KRAUTROCK

Senfei

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Ich habe vorhin mal ein bisschen beim "Kosmischen Läufer" reingehört, das ist gar nicht mal besonders "krautig", sondern durchschnittliche elektronische Musik, und dass "Zeichnete" kein echter deutscher Familienname sein kann, dürfte jedem Muttersprachler auffallen ;) Dennoch eine witzige Idee!
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"Kosmischer Läufer" ist ein kompletter FAKE ... alles nur erfunden mit einer fiktiven Geschichte.



 
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WeepingElf

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@nixe - Zumindest offiziell gab es solche Studios in der DDR natürlich nicht, und es wäre zumindest sehr schwierig gewesen, so was heimlich aufzubauen. Man liest ja in der einschlägigen Literatur immer wieder, wie schwer es die Krautrocker schon in der Alten Bundesrepublik hatten, und die hatten es viel besser als in der DDR!

@Senfei - Allein die Choreographie ist beachtenswert! Danke! Auch wenn die wahrscheinlich in Wahrheit nach einer ganz anderen Pfeife getanzt haben dürften ;)
 

Senfei

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@Senfei - Allein die Choreographie ist beachtenswert! Danke! Auch wenn die wahrscheinlich in Wahrheit nach einer ganz anderen Pfeife getanzt haben dürften ;)
Diese gigantischen Choreo's waren bei großen Sportfesten zu sehen (Kinder- und Jugendspartakiade etc.).
Wes Geistes Kind sie waren, verraten die Choreo's ja selbst. ;)
 

Senfei

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@nixe - Zumindest offiziell gab es solche Studios in der DDR natürlich nicht, und es wäre zumindest sehr schwierig gewesen, so was heimlich aufzubauen. Man liest ja in der einschlägigen Literatur immer wieder, wie schwer es die Krautrocker schon in der Alten Bundesrepublik hatten, und die hatten es viel besser als in der DDR!
In einem freien Markt ist nun mal mehr möglich gewesen als in einer staatlich regulierten Kulturlandschaft.
Mag sein, dass in manchem DDR-Keller auch krautig gejammt wurde, aber das Zeug hätte nie die Chance gehabt, offiziell im Studio produziert zu werden.
 

WeepingElf

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Ganz genau! Es mag durchaus krautige Sessions in Kellern und auf privaten Feiern gegeben haben, es würde mich sogar überraschen, wenn es das nicht gegeben hätte. Und ich vermute ferner, dass es davon den einen oder anderen Kassettenmitschnitt gab, natürlich Lichtjahre von professioneller Qualität entfernt. Insofern denke ich, dass das in der Tat ein Forschungsgebiet darstellt, das derzeit noch nicht erschlossen, aber eben nicht leer ist.
 

Jester.D

Alter Hase
Der seinerzeit von mir hoch geschätzte und verehrte Horst Krüger hatte eine legendäre Tonbändersammlung, die er bei einem Hausbrand soweit ich weiß komplett eingebüßt hat. Da wäre vielleicht etwas zu holen gewesen.
 

WeepingElf

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Wenn man bedenkt, dass Ost- und Westdeutsche, was ihre musikalischen Empfindungsweisen betrifft, gar nicht so weit auseinander lagen (bei vielen deutschsprachigen Rocksongs der 70er und 80er kann man kaum erkennen, ob sie aus dem Osten oder dem Westen stammen - sie klingen hat irgendwie deutsch, nicht nur hinsichtlich der Sprache der Texte, aber nicht spezifisch ost- oder westdeutsch), würde es mich nicht wundern, wenn das scheinbare Fehlen von DDR-Krautrock lediglich ein Artefakt der ostdeutschen Zensur-, Monopol- und Mangelwirtschaft wäre, die für solche Musik eben keine Freiräume bot, und im inoffiziellen Bereich das Kraut fröhlich gewuchert hätte.
 

moonmadness

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Ich finde ja so Bands wie Bayon, oder Panta Rhei und selbst Renft ziemlich krautrockig. Zumindest absolut ebenbürtig mit allem was der Westen in dem Genre anzubieten hatte. Gab noch paar andere, aber letztlich ist das ja auch nur so ein Label ...
 

Georg

Alter Hase
(...)
Ich habe vorhin mal ein bisschen beim "Kosmischen Läufer" reingehört, das ist gar nicht mal besonders "krautig", sondern durchschnittliche elektronische Musik, und dass "Zeichnete" kein echter deutscher Familienname sein kann, dürfte jedem Muttersprachler auffallen ;) Dennoch eine witzige Idee!
:D Das ist ja eine irre Geschichte; wäre mal interessant zu wissen, ob die Stasi da auch mal reingelauscht hatte....
 

Senfei

Aktives Mitglied
@Senfei - Allein die Choreographie ist beachtenswert! Danke! Auch wenn die wahrscheinlich in Wahrheit nach einer ganz anderen Pfeife getanzt haben dürften ;)
Witzigerweise sieht man die "Tonangeber" sogar im Video (Minute 7:33 bis 7:41)
Chefagitator Horst Sindermann, Armeeboss Heinz Hoffmann, Sportchef Ewald, Stasichef Mielke & Co.
 

