...
früher war mitnichten alles besser und morgen wird nicht alles schlechter sein heute. Halt anders.
Es werden nur wenige Musiker zu Millionären, genauso wie es nur wenige Maler, Bildhauer oder Schauspieler werden. Verdienen sie zu wenig? Ja, sicher die meisten. Genauso wie Pfleger, Kassierer oder Putzkräfte.

Ich kann da nix tun...
Doch, kann ich. Wie in jedem Lebensbereich. Aufmerksamer und freundlicher zum Nachbar sein, regional einkaufen, muss ich für 20€ auf Mallorca fliegen?, Kauf ich Plastik oder Glas? Muss ich zum Bäcker die 300m mit dem Auto fahren?
Und... zahle ich dem Künstler für ein Albumdownload 6€ oder klaue ich es auf YouTube?

Jetzt bin ich auch ins filo..., philo-dings-bums gekommen.

kauft euch eine schöne Schallplatte, bewundert das Cover und die Musik und genießt das Leben.

 

moonmadness

Mitglied
Ich würde gern noch einmal etwas aus meiner Sicht sagen...

Zunächst: Das große Problem, warum ich (und andere) sich hier in erster Linie aufregen, war diese Mentalität des Gratis-Downloads von Youtube bzw. irgendwelchen "Spiegel-Seiten" (d.h. Mirrors --- bin kein Fachmann für sowas, aber sobald man was auf Youtube stellt, trifft man es kurze Zeit darauf auch auf diesen kopiert wieder -> Stichwort: russische Seiten).

Ich finde auch, man muss und kann absolut nicht alles in physischer Form haben! Ich bin auch seit Jahren kein Sammler von Tonträgern mehr.

Es gibt legale und gute Wege, digital zu sammeln, aber das ist evtl. auch nicht so jedermanns Sache: Für digitale Musik Geld ausgeben? Ja, was kauft man denn da?! Seht es mal so, es ist als ob der Künstler auf der Strasse seinen Hut hinlegt, weil all jene müssen auch von etwas leben! Und ja, es ist 2020, wir müssen nicht mehr alles auf schwarze Rillen pressen ...

Mehrfach wurde hier z.B. Bandcamp genannt, wo man bei weitem nicht nur irgendwelche aktuellen Underground-Künstler - sondern - auch vieles aus "der guten alten 60s/70s Zeit" findet!! (!!)

Witzig im Nachhinein fand ich auch Nixe's Einwurf, dass man bei Downloads von Amazon ja nichtmal das Cover geliefert bekommt, was na klar nicht geil ist, aber er an erster Stelle scheint ja ein wahrer Spezialist zu sein, wo man die Cover dennoch herbekommt, siehe so ziemlich jeder deiner Posts in "Was hört ihr gerade?" ;) --- das nur mal nebenbei, hat mich irgendwie sehr amüsiert. AUCH wenn ich klar finde, der digitale Musikmarkt ist ausbaufähig!

Ich hatte vor ein paar Wochen schon einmal dem Kieran White verschiedene Links nahegelegt, nur um später eben diese Diskussion miterleben zu müssen. Den Beitrag von mir hatte er damals sogar geliked, sonst aber scheinbar nicht viel für sich mitgenommen.

Aber evtl. ist es zu kompliziert einmal ein paar mehr Sucheinträge bei Google durchzusehen, bevor man den bequemen Weg über Youtube geht?

Ansonsten bekommen im Fall eines legalen Uploads bei Youtube, so etwas erkennt man zb am Vermerk "Künstlername-Official" oder "Künstlername-Topic", die Künstler oder Label (je nachdem wie der Vertrag aussieht), einen minimalen Obolus für jeden Stream (nicht DOWNLOAD!!), ähnlich dem geringen Beitrag den man von Spotify, Deezer, Tidal, Amazon, oder wie auch immer die Streamingplattform heissen, bekommt.

Streaming kann man, wenn man gut gewillt ist, halt dem Radio gleichsetzen... oder was meint ihr, wieviel jemand dafür bekommt einmal im Radio gespielt zu werden?

Ich hab auch verstanden, dass Kieran White u.a. hier z.B. nach RARITÄTEN aus den 70s suchen!! Was prinzipiell auch ein schwieriges Thema ist... ich sage mal so, ich selber habe ein ähnliches "Problem", ich bin auch großer 60s/70s Rock-Fan... siehe etlicher alter Threads ;)

Und ansonsten: Ich hab in der Vergangenheit selbst tatsächlich auch einige Jahre auch in der Musikbranche für ein paar kleine Label gearbeitet, u.a. haben diese sich dem Re-Release bestimmter alter Obskuritäten verschrieben!!

Es wurde hier im Forum teils zu recht auch kritisiert, wie "scheisse manche Musiklabel" sind... Ich hab da aber mal Gegenbeispiele, wo eben jenes kleine Label erstmal 10 000 Euro auf den Tisch legen müsste, nur um die Rechte für eine Veröffentlichung zu bekommen... d.h. die eigentlichen Herstellungs-/Marketingkosten etc kommen da noch oben drauf!

Und dann gibt es die Kieran Whites, die halt so etwas vl. nicht mal wissen. Das kann sein! Aber dann sich auch scheinbar nicht wirklich viel eine Birne machen, auch nicht nach dem zigsten gutgemeinten Hinweis einiger hier, warum es nicht gut ist was sie da machen. Sowas ist einfach ... daneben.

