KRAUTROCK

Alles was "EROC" so angerichtet hat muss man nicht gutieren. Er hat viel Erfahrung in der Soundbeeinflussung. Der deutsche "Steven Wilson" szs., aber das ist auch alles. "Wolkenreise" ist was es ist, aber kein Krautrock.
Überhaupt, diese engl. Erfindung ist sehr viel einsetzbar. Enough is enough!
Peelige Grüße
 
Ah ja, da sind wir wieder bei diesem Wort, "Krautrock". Eigentlich in der Tat völlig verfehlt, weil es genau die beiden Dinge benennt, von denen sich die so bezeichneten Musiker so vehement absetzen wollten: zum einen den deutschen Militarismus (ein "Kraut" war in den beiden Weltkriegen ein deutscher Soldat), zum anderen die anglo-amerikanische Importmusikware. Und deshalb gefiel es den meisten deutschen progressiven Musikern ganz und gar nicht.

Auch weiß niemand genau, wer es erfunden hat. Viele schreiben es John Peel zu, aber der hat wohl nur für die weite Verbreitung gesorgt, indem er in seinen Sendungen deutsche progressive Musik spielte und das dann "Krautrock" nannte. Im Buch "Fvtvre Sounds" (Hg. Christoph Dallach) findet sich (S. 11) ein Zitat von Simon Draper von Virgin Records, der für seine Firma in Anspruch nimmt, es erfunden zu haben. So genau kann man das wohl nicht mehr feststellen - ist letzten Endes aber auch müßig.

Weiterhin sind sich die Leute auch noch nicht mal einig, was denn nun zum "Krautrock" gehört und was nicht. Manche nennen jede Art von Rock made in Germany so, von den Scorpions bis zu den Puhdys. Aber meistens wird darunter nur die damals in Deutschland meistens "progressive Musik" genannte experimentelle Musik aus der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (die DDR bleibt hier außen vor, weil das dortige Zensursystem für derartige Experimente keinen Raum bot, und Rockmusik dort eh zu sehr Mangelware war, als dass die jungen Ostdeutschen derer überdrüssig hätten werden können!) der 60er und 70er Jahre verstanden, und das ist auch die heute übliche Bedeutung (und auch, wofür John Peel diesen Terminus verwendete). Die Grenzen zu Avantgarde, Jazz und vor allem auch Prog sind freilich fließend und nicht klar zu definieren, aber das gilt ja für die meisten Musikgenrebezeichnungen.

Und das Verhältnis zum englischen Progressive Rock ist auch so eine Sache. Einerseits sind Krautrock und Prog nahe Verwandte, nicht zuletzt, weil sie aus vegleichbaren Milieus (jung, gebildet, zumeist Mittelschicht, politisch-kulturell progressiv, Stichwort "Gegenkultur") hervorgegangen sind, und in ihren jeweiligen Ländern mit dem gleichen Adjektv ("progressiv(e)") benannt wurden. Andererseits kann man nicht leugnen, dass die Deutschen da ganz anders herangingen und zu anderen Ergebnissen kamen als die Engländer, man vergleiche nur mal Can mit Genesis. Das hat meiner Meinung nach am ehesten mit den gegensätzlichen jüngeren Vergangenheiten der beiden Länder, vor allem in Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg, zu tun. Dafür spricht jedenfalls, dass in Japan, dessen jüngere Geschichte, von Faschismus bis Wirtschaftswunder, der deutschen gleicht wie ein Ei dem anderen, die gegenkulturelle Musik ganz ähnlich radikal ausfiel wie in Westdeutschland.

Ich kenne das alles aber nur aus der Distanz, ich (Jahrgang 1969) bin schon mal viel zu jung, um es selbst miterlebt zu haben, und weiß davon nur aus Büchern und anderem dokumentarischen Material. Und ehrlich gesagt, so spannend ich die ganze Krautrock-Historie finde (gerade im Vergleich zu ihrem englischen Pendant) und so gern ich mich damit beschäftige, so ist mir persönlich die Musik der Engländer und was sich später daraus entwickelte (auch in anderen Ländern) näher.
 
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1972 - Amon Düül II - Wolf City
 
Ich lese mal wieder Henning Dedekinds Buch, worin von den unterschidlichen Einflüssen seitens der alliierten Militärsender AFN (amerikanisch, im Süden) und BFBS (britisch, im Norden) die Rede ist, ohne dass dort benannt wird, wie sich das konkret auswirkt.

