KRAUTROCK

WeepingElf

Aktives Mitglied
Mir gefällt auch irgendwie das folgende Wortspiel von Mani Neumeier (zu finden in Christoph Dallach, Fvtvre Sovnds, S. 13; ich meine es auch schon in der Krautrock-Serie in der Eclipsed gesehen zu haben):

"Mir ist der Begriff gar nicht so unsympathisch. Das kommt ja nicht vom Kraut, das man isst, sondern vom Kraut, was man raucht."

Obwohl es natürlich nicht die wahre Etymologie ist und ich mit dem gemeinten Kraut nichts am Hut habe. Aber witzig ist es!
 

Karl

Neues Mitglied
Könnte ganz interessant sein. Krautrock-Sampler mag ich ganz gerne. Ich kauf mir aus dem Bereich jetzt nicht die immense Anzahl an Alben, aber auf Samplern ist da immer wieder was zu entdecken. :)
Das geht mir ähnlich. Von ein paar Bands habe ich zwar auch die Soloalben (Frumpy zum Beispiel oder Amon Düül II oder Grobschnitt), aber generell finde ich da solche Sampler sehr fein, zumal es darauf auch etliches zu hören gibt, was so als ein Song mal ganz fein ist, aber auf Albumlänge dann doch etwas zu viel des Guten.

Die Reihe "Krautrock - Music For Your Brain" kann ich da sehr empfehlen, das sind fünf Folgen à jeweils sechs randvoll bepackte CDs, und informative Liner-Notes gibt es auch noch dazu. Falls das hier schon genannt wurde, dann bitte ich um Entschuldigung, aber ich hab jetzt nicht den ganzen Thread gelesen ...
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Ich habe kaum Krautrock-CDs (und gar nichts auf Vinyl). Eigentlich nur das erste Album von NEU!. Ansonsten ein paar CDs von Eloy, Grobschnitt und die Sommerabend von Novalis - aber das alles ist eher deutscher Prog als Krautrock. Und die Autobahn von Kraftwerk, aber das ist ja auch kein Krautrock mehr.
 

soylent_gelb

Mitglied
Die ersten Kraftwerks (& Organisation) hab ich natürlich auch. Kann man irgendwie aber auch nicht immer hörn. :) Amon Düül (II), Can, Neu, Eloy, Grobschnitt, Novalis, Frumpy, Wallenstein, Jane, Lucifer`s Friend, Scorpions. So ein paar Sachen kommen dann schon zam, was immer man dann halt dazurechnen mag. Manche definieren Krautrock ja einfach mit Nicht-Schlager-Musik aus Deutschland aus den 70ern. Sperrmüll, Walpurgis und 1 Album von Birth Control hab ich noch...
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Ein Problem für Krautrock-Neueinsteiger ist heutzutage natürlich, dass viele Platten nicht mehr oder nur zu schwindelerregenden Sammlerpreisen zu bekommen sind. Hinzu kommt, dass ich derzeit keinen funktionsfähigen Plattenspieler habe (was sich natürlich ändern ließe) und daher auf CD-Ausgaben angewiesen bin, die es von vielen Krautrock-Alben (wie z. B. den Vor-Autobahn-Kraftwerk-Alben) einfach nicht gibt.

Mancher stellt sich hier vielleicht die Frage, warum ich mich für Krautrock interessiere, während ich mit dem "Progrock" im Sinne des Alternative Rock nichts anfangen kann, wo doch Krautrock mehr Ähnlichkeiten mit "Progrock" hat als mit "klassizistischem" Prog von Yes und Pink Floyd über Rush und Marillion bis Dream Theater und Ayreon. Nun, erstens hat Krautrock was Schrullig-Kreatives an sich, das waren einfach herrlich durchgeknallte Typen. Zweitens finde ich die Geschichte des Krautrock irgendwie spannender als die Musik selbst. Eben die kreative Verschrobenheit der Szene, die hat was, auch wenn die Musik, die dabei herauskam, oft langweilig und einfach nur dilettantisch ist. Bei manchen (nicht allen) Bands war das so ein "Wir können zwar nichts Gescheites spielen, spielen aber trotzdem", und das macht den Charme des Ganzen aus. Dazu gehört schon eine ganze Portion Mut!
 

