KRAUTROCK

Fatima Xberg

Neues Mitglied
Nur mal so als Anmerkung. Noch bis in die späten 90ern wurde in der englischen Fußball- und Hooligan-Szene der Begriff "Kraut" für alle Deutschen benutzt und das war definitiv nicht bloss näckisch gemeint. Selbst heute würde keiner meiner englischen Freunde mich jemals einen "Kraut" nennen.
Die o.a. Theorie, dass der Begriff in den 70ern nicht mehr negativ belegt gewesen sein soll. zweifle ich stark an.
Zweifeln kannst Du gerne – ich bin in den 70ern in London aufgewachsen (Hackney/Dalston) und habe meine eigenen Erfahrungen. Was ja nicht ausschließt, daß die Hooligans den Begriff zwanzig Jahre später anders benutzen.
John Peel, die Monty Pythons, die englische Musikpresse und The Guardian haben das aber wesentlich gelassener gesehen.
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Ach, wir drehen uns doch die ganze Zeit nur im Kreis. Das ist doch letzten Endes nebensächlich, was den Krautrock betrifft. Festhalten kann man eigentlich nur:

1. Britische Musikjournalisten erfanden für die "verrückte" Musik, die aus der Bundesrepublik Deutschland kam, die Bezeichnung "Krautrock". Diese wird aber sehr unterschiedlich gehandhabt, manchmal wird sie auf jedwede deutsche Rockmusik angewandt, meistens aber spezifisch auf das, was damals in Deutschland "progressive Musik" genannt wurde.

2. Das war keineswegs böse, sondern eher ironisch gemeint, in welchem Maße auch immer und wann auch immer "Kraut" als eine abwertende oder verniedlichende Bezeichnung aufgefasst worden sein mag. Dass "Kraut" zur Zeit der Weltkriege ein Schimpfwort war, wird hier niemand bezweifeln - die Konnotationen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute variieren offenbar.

3. Vielen der deutschen Musiker selbst gefiel die Bezeichnung nicht, aus welchen Gründen auch immer - wahrscheinlich aber auch wegen der Assoziationen "Kraut = deutscher Weltkriegssoldat" und "Rock = angloamerikanische Importmusik", was beides Dinge waren, von denen man sich distanzieren wollte.

Das sind letzten Endes Wortklaubereien, und ist die Musik nicht das eigentlich Spannende daran? Also lasst uns diesen Quatsch beenden und über Krautrock diskutieren!
 

nixe

Inventar
Cosmic Jokers - Galactic Supermarket (1974)
Kinder des Alls (18:54)
Galactic Supermarket (19:24)

- Dieter Dierks / bass
- Jürgen Dollase / keyboards, vocals
- Manuel Göttsching / electric guitar
- Harald Großkopf / drums
- Rosie & Gille / vocals
- Klaus Schulze / synthesizers

Cover – Peter Geitner
Lyrics by – G. Lettmann*, R. Müller*
Music by – D. Dierks*, H. Großkopf*, J. Dollase*, K. Schulze*, M. Göttsching*
Performer – Dieter Dierks, Gille*, Harald Grosskopf, Jürgen Dollase, Klaus Schulze, Manuel Göttsching, Rosi*
Producer – Gille Lettmann, Rolf-Ulrich Kaiser
Recorded & Mixed by – Dieter Dierks
Technician [Assistant] – Heiner Friesz
 
Zuletzt bearbeitet:

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Bevor die Diskussion Pro und Contra Heft 06 zu einem Diskurs über Krautrock wird, sollte das durchaus spannende Thema lieber hierhin verlagert werden. Innovation, Dilettantismus, die Suche nach einer eigenen sich abgrenzenden zu den Vorbildern aus den USA, Großbritannien, andere Länder, eigenen Identität? Jede*r hat seine eigenen Gedanken zu dem Thema.
z.B. zu diesem Album

Ernst Schultz - Paranoia picknick (1971
 

Marifloyd

Inventar
Krautrock, oder was man so dazu zählt, befindet sich reichlich in meiner Sammlung. Wobei ich mir vorstellen kann, dass einige Krautrock Puristen die Bands, die ich diesbezüglich in meiner Sammlung geordnet habe, nicht zum Krautrock zählen würden.

Hier ein prima Album von Lava - Tears Are Goin' Home

1623667539305.png

01. Tear's are goin' home (4:22)
02. Crimes of love (6:45)
03. Would be better you run (5:19)
04. All my love to you (4:20)
05. Mad dog (6:01)
06. Holy fool (5:17)
07. Piece of peace (10:07)


 

WeepingElf

Aktives Mitglied
@nixe - Ja, vielleicht liegen die Unterschiede zwischen Krautrock und englischem Prog weniger in der unterschiedlichen Rolle der beiden Länder im Zweiten Weltkrieg begründet. Die Briten hatten ja (genau wie die Franzosen, Niederländer, Belgier, Spanier und Portugiesen) mit ihrer Kolonialpolitik auch ordentlich historischen Dreck am Stecken, so dass es auch dort für die junge Generation eine Vergangenheit gab, aus der sie heraus treten wollten. Insofern war der Unterschied diesbezüglich vielleicht nicht so riesig, auch wenn die Verbrechen der Nazis natürlich eine ganz besondere Dimension hatten; aber das tut hier eher wenig zur Sache.

