KRAUTROCK

Devils (krautrock-zirkus.de)
Die Ortsangabe stimmt nicht. Hövelhof(unser Nachbarort)wäre korrekt gewesen. Nichts desto trotz, in den Überlegungen ob es nicht mehr Sinn machen würde, Deutschlands Antwort auf die Bay City Rollers zu werden oder doch lieber Psychedelisch berauscht zu sein, blieben diese Ostwestfälischen Krauthappen übrig.
 
Lies es, mach dich schlau. Oder lies die Rezensionen bei AMAZON. Die passen. Ich bin hier müde......!
Mag mich nicht mehr beteiligen.
MfG
Tja, anscheinend hat Dedekind die "Elektroniker" nicht genug berücksichtigt und die Tontechniker Conny Plank und Dieter Dierks nicht erwähnt...., so die "Amazon-Rezensenten"....
 
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Tja, anscheinend hat Dedekind die "Elektroniker" nicht genug berücksichtigt und die Tontechniker Conny Plank und Dieter Dierks nicht erwähnt...., so die "Amazon-Rezensenten"....

Ich habe mir jetzt mal die Rezensionen angeschaut - zwei positiv, eine durchwachsen und zwei negativ.

Meiner Meinung nach ist das Buch gut, aber (natürlich) nicht perfekt. Es stimmt, dass Dedekind nicht viel über die elektronische Musik schreibt, die vor allem in West-Berlin (aber auch anderswo, siehe Kraftwerk in Düsseldorf) aus dem Krautrock hervorging, aber man kann sich natürlich fragen, ob diese Musik überhaupt noch Krautrock ist, so ganz ohne elektrische Gitarren und dergleichen. Auch ist es eine kaum zu leugnende Tatsache, dass bei Künstlern wie Kraftwerk, Tangerine Dream oder Klaus Schulze der Umstieg vom Rock- aufs elektronische Instrumentarium mit einem Übergang zu konventionelleren musikalischen Strukturen einher ging, warum auch immer. Vielleicht wurden die Klangmeditationen auf einem Akkord, die für den Krautrock so typisch sind, in den grelleren Klangfarben der Synthesizer doch ein bisschen zu nervig, und die Musiker sahen sich veranlasst, die Inhumanität der elektronischen Klänge mittels einer leichter fasslichen musikalischen Sprache zu kompensieren. Von daher kann man sagen, dass das kein Krautrock mehr sei, und vielleicht hat Dedekind genau so gedacht und ist daher nicht näher auf diese Art von Musik eingegangen.

Überhaupt, die Abgrenzung gegen andere Musikrichtungen aus der damaligen Alten Bundesrepublik. Zu Dedekinds Zeitzeugen gehören Frank Bornemann von Eloy und Lothar Stahl von Checkpoint Charlie. Sind das überhaupt Krautrocker gewesen? Eloy machen doch Prog im internationalen Stil und keinen waschechten Krautrock; Checkpoint Charlie kenne ich nicht, aber scheinen eine Politrock-Band zu sein, und Politrock ist meines Erachtens noch weiter von Krautrock entfernt als Prog.

Einer der Rezensenten warf Dedekind vor, nichts über die Musik zu sagen, die die Krautrocker machten. Das stimmt so nicht, auch wenn dieses Thema keinen so großen Raum einnimmt. Man braucht eben keine Dutzende von Seiten, um eine Musikrichtung zu beschreiben, und es ist ja auch nicht so ganz einfach, den Krautrock als Ganzen musikalisch zu charakterisieren, weil der in sich doch recht vielfältig ist. Immerhin zieht er auf S. 58 eine diesbezügliche Abgrenzung zum "angelsächsischen Progressive Rock" (was die Hereinnahme von Eloy, die sich ja an selbigem orientierten, in den Krautrock um so fragwürdiger macht), macht also durchaus klar, dass Krautrock was anderes ist als deutscher Prog.