Georg

Alter Hase
Can Live in Stuttgart 1975

Live-Album von Krautrock-Band Can: Nummern ohne Ende

Aus alten Bootlegs hat Can-Keyboarder Irmin Schmidt ein orgiastisches Livealbum kondensiert. Zu hören ist ein Konzert aus Stuttgart, Mitte der 1970er.





Can 1971, links Irmin Schmidt Foto: Jaques Breuer/picture alliance


Das Promotion-Geläut bimmelt durch die Plattenregale richtiger Sammler und Fans: Das Ehepaar Irmin und Hildegard Schmidt und ihr Label Spoon lesen abermals all jenen die Messe, die dachten, aus dem Archiv von CAN, der Signalband des Krautrock, wäre nichts mehr zu heben. Weit gefehlt: In unregelmäßigen Abständen werden ehedem vergessen geglaubte Aufnahmen und Tonbandschlaufen ausfindig gemacht, neu ediert, frisch verpackt, verknotet und dann hurtig über die sanft klebrigen Theken der Plattenläden vertickt.


Nach den „Lost Tapes“ (2012) kam die große, essenzielle, limitierte CAN-Box mit 17 Alben, dazu abermalige Neupressungen und Neuauflagen der klassischen CAN-Alben „Soundtracks“, „Tago Mago“, „Soon Over Babaluma“ und sowieso von allem, was je im Namen der Kölner Konservendose verfertigt wurde. Was während des knapp zehn Jahre währenden Bestehens der Band noch als das große Flow-Erlebnis gefeiert wurde, wird mittlerweile nicht mehr gespürt, sondern vor allen Dingen vermarktet. Was ja auch in Ordnung ist. Aber auch etwas amüsant für eine Band, die einst im Fernsehen noch klassenkämpferische Parolen von sich gab. Doch aus Überfluss droht bisweilen Überdruss zu werden.





In der Zwischenzeit ist aus dem kulturellen Erbe ein tatsächliches geworden, als nach dem viel zu früh gestorbenen CAN-Gitarristen Michael Karoli (1948–2001) innerhalb eines Halbjahresintervalls die Wegbegleiter Holger Czukay und Jaki Liebezeit (beide 1938 geboren) 2017 starben. Dem trommelnden Herz der Band, Liebezeit, wurde ein Buch und in Köln ein Club gewidmet, immerhin; das Solowerk Czukays, des alten Schnipplers, wurde in Form einer aufwendigen Plattenbox inzwischen auch gewürdigt. Gut! Der ungebrochenen Leidenschaft für die einzig große Band aus Köln – sorry, BAP! – tat das keinen Abbruch – der Mythos von CAN lebt weiter.


Wie stark diese mythische Verehrung nun tatsächlich wirkt, wird sich bald herausstellen. Der Lackmustest folgt wiederum in Form von marktgerecht aufgemachten Veröffentlichungen: „CAN LIVE Serie“ heißt die neueste Produktidee. Hinter dem schmissigen Namen verbergen sich restaurierte Bootlegs, also inoffiziell aufgenommene Konzertaufnahmen, die mithilfe der digitalen Technik endlich das CAN-Konzerterlebnis nach Hause bringen sollen. Warum eigentlich „endlich“?


Unaufnehmbare Konzerte


Statt „Man höre und staune“ hieß es jahrzehntelang „Staunt, denn es gibt nichts zu hören“! Genauso wie der Kölner Dom halt niemals fertiggestellt werden wird, weil sein Baumeister vor 800 Jahren den Teufel verärgert hat, galten CAN-Konzerte als unaufnehmbar. Mal fehlten Spuren wie etwa 1973 in Edinburgh, ein Jahr davor, in der Sporthalle in Köln, ging ein Mischpult kaputt. So blieb das Liveerlebnis genau dies: ein Erlebnis, unerfahrbar für die Nach- und Außenwelt. Dabei gewesen zu sein – oder qua später Geburt, fehlender Tickets oder geschmacklicher Verbrämtheit gelang das eben nicht.