Vielleicht liegt es in der Tat einfach nur daran, dass die Briten eine etablierte Rock-Kultur hatten und die Kontinentaleuropäer eben nicht, so dass die Briten das Vorhandene evolutionär weiter entwickelten, währen die Deutschen und andere Kontinentaleuropäer das voraussetzungsloser angingen und "bei Null" anfingen - und so wortwörtlich Unerhörtes erschufen.

Auch wird von vielen, die über die Geschichte des Progressive Rock schreiben, die Bedeutung der anglikanischen Kirchenmusik herausgestellt. Die meisten Prog-Musiker hatten anscheinend in der Jugend im Kirchenchor gesungen und manche sogar Orgel gespielt. Nun weiß ich so gut wie nichts über anglikanische Kirchenmusik, inwieweit sie sich etwa von katholischer oder lutherischer Kirchenmusik unterscheidet, dass das so einen Unterschied macht. Kirchenmusik gab es ja auch diesseits des Ärmelkanals, aber irgendwie scheint sie für die musikalische Sozialisation der "68er-Generation" eine weitaus geringere Rolle gespielt zu haben als in England - zumal die kontinentaleuropäischen "68er" ja eher kirchenfern waren; war das in England anders?

Ansonsten ist mir bei meinen Recherchen noch aufgefallen, dass die "E-Musik" der Nachkriegszeit in England weniger radikal war als etwa in Deutschland oder Frankreich. Da wurde immer noch mehr oder weniger tonal statt seriell komponiert. Vielleicht ist das auch zum Teil der Grund, warum der englische Prog so viel weniger radikal war als die meisten progressiven Musikkulturen auf dem Festland.
 

Bayou60

Aktives Mitglied
Krautrock, oder was man so dazu zählt, befindet sich reichlich in meiner Sammlung. Wobei ich mir vorstellen kann, dass einige Krautrock Puristen die Bands, die ich diesbezüglich in meiner Sammlung geordnet habe, nicht zum Krautrock zählen würden.

Hier ein prima Album von Lava - Tears Are Goin' Home

Anhang anzeigen 14048

01. Tear's are goin' home (4:22)
02. Crimes of love (6:45)
03. Would be better you run (5:19)
04. All my love to you (4:20)
05. Mad dog (6:01)
06. Holy fool (5:17)
07. Piece of peace (10:07)


...schöner Tipp, kannte ich noch nicht. Entspannte Musik. Hab mir die CD bestellt...
 

passionplayer

Aktives Mitglied
Krautrock, oder was man so dazu zählt, befindet sich reichlich in meiner Sammlung. Wobei ich mir vorstellen kann, dass einige Krautrock Puristen die Bands, die ich diesbezüglich in meiner Sammlung geordnet habe, nicht zum Krautrock zählen würden.

Hier ein prima Album von Lava - Tears Are Goin' Home

Anhang anzeigen 14048

01. Tear's are goin' home (4:22)
02. Crimes of love (6:45)
03. Would be better you run (5:19)
04. All my love to you (4:20)
05. Mad dog (6:01)
06. Holy fool (5:17)
07. Piece of peace (10:07)


Die habe ich das erste Mal auf dem legendären 3 LP Sampler Krautrock 1975 gehört.

 

sidnew

Mitglied
Ich halte mich da an die Definition des alten "Roughguide der Rockmusik":
Alles seltsame, originäre, genuin Deutsche (Can, Amon Düül II, Faust, Kraftwerk, Cluster, Popol Vuh etc.) ist für mich "Kraut".
Sachen wie Eloy, Birth Control, Scorpions usw, die englischen/ amerikanischen Vorbildern nacheifern, sind Deutschrock.
Grenzfälle gibt es natürlich genügend...
 