Auch dass Conny Plank nicht erwähnt werde, stimmt so nicht, dem widmet Dedekind durchaus ein halbes Kapitel. Aber es stimmt, dass der Schwerpunkt in seinem Buch auf der Soziologie der Bands und der Krautrockszene insgesamt liegt, und Aspekte der musikalischen Struktur und Technik etwas zu kurz kommen. Was freilich für das meiste gilt, was heutzutage über populäre Musik geschrieben wird, da ist Dedekind nicht allein.
 
Die "Kraut!" Sampler auf Bear-Family sind mit etwa 20€ pro Stück schon teuer, mit Geduld habe ich mir die bisherigen West-Deutschen für um die 15€ zusammengetragen, aber es sind jeweils 2 CDs mit jeweils 80 Minuten und, jetzt kommt's: 100 (einhundert) Seiten fundiertem Booklet. Wenn man den Satz und die Fotos minus Werbung umrechnet kommt man auf etwa 3 eclipsed Hefte allein vom Umfang. Aber im Internet gibt's ja bekanntlich alles umsonst.
 
@toni, Du bist aber ein Blitzmerker ;) Das haben wir hier doch in aller Ausführlichkeit diskutiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Titel dieses Samplers Etikettenschwindel ist, weil er eben keinen Krautrock aus der DDR enthält - den es so weit bekannt nie gegeben hat.
 
Etikettenschwindel

Naja gut, irgendwie wollte man den Sampler halt nennen ... würde das jetzt nicht weiter "dramatisieren". Wenn nun Bröselmaschine und Frumpy "Krautrock" sind, na denn nennt man halt Stern Meissen und die Puhdys --> OST-kraut :p:D

Und gut? Oder besser: Mal mehr, mal weniger Progressiver Rock aus Osteuropa?! (und manchmal auch kein Rock oder nichts progressives, oder gar beides ... hahaha) oder am besten wäre doch Warszaw Brothers gewesen - das klingt doch auch gut?

Irgendwer wollte halt nun mal diese Bands vorstellen und hat sich etwas bei gedacht, preislich finde ich es trotzdem schon hart an der Schmerzgrenze, ich mein das sind CDs - der Preis ist aber eher ein LP-Preis! Die besten 5 LPs dieser Compilation bekommt man schon zu dem Preis zusammen - okay wenn man weiss wo ... nicht bei Discogs oder Bauernfänger Ebay, wo angeblich alles immer besonders rar ist ;)

Diese unkommentierte Rezension, die der Toni da oben einbringt - kann mir mal jemand dieses folgende Zitat erklären:

"oder die freudig randalierende Anhängerschaft machten dem Ostrock zu schaffen"

Also mir war bislang nichts dergleichen bekannt, soll das heissen im Osten herrschte der wilde Mob vor? :p:Do_O
 
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Na gut, "Etikettenschwindel" ist ein hartes Wort, und "Krautrock" ist keine geschützte Bezeichnung. Insofern können die ihren Sampler benennen wie sie wollen. Und es gibt ja in der Tat Leute, die unter "Krautrock" generell deutschen Rock oder auch nur deutschen Prog verstehen, evtl. eingegrenzt auf die späten 60er bis mittleren 70er Jahre, da wäre dann auch entsprechende Musik aus der DDR mit drin, keine Frage (aber natürlich definitiv NICHT Polen, ČSSR, Ungarn usw.), denn sie ist ja nun mal sowohl deutsch als auch Rock, zum Teil sogar Prog.

Jedoch wird die Bezeichnung in der Regel, und vor allem auch von Leuten wie John Peel, auf die experimentellere Variante deutscher Rockmusik eingeengt, wie ihn etwa Amon Düül, Can, NEU! usw. machten, und deutsche Rockmusik in internationalen Stilen wie Prog oder Hard Rock ebenso wie der an deutschsprachigen Texten festzumachende Deutschrock mit Spielarten wie Politrock nicht dazugezählt, und so etwas scheint es in der DDR nicht gegeben haben, abgesehen vielleicht von irgendwelchen privaten Sessions, aber ob es davon vielleicht noch Mitschnitte gibt, ist unbekannt.
 