Das Album

CAN: „Live in Stuttgart 1975“ (Spoon/ Rough Trade)


Irmin Schmidt, das letzte überlebende Gründungsmitglied der Gruppe, hat deshalb gemeinsam mit CAN-Toningenieur René Tinner vorhandene Amateuraufnahmen gesichtet, aufbereitet und in der Studionachbearbeitung albumtauglich gemacht. Wie ein Fußballspiel dauert auch das Spektakel, das nun als „Live in Stuttgart 1975“ firmiert, 90 Minuten. Realiter hat das eher doppelt so lange gedauert; drei Stunden Spieldauer – exklusive Pause! – waren in den 1970ern keine Seltenheit, wenn der Jam von CAN allabendlich erst mal Fahrt aufgenommen hatte.





Die Vermarktung übernimmt Irmins Frau Hildegard, die zwar nie Mitglied der Band war, dennoch als ihr Kopf gelten darf. Immerhin hält sie seit 1980 die Managementfäden in der Hand – und ist in gewisser Weise die starke Frau und Architektin des deutschen Exportschlagers Krautrock. Apropos Fäden: Man denke zurück an Walter Benjamins Haschischexperimente in Marseille und seine Erkenntnis, dass man, „um den Rätseln des Rauschglücks näher zu kommen, über den Ariadne-Faden nachdenken“ müsse.


Die von Benjamin beschriebene Lust, „einen Knäuel abzurollen“, korreliert mit dem, was man anno 1975 auf die Bühne brachte. Das Knäuel, das hier abgerollt wird, heißt Rock – und am Ende des unendlichen Vergnügens aus Schrammelei, Gegniedel, Liebezeits tribalistischer Leidenschaft an den Drums und einem subtilen Groove steht ein saftiger Applaus. Ja, selbstverständlich hat dieses Livealbum eine Relevanz – trotz der oben genannten Überempfindlichkeit, die man ob der Veröffentlichungsstrategie hegen darf.


Mehr als nur Songs


Die Lust, etwas mehr als nur Songs zu wagen, sich ganz und gar dem Jam hinzugeben, merkt man eben nicht nur Karoli an, der hier wie ein großer Gitarrero aufspielt, sondern auch dem fast schon funky Bass eines Czukay. Schmidt selbst spielt eine vortreffliche „Light My Fire“-artige Orgel. Man hört hier sehr freie Improvisationen von bekannten CAN-Stücken und ihre Variationen wie zum Beispiel „Vitamin C“ und „Dizzy Dizzy“, sie tauchen wie Felsen in der Brandung eines gewaltigen Lärmspektakels auf.


Es ist, um Benjamin noch einmal zu bemühen, eine „Lust ganz tief verwandt mit der Rauschlust wie mit der Schaffenslust“. Während nun oben anderthalb Stunden geschafft wurde, wird heute wie damals gerauscht auf der Konsument:innenseite. Ganz praktisch, dass bei der Spieldauer von 35 Minuten, so wie beim dritten Lied, das Band scheinbar lang genug durchlief – oder, wie es die entfernt verwandten britischen Psychedelikfolkies Incredible String Band einst formulierten: „Be thankful for the song has no ending.“ Seid einfach dankbar dafür, dass diese Nummer wirklich kein Ende hat oder findet. Und trotzdem: Connaisseure kommen hier durchaus auf ihre Kosten.


Gerade für CAN-Neulinge gibt es ebenso Überraschungen auf dieser Veröffentlichung: Nein, CAN waren eigentlich nie die große Motorik-Krautrockband, das waren die Düsseldorfer NEU!; Ja, CAN konnten auf der Bühne durchaus nerven; und ja, man darf die Meinung vertreten, dass CAN mit dem Ausnahmeperformer Damo Suzuki am Mikrofon zwar nicht besser, aber überraschender waren. Dennoch sind die drei leuchtend orangefarbenen Vinyls, die den Einblick in den Sound Mitte der 1970er gewähren, keine Fehlinvestition. Wer sich die Mühe macht, den Rauscherlebnissen dieses Konzerts nachzuspüren, den erwarten wirklich entfesselte anderthalb Stunden von CAN live in Stuttgart.
TAZ, 30.Juli 2021 S.15 "Kultur"
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Ich hatte vor einigen Tagen im "Was hört ihr gerade" Thread nach Informationen zu dieser Band gefragt. Da das Netz nichts hergibt, hatte ich die klitzekleine Hoffnung, dass evtl. hier im Forum etwas Licht ins dunkle bringt. Letztendlich hat mir doch der Kanalbetreiber "

