Musik aus aller Welt

Jester.D

Alter Hase
Es beginnt wieder mit einer kleinen Geschichte.

In einem anderen Forum berichtete eines Tages ein User von einem Paris-Trip. Im Untergeschoss des Louvre, da wo ein von Reiseunternehmen gern genutzter gesonderter Zugang zur Ausstellungs ist, war (oder ist immer noch) ein großer VIRGIN Music Store. Ich war ein, zwei Jahre vorher mal da und kannte ihn.
Er wollte mal schauen und hatte glaub ich konkret eine französische CD im Auge und war fest entschlossen, sie dort zu kaufen. Im Laden entdeckte er eine Mini-Bühne. "Da stand eine dunkelhäutige alte Frau, barfuß, und sang, begleitet von zwei Musikern, ihre Lieder." So er wörtlich. "Ich hörte zu und vergaß die Welt". Er verließ den Store später und hatte eine CD der "alten Frau" direkt bei einem ihrer Begleiter gekauft. Die französische CD hatte er vergessen. Die Frau war Cesaria Evora von den Kapverden.

 

Jester.D

Alter Hase
Ich bin neugierig geworden und der liebe Wombat hat mich mit Musik von Cesaria versorgt. Es waren drei oder sogar vier CDs. Da muss ich demnächst mal nachschauen. Die Musik mit ihrem gewissen Etwas hat mir sofort gefallen.

Wiki sagt:
Cesária Évora wurde die „barfüßige Diva“ genannt, weil sie traditionell ohne Schuhe und Strümpfe auftrat. Sie stammte aus einer Musikerfamilie der Stadt Mindelo auf der Insel São Vicente und hatte vier Geschwister. Ihr Vater Justino da Cruz Évora spielte Cavaquinho, Gitarre und Geige. Nach seinem frühen Tod kam Cesária erst in ein Kinderheim, dann zu Pflegeeltern. Sie lebte von Live-Auftritten in den Kneipen der Stadt. 1988, mit 47 Jahren, bekam sie ihren ersten Plattenvertrag und wurde sehr schnell zu einem Weltstar.

Die Sprache ihrer Lieder ist das kapverdische Kreol ihrer Heimat.

2008 erlitt Cesária Évora während einer Tournee in Australien einen Schlaganfall. Im Oktober 2009 erschien ihr Album Nha Sentimento, das im Frühjahr 2009 in Mindelo und in Paris aufgenommen und von José da Silva produziert worden war. Im September 2010 trat sie aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne ab und kehrte aus Paris nach Cabo Verde zurück, um, wie sie sagte, „die letzten Tage“ in ihrer Heimat zu verbringen. Sie starb am 17. Dezember 2011 in Mindelo. Der kapverdische Premierminister José Maria Neves ordnete daraufhin eine 48-stündige Staatstrauer an.[
 

Jester.D

Alter Hase
Ja, ich muss erst einmal gestehen, dass ich in letzter Zeit keine derartige Musik, leider auch Cesaria nicht, gehört habe. Weshalb ich dann doch jetzt auf den Kapverden gelandet bin kann ich aber erklären, denn ich habe eine neue CD entdeckt, die mich wieder dahin geführt hat:


(2020)

In nur 2 Jahren hat sich Elida Almeida bei Weltmusik-Locations in Europa, Afrika und Nordamerika einen Namen gemacht. Die unbekannte Elida gewann riesigen Beifall für ihr erstes Album und den Song ›Nta Konsigui‹ (2, 7 Millionen Aufrufe auf YouTube), mit ihrer warmen glatten Stimme, die eine starke Freude vermittelt.

"Auf ihrem zweiten Album, »Kebrada« (benannt nach dem Dorf, wo sie aufgewachsen ist), behauptet sie ihre afrikanische Identität, würdigt ihre Cabo Verdean Beats – Batuque, Funaná, Coladera und Tabanka – mit Latino Energie. Ihr feuriges Temperament und Lebensfreude machen nichts, um die soziale Kritik zu untergraben, die sie in ihren nostalgischen Balladen, die mit Pop gefärbt sind, ausdrückt. Bereits mit 24 zeigt Elida Almeida eine beeindruckende Reife, Talent und Großzügigkeit." schrieb man 2017 über sie.



 

Jester.D

Alter Hase
Zwischenzeitlich hatte ich noch diese Dame entdeckt




Mayra Andrade (* 13. Februar 1985[2] in Havanna, Kuba) ist eine kapverdische Sängerin.

