Heft 06-2021

Catabolic

Alter Hase
Selten so gute Statements hier gelesen wie die von @Flossensauger.
Du solltest Dich hier mehr einbringen.

In der Tat kenne ich eigentlich fast alle der Top 50 Krautrock-Alben (die mir persönlich dabei noch fehlen habe ich in einem vorherigen Post genannt). Und es gibt noch viele weitere exzellente Krautrock-Werke. Krautrock war ein Lieblings-Tummelfeld für mich, schon in den 70er Jahren. Das hatte ich mehrheitlich den tollen Plattenläden, die ich regelmässig besuchte, zu verdanken. Die wussten immer, was ich Spinnerter gerne so höre, und stellten mir entsprechende Platten zum anhören hin. Aus heutiger Sicht würde ich die Eclipsed Top 50 auch als gelungenes Who-is-Who des Krautrocks bezeichnen.

Der Vergleich mit England, wie von @nixe angemerkt, hinkt auch aus meiner Sicht. Die Briten waren auch aus meiner Sicht nicht so experimentell und losgelöst wie die Hippies aus Deutschland. Hier war wesentlich mehr Platz für Aussergewöhnliches und Losgelöstes, und ich denke, das hat ein bisschen zu tun mit dem fast gänzlichen Nichtvorhandensein einer - schon gar nicht intakten - Rockszene. England hatte längst eine etablierte Rockszene, in Deutschland hingegen war der Krautrock massgeblich daran beteiligt, dass sich überhaupt erst eine interessante Rockszene entwickelte. Das ist aus meiner Sicht der Unterschied zu England.

Ich möchte noch erwähnen, dass ich auch viele eher nicht so bekannte deutsche Krautrockbands nicht nur über Pop-Magazine oder Plattenläden kennenlernte damals, sondern vielfach auch über obskure Radiosendungen mit unkommerziellem Hintergrund, die es damals tatsächlich noch gab, zumeist im 'Nocturne'-Radioprogramm, also zu einer Nachtzeit, in der keine 'normalen' Radiohörer mehr sich über die gespielte Musik echauffieren musste (Haha...). Ausserdem waren auch Plattenlabels für mich stets ein riesiger Fundus für mir unbekannte Musik. Schneeball, Erlkönig, Ohr, Pilz und wie sie alle hiessen.

Krautrock, um noch Weeping Elf's Einschätzung zu streifen, hat für mich viel Musikalisches zu bieten, gerade weil viele Musiker und Bands sich nicht an bereits gesteckte Stildefinitionen halten mussten. Das Drumherum als Leitmotiv zu nennen, finde ich etwas weit hergeholt. Haschisch, Afghanenmäntel, Kommunenleben - das gab es auf der ganzen Welt, nicht nur in Deutschland. Aber eben: Andernorts war das nur ein Teil einer bereits existierenden Rock-Community, in Deutschland aber eher ein kulturelles Novum, aus welchem später erst der 'Deutschrock', der 'deutsche Rock', die 'deutsche Rockmusik' erwuchs. Was da aber innert kürzester Zeit förmlich explodierte, war aus meiner Sicht schlicht phänomenal. Auch deshalb denke ich, hat der Krautrock weltweit bis heute so einen guten Ruf. Und oft sind es japanische oder amerikanische Labels, die immer wieder deutsche Kraut-Veröffentlichungen wieder auflegen. Dass der Held im eigenen Land oft nichts gilt, kennt man ja von überall.

Ich halte den Ur-Krautrock (bis etwa 1975, als die Elektronik teilweise Ueberhand nahm) bis heute für eine der wichtigsten musikalischen Strömungen der Rockmusik, ohne sie als mein absolutes Lieblings-Umfeld bezeichnen zu wollen.
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Anstatt das Eclipsed nicht mehr zu lesen, werde ich diesen Thread nicht weiter verfolgen. Wie schwer es ist, sich gegen das bequemere und Weltweit üppige Angebot an Online Magazinen, die mehr oder weniger kompetent über Musik aus allen Bereichen tagtäglich berichten, darüber machen sich die wenigsten von euch Gedanken. Neben meiner monatlichen/Zweimonatlichen Ration an gedruckten Magazinen nutze ich online auch Stormbringer, Power Metal, Prog-Archives und andere zusätzlich. Aber was gedrucktes in der Hand ist immer noch der "real deal" . Ich war über Jahre aktiv als Fanzine Schreiber aktiv und weiß wie schwierig es war, jede Ausgabe so zu gestalten, dass die auch nicht im Keller vergammelte. Das gleiche gilt für ein professionelles Magazin wie das Eclipsed erst recht. Eine hundertprozentige Garantie es allen Recht zu machen, gibt es nicht. Natürlich ist auch Kritik durchaus erwünscht. Über Fußball und Musik lässt sich genauso streiten wie Südstaaten-Rock, zu viel, zu wenig von diesem oder jenen. Ich bin zwar alt genug, um mich noch gut genug an Krautrock aus erster Hand zu erinnern, aber die bisherigen Specials zu dem Thema haben meinen Horizont nachträglich um einiges erweitert.
Aber es ist nun mal eine deutsche Tugend über alles zu jammern und zu meckern. Also wird auch die nächste Ausgabe vom Eclipsed ordentlich abgewatscht!
 

