Mari Boine

Gast 1

Guest
Mari Boine hat die norwegische Staatsbürgerschaft, ist aber eine Sami, gehört also zum Volk der Samen (früher Lappen), welche über Nordschweden, Nordnorwegen, Nordfinnland bis nach Russland verteilt leben.

Sie singt im Joik-Stil, in samisch, norwegisch und englisch, oft gemischt im selben Song. Die Musik ist recht oft sehr perkussiv unterliegt, schwebend, transportiert etwas mystisches, geheimnisvolles, kraftvoll spirituelles. Die Songstrukturen pendeln zwischem nordischem Folk und Jazz im weitesten Sinne. Rock im klassischen Sinne gibt’s nicht, E-Gitarren werden eher lautmalerisch eingesetzt, können aber schon auch mal in intensiv steigernde Solos ausbrechen. Sie ist eine Meisterin des Laut/Leise Spiels. Manchmal ist es auf der Bühne so still ohne dass die Musik aufhört, dass du eine Stecknadel fallen hören könntest und dann beginnt die Musik, getragen von ihrer sich steigernden Stimme, nach und nach an Intensität und Spannung zuzunehmen bis hin zu einem lauten Crescendo. Dazu dreht sie sich oft selbstvergessen im Kreis, beschreibt mit ihren wallenden Gewändern und Ärmeln Figuren in der Luft, wirkt wie in Trance, was sie vermutlich in diesen Momenten auch ist. Sie singt selbst ganz leise Stellen so unglaublich intensiv, ich hab keinen anderen Sänger je so erlebt.

Ich hab sie ein paarmal hier in Münchner Kirchen auftreten sehen wo die Akustik natürlich ihren Teil dazu beiträgt, dass diese intensiv-kraftvolle Musik noch jeden Zuhörer gebannt auf den Sitz drückt. Ich hab sie aber auch im Restaurant des Karstadt-Kaufhauses nach Ladenschluß in Nürnberg gesehen, wo ich im Vorfeld dachte, wie soll in der seltsamen Umgebung ihre Musik wirken und danach war ich ganz still, denn es war genauso. Sie und ihre Band entwickeln immer einen Sog dem man sich nichtmal in so einer Umgebung entziehen kann. Du lauschst ihr gebannt und vergisst alles um dich rum.

Der beste Rat wäre, sie sie dir live an, aber sie spielt die letzten Jahre nicht mehr so oft, ihre letzte Studioplatte ist auch schon sieben Jahre her.

Aber an CDs rate ich dir, fang mit der „Eallin (Live“). Die ist recht jazzig und lebendig. Ihre Studioscheiben „Goaskinviellja“ und „Leahkastin“ sind meine liebsten. Ab der „Eight Seasons“ ist sie teils etwas moderner, hat hie und da mal Beats dazu, aber das alles ist immer noch faszinierend und intensiv. Ich möchte keine der aufgeführten Scheiben von ihr missen.

1990: Gula Gula (Hear The Voices Of The Foremothers)

1993: Goaskinviellja (Eaglebrother)

1994: Leahkastin (Unfolding)

1996: Eallin (Live)

1998: Balvvoslatjna (Room Of Worship)

2002: Gávcci Jahkejuogu (Eight Seasons)

2006: Idjagiedas (In The Hand Of The Night)

2009: Cuovgga Airras (Sterna Paradisea)

2013: Gilvve Gollát (Sow Your Gold-Live)


Dazu gibts noch, 2001 und 2008 erschienen, zwei Remix-Alben, worauf DJs moderne Beats zu ihrer Musik gemischt haben und allerlei anderen Schnickschnack. Nimmt in meinen Ohren aber die urwüchsige Kraft ihrer Musik weg. Desweiteren erschien 1985 noch ein Album,"Jaskatvuoada Manná", das ich aber nicht kenne. Und eine Best Of "Aiggi Askkis: An Introduction to Mari Boine" (2011) gibts auch noch.
 
Zuletzt bearbeitet:

nixe

Inventar
Hier kannst Du dann weitermachen, wenn*s gefällt:

Jaskatvuođa maŋŋá / Etter stillheten / After the Silence (1985)
Gula Gula / Hør stammødrenes stemme / Hear the Voices of the Foremothers (1989)
Goaskinviellja / Ørnebror / Eagle Brother (1993)
Leahkastin / Unfolding (1994)
Radiant Warmth (1996)
 

Das aktuelle Magazin

Oben