Georg

Alter Hase
Ich halte mich da an die Definition des alten "Roughguide der Rockmusik":
Alles seltsame, originäre, genuin Deutsche (Can, Amon Düül II, Faust, Kraftwerk, Cluster, Popol Vuh etc.) ist für mich "Kraut".
Sachen wie Eloy, Birth Control, Scorpions usw, die englischen/ amerikanischen Vorbildern nacheifern, sind Deutschrock.
Grenzfälle gibt es natürlich genügend...
Hmm. eigentlich ist für mich der Begriff "Deutschrock" schon ein Grenzfall...deine Einteilung finde ich ok... vielleicht "Germanrock? Diese alten "Krautrockfestivals" hießen ja früher auch German- Rockfestivals..
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Ich halte mich da an die Definition des alten "Roughguide der Rockmusik":
Alles seltsame, originäre, genuin Deutsche (Can, Amon Düül II, Faust, Kraftwerk, Cluster, Popol Vuh etc.) ist für mich "Kraut".
Sachen wie Eloy, Birth Control, Scorpions usw, die englischen/ amerikanischen Vorbildern nacheifern, sind Deutschrock.
Grenzfälle gibt es natürlich genügend...
Deutschrock ist für mich Rock mit deutschsprachigen Texten, musikalisch meistens von eher konventioneller, langweiliger Machart, wie z. B. Lindenberg, Westernhagen, Grönemeyer & Co. Die Grenzen zur Liedermacherei und zum deutschen Schlager sind fließend.

Krautrock ist die experimentelle, damals hierzulande meistens als progressive Musik bezeichnete Musik aus (West-)Deutschland der späten 60er und frühen bis mittleren 70er Jahre, mit ein paar späteren Nachzüglern, also etwa Ash Ra Tempel, Can, Faust, Kraftwerk (vor Autobahn), NEU!, usw. Also genau das, was Du darunter verstehst.

Eloy und die Scorpions sind kein Krautrock, weil nicht experimentell genug, aber auch kein Deutschrock, weil mit englischen Texten und auch nicht schlagerhaft genug. Eloy sind Prog, die Scorpions Hardrock, also Vertreter internationaler Musikrichtungen, nur eben aus Deutschland kommend.
 

Alexboy

Aktives Mitglied
Deutschrock ist für mich Rock mit deutschsprachigen Texten, musikalisch meistens von eher konventioneller, langweiliger Machart, wie z. B. Lindenberg, Westernhagen, Grönemeyer & Co. Die Grenzen zur Liedermacherei und zum deutschen Schlager sind fließend.

Krautrock ist die experimentelle, damals hierzulande meistens als progressive Musik bezeichnete Musik aus (West-)Deutschland der späten 60er und frühen bis mittleren 70er Jahre, mit ein paar späteren Nachzüglern, also etwa Ash Ra Tempel, Can, Faust, Kraftwerk (vor Autobahn), NEU!, usw. Also genau das, was Du darunter verstehst.

Eloy und die Scorpions sind kein Krautrock, weil nicht experimentell genug, aber auch kein Deutschrock, weil mit englischen Texten und auch nicht schlagerhaft genug. Eloy sind Prog, die Scorpions Hardrock, also Vertreter internationaler Musikrichtungen, nur eben aus Deutschland kommend.
Mir persönlich reicht Rock, das andere ergibt sich geschmacklich.;)
 

Jester.D

Alter Hase
Deutschrock ist für mich Rock mit deutschsprachigen Texten, musikalisch meistens von eher konventioneller, langweiliger Machart, wie z. B. Lindenberg, Westernhagen, Grönemeyer & Co. Die Grenzen zur Liedermacherei und zum deutschen Schlager sind fließend.

Eloy und die Scorpions sind kein Krautrock, weil nicht experimentell genug, aber auch kein Deutschrock, weil mit englischen Texten und auch nicht schlagerhaft genug.
Aha. Stammen diese Definitionen von dir?
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Ja. Sie stammen von mir. Vielleicht liege ich da auch völlig falsch. Ich habe das auch nur von meiner persönlichen Erfahrung abgeleitet, dass die meiste (nicht alle!) deutschsprachige Rockmusik konventionell, langweilig und bieder ist. Aber das ist selbstredend Geschmackssache, und ich sollte diesen Gedanken besser in die Tonne treten und mich stattdessen auf folgende Definition beschränken:

Deutschrock ist Rock mit deutschsprachigen Texten, nicht mehr und nicht weniger. Ob konventionell oder experimentell oder was auch immer, ist nachrangig. OK?
 

Georg

Alter Hase
Ja. Sie stammen von mir. Vielleicht liege ich da auch völlig falsch. Ich habe das auch nur von meiner persönlichen Erfahrung abgeleitet, dass die meiste (nicht alle!) deutschsprachige Rockmusik konventionell, langweilig und bieder ist. Aber das ist selbstredend Geschmackssache, und ich sollte diesen Gedanken besser in die Tonne treten und mich stattdessen auf folgende Definition beschränken:

Deutschrock ist Rock mit deutschsprachigen Texten, nicht mehr und nicht weniger. Ob konventionell oder experimentell oder was auch immer, ist nachrangig. OK?
Hmmm...mit der Bezeichnung "Deutsch-Rock" assoziere ich aber auch diese "fascho-Mukke"
 
Oben