Musikbücher

WeepingElf

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Es stimmt, dass das Buch ziemlich "akademisch" ist, der Autor ist von Beruf Musikwissenschaftler. Es ist etwas trocken, aber ziemlich fundiert. Der Mann weiß, worüber er schreibt, und gibt seine Quellen an. Und er weiß auch, dass Prog nicht die "progressivste", künstlerisch avancierteste Rockmusik ist, die es je gab, und dass er das auch zu seiner Hochblütezeit nicht war. Andererseits weiß er aber sehr wohl zu würdigen, was die Prog-Musiker erschaffen haben.

Und was den Begriff "Kunstmusik" anbelangt, so ist er in der Musikwissenschaft üblich, so merkwürdig er dem Laien anmuten mag. "Klassik" ist nämlich "eigentlich" eine Bezeichnung für eine bestimmte Epoche der Kunstmusik, in etwa von Haydn bis Beethoven. Davor war Barock, danach war Romantik. Bach und Wagner sind also in diesem Sinne keine Klassik! (Und die meisten "Klassik"-Einflüsse im Prog stammen entweder aus dem Barock oder aus der Programmmusik des späten 19. und frühen 20. Jh., aus der eigentlichen Klassik selbst ist da eher wenig zu finden.)

Natürlich klingt "Kunstmusik" ein bisschen komisch, aber es ist ja auch so, dass nicht jede Art von Musik wirklich den Anspruch erhebt, Kunst zu sein - vieles ist einfach nur Unterhaltung und oft gar ein kommerzielles Produkt. Der größte Teil der im Formatradio laufenden Musik ist auch nicht mehr Kunst, als es etwa ein Tapetenmuster oder ein Röhrender-Hirsch-Druck wäre.
 

Lamneth

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Oh, krass. Bei meinem örtlichen Buchhändler (amazon kam natürlich nicht in Frage;)) ist es erst Ende November lieferbar!
Wenn man bedenkt, dass der "Krake" Amazon mit dem Versand von Büchern angefangen hat, und das dass damals eine feine Sache war, denn man bekam dort Bücher, die sonst schwer oder gar nicht zu bekommen waren. Ich fürchte, dass man in nicht allzu langer Zeit gezwungen sein wird, beim Kraken zu bestellen, da er den Handel noch mehr dominieren wird, als es heute schon der Fall ist. Fluch und Segen des Internets. :eek:
 

passionplayer

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Oh, krass. Bei meinem örtlichen Buchhändler (amazon kam natürlich nicht in Frage;)) ist es erst Ende November lieferbar!
Das ist mittlerweile bei vielen Waren der Fall, im Tonträgerbereich ist es doch so, das man doch gezwungen wird online zu bestellen, da in vielen Städten kein Anbieter mehr ist oder das Sortiment der vorhandenen Anbieter recht schmal ist. Im Progbereich gibt es eine kleine Ausnahme, der Mailorder JFK hat schon mal Sachen da, die es beim Kraken nicht oder später zu kaufen gibt.
 

WeepingElf

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Zu dem Halbscheffel-Buch ist noch zu sagen, dass die trocken-akademische Sprache nicht das Einzige ist, was mir an diesem Buch missfällt. Das Buch ist nämlich weniger eine Gesamtdarstellung des Progressive Rock als eher eine Sammlung von Aufsätzen zu bestimmten Aspekten dieser Musikrichtung. Viele wichtige Aspekte bleiben unberücksichtigt. Ferner setzt es teilweise musikwissenschaftliches Wissen, vor allem im Bereich der Popularmusik und ihrer Geschichte, voraus, das wahrscheinlich nicht jeder interessierte Leser mitbringt (aber sich größtenteils nicht allzu schwierig nachschlagen lässt, etwa im Handbuch der populären Musik von Peter Wicke, Wieland und Kai-Erik Ziegenrücker). Und das Kapitel "Prog nach Prog" befasst sich nicht mit Neoprog und anderen Entwicklungen im Prog nach der klassischen Ära, sondern mit mehreren einzelnen Bands, von denen die meisten wenig bis nichts mit Prog zu tun haben, wenn sie auch im Wortsinn irgendwie "progressiv" sind. Das alte Problem also. Trotz aller Mängel ist dieses Buch aber in meinen Auge durchaus lesenswert!