Wiki:
Von kapverdischen Eltern auf Kuba geboren, zog sie auf die Kap Verden, dann nach Senegal, Angola, Deutschland und zuletzt nach Paris, Frankreich. Auf ihrem Debütalbum Navega, das 2007 den Preis der deutschen Schallplattenkritik gewann, singt sie vornehmlich in kapverdischem Kreol. In ihrer Musik wandelt sie zwischen Latin und Jazz, sie verbindet dabei brasilianische Einflüsse (Tunuka) mit Flamenco (Lapidu na bo) und fängt mit Liedern wie Dispidida und Navega zugleich die charakteristische Melancholie traditioneller kapverdischer Musik ein, die oft mit dem portugiesischen Fado verglichen wird. Neben Cesária Évora, Sara Tavares und Lura gehört Mayra Andrade inzwischen zu den bekanntesten Sängerinnen der kleinen Inselgruppe und ehemaligen Kolonie Portugals. Bereits mit 16 Jahren gewann sie 2001 die Goldmedaille als beste Sängerin bei den Jeux de la Francophonie, einem internationalen Wettbewerb in Kanada. 2005 nahm sie mit Charles Aznavour ein Duett auf.

Ich habe mittlerweile drei CDs von ihr.

 

Jester.D

Alter Hase
Und jetzt ist hier der Wombat am Zug. Büüdeeeschööön. :D

edit: Ich verschnaufe ein bisschen - so 'ne Weltreise ist ziemlich anstrengend - und schlage dann irgendwann später in Frankreich auf. ;)
 
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The Wombat

Aktives Mitglied
Was ist nun los auf den Kapverdischen Inseln? Samba, Reggae oder Post-Rock?
Samba? ja
Reggae? auch ja
Post-Rock? Ähhhhh.....eher nicht so wirklich. Also vielleicht in sehr geringen, homöopathischen Dosen. Kaum wahrnehmbar. Vielleicht unter Major Massenspektrometer nachzuweisen.:D:p

Okay, weiter im Text in Sachen Cabo Verde.
Die Inselgruppe war ja mal lange Zeit eine portugiesische Kolonie und ursprünglich nicht von Menschen besiedelt.
Im Zuge der Kolonianisierung diente die Instel auch als Umschlagplatz für den Sklavenhandel und wurde zu einem Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen, aus der sich dann eine ganz eigene kreolische Kultur herausbildete.
Was nun die Musik der Kapverden angeht, sieht es sehr ähnlich aus. Umfangreichere Ausführungen erspare ich mir hier mal, man kann sich hier einen guten Überblick verschaffen, was so alles in diesem "Kessel Buntes" vermischt und vermengt ist.

Meine Affinität zur Musik der Kapverden enstammt meinem Faible für "Weltenmusik" und der Musik vom schwarzen Kontinent.

In Medias Res:
Die hierzulande wohl bekannteste, berühmteste und leider bereits 2011 verstorbene Protagonistin war Cesária Évora, die ich bereits in meinem Afro-Vibes-Thread gewürdigt hatte. Ich bin seit vielen Jahren sowas wie Fanboy der Frau und in Bezug auf ihre musikalischen Veröffentlichungen (fast) Komplettist.

Jester.D hatte oben bereits Mayra Andrade und Elida Almeida erwähnt, die ich ebenfalls sehr schätze.
Vor allem Elida Almeida ist sowas wie die derzeitige "Miss Sunshine" der Kapverden, ihre Musik ist eher wenig schwermütig oder bitter-süß, sondern fröhlich, unbefangen und ziemlich tanzbar. Hier spielen die Einflüsse gewisser nordafrikanischer "Afro-Disco-Musik" der 1990er Jahre hinein.



Obwohl, so ein klein wenig bitter-sweet geht auch bei ihr:


Ihr Album "Gerasonobu" liegt bei mir übrigens im ****-Bereich.
 

The Wombat

Aktives Mitglied
Ein nochmal anderes Kaliber ist Mayra Andrade. Wenn man jemanden mit Fug und Recht als "Weltbürgerin" bezeichnen kann, dann sie. Kapverdische Eltern, auf Cuba geboren, aufgewachsen u.a. in Angola, dem Senegal, Frankreich und Deutschland.
Sie könnte man vielleicht als Latin & Jazz-Queen der Kapverden bezeichnen.

Sehr zu empfehlen sind ihre Alben "Stória, stória …", "Lovely Difficult" und "Manga", die liegen bei mir alle im Bereich *** 1/2 - ****, mithin gut bis sehr gut.




