Liedermacher

Marifloyd

Inventar
Da wird jeder sicherlich andere Maßstäbe ansetzen. Ich halte aber auch Bands für geeignet. So denke ich an Bernies Autobahn Band.

 
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Marifloyd

Inventar
Ich bin wie öfter geschrieben, keiner der seinen musikalischen Hochgenuss nur aus der Vergangenheit gewinnt. Wenn ich allerdings höre, meine jüngste Tochter braucht morgens ihr 1Live Trallala, was heute so an hanebüchenem und belanglosem deutschgesungenen Liedgut verbreitet wird, dann setze ich mich lieber in meine Zeitmaschine.
Ja, auch die Toten Hosen sind ein Teil davon(geworden)!

Da wird jeder sicherlich andere Maßstäbe ansetzen. Ich halte aber auch Bands für geeignet. So denke ich an Bernies Autobahn Band.

 

Andie Arbeit

Aktives Mitglied
Hatte gestern und heute einen sehr angenehmen Austausch mit einem, für mich, besten deutschen Liedermacher der 70er Jahre: Ulrik Remy.
Daher hier noch einmal zwei bekannte Songs von ihm, die, obwohl schon fast tot genudelt, immer noch hörenswert sind; die Betonung liegt explizit auf "fast":
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Kleinkunst ist eine Sache. Ein Lokal das nach allen hygienischen Grundsätzen schon längst hätte geschlossen werden müssen, die andere. Was hat der Ulrich Roski dumm geguckt als er vor dem Seuchenladen stand. Equipment auf die schmale Bühne gehievt, vorher die Gage bar auszahlen lassen, was zur Folge hatte, dass der Wirt kein Wechselgeld mehr hatte. Dann legte der Künstler los und war nach 2 Stunden ganz fix wieder verschwunden. So war das im Jahr 1981 in Paderborn.

 

Marifloyd

Inventar
@Andie Arbeit stellte in einem anderen Thread das neue Album von Konstantin Wecker vor. Den Song "Utopia" hörte ich mir an und war wieder bei Wecker. So habe ich heute den gesamten Morgen ältere Wecker Alben gehört. Ich hatte Andie in einem Telefonat zugestimmt, als er erklärte, neue Wecker Sachen, Wecker hat mir alles erzählt. Ich glaube auch, dass ich nicht unbedingt ein neues Wecker Album brauche, aber der Konstantin ist einfach gut und seine Texte und seine Musik funken noch immer. Zweimal habe ich ihn live erlebt und beide Konzerte waren Spitze. Hier mal ein Song von seinem Album "Gamsig" mit afrikanischen Klängen. Damals hielt sich Wecker oft in Afrika auf und wurde hierdurch inspiriert. Mit dem Album wollte er auf Tournee gehen. Es kam allerdings anders, denn er wwurde wegen seines Drogenbesitzes in Haft genommen. Seinen, ich glaube, einzigen Auftritt mit dem Gamsig Programm gab er in Münster und ich war dabei. Ich fand es umwerfend gut.


 

Marifloyd

Inventar
Und noch einmal Wecker mit einem lieben Gruß an @Andie Arbeit , der so eine tolle Rezi im Weltraum-Thread schrieb. Hier geht es um ein tolles Album von Wecker aus dem Jahre 1987. Ganz tolles Live Konzert. Es heißt "Wieder dahoam in Wien und Graz". Mit dabei sind u.a. Wolfgang Dauer, Frank Diez, Pete York, Charlie Mariano, Colin Hodgkinson.
Leider gibt es hierzu kein Youtube Video. Sehr schade. Aber natürlich gibt es eine andere Fassung von den Song "Inwendig warm ".

