Heft 07/08 - 2021

Music is Live

Aktives Mitglied
Als ich Ende der 80er bis Ende der 90er regelmässig
das Rock Hard und den Metal Hammer las war der Tenor in
den Leserbriefen genau wie heute. ( ... meine Band kommt nicht vor oder
das Coverbild ist schlecht oder nur die Hälfte des Magazins lohnt sich... usw,usw )
Scheint so das es immer etwas zu ''kritteln'' gibt. Das ändert sich nie !:p
Stellvertretend für einige andere Aussagen anderer User hier mit selben Inhalt möchte ich für mich feststellen, dass Eclipsed mir sehr lange Zeit viel besser gefiel, weil es einfach eine bessere Mischung gab. Doch seid einiger Zeit ist dies gesunde Mischnung nicht mehr vorhanden.
Da ich vor längerer Zeit aus ganz anderen Gründen mein Abo (ca. 15 Jahre lang) aufgeben musste - so trifft die Bezeichnung den Kern des Vorgangs - bleibt z.Z. kein Anreiz dies wieder Rückgängig zu machen...
wenn ich feststelle, dass Oldschool mehr vorhanden ist dazumals, stelle ich dies im Vergleich zu frühren Ausgaben.
Da gab es auch immer Berichte über Oldschool, doch nun wiederholen die Themen sich im Lauf der Jahre des öfteren....
aber noch lässt mich meine Loyalität zum Kiosk rennen um die aktuelle Ausgabe mir zu gönnen...
 

phonoline

Mitglied
Das mag auch daran liegen, dass Musik in unserer Gesellschaft eine zunehmend unwichtigere Rolle spielt, music is live, und neue Bands es tatsächlich deutlich schwerer haben, durchzukommen und sich dann auch zu halten. Schon gar nicht über solche Abzockerportale wie Spotify. Dadurch verändert sich die gesamte Musiklandschaft und damit auch der Musikjournalismus. Die Printmedien haben längst nicht mehr den Stellenwert und die Möglichkeiten, die sie noch in den 70er/80er und 90er hatten. Die konnten neue Bands groß machen und genauso schnell wieder fallen lassen. Heute nicht mehr vorstellbar.
In meinen Augen ist eclipsed ein Musikmagazin, das sich mit Musikgeschichte genauso befasst wie mit Newcomern, in einem Verhältnis von, sagen wir, 60 zu 40, pimaldaumen. Ich zähle nicht die Seiten. Stories wie 1971 oder Krautrock finde ich höchst interessant und informativ. Weniger interessieren mich zugegeben 1-2-Seiter über aktuelle Reissues alter Weggefährten wie The Black Crowes oder so. Aber durch den stetigen Werteverfall sind Newcomer auf dem Cover oder mit großer Story eben wirtschaftlich nicht so interessant wie die alten Haudegen. Und darum gehts ja dann nun auch: Geld verdienen. Ein Magazin machen und wirtschatlich rentabel halten ist ja kein Hobby.
Das wird sich also nicht mehr ändern lassen. Übrigens ein Phänomen, das sich auch bei Magazinen wie 11Freunde zeigt.

Wir haben darüber schon unzählige Male diskutiert, das Thema ist schon etwas anstrengend, weil es immer dieselben aufmachen, sobald eine Band/eine Story auf dem Titel erscheint, die in den 70ern wurzelt. Ich finde das zum einen nicht immer fair, zum anderen: Schreibt doch mal der Redaktion und bringt konkrete Vorschläge. Nicht lang schnacken, Kopp in Nacken, wie wir Hamburger so gerne sagen. ;)
 
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Catabolic

Alter Hase
Au Backe. Da hat der copy/paste-Teufel aber mächtig zugeschlagen.
Seiten 46 und 48 gleich 5 x dieselben Plattencovers... ;)