Dann dürfte weiterhin auch keine aktuelle Band - zumal meistens nicht mal ansatzweise aus Deutschland - mit dem Genre Krautrock in ihren Promotexten, ihrer Stilbezeichnung auf Bandcamp oder anderswo mehr "werben". Das finde ich nämlich auch eher merkwürdig, wenn irgendwelche jungen Chilenen nun meinen "Krautrock" zu machen (nur weil es die x-tausendste Kopie von Neu ist), oder irgendwelche hippen US-Amerikaner, oder wer auch immer ...
 
Ich finde es auch irgendwie merkwürdig, wenn heutige Bands aus Weißderkuckuckwo als "Krautrock" bezeichnet werden, obwohl, wenn sie so ähnlich klingen wie waschechte Krautrockbands aus der Alten Bundesrepublik der 70er Jahre, das eine gewisse Berechtigung hat, insbedondere dann, wenn sie sich auf Krautrock im allgemeinen oder spezifische Krautrockbands als stilistisches Vorbild berufen. Man könnte das dann "Neo-Krautrock" nennen, und der kann nur deshalb nicht aus der DDR sein, weil es die DDR nicht mehr gibt ;)
 
Ich finde es auch irgendwie merkwürdig, wenn heutige Bands aus Weißderkuckuckwo als "Krautrock" bezeichnet werden, obwohl, wenn sie so ähnlich klingen wie waschechte Krautrockbands aus der Alten Bundesrepublik der 70er Jahre, das eine gewisse Berechtigung hat, insbesondere dann, wenn sie sich auf Krautrock im allgemeinen oder spezifische Krautrockbands als stilistisches Vorbild berufen. Man könnte das dann "Neo-Krautrock" nennen, und der kann nur deshalb nicht aus der DDR sein, weil es die DDR nicht mehr gibt ;)
Wenn du es logisch weiter denkst, kann es auch keinen Neo-Krautrock mehr geben, weil es "West Germany" auch nicht mehr mehr gibt....
 
Wenn du es logisch weiter denkst, kann es auch keinen Neo-Krautrock mehr geben, weil es "West Germany" auch nicht mehr mehr gibt....

Deine Logik erschließt sich mir wiederum nicht. Wenn für den Neo-Krautrock die geographisch-politisch und zeitlichen Grenzen des originalen Krautrock nicht mehr gelten, dann kann es ihn überall geben. Natürlich auch auf dem Gebiet der ehemaligen Alten Bundesrepublik wie auch auf dem der ehemaligen DDR. Wo siehst Du das Problem?
 
Ich denke, Georg bezieht sich auf den sozio-kulturellen Raum "West-Deutschland" und nicht auf die geographische Region.

Ist aber egal, weil die Diskussion hier nur weiterhin die Geringschätzung des Krautrock verdeutlicht, den es inzwischen nur noch in Deutschland gibt. (Kennt jemand eine schöne Geschichte über Propheten und Berge?)
Ich selbst wurde musikalisch von Griechen sozialisiert und und dort, wie auch in vielen anderen Kulturkreisen, habe ich mittlerweile festgestellt, von Südeuropa über Großbritannien und die USA bis nach Südamerika, wird die Musik, die von Can, Amon Düül, Embryo, Faust usw. entwickelt wurde als neuer Musikstil gefeiert. Und natürlich darf dann eine Band, die eine ähnliche Musiksprache verwendet wie Neu!, sich Krautrock nennen. Ich persönlich habe auch kein Problem damit, (deutsche) Bands, die Experimente und Stilmixe wagen, wie z.B. My Sleeping Karma und Wucan so zu bezeichnen.
"Ansonsten kommen wir bald in die Diskussion, dass Blues nur noch von dunkelhäutigen Musikern gespielt werden darf, und nur so bezeichnet werden, wenn idealerweise in Louisiana oder Chicago aufgenommen. Und als Heavy Metal dürfen nur Bands aus Birmingham genannt werden".
(Gedanken des letzten Abschnitts stammen von einem englischen Freund während eines Gesprächs zu diesem Thema).
 