Ich habe darüber ein wenig nachgedacht, und mich beschlich der Eindruck, dass der eigentliche Krautrock vor allem eine süddeutsche Sache war, während der Norden eher zu Prog nach englischer Machart tendierte. So stammen Eloy (Hannover) und Novalis (Hamburg) aus dem Norden, während z. B. Guru Guru (Heidelberg) und Amon Düül (München) sich im Süden formierten. West-Berlin ist noch mal ein Fall für sich, dort bildete sich bekanntlich die Berliner Schule der elektronischen Musik aus. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, man denke an die in Hamburg gegründete Band Faust.

Hier nun meine Frage an Euch: ist da was dran, oder bin ich da auf dem Holzweg?
 
Ich lese mal wieder Henning Dedekinds Buch, worin von den unterschidlichen Einflüssen seitens der alliierten Militärsender AFN (amerikanisch, im Süden) und BFBS (britisch, im Norden) die Rede ist, ohne dass dort benannt wird, wie sich das konkret auswirkt.

Für die 60/70er kann ich nicht reden: Ab den 1980ern ist es ganz deutlich, das BFBS die NWOBHM entschieden nach Deutschland gebracht hat (und mit John Peel den Punk und alles abseitige, der "Krautrock" Begriff geht auch auf ihn zurück, da musst du nicht 'rumschlawenzeln)), während AFN in den 80ern AOR, Melodic Rock, Roots Rock und Poserkram gepuscht hat.

Das merkt man deutlich in der Altersgruppe und besonders in den 2. Hand-Läden. Bei Festivals ist es etwas internationaler geworden, vom Prinzip her stimmt es auch noch.
 
Falls noch nicht erwähnt: Die -ganz hervorragende- "Krautrock" Aufarbeitung des Bear-Family-Records Label geht nach Westdeutschland in den Osten: Zuerst DDR (viel spannendes zu entdecken, zumindest Pantha Rei und Stern Combo Meissen sollten auch im Westen bekannt sein), danach geht es weiter 'rum im Ostblock. Freue mich sehr! Ungarn und Polen hat sicher viel zu bieten, bei den anderen Ländern bin ich gespannt. Hoffentlich verpennt die "eclipsed!" Redaktion es nicht, hier auch inhaltlich zu arbeiten. Kann aber natürlich sein, das eine Pink Floyd Platte remastered wird, über die erst 150 mal geschrieben wurde, das wäre dann natürlich wichtiger und ginge in jedem Fall vor.

Auf der Bear-Family -Seite kann man auch überall 'reinhören.
 
Ich habe darüber ein wenig nachgedacht, und mich beschlich der Eindruck, dass der eigentliche Krautrock vor allem eine süddeutsche Sache war, während der Norden eher zu Prog nach englischer Machart tendierte.

Das gilt allenfalls von der Tendenz her, man denke an Faust aus Hamburg und andererseits Anyone's Daughter aus Stuttgart.
 
Ich lese mal wieder Henning Dedekinds Buch, worin von den unterschidlichen Einflüssen seitens der alliierten Militärsender AFN (amerikanisch, im Süden) und BFBS (britisch, im Norden) die Rede ist, ohne dass dort benannt wird, wie sich das konkret auswirkt.

Ich habe darüber ein wenig nachgedacht, und mich beschlich der Eindruck, dass der eigentliche Krautrock vor allem eine süddeutsche Sache war, während der Norden eher zu Prog nach englischer Machart tendierte. So stammen Eloy (Hannover) und Novalis (Hamburg) aus dem Norden, während z. B. Guru Guru (Heidelberg) und Amon Düül (München) sich im Süden formierten. West-Berlin ist noch mal ein Fall für sich, dort bildete sich bekanntlich die Berliner Schule der elektronischen Musik aus. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, man denke an die in Hamburg gegründete Band Faust.