Erstmaliges Ueberfliegen des Hefts: Prima Ausgabe diesmal! :)
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Das mag auch daran liegen, dass Musik in unserer Gesellschaft eine zunehmend unwichtigere Rolle spielt
Ja. Man schaue sich nur die Werbeflyer der Konzertagenturen an. Da sind die Top-Acts oft gar keine Musiker mehr, sondern Comedians und immer mehr Köche. Ich rechne schon seit ein paar Jahren damit, dass der Punkt nicht mehr fern ist, an dem die Mainstream-Radiosender gar keine Musik mehr senden, sondern Comedy, Kochrezepte, Hundetipps oder was weiß ich. Musik werden nur noch Musikliebhaber wie wir hören, und dann schauen die Popmusikproduzenten ganz dumm aus der Wäsche, weil es dann für ihren DAW-Autotune-Pop keinen Markt mehr gibt ;) Bzw. sie produzieren dann eben was anderes als Musik. Aber "richtige" Musik, ob Rock, Folk, Soul, Jazz, Klassik oder "Weltmusik", wird es immer geben, wenn auch nicht mehr im Mainstream-Radio, aber da findet sie ja auch heute schon nicht mehr statt. Und das Modell Spotify wird dann auch nicht mehr funktionieren, weil echte Musikfreunde noch richtige Tonträger (Vinyl oder CD, ist Geschmacksfrage und nebensächlich) haben wollen, die sie auf ihrer guten Stereoanlage abspielen. Der Markt wird klein sein, aber einigermaßen stabil. Keine Stadionkonzerte mehr, aber Clubgigs sind ja eh viel netter. Music will never die!

Und ich finde, dass die Eclipsed bei allem, was (noch) besser sein könnte, immer noch die beste deutschsprachige Musikzeitschrift ist. Zwar würde ich mir mehr Berichterstattung über aktuellen Prog wünschen, aber ich bin eben nur einer von vielen Lesern, andere wollen vielleicht mehr über die neuesten Stoner lesen, oder eben über Rock-Klassiker - und, wie schon angemerkt, sind letztere die besten Kunden der Anzeigenkunden, das kann eine Redaktion eben nicht ignorieren. Man kann es eben nicht allen und jedem recht machen, da muss man ausbalancieren, und das gelingt der Eclipsed-Redaktion doch meistens ganz gut.
 

Karl

Neues Mitglied
Schreibt doch mal der Redaktion und bringt konkrete Vortschläge. Nicht lang schnacken, Kopp in Nacken, wie wir Hamburger so gerne sagen. ;)
Hab ich schon gemacht: keine Oldie-Parade mehr auf den CDs, sondern Support für neue (gern auch unbekanntere) Bands.

Wegen der Beileger-CD dürften sich doch die wenigsten so eine Zeitschrift wie die eclipsed kaufen, die wird halt gern mitgenommen, ein paarmal gehört, und wenn dann was hängen bleibt, ist es super. Gerade die alten Haudegen-Acts auf dem Titel sprechen doch die Leser an, welche die Musik von denen eh schon kennt, die wollen was darüber lesen, brauchen das aber nicht noch unbedingt zum Reinhören.

Ansonsten gefällt mir die eclipsed ja auch nach wie vor recht gut, sonst hätte ich sie auch nicht mehr im Abo. ;)

Was noch hinzukommt: Kleinere Bands, über die was in der eclipsed steht oder die sogar auf der CD vertreten sind, dürften dies dann häufig auch in ihren Social-Media-Profilen posten, weil es eben noch was Besonderes ist. Das ist dann auch wieder Werbung für die eclipsed, weil deren Fans dann sehen: Oh, schau an, die Zeitschrift berichtet also darüber.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf derFacebook-Seite von Deep Purple extra gepostet wird, wenn über die was in der eclipsed steht ...;)
 

moonmadness

Aktives Mitglied
Was noch hinzukommt: Kleinere Bands, über die was in der eclipsed steht oder die sogar auf der CD vertreten sind, dürften dies dann häufig auch in ihren Social-Media-Profilen posten, weil es eben noch was Besonderes ist. Das ist dann auch wieder Werbung für die eclipsed, weil deren Fans dann sehen: Oh, schau an, die Zeitschrift berichtet also darüber.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf derFacebook-Seite von Deep Purple extra gepostet wird, wenn über die was in der eclipsed steht ...;)
Prinzipiell: RICHTIG erkannt -- (dafür auch mein Like ;) )