Jester.D

Alter Hase
Ich habe keine Ahnung, wer hier abgewatscht haben soll. Und schon gar nicht ordentlich. das geht anders believe me. ;)

Ich gehe mal naiverweise davon aus, dass der Redaktion ehrliche Meinungen lieber sind, als bloße Lobhudelei.
Ich kaufe nach wie vor die Eclipsed, egal wieviel Prozent Inhalt exakto auf mich passen, weil - ich kaufe nix anderes mehr an Musikzeitschriften.
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Natürlich sind ehrliche Meinungen immer wichtig. Kritik sollte das Salz bei jeder Heftgestaltung sein, bevor es zu fade wird. Natürlich ist das berühmte Sommerloch im Anmarsch, da wird es erstmal schwierig immer das passende zu finden. Gute "Lückenfüller" wie z.B. Fußball passen doch prima zur EM.
Art/Progressive/Psychedelic/Blues/Classic Hard Rock, in diesem Spektrum(und ein wenig darüber hinaus) hat sich das Eclipsed gemütlich zwischen den Platzhirschen eingerichtet. Gut so!
Songtext(e). Braucht man das? Seit der aktuellen Ausgabe weiß ich um den Hintergrund von "How I wrote elastic man", ein Titel den ich das letzte Mal in einer John Peel Show gehört hatte. Dafür beide Daumen nach oben!
 

passionplayer

Aktives Mitglied
Der Krautrock hat einige schöne Sachen hervorgebracht und auch die mehrteilige Serie ist sehr gelungen. Allerdings habe ich von den Top Alben ganze vier Stück (Jane, Grobschnitt, Birth Control und Eloy), die alle nur bedingt "Krautrockig" sind, weil sie sich an englischen und amerikanischen Vorbildern orientieren. Viele der Alben aus der Aufzählung sind nur schwer erträglich, bestehen sie doch hauptsächlich aus Dilettantismus und Experimental Dudeleien. Es war eben die Zeit, wo alles mögliche ausprobiert wurde und heute aus Geschichtsverklärung zu Meisterwerken erhoben wird.
 

Alexboy

Aktives Mitglied
Ende der 60er waren ein paar wenige deutsche - von mir gern gehörte -Gruppen in den Hitparaden zu finden ( Rattles, Petards, Lords - mit dem Beat-Stempel versehen ).
Erste Konzerte ( am Nachmittag, also auch für Jugendliche ) mit regionalen Bands begannen die Kulturlandschaft zu beleben.
Amon Düül war damals erstmal bei uns zu hören und beeindruckten mich so, dass ich mir ein - günstiges - Doppelalbum ( Yeti ) zulegte.
Es war innerhalb meiner Musikblase noch nicht von Kraut oder sonstigen Bezeichnungen die Rede. Es war einfach gern gehörte Musik aus dem Umfeld, da die bekannten internationalen Gruppen sich kaum bis in unsere Provinz vorwagten.
So ging es ein paar Jahre bei Konzerten und Festivals in meinem eingeschränkten live-musikalischen Einzugsgebiet weiter - sehr viele deutsche Bands und wenige - bezahlbare - aus dem Ausland.
Dementsprechend waren die LP-Sammlungen rundum, mit einigen dieser heimischen - hörenswerten Musiker bestückt.
Wenn dann nach einigen Jahren diese als KrautRocker bezeichnet wurden um eine gemeinsame Richtung zu signalisieren, war mir das relativ egal.
Bei einigen Gruppen wußte ich sowieso nicht woher sie waren, also landeten auch "Fremdkörper" unter diesem Stempel.
Für mich hat sich auch nach über 50 Jahren Musikkonsum nicht viel geändert.
Ich höre Musik die mich anspricht und es ist mir völlig egal woher sie kommt und unter welcher Fahne sie geführt wird.
Wenn dann in einem Musik-Magazin ein Bericht über KrautRock erscheint, bin ich neugierig - wie auch bei den anderen Themen - welche mir bis dato unbekannte Musik vorgestellt wird, oder freue mich über Namen von Künstlern, die ich in den letzten Jahren vernachlässigt bzw. vergessen habe.
Danke dafür an die eclipsed-Redaktion, die für mich - wie immer - eine sehr gute Arbeit geleistet hat.