Wenn ich an Krautrock denke, erinnere ich mich sofort an "Photo Porst" ein Unternehmen aus Nürnberg, der den ersten "Volkseigenen Betrieb" in der BRD etablieren wollte.
Ja, die Begleitumstände des Krautrocks, Ende der muffigen Adenauer-Zeit, der Kalte Krieg, Antikommunismus, Vietnamkrieg, das Ausklingen der Hippie-Zeit, das Ausprobieren neuer Lebensformen, die sexuelle Revolution, die Drogenexperimente, die Suche nach einem neuen politisch-sozialen Bewusstsein, einer neuen kulturellen Identität, wird es so nicht mehr geben, Krautrock war für mich mehr als nur Musik, deshalb sträube ich mich ein wenig gegen diese neumodische Bezeichnung "Neo-Krautrock"
„Krautrock ist keine Musikrichtung, sondern eine Bezeichnung für eine Phase: 1969 bis 1974“, erklärt Dirk Jan Müller von der Band Electric Orange. „Krautrock kann alles sein. Am spannendsten war er, wenn er nicht angloamerikanisch geprägt war.“ Genau diese Eigenständigkeit verkörpern Bands wie Faust, CAN, Amon Düül II, Popol Vuh, Guru Guru oder Kraan, die eine für hiesige Verhältnisse unbekannte kreative Unbekümmertheit an den Tag legten. Tom Redecker von The Perc Meets The Hidden Gentleman bezeichnet Krautrock als „den einzigen Beitrag Deutschlands zum weltweiten Phänomen der Rockmusik“. Freilich, Krautrock ist breitgefächert: Elektronik von Kraftwerk oder Tangerine Dream; Artrock von Eloy, Jane oder Grobschnitt; anarchistischer Folk von Witthüser & Westrupp. "
(Eclipsed Nr.160, Mai 2014)
 
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"Ansonsten kommen wir bald in die Diskussion, dass Blues nur noch von dunkelhäutigen Musikern gespielt werden darf, und nur so bezeichnet werden, wenn idealerweise in Louisiana oder Chicago aufgenommen. Und als Heavy Metal dürfen nur Bands aus Birmingham genannt werden".

Du hast ja Recht. Reggae zum Beispiel muss heutzutage auch nicht unbedingt von Jamaika kommen, auch wenn da die Wurzeln dieser Musikrichtung liegen. Insofern ist das mit dem "Neo-", wie ich das vorgeschlagen habe, im Grunde genommen Korinthenkackerei. Das sehe ich vorbehaltlos ein.

„Krautrock ist keine Musikrichtung, sondern eine Bezeichnung für eine Phase: 1969 bis 1974“, erklärt Dirk Jan Müller von der Band Electric Orange. „Krautrock kann alles sein. Am spannendsten war er, wenn er nicht angloamerikanisch geprägt war.“ Genau diese Eigenständigkeit verkörpern Bands wie Faust, CAN, Amon Düül II, Popol Vuh, Guru Guru oder Kraan, die eine für hiesige Verhältnisse unbekannte kreative Unbekümmertheit an den Tag legten. Tom Redecker von The Perc Meets The Hidden Gentleman bezeichnet Krautrock als „den einzigen Beitrag Deutschlands zum weltweiten Phänomen der Rockmusik“. Freilich, Krautrock ist breitgefächert: Elektronik von Kraftwerk oder Tangerine Dream; Artrock von Eloy, Jane oder Grobschnitt; anarchistischer Folk von Witthüser & Westrupp. "

Ja, so kann man das auch sehen.
 
Ich versuche mal, das auf eine andere Weise aufzudröseln. In (West-)Deutschland (wie auch in anderen Ländern) standen um 1970 (wie eigentlich auch heute noch) Rockmusiker vor der Frage, ob sie internationalen (sprich: britischen oder nordamerikanischen) Vorbildern folgen solten, oder ob sie der internationalen Rockmusik was eigenes, deutsches, entgegensetzen sollten. Den internationalen Vorbildern zu folgen versprach zumindest in der Theorie Chancen auf dem internationalen Markt, aber die meisten "internationalen" Bands scheiterten an Problemen wie mangelhaften Englischkenntnissen oder einem wenig originellen Sound. Sie waren eher blasse Kopien als eigenständige Beiträge zur internationalen Rockmusik.