Hier nun meine Frage an Euch: ist da was dran, oder bin ich da auf dem Holzweg?
Jein! Die beiden genannten Sender waren regional begrenzt. Im Süden von Hessen bis Bayern mit der Möglichkeit evtl. auch in der DDR empfangen zu werden. Die bei AFN täglichen Programme mögen neben Top 40 und Infotainment auch Nischenprogramme beinhaltet haben. BFBS ist mir näher. Von NRW über Niedersachsen bis in die Niederlande und Belgien, (West)Berlin(hatte sein eigenes BFBS) wiederum mit der Möglichkeit in der DDR empfangen zu werden, gab es ein ähnliches Programm wie bei AFN. Aber auch Übertragungen aus Großbritannien(Tommy Vance Friday Rock Show), die John Peel Show(wo über die Jahre von Prog bis Grindcore nichts unmöglich war), Alan Bangs(später WDR/ Rockpalast) sollte bei BFBS als Moderator tätig werden, wurde dann aber nicht fest eingestellt. In beiden Sendern wird es sicherlich genug Musik(außerhalb der täglichen Hits in Dauerrotation) gegeben haben, die dann auf viele deutsche Musiker einen Einfluss hatte.
 
AFN habe ich immer bei den Hausaufgaben gehört, diesen britischen Soldatensender kenne ich nicht. An eine Verbindung zu Krautrock kann ich mich nicht mehr erinnern. Weißt du Jörg, damals hatten wir vielleicht maximal 5 Schubladen, da wurde alles reingestoppt was Noten hatte: Die Petards, Kraan, Amon Düül, Novalis, Hölderlin, Neu!, Eloy, Frumpy, Birth Control, Lake sogar Nektar, usw wurde in die Krautrock-Schublade gestopft und wenns "klemmte", wurde mit ein bisschen Gewalt nachgeholfen...
Ob es jetzt ein Süd-Nord-Gefälle gab, müsste man mal statistisch untersuchen, ich weiß es nicht, genau so wenig, wer letztlich den Begriff "Krautrock" erfunden hat. ich habs schon mal geschrieben, ich war immer stolz auf die Bezeichnung...
Und allgemein stört mich "Krauts", "Fritz" überhaupt nicht, beim "Michel" hmm, vielleicht ein bisschen ;)
Nur mal so....
 
Zu meiner Zeit war es nicht mehr so, dass auf den deutschen Sendern nur Hausfrauenmusik lief. Dennoch hörten mein Bruder und ich in den 80ern gern BFBS, weil der den deutschen Sendern musikalisch immer ein paar Wochen voraus war, und die Moderatoren sehr viel witziger waren - und die Sprache war auch kein Problem, denn in Englisch waren wir gut.

Ob es in den späten 60ern und frühen 70ern Unterschiede zwischen AFN und BFBS gab hinsichtlich der dort gespielten Musikrichtungen, und inwieweit sich das auf die Krautrockszene auswirkte, ist mir nicht bekannt. Ich kann da nur vermuten, dass AFN mehr amerikanische und BFBS mehr britische Musik brachte, und dass es Unterschiede zwischen amerikanischer und britischer Rockmusik gab, ist ja kaum zu bezweifeln. Jedenfalls klingt Krautrock nicht wirklich "amerikanisch" (aber auch nicht "britisch"), während man bei deutschen Prog-Bands wie Eloy das britische Vorbild erkennen kann. Und es gab ja auch beides auf beiden Seiten der AFN/BFBS-Grenze, die meines Wissens zwischen NRW und Niedersachsen auf der einen und Rheinland-Pfalz und Hessen auf der anderen Seite verlief.
 
Auf der Bear-Family -Seite kann man auch überall 'reinhören.



Bear Family kannte ich vorher eher nur für anderes Oldiezeug, Beat, Country, oder Blues oder so
 


Bear Family kannte ich vorher eher nur für anderes Oldiezeug, Beat, Country, oder Blues oder so
So richtig glücklich werde ich mit der setlist nicht, zuviel, was nix mit Kraut oder Prog zu tun hat, sorry. Aber dafür mit über 20.-€ etwas teurer!
 
So richtig glücklich werde ich mit der setlist nicht, zuviel, was nix mit Kraut oder Prog zu tun hat, sorry. Aber dafür mit über 20.-€ etwas teurer!

Was erwartest Du, @nixe? Haben wir nicht schon mindestens zweimal in diesem Thema darüber diskutiert, ob es Krautrock in der DDR gab? Und sind wir nicht beide Male zu dem Ergebnis gekommen, dass es das nicht gegeben zu haben scheint? Es gibt da so gewisse Gründe, warum da nichts bekannt geworden ist.

