Mike Oldfield

Knarfe1000

Mitglied
Dürfte hier sicher jedem ein Begriff sein.

Für mich zählt er zu den wichtigsten und einflussreichsten Künstlern im Progbereich. In den 70er Jahren schuf er mehrere bahnbrechende Werke, die in der Regel eine Mischung aus leichfüßigem Rock und Folkeinflüssen darstellten und weitgehend auf Gesang verzichteten (Chor oder Backvocals gab es natürlich ab und an).

Am bekanntesten dürfte wohl sein Debütalbum "Tubular Bells" sein, das bis heute eines der meistverkauften Alben überhaupt ist. Auf diesem Frühwerk intonierte er alle Instrumente selbst was zeigt, was für ein Multitalent er ist. Teile des Albums dienten als Soundtrack für den Horrorfilm "Der Exorzist", was natürlich auch zur Bekanntheit beitrug.
Von Tubular Bells sollte es in den kommenden Jahrzehnten noch viele Neufassungen und Neuinterpretationen geben - mal mehr, mal weniger gelungen. Kritiker werfen ihm dafür Ideenlosigkeit vor, was angesichts seines späten Outputs nicht unberechtigt sein dürfte.

Die Stimmung seiner Alben schwankte je nach seiner mentalen Verfassung. Mal locker und fröhlich, mal ernst, mal pastoral, mal episch, mal flott. Jedes seiner frühen Werke war eigenständig mit komplett neuen Ideen und weitgehend ohne Selbstreferenzen.

In den 80ern ging Oldfield den Weg vieler anderer Bands und wendete sich stärker dem Mainstream zu. Die Alben wurden poppiger und hatten immer wieder hittaugliches Material zu bieten. Auf Five Miles Out und Crises z.B. fuhr er zweigleisig: Eine rein instrumentale Seite mit einem 20 Minüter als Longplayer und eine Seite mit "radiotauglichen" Rocksongs. Gerade an Letzteren scheiden sich die Geister. Was hat z.B. Moonlight Shadows mit Prog zu tun? Genau: Nichts. Dennoch boten Five Miles Out, Crises und Discovery aus meiner Sicht noch sehr viel gute Musik und überraschende Ideen.

Richtig übel wurde es erst danach. Mit Islands und Earth Moving brachte der Meister zwei Alben der schlimmsten Sorte heraus. Billiger Plastik-Pop mit unerträglichen Gaststars (Bonnie Tyler z.B.). Doch das war nicht das Ende.

Amarok war wieder ein Progalbum, das aber dennoch durchaus umstritten war. Für viele ein später Geniestreich, für andere (auch mich) ein Sammelsurium an Ideensplittern ohne Struktur und Sinn.

Danach folgten noch einige der schon angesprochenen Variationen seines Debüts, wobei ich Tubular Bells 2003 als sehr gelungen hervorheben möchte.

2017 dann die große Überraschung: Return to Ommadawn. Ein tolles Werk mit zwei in der Stimmung unterschiedlichen Longplayern. Eine sehr sphärische, elegische "Seite" und eine fröhliche-folkige andere "Seite". Dabei kupfert Oldfield nicht billig beim 1975er Original ab, sondern interpretiert das Thema völlig neu. So ein Album hätten ihm viele sicher nicht mehr zugetraut - toll.
 
Zuletzt bearbeitet:

Marifloyd

Inventar
Stimme Dir weitestgehend zu. Allerdings habe ich keine Probleme damit, wenn ein Künstler sich mehreren Stilrichtungen öffnet. Ob Prog, ob Rock, ob Pop, ob Klassik, ob Trance, Mike Oldfield hat sich diesen Einflüssen nicht verschlossen und hat sich meiner Meinung nach in diesen Genre prima bewegt.
Mir gefällt z.B. das Album "Music OF The Spheres" auch sehr. Hier wirkt u.a. auch Lang Lang mit. Aber Oldfield ist nicht der einzige , der Kritik erfährt, wenn er sich populärer Musik öffnet. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist Steven Wilson mit seinem aktuellen Album.
Ich gebe aber gerne zu, dass mir Mike Oldfields Alben "Tubular Bells" und "Ommadawn" am besten gefallen. Mein Musikgeschmack ist sehr einfach gestrickt, ich höre das, was mir gefällt und dabei sind mir Schubladen nicht wichtig.