Ich bin mir sehr sicher, dass die Musik - ohne erkennbare Schublade - auch einige Hörer ansprechen würde, die sie eben wg. dieser Kategorisierung ablehnen! ( vice versa );)
 

soylent_gelb

Mitglied
Ich habe immerhin 20 dieser Alben. Von einigen anderen aber irgendwas auf Samplern. Höre grade mal wieder die Brain-Box durch...
 

Georg

Alter Hase
4 von diesen Top 50 Krautrockern kenne ich nicht. Allerdings von den 25 "unterschätzten" Krautrock Alben kenne ich nur 11; vom sog. "Neokraut" kenne ich nur 4 Kapellen.
Ja, doch, ein bisschen stolz waren wir auf unsere Krautrocker schon, ; das hatte nichts mit Nationalismus zu tun; Floh de Cologne, Ihre Kinder oder Lokomotive Kreuzberg hatten da ja auch klare politische Botschaften. Damals wurde noch nix in Sonderschubladen eingekästelt und unsere "Popper" Petards gehörten auch dazu...
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Hier ist eigentlich weniger der Ort, um über das Für und Wider und die Entstehungsbedingungen des Krautrock zu diskutieren, dafür gibt es doch schon längst dieses Thema. Dort können wir alle nach Herzenslust über Krautrock plaudern. Hier geht es um das aktuelle Eclipsed-Heft, in dem der 6. Teil der Krautrock-Serie nur einer von vielen Beiträgen ist.
 

stellar80

Alter Hase
Anstatt das Eclipsed nicht mehr zu lesen, werde ich diesen Thread nicht weiter verfolgen. Wie schwer es ist, sich gegen das bequemere und Weltweit üppige Angebot an Online Magazinen, die mehr oder weniger kompetent über Musik aus allen Bereichen tagtäglich berichten, darüber machen sich die wenigsten von euch Gedanken. Neben meiner monatlichen/Zweimonatlichen Ration an gedruckten Magazinen nutze ich online auch Stormbringer, Power Metal, Prog-Archives und andere zusätzlich. Aber was gedrucktes in der Hand ist immer noch der "real deal" . Ich war über Jahre aktiv als Fanzine Schreiber aktiv und weiß wie schwierig es war, jede Ausgabe so zu gestalten, dass die auch nicht im Keller vergammelte. Das gleiche gilt für ein professionelles Magazin wie das Eclipsed erst recht. Eine hundertprozentige Garantie es allen Recht zu machen, gibt es nicht. Natürlich ist auch Kritik durchaus erwünscht. Über Fußball und Musik lässt sich genauso streiten wie Südstaaten-Rock, zu viel, zu wenig von diesem oder jenen. Ich bin zwar alt genug, um mich noch gut genug an Krautrock aus erster Hand zu erinnern, aber die bisherigen Specials zu dem Thema haben meinen Horizont nachträglich um einiges erweitert.
Aber es ist nun mal eine deutsche Tugend über alles zu jammern und zu meckern. Also wird auch die nächste Ausgabe vom Eclipsed ordentlich abgewatscht!
Na ja, ich habe weder gejammert, gemeckert noch abgewatscht. Ich habe lediglich festgestellt, dass sich ein Abo für mich nicht mehr lohnt, da nicht mehr jede Ausgabe für mich lesenswert ist, was nicht daran liegt, dass das Magazin per se schlecht ist, keineswegs! Der Grund ist einfach, dass meine Interessen nicht mehr ausreichend "bedient" werden. Und was soll ich mit einem Heft, das nur rumliegt. Da kaufe ich lieber gezielt einzelne Ausgaben, schon der Umwelt zuliebe ;) Such is life!
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Verstehe. Ich habe auch schon mehrfach mit dem Gedanken gespielt, das Abo zu kündigen und nur noch die Hefte einzeln zu kaufen, die mich konkret interessieren. Aber auch wenn es in den Eclipsed-Heften immer viel gibt, was mich nicht interessiert, sind doch ausgesprochene "Nullnummern" sehr selten, irgendwas, was sich für mich zu lesen lohnt, gibt es fast immer.
 