Ich gehöre ja einer Generation an, die eclipsed noch als "eher undergroundiges Heft" (zu der Zeite eher selten mal am Bahnhofskiosk zu finden) kennengelernt haben -- damals etwa zeitgleich mit dem Moonhead, die waren sich sehr ähnlich (war ja auch vom ehemaligen eclipsed Chefredakteur initiert) --

In den Jahren ab 2010 wurde es schwierig für die Presse, klar, kaum einer meines Alters kauft noch so (Musik-) Hefte (40+) ... wie es in jüngeren Jahrgängen aussieht, möchte man evtl. gar nicht wissen.

Dann immer wieder das Problem: ein Magazin und seine Macher müssen halt irgendwie Geld verdienen.

Wir haben gelernt: selbst die mittlerweile ja - meist -sehr guten Fotobeiträge in der eclipsed Illustrierten kosten viel, viel Geld. Uff, das haben die wenigsten Leser wohl auf dem Schirm ...

"Kleine Bands" und Label hingegen haben often nix Geld (keine hunderte / oder gar tausend Euro für Anzeigen etc) für Marketingbudgets etc während es zeitgleich für bestimmte Genre eigentlich keine gedruckte Alternative gibt, zumindest in Deutschland. Diese Labels / Bands können ihre Alben dann also auf diese Art nicht bewerben, nicht monetär Heften wie eclipsed Unterstützung bieten -- weil es gibt halt facebook, tausende facebook-Gruppen, Blogs etc über die wir (Musikfreaks meiner Generation und jüngere), gelernt haben uns zu informieren, in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren. Nimm noch Youtube, Instagram und nun wohl sogar TikTok dazu (achduje... leider oder zum Glück alles gar kostenlos, ... wie kann so eine Zeitschrift da überhaupt noch mithalten??!)

Es kommt zu einem Ungleichgewicht.

Eclipsed kann das halbwegs gut lösen, es hat sich in den letzten Jahren ja auch einiges getan -- manchmal gibt es wenigstens ausschweifendere Online-Artikel zu "kleinen Bands" (nicht minder interessant - für mich oft im Gegenteil, interessanter als zwanzig Seiten Rob Dylan/oder Pur ach ...schuldigung meinte BAP^^) ...

Die Sampler sind eigentlich in 9/10 Fällen gut gemischt -- wenn auch oft relevante Genre-VÖs nicht enthalten sind ... aus verschiedenen Gründen, obigem plus eclipsed hat, wie ich finde, manchmal ein wenig den Anschluss zur "Generation Internet" verloren.

Wir "Freaks" haben jedoch gelernt, es gibt Youtube-Channels, sie sich z.B., auf Genres spezialisieren. Da kann man das komplette Album einfach so hören... ist halt nicht von Meinungsmachern "vorgekaut". Trotzdem ja, der Meinungsmacher macht noch Sinn -- klar, weil es gibt teilweise eine RIESENFLUT an Veröffentlichungen. Das soll nicht überheblich sein ... es ist letztlich unmöglich immer "SUPERDUPER-Qualitätssampler" zu machen. (Ich hab da auch Erfahrung.)

Schwieriges Thema. Manche meinen dann z.B. nach der Lektüre der Rock-Illustrierten, die Bands heutzutage hätten nichts mehr zu sagen, kaum Relevanz, allein Great van Fleet retten den Rock -- und sowas :p:D:oops: ... man muss eher zwischen den Zeilen lesen um das goldne Korn im Reisberg zu finden.
 
