Heft 03-2019

Andie Arbeit

Aktives Mitglied
Darum ging es mir. Und um Mikes Frage (nicht die Antwort). Denn die trifft des Pudels Kern ziemlich gut.
350.000 Klicks bei Spotify sagen per se wenig aus. Man kann aus der Zahl z.B. nicht ableiten, wie viele Hörer den Song tatsächlich bis zum Ende gehört haben, oder ob sie nach kurzer Zeit abgeschaltet haben. Genauso wenig wie man sagen kann, ob es sich um 350.000 verschiedene Personen handelt, oder tatsächlich nur um 35.000, die den Song aber alle schon zehn Mal gehört haben. Es ist einfach nur eine Zahl. Man müsste das erst mal in Relation setzen. Und Spotify ist nicht wirklich gut für kleinere Bands und Nischenmusik. Die einzigen, die dabei wirklich verdienen, sind die Giganten des Business.
Mein eigentlicher Punkt kreist um die Wertschätzung von Musik. Es ist ja nicht so, dass die Musiker alle im Lotto gewonnen hätten. Instrumente kosten Geld. Effektgeräte, Verstärker ebenso. Auch eine Konzertreise ist nicht automatisch eine Geldquelle, wenn das Geld für Plattenaufnahmen draufgeht.
Ich finde es nicht töricht, eine Einstellung zu kritisieren, die Künstler zu unfreiwilligen Ehrenamtlichen macht. Ich finde es eher töricht, dass die Industrie sich so dermaßen selber kaputtmacht. Und die Künstler sind daran ja nicht ganz unschuldig. Das Thema schlechter Klang habe ich oben schon angesprochen (es gibt Untersuchungen, dass die auf Dauer langlebigsten Alben der Musikgeschichte oft besonders hohe Dynamik haben, nicht besonders niedrige). Und beim Streaming kann man sich doch auch mal überlegen, ob man das nicht besser für sich nutzen kann, als sich einfach damit abzufinden, dass diese Anbieter ein paar mickrige Pfennige für Millionen Klicks springen lassen. Nur als Beispiel: Eine Band kann durchaus sagen: Wir veröffentlichen auf Spotify, aber nicht alles. (Genauso wie man früher Songs als Single-Edit veröfentlicht hat, wer das Werk in Gänze hören wollte, musste die LP kaufen.) Wenn wir echte Fans generieren wollen, müssen wir dafür sorgen, dass diese die Musik auch tatsächlich kaufen (ob nun als digitaler Download oder physischer Tonträger), und am besten nicht nur einzelne Songs, sondern ganze Alben. Gerade im Progbereich ist die Integrität der LP doch besonders wichtig.
Wer YouTube als Medium für sich nutzt, sollte es auch dafür nutzen, um auf die offensichtlichste Möglichkeit hinzuweisen, die Band zu unterstützen: Alben kaufen. Ich jedenfalls sehe nicht ein, wieso ich als regelmäßiger CD-Käufer dafür mithaften soll, dass ein Großteil der Hörerschaft ihr kollektives Hirn verloren hat und glaubt, professionell produzierte Musik könne kostenlos sein, und deshalb andauernd Mondpreise für Konzertkarten bezahlen soll.
Hi Perfectionist,
zu dieser, deiner Meinung kann ich nur zustimmend nicken.
Wie oft höre ich, dass jemand nur die kostenfrei Version von Spotify nutzt. Wie oft werde ich gefragt; Du sammelst doch Musik, hast Du alles digitalisiert, kannst Du mir nicht mal eine Kopie machen, Ich bringe Dir eine Festplatte vorbei.
Ganz ehrlich, ich tausche mich aus, erhalte auch Kopien und fertige selbst auch Sampler, doch Musik ist erst meine Musik, wenn ich die CD oder LP im Regal stehen habe. Und tatsächlich ist es so, dass Musiker, so sie denn keine Amateure sind, von ihrer Kreativität leben (leben müssen) und wir wollen von dieser Kreativität profitieren. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass eine gute Leistung eben auch etwas kostet. Dies ist auch meine Argumentation, wenn ich die Bitte nach der Fertigung einer Kopie meiner Musik verweigere.
Noch ein Satz zu den Mondpreisen für Konzerte:
Ich spreche mich nicht ganz davon frei, auch mal ein teures Konzert (Joe Bonamassa in der Frankfurter Jahrhunderthalle) zu besuchen, doch im Regelfall finde ich im Umkreis von 100 Kilometern um meinen Wohnsitz immer wieder Konzerte von unter 30,00 €. In diesem Jahr besuchte ich "Hamburg Blues Band & Gäste", "Bluescaravan 2019", "Klaus Lage". In der kommenden Woche "Popa Chubby". Am Sonntag dann Rebekka Bakken, okay über 30,00, jedoch unter 40,00 €.
Weitere Konzerte folgen "Mungo Jerry", "Barefoot to the Moon" und und und...
Will damit nur sagen, dass ich einerseits an meinen Geldbeutel denken muss und andererseits diese Künstler, von denen ich stets eine ehrliche und tolle Leistung gesehen und gehört habe, unterstützen möchte. Ich denke, dass wir da auch mitspielen und eben gegensteuern können.
 