Also machten sich viele deutsche Rockmusiker daran, was Eigenständiges zu machen und sich als deutsche Musiker vom internationalen Rock abzusetzen. Eine offensichtliche Möglichkeit waren deutsche Texte: damit konnte man sich zwar den Marquee-Club und den Madison Square Garden abschminken, aber dorthin schafften es die meisten "internationalen" Bands ja auch nicht, und musste sich auf den deutschsprachigen Markt - BR Deutschland, Österreich, Schweiz - beschränken. Und es blieben einem peinliche Englischfehler erspart. Diese Art deutscher Rockmusik kann man zusammenfassend als Deutschrock bezeichnen, und das Spektrum der Musikstile reicht von deutschem Liedgut mit E-Gitarren über Garagenrock bis zu Hardrock und Prog.

Aber es gab da noch eine andere Nische auf dem westdeutschen Markt: einen ganz eigenständigen Sound, der sich sowohl von der internationalen Rockmusik als auch von der deutschen Musiktradition absetzte. Vielmehr wurde mit neuartigen, noch nie zuvor gehörten Klängen experimentiert und spontan musiziert. Der leidigen Sprachenfrage ging man meistens aus dem Weg, indem man Instrumentalmusik machte, was ja auch zum Spontanmusizieren geeigneter war, weil ein Text eben eine musikalische Struktur vorgibt, es gab aber auch deutsche, englische oder sprachlich "neutrale" (Vokalisen, Phantasiesprachen, o.ä.) Gesangspartien, in denen die Stimme als Instrument fungiert. Diese Art deutscher Rockmusik ist das, was die Engländer unter Krautrock verstanden.

Man hatte es also in der Bundesrepublik in den 70er Jahren mit einer Dreiteilung der Rockszene zu tun in "internationalen" Rock, Deutschrock und Krautrock. Von den dreien hatte der Deutschrock den größten Publikumserfolg, denn die Freunde englischsprachigen internationalen Rocks waren zwar sehr zahlreich, bevorzugten aber die "Originalware" aus England und Amerika, und Krautrock war eine eher kleine Nische - die sich aber, was den Einfluss auf andere Musiker betrifft, als die bedeutendste erwies, einfach weil sie die originellste von den drei Arten westdeutscher Rockmusik war. Was Eloy oder die Scorpions machten, konnten Pink Floyd und Led Zeppelin mindestens genauso gut!

Währenddessen gaben in der DDR - wie so oft dort - die SED-Funktionäre den Musikern die Entscheidung vor. Die Musik hatte "liedhaft", also musikalisch konventionell zu sein; Klangexperimente wie im westdeutschen Krautrock hätten wohl eher in die Psychiatrie als zur erfolgreichen Einstufung geführt. Und die Texte hatten deutschsprachig zu sein, oder wenn schon Fremdsprache, dann am ehesten noch russisch, aber das machte niemand. Die Texte durften selbstredend nicht all zu stark von der Parteilinie abweichen, und wurden darum oft nicht von den Musikern selbst, sondern von professionellen Schriftstellern verfasst, die wussten, was durch die Zensur ging und was nicht. Profimusiker durfte überdies nur werden, wer einen Abschluss einer Musikhochschule vorweisen konnte, also hatten alle professionellen Rockmusiker der DDR eine solide klassische Musikausbildung. Das Ergebnis war der typische Ostrock, klassizistisch und mit doppelbödigen deutschsprachigen Texten, eher mit dem (westdeutschen) Deutschrock als mit dem Krautrock zu vergleichen.
 
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1972 - Ash Ra Tempel - Schwingungen
 
Ich versuche mal, das auf eine andere Weise aufzudröseln. In (West-)Deutschland (wie auch in anderen Ländern) standen um 1970 (wie eigentlich auch heute noch) Rockmusiker vor der Frage, ob sie internationalen (sprich: britischen oder nordamerikanischen) Vorbildern folgen solten, oder ob sie der internationalen Rockmusik was eigenes, deutsches, entgegensetzen sollten. Den internationalen Vorbildern zu folgen versprach zumindest in der Theorie Chancen auf dem internationalen Markt, aber die meisten "internationalen" Bands scheiterten an Problemen wie mangelhaften Englischkenntnissen oder einem wenig originellen Sound. Sie waren eher blasse Kopien als eigenständige Beiträge zur internationalen Rockmusik.