Weiter gehts mit Carmen Souza und Sara Tavares....aber erst, wenn ich mir ein leicht verspätetes lecker Mittagessen reingezogen habe. ;)
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Nach der Bohnensuppe ist vor dem Kaffee.Ich muss gleich mal mein Archiv durchforsten. Angola oder Simbabwe? Da habe ich was entdeckt. Krummholz oder so ähnlich.
Uganda! Black Metal vom schwarzen Kontinent!
 
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DerGrobeWestfale

Alter Hase
Wen es interessiert, Pakistan, Russland, Türkei, sehr viel Weltmusik im weiteren Sinn. Kein Krach und Dröhn.

 

The Wombat

Aktives Mitglied
Okay, nach einem feinen Paprika-Gulasch mit Gurkensalat und 2 Stunden später eine schöne Tasse Kaffee mit einem Nusseckchen (wirklich nur ein kleines) kann es weitergehen:

Carmen Souza. Geboren in Portugal, Wurzeln auf den Kapverden, lebt in London und arbeitet oft mit einem Multiinstrumentalisten namens Theo Pas`cal zusammen.
Ich halte sie für die vielseitigste Sängerin / Musikerin im Dunstkreis der Nachfolgerinnen von Cesaria der Großen. Sie kann Morna, sie kann Fado, sie kann brasilianische Rhythmen, sie kann Karibik....sie kann eigentlich alles.
Von meiner Seite empfehlenswerte Alben: Ess E Nha Cabo Verde (das ist mein Cabo Verde)



Extrem empfehlenswert, ich hatte es mal vor vielen Jahren (ausgeliehen aus einem damals tatsächlich noch existierenden CD-Verleih) auf einer sehr guten MC. Heute ist das Ding leider verschwunden. Aber ich könnte das Album beim großen Onliner für lockere 1.178,00 € nachkaufen. Oder für runde 6 € als Mp3 downloaden. Was ich ausnahmsweise wohl auch machen werde, denn das Album ist im Handel als CD und für halbwegs moderates Geld äußerst selten.

Daneben natürlich auch empfehlenswert: Kachupada und Creology
Voilà:


 

The Wombat

Aktives Mitglied
Last, but not least: Sara Tavares
Ein Kind kapverdischer Eltern, geboren in Lissabon, aufgewachsen bei einer Portugiesin, nachdem Vater (USA) und Mutter (irgendwo) sich verabschiedet hatten....da wurde aus ihr erst einmal sowas wie ein Strassenkind.
Sie ist die in unseren Breiten vielleicht bekannteste Künstlerin der Kapverden, sie ist in den 2000er Jahren recht oft in Deutschland aufgetreten, ist aber auch bekannt dafür, dass sie sich mal über das eine oder andere Jahr aus dem gesamtent Business zurückzuziehen.

Von ihren Werken aus meiner Sicht empfehlenswert: Balancê (*** 1/2) , Xinti (****) , Fitxadu (****)
Ihr Markenzeichen: Afro-Pop der gehobenen Art, federleicht, fluffig und oft in akustische Pastelltöne getaucht. Das mag sich jetzt vielleicht ein bissel nach "seicht" anhören, aber dem ist ganz gewiss nicht so.....im Gegenteil.




Es gibt übrigens noch eine Menge Künstler und Künstlerinnen der Kapverden, die hierzulande total unbekannt sind, die man zwar im Net recherchieren kann, aber es gib nur sehr wenige Tonträger bei den Onlinern....von MediaMarkt und Konsorten rede ich erst gar nicht.

Da könnte man noch Simentera nennen (leider nicht mehr existent) oder einen Herrn Tito Paris.
Es gab sogar mal in den 1970ern eine Soul- und Disco-Truppe namens Avares, deren Mitglieder von den Kapverden stammten und die in den USA recht erfolgreich war.

Heute am Abend noch ein bissel was von Lura, die gehört eigentlich auf jeden Fall noch hier rein.
 

Jester.D

Alter Hase
Von den Kapverden nun ein kleiner Hopser zu meiner Station 14 - Frankreich.
Es begann mit einer AMIGA-LP und meinem Dauerhören, weil ganz einfach nichts anderes im (Eltern-)Haus war, was mir auch nur annähernd so gut gefiel:



 

Jester.D

Alter Hase
Dann kamen noch Mireille Mathieu, Adamo und Daniel Gerard dazu. Da lernte ich aber überwiegend die deutschen Versionen ihrer französischen Hits kennen und das Mögen meinerseits bewegte sich dann schon in sehr überschaubaren Grenzen, da meine Entdeckertour quer durch die englisch-amerikanische Rockmusik längst begonnen hatte. Trotzdem habe ich immer mal wieder die Becaud-Platte aufgelegt. Nachschub in der Richtung gab es aber nicht.