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Lamneth

Aktives Mitglied
Die deutsche Musikindustrie hat 2018 insgesamt ca. 1,6 Milliarden umgesetzt, darin sind Verkäufe aller CD's, DVD's und LP's, Downloads und Streaming enthalten.
Man muss kein Rechenkünstler sein, um zu erkennen, dass da für die Künstler maximal ein sehr niedriger dreistelliger Millionen - eher aber zweistelliger - Betrag übrig bleibt. Wenn man dann noch Großverdiener wie Helene Fischer, Herbert Grönemeyer etc. abzieht, bleibt für die meisten anderen Künstler nicht besonders viel übrig.
Es ist schon ein Wunder, dass es trotzdem Bands gibt, die tolle Musik machen, aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht davon leben können.
Zur Relation der 1,6 Milliarden : Die deutsche Tierfutterindustrie hat allein mit Katzen - und Hundefutter 2018 fast 3,3 Milliarden umgesetzt.
 

Andie Arbeit

Aktives Mitglied
Die deutsche Musikindustrie hat 2018 insgesamt ca. 1,6 Milliarden umgesetzt, darin sind Verkäufe aller CD's, DVD's und LP's, Downloads und Streaming enthalten.
Man muss kein Rechenkünstler sein, um zu erkennen, dass da für die Künstler maximal ein sehr niedriger dreistelliger Millionen - eher aber zweistelliger - Betrag übrig bleibt. Wenn man dann noch Großverdiener wie Helene Fischer, Herbert Grönemeyer etc. abzieht, bleibt für die meisten anderen Künstler nicht besonders viel übrig.
Es ist schon ein Wunder, dass es trotzdem Bands gibt, die tolle Musik machen, aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht davon leben können.
Zur Relation der 1,6 Milliarden : Die deutsche Tierfutterindustrie hat allein mit Katzen - und Hundefutter 2018 fast 3,3 Milliarden umgesetzt.
Katarina Pejak, Ina Forsman, Dana Fuchs, Ana Popovic, Krissy Matthews (ich könnte diese Reihe noch beliebig fortsetzen), allesamt keine unbeschriebenen Blätter, die wirklich klasse Musik machen, habe ich in Konzerten erleben dürfen zu denen gerade mal 300 bis 500 Zuschauer kamen.
In Mainz bei Santana traf ich einen guten Bekannten und zeigte mich verwundert über seine Konzertanwesenheit als einer unter 10.000. Antwort: Zu Santana muss man ja mal gehen, da gehen ja nur die Freaks hin... Ich lach mich schlapp!
Ich weiß, dass dieses Musikgeschäft für das Gros eine verdammt harte Kiste ist und ich glaube auch (ohne es konkret zu wissen), dass hier die Ausbeutung genauso läuft (und funktioniert) wie in vielen anderen Bereichen unseres Lebens auch. Daher, wir können nicht viel machen, doch wir können ein wenig gegensteuern und vor allen Dingen selbst ehrlich sein...
In diesem Sinne Carpe Diem & Glückauf!
 

Lamneth

Aktives Mitglied
Ich kaufe Alles was mir gefällt als CD, LP und oft auch beides. Ich besitze nicht einen Download und Streaming werde ich niemals anwenden. Zudem kopiere ich nur für den Eigenbedarf, Freunde bekommen nur Mix-CD's von mir.
Das bringt im Prinzip nicht viel, aber so habe ich ein gutes Gefühl beim hören meiner Musik.
Ich weiß, dass man bei Amazon beim Kauf vieler CD's auch gleichzeitig die CD downloaden oder beliebig oft streamen kann. So wie Amazon einschätze, bekommen die Künstler aber nur einmal eine Vergütung. Bei solchen Praktiken wäre der Gesetzgeber gefragt, aber warum sollte ein Krake wie Amazon - der ja kaum nennenswerte Steuern zahlt - mit solchen "Kleinigkeiten" behelligt werden.
 