Georg

Alter Hase
Grins ... diese Musik ist erst nach 2013 entstanden ... das ist ein Fake
Achso, ich dachte der Fake wäre bereits zu DDR-Zeiten entstanden.
Beim Prof. Wolfff hatte ich beim ersten Hören auf eine DDR-Combo getippt; Gerhard Gundermann ist ja eher ein Songwriter; aber manchmal hört sich das auch ein wenig krautig an?!
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Sehen wir das mal aus der Perspektive der Krautrock-Musiker. Warum machten die diese Musik? Weil sie etwas Neues, Eigenes machen wollten, was weder der durch die Nazis belasteten deutschen Musiktradition entstammte noch eine Kopie angloamerikanischer Rock- und Popmusik war. Empfanden die ostdeutschen Musiker anders? Nein, wahrscheinlich nicht. Die haben ja im Prinzip die gleichen Erfahrungen gemacht, was diese Dinge anbelangt. Die dürften genau so gedacht haben, nur mit dem Unterschied, dass es in der DDR keinen Conny Plank und kein Ohr-Label gab, dafür eine Kulturbürokratie, die für solche Musik keinen Platz bot. Und so konnte der DDR-Krautrock allenfalls im Untergrund existieren - aber dass er gar nicht existierte, kann bezweifelt werden. Ich denke auch, dass, obwohl es sie offiziell natürlich nicht zu kaufen gab, die eine oder andere Krautrock-Platte per Westpaket oder sonstwie den Weg in die DDR fand, und so mancher von denen, denen dieses seltene Glück widerfuhr, mag sich gedacht haben, "Wow, das ist es!" und sich zu Ähnlichem inspirieren lassen, samt Kassettenmitschnitt der Kellersession, man will ja, was man so zustande bringt, auch für die Nachwelt dokumentieren, auch wenn man keinerlei Hoffnung auf einen AMIGA-Deal hatte.
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Im bescheidenen Rahmen, mit Horch und Greif im Nacken, wird es sicherlich in der DDR auch kleinere Musikprojekte gegeben haben, die sich an dem orientierten was durch das hören westlicher Radioprogramme, egal ob RIAS, BR, BFBS oder was sonst noch zu empfangen war, möglich war umzusetzen. Wie geschrieben, das große Equipment war nicht finanzier und realisierbar. Dazu die Einstufungskommisionen und letztendlich das nicht erkennen(wollen), dass die Förderung einer eigenständigen wie auch immer zu benennenden Musikkultur, auch ein Devisenbbringer hätte sein können. Die auch hier im Forum schon erwähnten Sterncombo Meissen, Berluc, City oder Silly, die größtenteils auch erst nach 1989 hierzulande bekannt(er)wurden, waren nicht die einzigen, aber letztendlich die, die neben den Puhdys immer häufiger Erwähnung finden.
 

nixe

Inventar
Sehen wir das mal aus der Perspektive der Krautrock-Musiker. Warum machten die diese Musik? Weil sie etwas Neues, Eigenes machen wollten, was weder der durch die Nazis belasteten deutschen Musiktradition entstammte noch eine Kopie angloamerikanischer Rock- und Popmusik war. Empfanden die ostdeutschen Musiker anders? Nein, wahrscheinlich nicht. Die haben ja im Prinzip die gleichen Erfahrungen gemacht, was diese Dinge anbelangt. Die dürften genau so gedacht haben, nur mit dem Unterschied, dass es in der DDR keinen Conny Plank und kein Ohr-Label gab, dafür eine Kulturbürokratie, die für solche Musik keinen Platz bot. Und so konnte der DDR-Krautrock allenfalls im Untergrund existieren - aber dass er gar nicht existierte, kann bezweifelt werden. Ich denke auch, dass, obwohl es sie offiziell natürlich nicht zu kaufen gab, die eine oder andere Krautrock-Platte per Westpaket oder sonstwie den Weg in die DDR fand, und so mancher von denen, denen dieses seltene Glück widerfuhr, mag sich gedacht haben, "Wow, das ist es!" und sich zu Ähnlichem inspirieren lassen, samt Kassettenmitschnitt der Kellersession, man will ja, was man so zustande bringt, auch für die Nachwelt dokumentieren, auch wenn man keinerlei Hoffnung auf einen AMIGA-Deal hatte.
OK, ganz totschweigen lief sich Kraut, oder sollten wir hier doch lieber Prog sagen, denn Stern-Combo Meißen, electra & die ersten Zwei Alben von Lift, die den Style ja nur wechselten, weil sie Zwei Mann bei einem AutoUnfall verloren, waren ja erlaubt.
Est viel später hörte ich Daß kein Reif ... von Reinhard Lakomy, wo ich sagen würde: "Wäre es ein Wessi, würde man es Kraut nennen!"
 