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DerGrobeWestfale

Alter Hase
Fehler sind da, um gemacht zu werden. Unabhängig von der ganzen Diskussion pro/contra der aktuellen Ausgabe, konnte ich mir bei den Anzeigen ein mehr als großes schmunzeln von einem Ohr zum anderen nicht verkneifen. Seite 17

"Die legendären Alben Sunflower und Surfs Up aus den Jahren 1970/71..."
beworben werden sollte eigentlich die x- te Neuauflage von Queensryches "Empire/Operation Mindcrime". Der Fehlerteufel hat seinen Job gut gemacht :D
 

Catabolic

Alter Hase
"Die legendären Alben Sunflower und Surfs Up aus den Jahren 1970/71..."
beworben werden sollte eigentlich die x- te Neuauflage von Queensryches "Empire/Operation Mindcrime". Der Fehlerteufel hat seinen Job gut gemacht:D
Das war mir gar nicht aufgefallen, obwohl ich doch so ein Riesenfan der späten Beach Boys Alben bin..."Sunflower", "20/20", "Surf's Up" und vor allem "Holland". Aber vermutlich hab ich das nicht bemerkt, weil ich eher Anzeigen nicht gross beachte und Queensryche so gar nix für mich ist. Aber gut hast Du das erwähnt, jetzt halte ich natürlich Ausschau nach diesem offenbar grösseren Package mit 4 CDs und so vielen unveröffentlichten Stücken, denn Brian Wilson ist ein Genie und ich weiss, dass es von ihm noch so etliches an guten Sachen gibt, die in irgendwelchen Archiven schlummern. :)
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Das war mir gar nicht aufgefallen, obwohl ich doch so ein Riesenfan der späten Beach Boys Alben bin..."Sunflower", "20/20", "Surf's Up" und vor allem "Holland". Aber vermutlich hab ich das nicht bemerkt, weil ich eher Anzeigen nicht gross beachte und Queensryche so gar nix für mich ist. Aber gut hast Du das erwähnt, jetzt halte ich natürlich Ausschau nach diesem offenbar grösseren Package mit 4 CDs und so vielen unveröffentlichten Stücken, denn Brian Wilson ist ein Genie und ich weiss, dass es von ihm noch so etliches an guten Sachen gibt, die in irgendwelchen Archiven schlummern. :)
Augen auf beim Eierkauf! Beach Boys sind teils/teils für mich hörbar, die Tendenz geht aber zu Queensryche.
 

pandeiro

Mitglied
Smalltape vom Auftritt 2018 Night of the Prog; das neue Album "The hungry heart" erscheint am 16. Juli...
Also erstmal danke an das eclipsed- Team fürs Album des Monats. Hier wird einem talentierten Newcomer aus Berlin ein würdiger Platz verliehen! Die ersten beiden Scheiben sind schon herausragend.
Hoffe auf ein Interview!
und den überfälligen Einkaufszettel vom Stachelschweinbaum und Hr. Wilson,
gerne auch in XXL.
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
So, das Heft habe ich durch. Wieder eine der schwächeren Nummern, auch wenn die Titelstory mehr hinter die Kulissen blickt statt einfach die längst zu Tode besprochenen Klassiker des Jahres durchzuhecheln, und der Dreiseiter über VdGG auch nicht uninteressant war. Aber so gut wie gar kein aktueller Prog, auch in den Rezensionen mit einer Ausnahme (die sich aber beim Reinhören in der Du-Röhre als uninteressant erwies) nichts, was meine Neugier weckte.