Catabolic

Aktives Mitglied
Ich kaufe Alles was mir gefällt als CD, LP und oft auch beides. Ich besitze nicht einen Download und Streaming werde ich niemals anwenden. Zudem kopiere ich nur für den Eigenbedarf, Freunde bekommen nur Mix-CD's von mir.
Das bringt im Prinzip nicht viel, aber so habe ich ein gutes Gefühl beim hören meiner Musik.
Ich weiß, dass man bei Amazon beim Kauf vieler CD's auch gleichzeitig die CD downloaden oder beliebig oft streamen kann. So wie Amazon einschätze, bekommen die Künstler aber nur einmal eine Vergütung. Bei solchen Praktiken wäre der Gesetzgeber gefragt, aber warum sollte ein Krake wie Amazon - der ja kaum nennenswerte Steuern zahlt - mit solchen "Kleinigkeiten" behelligt werden.
Mit dem Kauf von CD Rohlingen bezahle ich Urheberrechtsgebühr. Das kommt natürlich vollumfänglich jenen Künstlern zugute, von denen ich dann Musik auf die CDs brenne. Diese CDs kopiere ich so oft ich will und verteile sie an wen ich will. Schliesslich habe ich ja ein gutes Gewissen dabei. Ich bin lieb, oder ?
 

Lamneth

Aktives Mitglied
PC- oder Audio-Rohlinge?
Die meisten kopieren ja mit dem PC , bei einem Preis von 15 Cent pro Rohling, Audio-Rohlinge bekommt man ab 45 Cent, wieviel bekommen da die Künstler?
 

Catabolic

Aktives Mitglied
PC- oder Audio-Rohlinge?
Die meisten kopieren ja mit dem PC , bei einem Preis von 15 Cent pro Rohling, Audio-Rohlinge bekommt man ab 45 Cent, wieviel bekommen da die Künstler?
Mein Post war auch eher ironisch gemeint...ich sage mal, die kriegen da gar nix von. Das versickert alles dort, wo ein aufgeblähter und gewinnorientierter Administrationsmoloch wütet - wie überall.

Als ich noch aktiv Musik gemacht hatte, musste ich als Künstler froh sein, dass mir nicht noch das Finanzamt an meine Konzerte folgt, wo ich womöglich ein Saugeld mit meinen selbst finanzierten CDs im Direktverkauf erziele. Die Welt ist krank, und für "normale" Künstler weitgehend nur noch gelebter kreativer Idealismus.
 

Music is Live

Aktives Mitglied
Und Spotify ist nicht wirklich gut für kleinere Bands und Nischenmusik.
grundlegend erstmal viel Zustimmung für dein Statement.....
nur bei oberen Satz stimme ich nicht zu.....

klar könnten kleine Bands die wenigen Fixsechser brauchen.... ohne Frage....
doch was ist mehr Wert für kleinere, meist auch unbekanntere Bands..... das schnelle Geld wg. Verkauf/Streaminggebühr oder sonstiges....
oder vieleicht doch eher erstmal der Bekanntheitsgrad.... die Chance diesen zu vergrösseren kann bei, leider, wenigen die Tür zum größerem Erfolg bieten.....
durch die Vorschläge bei Spotify bekommen diese Bands auch eine Chance im größerem Umfeld gehört zu werden....

unsere Musikrichtung bringt leider mit sich, dass die Musiker schon ein gewisses Level an Equiptment brauchen/haben..... d.h. Kosten haben....
da waren die Oldschoolpunx früher besser dran..... selbst wenn die Instrumente nicht gestimmt waren, passte es.... deren Gebrülle übertönte es einfach..... und beim Pogostep bekommt man sowas wahrscheinlich noch nicht mal mit.... ;):D

und heute....
selbst Coverbands haben schon gute und teure Instrumente..... obwohl wahrscheinlich die wenigsten im Publikum dies zu schätzen wissen.... :eek:
 

Perfectionist

Aktives Mitglied
grundlegend erstmal viel Zustimmung für dein Statement.....
nur bei oberen Satz stimme ich nicht zu.....

klar könnten kleine Bands die wenigen Fixsechser brauchen.... ohne Frage....
doch was ist mehr Wert für kleinere, meist auch unbekanntere Bands..... das schnelle Geld wg. Verkauf/Streaminggebühr oder sonstiges....
oder vieleicht doch eher erstmal der Bekanntheitsgrad.... die Chance diesen zu vergrösseren kann bei, leider, wenigen die Tür zum größerem Erfolg bieten.....
durch die Vorschläge bei Spotify bekommen diese Bands auch eine Chance im größerem Umfeld gehört zu werden....

unsere Musikrichtung bringt leider mit sich, dass die Musiker schon ein gewisses Level an Equiptment brauchen/haben..... d.h. Kosten haben....
da waren die Oldschoolpunx früher besser dran..... selbst wenn die Instrumente nicht gestimmt waren, passte es.... deren Gebrülle übertönte es einfach..... und beim Pogostep bekommt man sowas wahrscheinlich noch nicht mal mit.... ;):D

und heute....
selbst Coverbands haben schon gute und teure Instrumente..... obwohl wahrscheinlich die wenigsten im Publikum dies zu schätzen wissen.... :eek:
Theoretisch sollte das so sein, ja. Aber dem steht entgegen, dass in den wirklich populären Playlists doch generell eher die etablierten Künstler auftauchen und seltener unbekannte Bands. Zumindest ist das mein Eindruck.
 

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