 

Jester.D

Alter Hase
Habe eben eine Rezension bei Amazon gefunden, die sich weitgehend mit meiner Meinung deckt:

"Das kitschige Cover läßt Schlimmstes vermuten.
Ein gelangweilter Künstler, der unter dem Druck der Plattenfirma belangloses Wohlfühlgedudel abliefert?
Schließlich enthält das 1987 bei Virgin Records erschienene "ISLANDS" von Mike Oldfield ja auch den gleichnamigen Titelsong, der mit Bonnie Tyler am Micro täglich im Radio dudelte und nicht mit Tiefgang glänzte.
Tatsächlich polarisiert das Album stark; es wird von vielen Anhängern seiner Pop-Phase sehr geschätzt, während ebenfalls nicht wenige Anhänger seiner phantastischen ersten (Instrumental-) Alben spätestens hier panikartig Reißaus nahmen.
"ISLANDS" fällt mitten in die Pop-Phase seiner Karriere; während er jedoch viele Hörer seiner älteren Alben auf den Alben zuvor noch mit Longtracks und Instrumentalstücken für "Moonlight Shadow" und Ähnliches entschädigen konnte, legt er hier ein (fast) lupenreines Pop-Album der ganz leichten Art vor.
Zwar ist mit "The Wind Chiemes" auch wieder ein Longtrack vorhanden, jedoch erreicht der, trotz einiger wirklich netter Momente, nie die Intensität, die man meist von ihm gewohnt ist.
Der Rest sind gesungene Pop-Nummern im Single-Format, die sehr schnell ins Ohr gehen.
MO läßt sich bei der Arbeit an der Gitarre von Rick Fenn unterstützen, bei seinem Tastenspiel von drei anderen Musikern, es werden zwei Saxophonisten, zwei Drummer und zwei Künstler für die Percussion beschäftigt, dazu ist auch mal Flöte zu hören.
Am Micro steht zumeist seine damalige Lebensgefährtin Anita Hegerland, außerdem singen Kevin Ayers und Jim Price je 1x.
Auch, wenn "The Wind Chiemes" ansprechend, aber nicht überragend und die Pop-Songs sehr eingängig sind, kann ich "ISLANDS" so einiges abgewinnen.
Voraussetzung ist natürlich, daß man mit Pop überhaupt etwas anfangen kann.
Die Songs zünden trotz ihrer einfachen Strukturen bei mir, obwohl ich eigentlich komplexeres Material bevorzuge.
Im Rahmen des Musikstils halte ich "ISLANDS" sogar für überaus gut und herausragend.
Daß mir Alben, wie "INCANTATIONS" oder "TUBULAR BELLS" besser gefallen, steht dem nicht entgegen.
Mike Oldfield hat es mit "ISLANDS" geschafft, leichte, lockere Muse zu erarbeiten, die dennoch nie ins Nichtssagende abdriftet.
Ein gutes Pop-Album mit tollen Melodien, dazu perfekt produziert.

An der Klangqualität gibt es nicht viel zu meckern.Der Pop-Sound ohne Ecken und Kanten war so erwünscht und paßt zur Musikrichtung.
Die alte Vinyl-Platte klingt sehr gut, die Remaster-CD von 2000 ist älteren CD- Pressungen unbedingt vorzuziehen.
Simon Heyworth hat beim Remastering sauber gearbeitet, der Musik einiges an Dynamik gelassen und nicht übersteuert.
Besitzer eines HDCD-fähigen Players dürfen sich sogar über noch mehr Dynamik und etwas höhere Auflösung freuen."
 

Knarfe1000

Mitglied
Islands - schon bei dem Namen schüttelt es mich. Weil ich dann den schlimmen Titelsong im Kopf habe.

Und Anita Hegerland (seine damalige Freundin) ist fast noch schlimmer als Tyler. Für mich der Tiefpunkt in seinem Schaffen. Dieser Satz passt wirklich wie die Faust auf´s Auge: Ein gelangweilter Künstler, der unter dem Druck der Plattenfirma belangloses Wohlfühlgedudel abliefert?

Nur dass ich kein Fragezeichen sondern drei Ausrufezeichen dahinter setzen würde.
 

Alexboy

Aktives Mitglied
Nicht wirklich, Tubular Bells habe ich nur, weil es in war, alle hörten und "die Missionare" den entsprechenden Druck aufbauten...
Das unterscheidet uns gewaltig!;)
Ich besaß keine Scheibe, welche mir nicht absolut gefiel - Geschenke natürlich die Ausnahme - da meine Finanzen sich immer in engen Grenzen hielten.
Missionare hatten bei mir nie die geringste Chance!:cool:
Und Tubular Bells ist bestimmt eines meiner am meisten gehörten Albums, und es gefällt mir immer noch - besonders in 5.1. Surround.
 

nixe

Inventar
Ich höre keinerlei Verbindung zu irgendeinem - wie auch immer - Feiertag. Beliebst Du zu Scherzen oder gefällt Dir das Album etwa gar nicht?o_O
Das war kein Scherz, ich lege sie gerne zu Weihnachten auf, das Intro mit dem Frauen Chor paßt da prima. Natürlich läuft dann das ganze Album. Bei mir geht sowas!
 

doombringer

Mitglied
Dürfte hier sicher jedem ein Begriff sein.