Aber vielleicht ist die Eclipsed gar nicht schuld daran, ich habe schon seit einiger Zeit das Gefühl, dass Prog ein sterbendes Genre ist. Ob in der (mittlerweile abbestellten) Empire Music, bei (ehemaligen, muss man schon sagen) Prog-Labels wie InsideOut Music oder Frontiers, bei einschlägigen Festivals, überall geht der Blick immer weiter über den Tellerrand, während der Teller immer leerer wird :( Immer mehr Postrock, Shoegazing, New Artrock, Neo-Kraut und was weiß ich noch, immer weniger Prog! Und wenn Prog, dann meistens Retro-Prog - besser als gar nichts, aber nicht so wirklich meine Kragenweite. Hier in Braunschweig (250.000 Einwohner und eine einst blühende, mittlerweile weitgehend verödete Musikszene, es geht fast nur noch Hip-Hop) gab es vor fünf Jahren noch drei (mir bekannte) Prog-Bands, von denen haben sich mittlerweile zwei aufgelöst, und die dritte bewegt sich immer mehr vom Prog weg.
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Ich bin beim Thema Prog eher Laie. Wenn, dann in Verbindung mit Metal. Egal! Vielleicht definiert sich der Begriff einfach nur neu. Weg von der alten Lehre, hin zu Experimenten oder Verpaarungen mit anderen Genre. Das alte Kleid wurde zu eng, es müsste was neues her, so erst mal zum gewohnten Stil nicht passend, aber irgendwo doch.
Das Eclipsed trägt dem Rechnung, folgt sogar ein wenig dem "Trend" der hier im Forum täglicher Usus ist. Mehr von allem anderen, ohne das bewährte gänzlich auszuschliessen.
Jedenfalls bin ich natürlich auch kritischer Leser jeder Ausgabe, aber auch ein dankbarer. Denn wie sonst wäre ich aus der Falle der Einseitigkeit herausgekommen, wenn nicht dadurch, neben den gewohnten Magazinen(die auch Prog u.a. abhandeln)das Eclipsed zu lesen? Es hätte auch was anderes sein können, aber für mich war es wichtig, möglichst viel über den Tellerrand hinaus zu lesen.
Perfektion und hundertprozentige Zufriedenheit kann es nie geben.
 

Alexboy

Aktives Mitglied
Für mich ist das aktuelle Heft wieder ein Füllhorn an Information - wobei ich bis jetzt gerade mal die Hälfte durchgelesen habe - und ich freue mich schon jetzt eine Vielzahl der Vorschläge anzuhören, wobei ich mit der letzten Ausgabe noch gar nicht durch bin.:rolleyes:
Der Bericht über 1971 hat mich wieder zum Teenager gemacht und viele Erinnerungen wach gerufen.
Ich bewundere die Mitarbeiter immer aufs Neue, da sie in der Lage sind in der kurzen Zeit die viele Musik zu hören, zu recherchieren und die vielen Seiten zu füllen.
Auch wenn ich noch genug Lesestoff zur Verfügung habe, kann ich es kaum erwarten bis die nächste eclipsed erscheint.
Vielen Dank für Eure Arbeit, die Euch sichtlich noch Vergnügen bereitet, bleibt gesund und macht weiter wie bisher - den Unkenrufen zum Trotz!
So lange mich meine Augen, Ohren und sonstigen irdischen Körperteile nicht verlassen, verbleibe ich Leser/Hörer von eclipsed.:cool:
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Mal rein interessehalber, wann war die blühende Zeit deiner Meinung nach? Waren Such A Surge nicht auch aus BS?
Ja, waren sie. Ich wohne seit 1989 in BS, und damals brummte es hier. Die Stadt war für ihre lebendige Musikszene berühmt. Aber im Laufe der 90er wurde es dann irgendwie immer dünner - bis auf Hip-Hop, der hier (wie wohl überhaupt - ich habe mal im Spiegel was von einem Marktanteil um 80%, das meiste davon deutschsprachig, gelesen) nach wie vor in voller Blüte steht. Aber ich tue mich schwer, das überhaupt als Musik anzusehen - ich denke, der Ausdruck Textvortragskunst trifft es besser (was ich ja schon bei Liedermachern sagen würde, aber auf Hip-Hop passt es erst recht). Man bekommt leicht den Eindruck, wir seien auf dem Weg in ein postmusikalisches Zeitalter :(
 

Georg

Alter Hase
So, das Heft habe ich durch. Wieder eine der schwächeren Nummern, auch wenn die Titelstory mehr hinter die Kulissen blickt statt einfach die längst zu Tode besprochenen Klassiker des Jahres durchzuhecheln, und der Dreiseiter über VdGG auch nicht uninteressant war. Aber so gut wie gar kein aktueller Prog, auch in den Rezensionen mit einer Ausnahme (die sich aber beim Reinhören in der Du-Röhre als uninteressant erwies) nichts, was meine Neugier weckte.