Krautrock Heavypsych " weiterhelfen können. Lest die ganze Geschichte hier

HARMONY ROW were from Recklinghausen. This band, in comparison to others was quite an exception. It only had been founded to take part in the contest in the Vestlandhalle. The musicians who were not at all being used to one another formed a band which can be regarded as quite synthetic. Its members, three of them, were rather involved in their own bands. For the contest they carne together rather late, barely two weeks before it started. On drums was Siegfried Gorki (*8/23/1953 in Recklinghausen). The rehearsals took place in his parents' laundry where the artists tried to get the right feeling for each other. At that period of time Siegfried Gorki played with the Black Beats, later Charing Cross who today are touring again (http://www.charing-cross.de). The year before he had been at the contest with The Headless Five, and two years before with T.N.T. Reinhard Jedamzik was Harmony Row's guitarist, on bass was Rainer BeBling (*4/11/1954 in Recklinghausen). The band's name was taken from the third LP by Jack Bruce, the former bassist with Cream. That LP of the same name had been released only some months before, in September 1971, and especially Rainer BeBling had felt enthusiastic about it. At the contest on December 5, 1971, Harmony Row was supposed to start at place nine, but that running order got changed. Apparently for being late they got pushed to place eighteen. Their one and only piece was an eleven-minute version of "Summertime". Taken from the musical "Porgy and Bess" by George Gershwin, their version was a free arrangement with progressive touch and long trips of the electric guitar. Actually the whole track was thought for these excursions of the e-guitar played by Reinhard Jedamzik. At the final account they reached the upper ranges of the midfield. This was the one and only gig by Harmony Row, like they had planned. Later they formed the band Muddy Cheer with two other musicians. One of them was Rainer Kubiak also on guitar, and Gunter Lehmann as singer. They played progressive rock. Siegfried Gorki and Reinhard Jedamzik still live in Recklinghausen. Rainer BeBling had played in the band of the famous saxophonist Tyree Glenn jr. until 1982. He can be found on one of his LPs "Live in Shalanda" which had been recorded in the famous Reck-linghausen discotheque and was released on MSM in 1978. In the meantime Rainer BeBling has moved to Syke, close to Bremen, where he works as a music critic for a newspaper. Great many thanks to Siegfried Gorki, Dr. Rainer BeBling, and Reinhard Jedamzik for their kind support.

 

Jester.D

Alter Hase
Ich bin normalerweise hier nicht zugange, aber kürzlich wurde im Radio eine Band vorgestellt, eine italienische Band übrigens, die laut Sprecher ziemlich authentischen ;) Krautrock machen soll. Eine Song hab ich gehört und der klang ziemlich krautig, aber gar nicht mal so gut. :p Bin ja kein Fan. Dummerweise hab ich den Bandnamen nicht richtig verstanden...
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Ich bin normalerweise hier nicht zugange, aber kürzlich wurde im Radio eine Band vorgestellt, eine italienische Band übrigens, die laut Sprecher ziemlich authentischen ;) Krautrock machen soll. Eine Song hab ich gehört und der klang ziemlich krautig, aber gar nicht mal so gut. :p Bin ja kein Fan. Dummerweise hab ich den Bandnamen nicht richtig verstanden...
Schade! Ich recherchiere mal! Eher eine Band aus der Jetztzeit oder aus der Blütezeit des Krautsalats?
 