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Andie Arbeit

Aktives Mitglied
Bernies Autobahnband II.JPG
Bernies Autobahn Band
Vor einigen Tagen traf bei mir die Danger Dan-LP „Das ist von der Kunstfreiheit gedeckt“ ein. Das Teil lief gleich einige Male rauf und runter. Dazu las ich nochmals in Interviews und blieb bei einem Satz hängen; nämlich dem, dass Danger Dan´s Eltern Hannes Wader, Konstantin Wecker und Bernies Autobahn Band gehört haben und er durch diese Musik durchaus beeinflusst sei. Bernies Autobahn Band? Ich ging ja schon fast davon aus, dass ich der einzige war oder bin, der Gefallen an der Musik von Bernie Conrads und Co. findet.
Vor einigen Monaten schrieb ich über den Liedermacher Ulrik Remy. An ihm gefällt mir, wie er mit der Sprache umgeht, wie er Worte einsetzt und schwierige, sensible Themen transportieren kann. Eine ähnliche Fähigkeit sehe ich auch bei Bernie Conrads. Sein Buch „Ohne Filter“ aus dem Jahr 2018 war für mich so packend, dass die 160 Seiten die Lektüre eines Abends war. Hier geht es aber um Musik und ganz explizit um die „Autobahnband“ also bleiben seine ebenso starken Solo-Veröffentlichungen oder gemeinsame Veröffentlichungen mit Pankraz außen vor. Übrigens wurden diese Veröffentlichungen von Stefan Stoppok produziert.
Die Autobahn Band wurde 1976 gegründet, wird gerne in die Genre-Schublade „Folk“ gepackt und in einem Atemzug mit Liederjan, Zupfgeigenhansel und Ougenweide genannt. Bei Wikipedia ist darüber hinaus nachzulesen, dass die Musik teils politisch motiviert, teils nachdenklich gehalten ist und über einen tiefgründigen Witz verfügt.
Ich denke, dass die Sache so nicht trifft. Bernie Conrad und seine Autobahnband sind politisch motiviert, ein Großteil der Texte hat einen politischen Hintergrund und die Band hat auch stets eine Botschaft ohne dabei den belehrenden Zeigefinger erheben zu müssen. Conrads unterstrich diese Aussage auch in einem Interview aus dem Jahre 2005 mit dem „Folker“, in dem er zum Ausdruck brachte, dass sein Herz links schlägt, bezweifelt aber, dass Lieder etwas verändern können. „Wenn du politisch etwas bewirken willst, musst du dich wählen lassen...“, so Conrads.
Die Autobahn Band veröffentlichte von 1977 bis 1988 sieben LPs. Darüber hinaus lieferten sie einen Beitrag zum 1979 erschienenen Sampler „ Nature Festival“ (Tage wie dieser) und zur 1982 erschienenen Doppel-LP „Wir wollen leben“ (Solange wie ich denken kann).
Mein Einstieg war die zweite LP „Wenn es Nacht ist in der Stadt“ (1978, Metronome). Die zentralen Titel dieser LP sind für mich der Opener „HR 3 wünscht guten Morgen“ sowie die beiden Bob Dylan-Cover „Weit weg – lange her“ und „Wenn es Nacht ist in der Stadt“. Insgesamt war diese LP auch für meine politische Entwicklung von großer Bedeutung. Klar, dass ich mir auch die 1977 erschienene LP „Sind wir noch zu retten“ zulegte. Bereits auf dieser ersten LP stellte Bernie Conrads unter Beweis, dass er wunderbare, unter die Haut gehende Balladen schreiben und komponieren kann (Tage wie dieser). „Tage wie dieser“ wurde später von Stefan Stoppok gecovert. Von Stoppok gecovert wurde auch „Willi Moll in Afrika“ von der 89er LP „Ohne Filter“. Für mich war auf dieser LP aber das zentrale Stück „Solange wie ich denken kann“. Wie ich bereits erwähnte, war dies auch der Beitrag der Autobahn Band zum Sampler „Wir wollen leben“.
Die erste Strophe:
Solange, wie ich denken kann, sind große, hohle Sprüche
Das Evangelium für uns diee kleinen Leute.
Das ewige Gebet vom Wachtsum und so weiter
Und wir haben es geglaubt und tun´s noch heute.
Doch ein anderer Wind erhebt sich sacht,
Nehmt euch in acht,
Da wo´s heute knistert ist die Stelle, wo es morgen kracht.
Ein Text, der noch heute nichts an Aktualität verloren hat, wobei wir einfach nicht die Stelle finden, wo es wirklich mal krachen müsste (Na ja, im September ergibt sich eine neue Chance).
Ganz nebenbei, die Doppel-LP „Wir wollen leben“ kann ich nur empfehlen. Neben Bernies Autobahn Band sind u.a. Floh De Cologne „Es gab eine Zeit“, Zupfgeigenhansel „Der Deserteur“, Die Drei Tornados, Lilienthal und Cochise mit dabei.
Für die Autobahn Band ging es 1982 mit Drucksache“ weiter. Für mich stellen „Fußballfieber“, „Feinde“, „Schnauze voll“ und „Mir stink´s auch“ den absoluten Höhepunkt der Band dar. Wobei auch das 84er Werk „Gesellschaftsspiele“ mit „Wie bestellt und nicht abgeholt“, „Der alte Professor“, „Donnerstag“ und „Der Bagger“ ebenfalls noch richtig feine Songs parat hat. Den vorläufigen Abschluss bildete dann 1985 die LP „Aus heiteren Himmel“.
Damit war das Kapitel „Bernies Autobahn Band“ eigentlich abgeschlossen. Mit der 88er LP „Flügel“ hatte ich dann schon nicht mehr gerechnet. Diese LP hat mit „Wenn die Menschen Flügel hätten“, „Der 11. Advent“, „Rosarot und Himmelblau“ sowie „Für Ute“ feine Songs zu bieten, hat aber meines Erachtens nicht mehr die politische Aussage, die Kraft des Wortes, wie die sechs Vorgänger.
Eines möchte ich an dieser Stelle aber klar und unmissverständlich zum Ausdruck bringen; eine schlechte LP von Bernies Autobahnband gibt es nicht.
1988 erschien das letzte Album dieser Band und noch heute liegen sämtliche LPs in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder auf meinem Plattenteller und satt gehört habe ich mich an den Songs von Bernie Conrads noch lange nicht.
1989 war dann Schicht, allerdings nicht für Conrads, er schrieb weiter. Was Viele nicht wissen, fast sämtliche Texte der Peter Maffay-LP „Maffay 96“ stammen von Bernie Conrads. Die Zusammenarbeit mit Stefan Stoppok begann in den 80er Jahren. Stoppok schrieb für Conrads und später Conrads für Stoppok. Seine Zusammenarbeit mit den Dresdenern „Pankraz“ erwähnte ich bereits. „Drei Flaschen Mondschein sollte in keiner Sammlung fehlen“.
Conrads selbst beschreibt seine Musik als „Honig für Verliebte, Salbe für Enttäuschte und Taschenlampen für die Suchenden auf Kellertreppen (Neue Württembergische Zeitung, 03.05.13).
 

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