Aber vielleicht ist die Eclipsed gar nicht schuld daran, ich habe schon seit einiger Zeit das Gefühl, dass Prog ein sterbendes Genre ist. Ob in der (mittlerweile abbestellten) Empire Music, bei (ehemaligen, muss man schon sagen) Prog-Labels wie InsideOut Music oder Frontiers, bei einschlägigen Festivals, überall geht der Blick immer weiter über den Tellerrand, während der Teller immer leerer wird :( Immer mehr Postrock, Shoegazing, New Artrock, Neo-Kraut und was weiß ich noch, immer weniger Prog! Und wenn Prog, dann meistens Retro-Prog - besser als gar nichts, aber nicht so wirklich meine Kragenweite. Hier in Braunschweig (250.000 Einwohner und eine einst blühende, mittlerweile weitgehend verödete Musikszene, es geht fast nur noch Hip-Hop) gab es vor fünf Jahren noch drei (mir bekannte) Prog-Bands, von denen haben sich mittlerweile zwei aufgelöst, und die dritte bewegt sich immer mehr vom Prog weg.
Ach, Jörg, du bist immer so anspruchsvoll dir selbst gegenüber und dein Tellerrand scheint eher eine hohe Mauer zu sein.
Also blättern wir erst mal von A-Z durch:
1. Joe stellt die 6. Argos-Scheibe vor; die Beschreibung hört sich spannend an; wenn du unsere "deutschen Canterbury Jungs" bisher auch mochtest, müsste das neugierig machen...
2. Album von Joe rezensiert; die Kapelle aus dem Iran; die hatte ich im Januar schon hier im Forum mit ihrer EP vorgestellt; Atravan, für mich vielleicht der exotische Newcomer des Jahres...
3. Carsten stellt eine Band vor, die so rezensiert er, für Fans von King Krimson, Yes, Neurosis, Elder, Botch und Soundgarden gleichermaßen interessant sein müsste, ok, wegen des "Tellerrandes" könnte dann Boss Keloid für dich nicht so interessant sein...
4. Christian Nóvé, vermutlich der erste westfälische Musiker (Gütersloh), der aus der BRD in die Ex-DDR (Leipzig) auswanderte, um dort sein Musikprojekt DICE zu reaktivieren (vermutlich hat er günstig eine Plattenproduktionsfabrik aufgekauft ;)) seit dieser Zeit ist er, zumindest für sein fleißiges produzieren, bekannt...
5. DreaMMage ist jetzt eine Kapelle, die ich nicht kenne, aber die Rezi von Walter Sehrer liest sich doch ganz spannend; "es wird unverhohlen, die Zeit des 70er Progs gefeiert"...
6. Auch Walter Sehrers nächste Rezi über Echo us könnte deinen Musikgeschmack treffen...
7. Ich weiß ja, dass du auch immer schaust, mit wem die Musik artverwandt ist; da kannst du bei Evership eigentlich nichts verkehrt machen..., ok, Ghost Echo lasse ich mal weg (artverwandt mit Steven Wilson ;) )
8. Nick Masons Sänger und Gitarrist Gary Kemp mit seinem ersten Soloalbum?
9. Doch, das Raedsel-Album würde ich mir auch besorgen, wenn sie aus Braunschweig kommen würden, vorausgesetzt, ich hätte sie vorher schon einmal live gesehen...
10. Smalltape (ohne Kommentar "must have")
Ja, ich gebe dir ja recht, auch bei diesen für dich rausgesuchten 10 Bands, die im Eclipsed 7/8 2021 rezensiert wurden, gibt es Kapellen, die von der "reinen Lehre des proressiven Rocks" abweichen und deinen Tellerrand verlassen; das liegt jetzt an dir, ob du dich darauf einlassen willst, kannst oder nicht...
 