Für mich zählt er zu den wichtigsten und einflussreichsten Künstlern im Progbereich. In den 70er Jahren schuf er mehrere bahnbrechende Werke, die in der Regel eine Mischung aus leichfüßigem Rock und Folkeinflüssen darstellten und weitgehend auf Gesang verzichteten (Chor oder Backvocals gab es natürlich ab und an).

Am bekanntesten dürfte wohl sein Debütalbum "Tubular Bells" sein, das bis heute eines der meistverkauften Alben überhaupt ist. Auf diesem Frühwerk intonierte er alle Instrumente selbst was zeigt, was für ein Multitalent er ist. Teile des Albums dienten als Soundtrack für den Horrorfilm "Der Exorzist", was natürlich auch zur Bekanntheit beitrug.
Von Tubular Bells sollte es in den kommenden Jahrzehnten noch viele Neufassungen und Neuinterpretationen geben - mal mehr, mal weniger gelungen. Kritiker werfen ihm dafür Ideenlosigkeit vor, was angesichts seines späten Outputs nicht unberechtigt sein dürfte.

Die Stimmung seiner Alben schwankte je nach seiner mentalen Verfassung. Mal locker und fröhlich, mal ernst, mal pastoral, mal episch, mal flott. Jedes seiner frühen Werke war eigenständig mit komplett neuen Ideen und weitgehend ohne Selbstreferenzen.

In den 80ern ging Oldfield den Weg vieler anderer Bands und wendete sich stärker dem Mainstream zu. Die Alben wurden poppiger und hatten immer wieder hittaugliches Material zu bieten. Auf Five Miles Out und Crises z.B. fuhr er zweigleisig: Eine rein instrumentale Seite mit einem 20 Minüter als Longplayer und eine Seite mit "radiotauglichen" Rocksongs. Gerade an Letzteren scheiden sich die Geister. Was hat z.B. Moonlight Shadows mit Prog zu tun? Genau: Nichts. Dennoch boten Five Miles Out, Crises und Discovery aus meiner Sicht noch sehr viel gute Musik und überraschende Ideen.

Richtig übel wurde es erst danach. Mit Islands und Earth Moving brachte der Meister zwei Alben der schlimmsten Sorte heraus. Billiger Plastik-Pop mit unerträglichen Gaststars (Bonnie Tyler z.B.). Doch das war nicht das Ende.

Amarok war wieder ein Progalbum, das aber dennoch durchaus umstritten war. Für viele ein später Geniestreich, für andere (auch mich) ein Sammelsurium an Ideensplittern ohne Struktur und Sinn.

Danach folgten noch einige der schon angesprochenen Variationen seines Debüts, wobei ich Tubular Bells 2003 als sehr gelungen hervorheben möchte.

2017 dann die große Überraschung: Return to Ommadawn. Ein tolles Werk mit zwei in der Stimmung unterschiedlichen Longplayern. Eine sehr sphärische, elegische "Seite" und eine fröhliche-folkige andere "Seite". Dabei kupfert Oldfield nicht billig beim 1975er Original ab, sondern interpretiert das Thema völlig neu. So ein Album hätten ihm viele sicher nicht mehr zugetraut - toll.
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.
Bei Mr. Oldfield stimmen wir fast überein.
Ich finde die Sachen mit Maggie Reilly jedoch ziemlich cool. Anyway.
Die Zeit war überreif für 'nen Oldfield-Thread. Well done !
 

Knarfe1000

Mitglied
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.
Bei Mr. Oldfield stimmen wir fast überein.
Ich finde die Sachen mit Maggie Reilly jedoch ziemlich cool. Anyway.
Die Zeit war überreif für 'nen Oldfield-Thread. Well done !
Ich finde Maggie Mit ihrer glasklaren Stimme auch sehr gut und passend für Mikes Musik. Ebenso Palmer auf Discovery . Crises ist eine gelungene Symbiose aus Anspruch und Zugänglichkeit. Ein schwacher Song ändert daran nichts.
 

Jester.D

Alter Hase
Hab eben Islands von der Best of gehört - da gibt es wirklich weitaus schlimmere Songs. Merke aber gerade auch, dass sich meine Begeisterung für Oldfield mittlerweile in engen Grenzen hält. Sein Klingel-Geklöppel bei diversen Tracks muss ich nicht haben. Die Tubular Bells haben mich auch nie wirklich interessiert.
 

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