Von Bernward Halbscheffel kenne ich noch zwei Bücher über Prog. Das eine ist das Lexikon Progressive Rock, wie der Titel vermuten lässt ein Lexikon mit alphabetisch geordneten Stichwortartikeln - ein durchaus nützliches Nachschlagewerk, bei dem aber die Stichwortauswahl teilweise schwer nachzuvollziehen ist: es fehlen einige bedeutende Prog-Bands, dafür sind einige Gruppen aufgenommen, bei denen man sich fragt, was zum Kuckuck die denn mit Progressive Rock zu tun haben sollen, und bei den Sachstichwörtern gibt es ähnliche Probleme.

Das andere Buch ist seine Dissertation Rock barock, die sich nur mit einem Aspekt befasst, nämlich Einflüsse, Zitate und Adaptionen "klassischer" Musik im Rock. Das ist ein Aspekt, der fraglos für das Verständnis des Phänomens Progressive Rock sehr wichtig ist und den Halbscheffel auch in Progressive Rock: die Ernste Musik der Popmusik in den Mittelpunkt rückt, aber eben nur ein Aspekt. Ich würde eher sagen, dass es im Prog allgemein darum geht, die Grenzen des Popsongs zu überwinden, und da ist der Formenreichtum der Kunstmusik eben eine ergiebige Quelle, aber eben nur eine von mehreren. Es gibt im Prog auch Formen, die aus dem Jazz, der Folk Music oder außereuropäischen Musikkulturen stammen oder einfach organisch aus dem Formenkanon des "traditionellen" Rock heraus entwickelt wurden, und längst nicht alle Prog-Musiker habe klassische Kompositionen adaptiert.

Besser gefallen als Halbscheffels Buch hat mir Progressive Rock: Pomp, Bombast und tausend Takte von David Weigel (eine Übersetzung aus dem Englischen), das auch billiger und leichter zu beschaffen ist, aber wie die meisten populären Publikationen zur Rockmusik nicht allzu sehr in die Tiefe geht und mehr Anekdoten und Interviewäußerungen als Hintergründe liefert. Also eher kurzweiliger Lesestoff als ein fundiertes Handbuch, und keine Konkurrenz zu Halbscheffel, sondern eine ganz andere Art, mit dem Thema umzugehen. Auch werden die Entwicklungen nach der klassischen Ära sowie in anderen Ländern nur gestreift, wie in fast allen Publikationen zum Progressive Rock. Das Buch, das ich mir wünschen würde, ist anscheinend noch nicht am Markt - also schreibe ich es selbst (ist auch schon recht weit gediehen).
 

passionplayer

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Mal den alten Thread wiederbeleben. Ein tolles Buch über die Hardrock Band Thin Lizzy und ihren charismatischen Songwriter Phil Lynott. Wie der Titel schon sagt "Visual" sind auf vielen Seiten tolle Fotos aus ihrer ganzen Karriere, ein wenig Text ist auch dabei.
 

DerGrobeWestfale

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Ich möchte ein Buch vorstellen, dass evtl. einige zur Zeit der Erscheinung in den damals noch existierenden 2001 Läden gekauft haben, oder mit der Schneckenpost da bestellten. Sicherlich ist es nicht ganz fair, auf ein Buch aufmerksam zu machen, dass in relativ kleiner Auflage hergestellt wurde. Das dazu! Allerdings wurde hier ein Stück früher deutscher Musikjournalismus auf weit über 1500 Seiten gut zusammengefasst. Unterschwellig mag mich der vom Gonzo Journalismus geprägte Stil mancher Rezensionen insbesondere die von Jörg Gülden(R.I.P.) in meiner späteren Arbeit für diverse Fanzines geprägt haben. Viele der Rezensionen sind schon damals hanebüchen gewesen und waren von einer gewissen fehlenden Weitsicht geprägt. Aber auch dem absolutistischem Anspruch der Unfehlbarkeit.
Wie geschrieben, nur eine Vorstellung verbunden mit der Hoffnung, dass die, die damals nicht zu den Sounds Lesern*innen gehörten, dass Glück haben, ein Exemplar günstig zu ergattern oder bei jemanden stundenlang kreuz und quer lesen können.
In der 2. Auflage waren einige Kritiken geschwärzt, da der Rezensent sein OK nicht geben wollte.
Das Besondere an dem Buch ist aber einfach, dass es den klassischen Prog in seinem historischen Kontext anhand von Rezensionen porträtiert und zwar aus damaliger, zeitgenössischer Sicht. (aus BBS)