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moonmadness

Aktives Mitglied
Man bekommt leicht den Eindruck, wir seien auf dem Weg in ein postmusikalisches Zeitalter :(
Würde ich alles andere als so sehen ... dagegen sprechen zig (teils wahnsinnig) gute Musikchannel auf Youtube ... okay Prog im speziellen (wie er war) war ja auch nie besonders "sexy" (außer vl. in den 70ern????) -- dazu kommt, wenig Marketingwissen und -mittel bei Bands und kleinen Labeln ... vieles kann ja keiner kennen, wenn keiner darüber berichtet -- oder nur ein 1/4 Seitenbericht ;) der gegen andere Dinge halt leicht untergeht.

Modernen "Prog" wie er von eclipsed gern dargestellt wird, spricht mich selbst auch eher sehr wenig an, weils oft sehr wehleidig erscheint (der Gesang fast immer so -- oh backe). Katatonia oder Anathema sind für mich kein Prog, da bin ich auch immer wieder überrascht, das sowas über die Jahrzehnte nun bei den eclipsed Lesern gelandet ist, weil das war ja für mich eher Rock Hard Thema ... alles irgendwie eine Entwicklung, ... ich meine gut, wenn ich die sonstigen Nachrichten lese, möchte ich hingegen auch oft weinen. Angst hiervor, Angst davor ... anderes Thema, ja, aber bedingt ja evtl. auch die "Heulbojenmentalität" in der Musik. Als krasses Gegenbeispiel, der von dir so gescholtene Hip Hop ... da dann "Lebensfreude" im Exzess, alles überzeichnet, jeder ist der geilste ... so in etwa.

Aber so schwarz malen würde ich nichts ... das sah eher vor zehn-fünfzehn Jahren langweiliger aus, für mich persönlich. Da wollten viele eher so auf den Alternative Zug aufspringen, "richtiger Hard Rock" (ist ja evtl. immer noch mein Lieblingsgenre) war quasi nicht existent, und vieles, für mich interesantes, hat sich im tiefsten Unterground abgespielt ... ohne Youtube, ohne Bandcamp, ohne Spotify -- darüber kann man halt heutzutage VIEL Musik entdecken, wenn man will.

Was die (Print-) Medien daraus machen, eine andere Geschichte ...
 

moonmadness

Aktives Mitglied
PS: zu Braunschweig, für mich hat sich da generell sehr viel verändert auch am Stadtbild ... ich war da früher ab und an mal und war geschockt, als ich nach Jahren wieder mal dort war, wie sich allein die Innenstadt verändert hat. Ein RIESEN-Einkaufs-Mall-Schloss, dafür keine Musikläden mehr? Oder kaum zu finden. Das war früher (in eben diesen sagenumwobenen 90ern ;) ) ganz anders. Da gabs doch auch so eine Kunstschule, wenn ich mich recht erinnere? Könnte mir vorstellen, das einiges halt eher in kleinen Proberäumen stattfindet ...

Was ich dich jetzt mal direkt fragen möchte, als "Progger" ... Wie findest du denn z.B. diese Band (nicht aus BS, aber halt es gibt ja doch noch spannende junge Bands --)

 

WeepingElf

Aktives Mitglied
@Georg - Hast schon Recht, ich sollte selbst öfter über den Tellerrand schauen ;)

Ich habe nur den Eindruck geschildert, den ich beim Lesen des Heftes gewonnen habe, und der war eher trübe. Hängt wohl auch damit zusammen, dass ich derzeit in einer schwierigen Lebensphase bin - ich muss mir einen neuen Job suchen, und mache mir überhaupt viel zu viele Sorgen, wie es weiter geht (Corona, Klimakrise, Rechtsextremismus usw.). Ich bin derzeit auf ganzer Länge frustriert, habe den Eindruck, dass ich langsam alt werde, und mein Leben eine einzige endlose Aneinanderreihung geplatzter Träume und enttäuschter Hoffnungen ist.