Catabolic

Alter Hase
War auch schon von einigen Ausgaben enttäuscht. Es stellt sich aber für mich die Frage, wohlbemerkt für mich, würde mir etwas on die "eclipsed" fehlen. Ja, das wäre wohl so.
Bei mir kommt grundsätzlich bei Printprodukten die Haptik hinzu. Zeitschriften und Bücher können für mich niemals durch digitales Exundhopp ersetzt werden. Es gibt nichts Schöneres als in längst gelesenen Büchern und zigfach durchgeblätterten Magazinen zu schmökern, auch nach Jahren noch. Es ist genau wie: Downloads können keine Platten/CDs ersetzen. Jedenfalls für mich.
 

moonmadness

Aktives Mitglied
Es gibt auch ein Online Abo :) https://www.eclipsed.de/de/abo

Ansonsten was ist denn los, wow eine sagt ihr gefällt Krautrock nicht: ist doch absolut okay ... hier soll sich doch über das Heft ausgetauscht werden, und da kann man doch seine Meinung schreiben. Muss und kann doch nicht jedem alles gefallen.

Wie schonmal von mir bemerkt, diese Liste (wie jede Liste), gerade im letzten Heft war jetzt alles andere als vollständig -- es gibt davon ab noch super viel mehr zu entdecken (eclipsed gab einen Anstoss -- weiterführend kann/muss man dann aber wohl selbst aktiv werden), zb mal beim Longhair Label alles anhören. Es gab ansonsten auch einige richtig gute "straightere" Rockbands (mir fällt gerade z.B. GIFT ein), nicht nur so "nerviges Hippiegedudel" (Kalacakra war jetzt wirklich eher kein Highlight -- lieber nochmal bei Embryo reinhören) oder Freejazz-Versuche a la Dauner hm na okay, ... da gab es "besseres" (ja das ist Geschmacksache okay) z.B. Missus Beastly mit allen Alben ab 1974 absolut stark. Manche der elektronischen Sachen find ich persönlich ja mittlerweile mit am besten (allerdings nicht Schulze, und auch nicht TD - tja), aber so jedem das seine.

Ich fand die Serie jedenfalls trotzdem gut!

Mein Wunsch nun, auch wenn es das sicher schonmal gab, eine derart umfassende Englandserie :)

Und vl. doch nochmal gucken, WIE VIELE weitere wirklich gute aktuelle "Kraut"-Bands es gibt, weil das war nun wirklich sehr stiefmütterlich abgehandelt mit teils eher merkwürdigen Vorschlägen. Ich finde z.B. auch Colour Haze ist eine Krautband. Da kann man mal ein großes Special bringen, drei-vier Seiten oder so, einfach so ohne dass das immer mit VÖ verknüpft sein müsste ... obwohl ich hab ja gehört da kommt die "Sounds de Krauts" endlich neu aufgelegt raus.

Meine erste "Krautplatte" war übrigens diese ...


Hatte ich in den 90ern in einem Wühltisch gefunden, und die lief dann recht oft im Auto. Später fand ich raus, dass das gar nicht Amon Düül war sondern ehemalige Hawkwind-Mitglieder, oder so was. So viel noch zum Thema England ;) wo es übrigens eine sehr interessante Underground-Szene gab/gibt ... und ja man muss das irgendwie mögen, nicht alle finde da einen Zugang, v.a. wohl wenn man sonst so hochpolierte Sachen a la RPWL hört.

Ach egal ...
 
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moonmadness

Aktives Mitglied
vielfach auch über obskure Radiosendungen mit unkommerziellem Hintergrund, die es damals tatsächlich noch gab
Eigentlich ganz nett zu lesen :) schlimm wars ja eigentlich nur in den 90ern oder -- ich erinner mich damals so gut wie nichts zu kennen. Ich hatte immer so Kataloge wie Bear Family, wo zigtausend hochinteressante Namen und Kurzbeschreibungen drin waren, aber ich nicht wusste wo ich anfangen soll, wenn alle ähmlich wie Cream oder Black Sabbath klingen. Die CD-Läden als einzige Quelle des Erkundens von Musik (zwecks reinhören) waren oftens auch nicht so super bestückt, obwohl das ab dann nur schlechter wurde ...

Heute gibts viel viel Internetradio (weitgehend unkommerziell), ... Youtube, Spotify etc -- aber nun gut.

Muss und kann jeder selbst losziehen und erkunden ;)

Das Krautrock Radio hier zB ist auch alles andere als neu und immer noch aktiv (sehr beachtlich!):


Oder die im eclipsed ja immer eher randweise erscheinenden Underground Äxpärten -- manche(n) schreckt das aber evtl ab, "Underground" und so meine ich, obwohl die gerade mal zehn erwähnten "neuen Krautbands" sind halt wenn man so will auch Underground:

 
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