Chris Flieder

Mitglied
Zeitgenössische italienische Bands die man sehr grob als "Krautig" bezeichnen kann, wären z.B.:
Da Captain Trips
Red Sun
La Morte Viene Dallo Spazio
The Old Mill Free Ensemble (Mitglieder o.g. Bands plus Horst Porkert/Sunhair aus Würzburg)
 

nixe

Inventar
Ich bin normalerweise hier nicht zugange, aber kürzlich wurde im Radio eine Band vorgestellt, eine italienische Band übrigens, die laut Sprecher ziemlich authentischen ;) Krautrock machen soll. Eine Song hab ich gehört und der klang ziemlich krautig, aber gar nicht mal so gut. :p Bin ja kein Fan. Dummerweise hab ich den Bandnamen nicht richtig verstanden...
Im allgemeinen ist Kraut Rock ein UrDeutscher Begriff, nix weiter als Prog aus unserem Land. Nichtmal der Ost Rock zählt so richtig dazu. Auch wenn sie schräg klingen sind*s Italiener!
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Im allgemeinen ist Kraut Rock ein UrDeutscher Begriff, nix weiter als Prog aus unserem Land. Nichtmal der Ost Rock zählt so richtig dazu. Auch wenn sie schräg klingen sind*s Italiener!
Nein, erstens ist "Krautrock" kein "urdeutscher Begriff", das wurde von englischen Journalisten geprägt; zweitens sind Krautrock und Prog aus Deutschland nicht dasselbe, auch wenn eine Verwandtschaft besteht, die Grenzen (wie eigentlich alle Genregrenzen!) fließend sind, und die Milieus, aus denen in England Prog und in Deutschland Krautrock entstand, vergleichbar sind. Das wurde hier doch schon eingehend besprochen.

Aber es stimmt, das Ost-Rock kein Krautrock ist, da liegen Welten dazwischen, was den völlig unterschiedlichen Bedingungen, unter denen in den beiden deutschen Staaten Rockmusik entstand, geschuldet ist. Auch dass eine italienische Band "eigentlich" allein aufgrund ihrer Herkunft kein Krautrock sein kann, was freilich nicht ausschließt, dass Italiener so ähnliche Musik machen. Nun weiß ich nicht, um welche italienische Band es hier geht, und kann daher nicht sagen, inwieweit sie musikalisch mit Krautrock vergleichbar ist, also sage ich dazu nichts weiter.
 

nixe

Inventar
Nein, erstens ist "Krautrock" kein "urdeutscher Begriff", das wurde von englischen Journalisten geprägt; zweitens sind Krautrock und Prog aus Deutschland nicht dasselbe, auch wenn eine Verwandtschaft besteht, die Grenzen (wie eigentlich alle Genregrenzen!) fließend sind, und die Milieus, aus denen in England Prog und in Deutschland Krautrock entstand, vergleichbar sind. Das wurde hier doch schon eingehend besprochen.

Aber es stimmt, das Ost-Rock kein Krautrock ist, da liegen Welten dazwischen, was den völlig unterschiedlichen Bedingungen, unter denen in den beiden deutschen Staaten Rockmusik entstand, geschuldet ist. Auch dass eine italienische Band "eigentlich" allein aufgrund ihrer Herkunft kein Krautrock sein kann, was freilich nicht ausschließt, dass Italiener so ähnliche Musik machen. Nun weiß ich nicht, um welche italienische Band es hier geht, und kann daher nicht sagen, inwieweit sie musikalisch mit Krautrock vergleichbar ist, also sage ich dazu nichts weiter.
Das die NamensGebung nicht aus Deutschland kommt, müßte eigentlich egal sein, oder?
 

Chris Flieder

Mitglied
Frage:
WENN wir davon ausgehen, dass "Krautrock", nicht pauschal bedeutet "deutsche Band", sondern eine musikalische Stilrichtung, die sich von Deutschrock und Ost-Rock unterscheidet, würde es im Gegenzug nicht bedeuten, dass auch nicht-deutsche Bands diese Stilrichtung einschlagen können?
Immerhin spielen auch hellhäutige Musiker "Blues" und Bands außerhalb Birminghams "Heavy Metal"? Nektar und Sweet Smoke waren jetzt auch nicht gerade Ur-Deutsch. :)
 