Senfei

Aktives Mitglied
Am Ende bleibt die Frage: Aus welchen Eigenschaften definiert sich überhaupt der Begriff Krautrock ?
Ob nun irgendwer in den britischen Medien Musik aus deutschen Landen, die sich in keine Schublade stecken ließ, einfach als Krautrock titulierte, oder ob tatsächlich die Band "Faust" mit ihrer in Oxfordshire produzierten vierten LP den Anstoß gab, man wird es wohl nie so richtig aufklären können.


Möglichwerweise sind das auch ganz subjektive Hörempfindungen, was nun Krautrock ist und was nicht.
Typische Vertreter sind ganz sicher Bands wie Frumpy, Birthcontrol, Jane, Eloy, Grobschnitt und viele andere.
Ganz persönlich würde ich zum Beispiel die Elektronische Musik nicht dazu zählen (abgesehen von den Anfängen), weil das in meinen Ohren eine völlig eigenständige Musikrichtung ist. Aber auf den Definitionsseiten wird dieses Genre immer klar beim Krautrock eingeordnet.
 

Cathedral Wall

Mitglied
Habe noch nicht alles der Artikelserie gelesen, aber besonders interessant fand ich die Erkenntnis, wie heterogen die ganzen Musiker die unter dem label Krautrock firmieren eigentlich sind. Die Aussage Rothers zb, dass er sinngemäß mit Tangerine Dream nichts anfangen kann.
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
OK, ganz totschweigen lief sich Kraut, oder sollten wir hier doch lieber Prog sagen, denn Stern-Combo Meißen, electra & die ersten Zwei Alben von Lift, die den Style ja nur wechselten, weil sie Zwei Mann bei einem AutoUnfall verloren, waren ja erlaubt.
Est viel später hörte ich Daß kein Reif ... von Reinhard Lakomy, wo ich sagen würde: "Wäre es ein Wessi, würde man es Kraut nennen!"
Krautrock und deutscher Prog sind nicht dasselbe, auch wenn die Grenzen fließend sind. Niemand kann behaupten, dass Ash Ra Tempel, Can, Faust, Neu! und wie sie alle heißen das Gleiche gemacht hätten wie beispielsweise Eloy oder Novalis (oder Yes, Pink Floyd oder was weiß ich). Es macht eben einen Unterschied, ob man den langen Zeitrahmen eines eine halbe Plattenseite langen Stückes mit einer um wenige oder gar nur einen einzigen Akkord kreisenden Kollektivimprovisation oder mit einer abwechslungsreichen mehrteiligen Komposition füllt. Und ich würde auch die von Dir genannten Bands des "Sachsendreiers" auch eher als Prog denn als Krautrock einordnen. Auch der von Dir gepostete Reinhard-Lakomy-Longtrack ist für mich auch eher Ost-Prog als genuiner Ost-Krautrock. Da sind ja sogar deutliche Klassikanleihen drin, und die sind so unkrautig, wie es nur geht.

@Cathedral Wall - solche gegenseitige Verketzerungen von Unterströmungen innerhalb eines Genres kennt man auch anderswo, man denke an die ewigen Streitereien, welche Metal-Untergenres "trve" sind und welche nicht. Auch im Prog hat es so was gegeben, wenn auch umgekehrt ("Wir sollen eine Prog-Band sein? Niemals!"). Aber in der Tat ist Krautrock ein recht buntes, vielfältiges und schwer abgrenzbares Genre - was freilich für viele andere Genres auch gilt ;)

Beim Krautrock kommt noch erschwerend hinzu, dass die Genrebezeichnung von weit außerhalb der eigentlichen Szene, nämlich von britischen Musikjournalisten, dem Genre aufgedrückt und von vielen Krautrockern als Beleidigung aufgefasst wurde und zum Teil noch wird, weil "Kraut" eben ein Schimpfwort für Deutsche aus den Weltkriegen ist und man auch mit "Rock" nichts zu tun haben wollte - so hieß ja gerade der "imperialistische" angloamerikanische Musikimport, dem man was Eigenes entgegensetzen wollte!
 

nixe

Inventar
Genau, ich habe diesmal es so gesehen, wie z.B. die Tommies: Alles aus Germany ist Kraut Rock!
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Diese weit gefasste Definition ist mir bekannt - so gesehen wäre natürlich aller DDR-Rock Krautrock! Aber heutzutage wird unter Krautrock meistens was Spezifischeres verstanden, nämlich die Sorte experimenteller, "freier" Musik aus der Alten Bundesrepublik, die damals meistens "progressive Musik" genannt wird, und in diesem engeren Sinne gebrauche ich die Bezeichnung "Krautrock" hier. Wobei man, wenn man die "Alte Bundesrepublik" in die Definition hineinschreibt, natürlich die DDR automatisch ausschließt. Aber meine Frage ist ja, ob es solche Musik auch in der DDR gab. Und darauf scheint die Antwort eben "nein" zu sein, wenn man sich an den AMIGA-Katalog hält, aber wer weiß schon, was alles so im Untergrund, auf privaten Sessions stattfand?
 

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