Also machten sich viele deutsche Rockmusiker daran, was Eigenständiges zu machen und sich als deutsche Musiker vom internationalen Rock abzusetzen. Eine offensichtliche Möglichkeit waren deutsche Texte: damit konnte man sich zwar den Marquee-Club und den Madison Square Garden abschminken, aber dorthin schafften es die meisten "internationalen" Bands ja auch nicht, und musste sich auf den deutschsprachigen Markt - BR Deutschland, Österreich, Schweiz - beschränken. Und es blieben einem peinliche Englischfehler erspart. Diese Art deutscher Rockmusik kann man zusammenfassend als Deutschrock bezeichnen, und das Spektrum der Musikstile reicht von deutschem Liedgut mit E-Gitarren über Garagenrock bis zu Hardrock und Prog.

Aber es gab da noch eine andere Nische auf dem westdeutschen Markt: einen ganz eigenständigen Sound, der sich sowohl von der internationalen Rockmusik als auch von der deutschen Musiktradition absetzte. Vielmehr wurde mit neuartigen, noch nie zuvor gehörten Klängen experimentiert und spontan musiziert. Der leidigen Sprachenfrage ging man meistens aus dem Weg, indem man Instrumentalmusik machte, was ja auch zum Spontanmusizieren geeigneter war, weil ein Text eben eine musikalische Struktur vorgibt, es gab aber auch deutsche, englische oder sprachlich "neutrale" (Vokalisen, Phantasiesprachen, o.ä.) Gesangspartien, in denen die Stimme als Instrument fungiert. Diese Art deutscher Rockmusik ist das, was die Engländer unter Krautrock verstanden.

Man hatte es also in der Bundesrepublik in den 70er Jahren mit einer Dreiteilung der Rockszene zu tun in "internationalen" Rock, Deutschrock und Krautrock. Von den dreien hatte der Deutschrock den größten Publikumserfolg, denn die Freunde englischsprachigen internationalen Rocks waren zwar sehr zahlreich, bevorzugten aber die "Originalware" aus England und Amerika, und Krautrock war eine eher kleine Nische - die sich aber, was den Einfluss auf andere Musiker betrifft, als die bedeutendste erwies, einfach weil sie die originellste von den drei Arten westdeutscher Rockmusik war. Was Eloy oder die Scorpions machten, konnten Pink Floyd und Led Zeppelin mindestens genauso gut!

Währenddessen gaben in der DDR - wie so oft dort - die SED-Funktionäre den Musikern die Entscheidung vor. Die Musik hatte "liedhaft", also musikalisch konventionell zu sein; Klangexperimente wie im westdeutschen Krautrock hätten wohl eher in die Psychiatrie als zur erfolgreichen Einstufung geführt. Und die Texte hatten deutschsprachig zu sein, oder wenn schon Fremdsprache, dann am ehesten noch russisch, aber das machte niemand. Die Texte durften selbstredend nicht all zu stark von der Parteilinie abweichen, und wurden darum oft nicht von den Musikern selbst, sondern von professionellen Schriftstellern verfasst, die wussten, was durch die Zensur ging und was nicht. Profimusiker durfte überdies nur werden, wer einen Abschluss einer Musikhochschule vorweisen konnte, also hatten alle professionellen Rockmusiker der DDR eine solide klassische Musikausbildung. Das Ergebnis war der typische Ostrock, klassizistisch und mit doppelbödigen deutschsprachigen Texten, eher mit dem (westdeutschen) Deutschrock als mit dem Krautrock zu vergleichen.
Wie oft willst du uns das noch unter die Nase reiben?
Bis auch der kleinste User es kapiert hat. ?
Ich bin hier aufgewachsen, du nicht. Was weißt du denn schon?
Ich bin eingestuft wurden, ich weiß von welcher Sache ich rede!
Mein Gott!
MfG
 

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