Dann folgte eine lange Funkstille bei mir, was Musik aus Frankreich anbelangte, wenn man von den wenigen Pop-Hits absieht.


 

Jester.D

Alter Hase
Auch diese Station wird jetzt nicht chronologisch - ich springe hier im Thread also sowohl geografisch als auch zeitmäßig gern recht wild umher. Das nur nebenbei bemerkt.

Woran ich lange Zeit überhaupt nicht gedacht hatte war, dass die Franzosen eventuell auch "richtig gute Rockmusik" hinbekommen - man möge mir verzeihen, aber mit dem französischen Elvis namens Johnny Hallyday konnte ich nichts anfangen (kann ich mit Peter Kraus übrigens ebenfalls nicht).

Da musste also anno 2004 erst diese Band auf meinem Radar erscheinen.





so schön kann Progrock sein...
Reviewed in Germany on 10 March 2010

... wenn er intelligent mit modernen Einflüssen kombiniert wird. Natürlich klingen Archive als Vorbild durch ("You're Leaving Me Again" hätte man mir glatt als Archive-Stück unterschieben können), aber auch Dinosaurier wie Pink Floyd sind da herauszuhören. Man achte in dem fast siebenminütigen "Never Said" auf das Pathos der Melodie und die bleischwer einsetzende Hammondorgel, die einige der Keyboardriffs aus "Echoes" direkt zitiert. Die zuckersüßen Melodien speisen sich aus allem, was je Pop war, von den Kinks bis zu Terrorvision (der Refrain von "I Could Be Old"!). Direkt bei alten Progrock-Vorbildern abgeschaut und hervorragend auf den Punkt gebracht das achteinhalb Minuten lang spannende "It's Me Again", wenn es nach dem knapp vier Minuten währenden Anflug in einen Orchesterpart übergeht und dann in eine höhere Umlaufbahn eingeschossen wird, um grandios mit blubbernder Baßlinie pompös in den Vielspurtechnikwahnsinn abzudriften. Die sehr schöne Nummer "Dream On" tut lange so, als wäre es eine Lagerfeuergitarrenschrammelei, bis sich das Lagerfeuer als verzerrtes E-Piano entpuppt und wiederum der Groove zusammen mit fetten Streichern über dem Hörer zusammenschlägt.
Das mußte mal gesagt werden. Ein weiteres Britpop-Gitarrenrock-Album ist das nämlich nicht. Da wird dreimal "Strophe-Brücke-Refrain-(ggf. Solo)" wiederholt, ehe der Produzent ausblendet. Diese Nummern von Mr. Lab! haben doch deutlich mehr Struktur im Aufbau und einige Raffinesse in der Instrumentierung zu bieten. Empfehlung!


Das trifft es ziemlich gut, was dieser Schreiber bei Amazon verkündet.

 

Jester.D

Alter Hase
Und dann betrat eines Tages Nolwenn Leroy meine Spielwiese. Der Tipp kam von einer französischen last.fm-Freundin (ja klar, von wem sonst). Dann leg ich gleich mal eine CD von ihr ein:



 

Jester.D

Alter Hase
Nolwenn bietet oberflächlich betrachtet sehr leichtfüßige französische Popmusik, aber verwendet auch gerne Elemente von Musik ihrer Heimat, der Bretagne, sowie aus England und Irland, wie z.B. besonders in ihrem wunderschönen Album "Bretonne".



Läuft.

 
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The Wombat

Aktives Mitglied
Streiche "oberflächlich betrachtet" und setze "aufs erste Hören". ;)
Du weißt, ich bin ein kleiner Fanboy der Dame und als socher musste ich das einfach schreiben........
 

The Wombat

Aktives Mitglied
Très bien..... elle est très jolie, élégante et talentueuse.
Je suis en train d’écouter l’album "Folk"
Et voilà:

 

Jester.D

Alter Hase
Dank meiner Kinder und einer französischen last.fm-Freundin habe ich ein paar Vokabeln drauf, aber ich habe die französische Sprache leider nie gelernt. Das war mal ein Fernziel von mir, weil mich die Sprache sehr interessiert.
 

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