nixe

Inventar
Frage:
WENN wir davon ausgehen, dass "Krautrock", nicht pauschal bedeutet "deutsche Band", sondern eine musikalische Stilrichtung, die sich von Deutschrock und Ost-Rock unterscheidet, würde es im Gegenzug nicht bedeuten, dass auch nicht-deutsche Bands diese Stilrichtung einschlagen können?
Immerhin spielen auch hellhäutige Musiker "Blues" und Bands außerhalb Birminghams "Heavy Metal"? Nektar und Sweet Smoke waren jetzt auch nicht gerade Ur-Deutsch. :)
Wohnten aber hier!
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Frage:
WENN wir davon ausgehen, dass "Krautrock", nicht pauschal bedeutet "deutsche Band", sondern eine musikalische Stilrichtung, die sich von Deutschrock und Ost-Rock unterscheidet, würde es im Gegenzug nicht bedeuten, dass auch nicht-deutsche Bands diese Stilrichtung einschlagen können?
Immerhin spielen auch hellhäutige Musiker "Blues" und Bands außerhalb Birminghams "Heavy Metal"? Nektar und Sweet Smoke waren jetzt auch nicht gerade Ur-Deutsch. :)
Da sprichst Du in der Tat einen wunden Punkt an der Definition von "Krautrock" an. Das Herkunftsland als Teil einer Genre-Definition zu nehmen, führt unweigerlich zu Problemen. Das ist noch problematischer als die Doppelklassifikation in der Metal-Szene einerseits nach musikalischen Merkmalen und andererseits nach Textsujets.

Es stellt sich in der Tat die Frage, was man mit Musik macht, die genau so klingt wie die eine oder andere "klassische" Krautrockband, aber nicht aus der Alten Bundesrepublik stammt. Wie sich überhaupt "Krautrock" musikalisch nicht so leicht fassen lässt, da gibt es durchaus Unterschiede! Wenn man die einschlägigen Bücher liest, erfährt man, dass die "Krautrock"-Musiker sich mitnichten als Vertreter einer Stilrichtung ansahen (auch wenn sie eigentlich alle "progressiv" sein wollten), sondern sich heftig gegeneinander abzugrenzen versuchten.

So wollten NEU! nichts mehr mit Kraftwerk (und das schon lange vor Autobahn) zu tun haben. Freilich spielten da z. T. lokalpatriotische Rivalitäten auch eine Rolle, etwa zwischen Düsseldorf und Köln. Da hat man bisweilen den Eindruck, dass musikalische Abgrenzungsgründe nur vorgeschoben waren und es einfach nur daran lag, dass da eine Band aus der "falschen" Stadt kam ;)

Am Ende bleibt dann nur ein sehr allgemeiner Oberbegriff wie "experimentelle Musik" oder "Avantgarde-Rock" übrig. Und man darf ja nie vergessen, dass die allermeisten Genre-Bezeichnungen nur Konstrukte von Musikjournalisten sind, die versuchen, das vieldimensionale Kontinuum von Musikstilen in ein irgendwie geartetes Klassifikationsschema zu zwängen!
 

nixe

Inventar

Krautrock

Unter dem Genre Krautrock wurde ab Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre die Rockmusik primär westdeutscher Bands eingeordnet, die teilweise auch international bekannt wurden. Allen klassischen Krautrockbands ist außer der geographischen Herkunft der Hang zur experimentellen, improvisationsgeprägten Rockmusik gemein.