Da hat man wirklich andere Sorgen, als sich auf irgendwelche musikalischen Abenteuer einzulassen. Wie ich vorhin in einer Mail an einen Freund geschrieben habe, ist es vielleicht auch nur so, dass der Prog derzeit im eigenen Saft schmort und auf neue Impulse, neue Facetten wartet. Irgendwie klingen die Prog-Bands von heute nicht viel anders als vor 20 Jahren!

@moonmadness - mit dem "Modernen 'Prog', der kein Prog ist" sprichst Du voll aus meinem Herzen! Nichts gegen solche Musik, aber ich kann damit nichts anfangen, und es hat mit Prog etwa so viel zu tun wie Kraftwerk mit Techno ;) Und die "Heulbojenmentalität" geht mir auch schon seit langem auf den Senkel, auch wenn ich derzeit selbst davon infiziert bin. Hängt auch mit dem Wetter zusammen - wenn auf Frühling Herbst folgt wie in diesem Jahr, dann macht das auch keinen Spaß. Aber die "Lebensfreude" beim Hip-Hop muss man in Anführungszeichen setzen, die dortige "Hey, ich bin so geil"-Mentalität hat mit wahrer Lebensfreude nichts zu tun! Es muss doch noch was anderes geben als "Mann, ist die Welt *******!" und "Hey, ich bin so geil!".
 

Georg

Alter Hase
@Georg - Hast schon Recht, ich sollte selbst öfter über den Tellerrand schauen ;)

Ich habe nur den Eindruck geschildert, den ich beim Lesen des Heftes gewonnen habe, und der war eher trübe. Hängt wohl auch damit zusammen, dass ich derzeit in einer schwierigen Lebensphase bin - ich muss mir einen neuen Job suchen, und mache mir überhaupt viel zu viele Sorgen, wie es weiter geht (Corona, Klimakrise, Rechtsextremismus usw.). Ich bin derzeit auf ganzer Länge frustriert, habe den Eindruck, dass ich langsam alt werde, und mein Leben eine einzige endlose Aneinanderreihung geplatzter Träume und enttäuschter Hoffnungen ist.

Da hat man wirklich andere Sorgen, als sich auf irgendwelche musikalischen Abenteuer einzulassen. Wie ich vorhin in einer Mail an einen Freund geschrieben habe, ist es vielleicht auch nur so, dass der Prog derzeit im eigenen Saft schmort und auf neue Impulse, neue Facetten wartet. Irgendwie klingen die Prog-Bands von heute nicht viel anders als vor 20 Jahren!

@moonmadness - mit dem "Modernen 'Prog', der kein Prog ist" sprichst Du voll aus meinem Herzen! Nichts gegen solche Musik, aber ich kann damit nichts anfangen, und es hat mit Prog etwa so viel zu tun wie Kraftwerk mit Techno ;) Und die "Heulbojenmentalität" geht mir auch schon seit langem auf den Senkel, auch wenn ich derzeit selbst davon infiziert bin. Hängt auch mit dem Wetter zusammen - wenn auf Frühling Herbst folgt wie in diesem Jahr, dann macht das auch keinen Spaß. Aber die "Lebensfreude" beim Hip-Hop muss man in Anführungszeichen setzen, die dortige "Hey, ich bin so geil"-Mentalität hat mit wahrer Lebensfreude nichts zu tun! Es muss doch noch was anderes geben als "Mann, ist die Welt *******!" und "Hey, ich bin so geil!".
Oh, das tut mir leid, dass du deinen Uni-Job verloren hast und es dir auch sonst nicht gut geht; vermutlich wird dein Buch-Projekt weiter nach hinten verschoben!?
 

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