Die Bedingungen, unter denen in der Alten Bundesrepublik und in der DDR Rockmusik gemacht und gehört wurde, waren eben zu unterschiedlich. Das muss ich jetzt sicher nicht ins Detail ausführen, deshalb kurz und knapp: Klangexperimente, wie sie die westdeutschen Krautrockbands machten, wären wohl an den Einstufungskommissionen gescheitert, deren musikalischer Horizont kaum über Klassik, Schlager, Volks- und Arbeiterlieder oder bestenfalls noch Dixieland hinausreichte, und auf AMIGA ist denn auch nichts dergleichen erschienen. Und überhaupt war wohl die Nachfrage nach solcher Musik in der DDR, wo schon Rockmusik kaum vom Regime geduldete Mangelware war, weitaus geringer als im Westen, wo so macher der anglo-amerikanischen Importware schon wieder überdrüssig war.

Das schließt nicht aus, dass die eine oder andere (westdeutsche) Krautrock-LP in die DDR gelangte, es in privaten Sessions solche Experimente gab, und von der einen oder anderen solchen Session Kassettenmitschnitte existierten, die im Untergrund zirkulierten. Allerdings ist davon bislang (mir jedenfalls) nichts bekannt geworden, und auf dem hier diskutierten Sampler sind anscheinend solche Aufnahmen nicht vertreten. Das scheint einfach nur ein Ostrock-Sampler der üblichen Sorte zu sein.

Was in der DDR (und in anderen "sozialistischen" Ländern) hingegen durchaus ging, war so was Ähnliches wie der englische Progressive Rock, denn mit gekonnter Handhabung klassischer Kompositionstechniken (und mit literarisch anspruchsvollen Texten, so lange sie in der Landessprache verfasst und nicht offen systemkritisch waren) konnte man den grauen Herren der Einstufungskommissionen doch ein mildes Lächeln abtrotzen, und auch einen AMIGA-Vertrag bekommen.
 
Die hätten aber die Möglichkeit gehabt, Sachen auszugraben, die unsereins nicht kennt! Chance verpaßt?, oder wirklich: außer Spesen nix gewesen!
Auf jeden Fall ist mir für das Geplänkel der Preis zu heiß!
 
Die hätten aber die Möglichkeit gehabt, Sachen auszugraben, die unsereins nicht kennt! Chance verpaßt?, oder wirklich: außer Spesen nix gewesen!
Auf jeden Fall ist mir für das Geplänkel der Preis zu heiß!
Konträr!
Ich finde diese Zusammsenstellung hervorragend. Hier hat sich jemand richtig Mühe gegeben. Ein paar Titel, okay, die pfeifen die Spatzen vom Dach. Aber, Nixe, Kraut hin oder her. Diese Songs sind doch wohl einzigartig ausgegraben.
Ich vermute, daß du 90% davon noch nie gehört hast.
Die DDR hatte (siehe Weeping Elf oben) eine andere Auffassung von Musik und ihrer Breite. Shit happens,
genießt diese Aufnahmen. Auf vielen meiner Platten sind die nicht zu finden, darum landet die Musik in den Warenkorb.
Ich freu mich!
So, jetzt " Kati Kovács - Wind komm und bring den Regen her".
Wenn der Peel auf solche Sachen Zugriff hätte......!
MfG
...und bitte, das ist nur meine Meinung !
 
Ich lese mal wieder Henning Dedekinds Buch, worin von den unterschidlichen Einflüssen seitens der alliierten Militärsender AFN (amerikanisch, im Süden) und BFBS (britisch, im Norden) die Rede ist, ohne dass dort benannt wird, wie sich das konkret auswirkt.

Ich habe darüber ein wenig nachgedacht, und mich beschlich der Eindruck, dass der eigentliche Krautrock vor allem eine süddeutsche Sache war, während der Norden eher zu Prog nach englischer Machart tendierte. So stammen Eloy (Hannover) und Novalis (Hamburg) aus dem Norden, während z. B. Guru Guru (Heidelberg) und Amon Düül (München) sich im Süden formierten. West-Berlin ist noch mal ein Fall für sich, dort bildete sich bekanntlich die Berliner Schule der elektronischen Musik aus. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, man denke an die in Hamburg gegründete Band Faust.

Hier nun meine Frage an Euch: ist da was dran, oder bin ich da auf dem Holzweg?
Welches Buch meinst du genau, bitte? Titel?
MfG
 

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