Inhaltsverzeichnis
Bezeichnung und Selbstverständnis
Der Begriff geht auf das Wort „Sauerkraut“ sowie die abwertende Bezeichnung „Krauts“ für die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg zurück. Der Ursprung des Wortes Krautrock geht, entgegen häufiger Behauptungen, auf eine Werbeanzeige der deutschen Firma Popo Music Management zurück, die in der Englischen Zeitschrift Billboard das Wort erstmals benutzte[1], um für Platten von Bacillus Records zu werben. Dieser Begriff wurde von der britischen Presse aufgegriffen und häufig benutzt. Darüber hinaus nahm im Mai 1973 die Hamburger Gruppe Faust für Virgin Records im Studio „The Manor“ in Oxfordshire ihre vierte LP auf, deren erstes Stück „Krautrock“ hieß. Virgin Records übernahm daraufhin diesen Begriff als Genre-Bezeichnung für Rockmusik aus Deutschland.
In Deutschland wurde Krautrock oft als selbstironische Bezeichnung für die eigene Musik verwendet, um damit auszudrücken, dass man Deutschland für ein popkulturelles Entwicklungsland hielt. Krautrock war zu Beginn mehr als Sammelbegriff für Musik aus Deutschland zu sehen. Es gab weder eine einheitliche Bewegung noch weitreichende stilistische Gemeinsamkeiten.
Abgesehen von der Verwendung des nicht schmeichelhaft gemeinten Wortes „Kraut“ wird durch diese Zusammenfassung verschiedenster Stilrichtungen und die Reduzierung auf ihre geographische beziehungsweise nationale Herkunft der Begriff Krautrock auch oft als eine abwertende Bezeichnung verstanden. So waren beispielsweise Amon Düül und Agitation Free dem Psychedelic Rock verpflichtet, Tangerine Dream neigten eher dem Bereich der elektronischen Musik zu, Guru Guru praktizierten zunächst Space Rock à la Hawkwind, Birth Control waren dem Hardrock zuzuordnen, während Can eine nahezu avantgardistische Kompositionshaltung wählten. Insgesamt zeichneten sich die Bands oft durch eigene Interpretationen der anglo-amerikanischen Muster aus, was auch internationale Anerkennung mit sich brachte.
Zwar gab es bereits früh Bands, die völlig selbstverständlich auf Deutsch sangen (Ihre Kinder, Prof. Wolfff), jedoch galten deutsche Texte in der damaligen Rockmusik noch keineswegs als selbstverständlich und statt auf das Englische auszuweichen, entschieden sich einige Krautrockbands dafür, nahezu oder gänzlich auf Texte zu verzichten (so z. B. Ash Ra Tempel). Bemerkenswert ist die Nähe vieler Bands zum außerparlamentarischen Widerstand und zu linken Gruppierungen (Floh de Cologne, Ton Steine Scherben, Lokomotive Kreuzberg). Agitation Free hatten ihren Übungsraum in der K1 und spielten oft bei Aktionen der Haschrebellen. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass Gruppen wie Omega (Ungarn) und Nektar (GB/USA) aufgrund ihres Erfolgs in der BRD oft zu den Krautrockern gezählt werden.
Als einzig gemeinsame Grundtendenz wäre die Neigung zu komplexeren Strukturen zu nennen, wodurch eine enge Verwandtschaft zu Progressive Rock/Artrock und Jazzrock besteht. Aus heutiger Sicht ist hervorzuheben, dass hier auffällig viele Musiker mit der damals neuartigen Synthesizer-Technik experimentierten. Dies gilt neben Can vor allem für Tangerine Dream und deren Umfeld (Klaus Schulze, Ash Ra Tempel), die so möglicherweise die Basis für den späteren Welterfolg von Kraftwerk (Autobahn, 1974) lieferten.
Österreichische Krautrockbands sind z. B. Ixthuluh und Gypsy Love (mit Karl Ratzer und Harri Stojka).
Da sich angefangen vom Hip-Hop-Pionier Afrika Bambaataa bis hin zu Techno-„Originator“ Juan Atkins international viele Musiker der folgenden Generationen explizit auf diesen „elektronischen“ Bereich bezogen, kommt dem Krautrock rückblickend eine durchaus große pop-historische Bedeutung zu, auch wenn dies seinerzeit weder beabsichtigt noch absehbar gewesen ist. Deutliche Krautrock-Einflüsse sind bei Indie-Bands wie Sonic Youth (vor allem Can) und Stereolab (vor allem Neu!) zu bemerken.
Um die Jahrtausendwende kam es zu einer Renaissance alter Krautrock-Bands, zunächst in den USA, in der Folge auch in Deutschland. Diese Entwicklung hielt an und führte dazu, dass es zu Wiedervereinigungen kam, dass vergriffene Tonträger neu aufgelegt wurden und dass auch neue Bands, wie die 2001 gegründeten Space Debris, ihre Musik als „Krautrock“ bezeichneten.
 

nixe

Inventar
Amon Düül - Mama Düül und ihre Sauerkrautband spielt auf (1969)
This intro piece from Amon Düüls first album 'Psychedelic Underground' most probably gave birth to the term 'Krautrock', coiled by british music journalist John Peel to characterise the often rough and experimental sound of the german progressive rock scene in the late 60's and early 70s. All the first four albums of Amon Düül were recorded during a long drug-influenced jam session in Berlin 1968, where this group had formed out of friends and supporters of 'Kommune 1'
 

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