 

nobby62

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Ich möchte ein Buch vorstellen, dass evtl. einige zur Zeit der Erscheinung in den damals noch existierenden 2001 Läden gekauft haben, oder mit der Schneckenpost da bestellten. Sicherlich ist es nicht ganz fair, auf ein Buch aufmerksam zu machen, dass in relativ kleiner Auflage hergestellt wurde. Das dazu! Allerdings wurde hier ein Stück früher deutscher Musikjournalismus auf weit über 1500 Seiten gut zusammengefasst. Unterschwellig mag mich der vom Gonzo Journalismus geprägte Stil mancher Rezensionen insbesondere die von Jörg Gülden(R.I.P.) in meiner späteren Arbeit für diverse Fanzines geprägt haben. Viele der Rezensionen sind schon damals hanebüchen gewesen und waren von einer gewissen fehlenden Weitsicht geprägt. Aber auch dem absolutistischem Anspruch der Unfehlbarkeit.
Wie geschrieben, nur eine Vorstellung verbunden mit der Hoffnung, dass die, die damals nicht zu den Sounds Lesern*innen gehörten, dass Glück haben, ein Exemplar günstig zu ergattern oder bei jemanden stundenlang kreuz und quer lesen können.
In der 2. Auflage waren einige Kritiken geschwärzt, da der Rezensent sein OK nicht geben wollte.
Das Besondere an dem Buch ist aber einfach, dass es den klassischen Prog in seinem historischen Kontext anhand von Rezensionen porträtiert und zwar aus damaliger, zeitgenössischer Sicht. (aus BBS)

Ich habe lediglich die rote Sounds Ausgabe von
Zweitausendeins Platten 66-77. Die Kritiken sind teilweise recht derb.
Die Sounds war in den 70er Jahren für mich uninteressant, erst später begann ich mich dafür zu interessieren, da sich der Freundeskreis verändert hat.
 

DerGrobeWestfale

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Ich habe lediglich die rote Sounds Ausgabe von
Zweitausendeins Platten 66-77. Die Kritiken sind teilweise recht derb.
Die Sounds war in den 70er Jahren für mich uninteressant, erst später begann ich mich dafür zu interessieren, da sich der Freundeskreis verändert hat.
Im nachhinein gelesen, YouTube sei auch dank, habe ich viele der Alben gehört, die in dem Magazin keine Chance hatten. So manches mal habe ich mich gefragt ob der Rezensent oder die Rezensentin überhaupt nur eine Minute reingehört hat! Wenn es lediglich um den Coolness Faktor ging, dann wurde alles richtig gemacht. Wir haben die speziellen Ohren, die euch vor Pest und Cholera bewahren. Wir sind unfehlbar! Wir sind Sounds!
 

passionplayer

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Die rote Ausgabe von Sounds Plattenkritiken habe ich auch. Teilweise überheblicher, naserümpfender Journalismus, speziell Hardrock und Progressive Rock gegenüber, falls diese überhaupt besprochen werden. Ähnlich dem Rolling Stone.
 

DerGrobeWestfale

Aktives Mitglied
Die rote Ausgabe von Sounds Plattenkritiken habe ich auch. Teilweise überheblicher, naserümpfender Journalismus, speziell Hardrock und Progressive Rock gegenüber, falls diese überhaupt besprochen werden. Ähnlich dem Rolling Stone.
In der Roten Ausgabe sind einige Rezensionen eingeschwärzt. Folglich müssen sich einige Schreiberlinge nachträglich für ihre Beurteilungen geschönt haben. Tatsache ist auch nachträglich beurteilt, das der Elfenbeinturm der Selbstherrlichkeit doch einige Risse hatte.
"Ist nicht so dolle"
Rezension zu der damals aktuellen LP von Emmylou Harris. Prima auf den Punkt gebracht, wenn ich einem Bekannten vom Hörerlebnis erzähle, aber absolut unpassend in einer Musikzeitschrift.
 

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