Noch einmal Beispiele einiger, der Labels, die ich angesprochen habe:

https://guerssenrecords.bandcamp.com
https://worldinsound.bandcamp.com
https://merlinsnoserecords.bandcamp.com
https://finderskeepersrecords.bandcamp.com
...

PS: Ihr fragt euch wie ein Album vor Release illegal auf Youtube landen kann? Schon einmal was von Promo-Arbeit gehört? Ein Label/Künstler verschickt ja vorab vor seinem Veröffentlichungstermin bereits das Album an verschiedene Journalisten/Blogs/Radio etc... tja, und wenn dann einer von denen meint "ach lad ich mal auf Youtube" -->DUMM GELAUFEN! Hab ich auch selbst schon erlebt. Das ist in einer Art vl. auch eine Art Promotion, aber wenn dann alle so drauf wären und sich dann nur das Album von Youtube runterladen, na gute Nacht ...
 

Jester.D

Aktives Mitglied
Ja, das wird heute mit der Muttermilch schon aufgesogen - we wanna have fun. Arbeiten muss nicht zwingend sein, Achtung vor Arbeit - selbst vor der eigenen! - ach, nö, muss auch nicht. Und immer schön auf die work-life-balance achten, das ist wichtig, die muss stimmen!!

Das Grundproblem, und das ist ja hier auch schon deutlich geworden, hat weder etwas mit Musik noch Musikindustrie zu tun - es ist ein gesamtgesellschaftliches Ding. Wer jahrelang Geiz ist geil (mit)grölt, billigstes Fleisch en masse fressen muss und sich dann bei jeder Gelegenheit über alles Mögliche und Unmögliche aufregt, der ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die wenigen letzten Mohikaner (das wenigen ist relativ zu betrachten) wie wir hier in unserer Musiknerd-Ecke werden den ganzen Schlamassel nicht mehr aufhalten können. Was also tun? Richtig, Rückzug in die eigene Nische. Mit 60+ ist man nicht mehr so straßenkampfmäßig geeignet. Auch das bitte nicht wörtlich nehmen. Glaubt's mir, ich könnte manchmal so kotzen über all diesen Mist hier, aber das ist ja falsch - es geht uns doch allen sooooooooooooooooooooooo gut. Immer schön auf die eigenen Schultern klopfen und alles nicht so verbissen sehen. Wird schon.
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
So, dann möchte ich auch noch was dazu sagen. Ich fange an mit einem Buchtipp: Tim Renner, Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm. Darin räumt ein Branchenintimus mit den üblichen Verschwörungstheorien gegen die Plattenfirmen auf. Wie er schreibt, sind die "nicht böse, sondern bestenfalls blöde".

Tatsache 1: Es gibt keine Verschwörung böser Plattenfirmen-Manager gegen gute Musik. Es gibt nur den Konflikt zwischen der Sichtweise der Musiker, die in einem Album oder einem Song ein Kunstwerk sehen, und der der Plattenfirmen, für die dasselbe Stück Musik nur ein Produkt ist. Tatsache 2: Die großen Plattenfirmen fahren Profitmaximierungs-Strategien, die sich nachteilig auf die Qualität der Musik auswirken, aber bei denen es nur darum geht, Geld zu machen und keine schlechte Musik. Den A&R-Leuten werden da Controller in den Nacken gesetzt, die mit sehr spitzen Bleistiften rechnen, damit die Quartalszahlen stimmen. Es ist eben viel besser kalkulierbar und gewinnträchtiger, mit einer DAW und einer willfährigen Sängerin Wegwerfpop zu produzieren, statt sich mit einer eigensinnigen Band mit hehrem Künstler-Selbstverständnis herumzuärgern. Und wenn die Leute die Platte schnell leid werden, umso besser, dann kaufen sie sich schneller eine neue. Durchsatzwirtschaft halt eben. Wen wundert's da, dass das Publikum irgendwann nicht mehr bereit ist, für diese dünne Plempe noch Geld auszugeben.

Und Tatsache 3 noch hinzuzufügen: es ist gar nicht so, dass die Majors Nischenmusik ignorieren! Sie betreiben vielmehr Outsourcing, indem sie mit Indies Vertriebsverträge abschließen. Davon haben alle Beteiligten was: die Majors, indem sie einen Fuß in der Tür in "schwierigen" Märkten haben, und die Indies und die dort unter Vertrag stehenden Künstler, indem sie Zugang zu erstklassigen Vertriebsstrukturen haben und so mehr Scheiben verkaufen können.

Und was mein eigenes Musikkonsumverhalten betrifft: ich kaufe CDs, sei es im örtlichen Fachhandel oder im Netz bestellt (in letzter Zeit immer mehr letzteres, weil das örtliche Fachhandelssortiment so seine Grenzen hat), weil ich die Musik in guter Qualität auf einer guten Stereoanlage hören will, und der Meinung bin, dass die Musiker es verdient haben - und die Labels auch, denn dank derer kommen wir alle ja überhaupt erst an die Musik ran. Portale wie Bandcamp oder YouTube dienen nur zum Probehören - da höre ich mal in die Musik rein, und wenn sie mir gefällt, kaufe ich die CD.
 

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