Hawkwind - Diskussion

Gast 1

Guest
Ich fang jetzt mal einfach an mit nem Diskussionsthread, das mit nem eigenen Forum dafür wird ja in 100 Jahren nix.

Ich nenn ihn Diskussionsthread, weil ich ausdrücklich NICHT hier ein Clipfestival machen möchte. Ich möchte diskutieren über die Band und nicht nur kommentarlos Clips hier sehen. Über ihre Platten, ihre Konzerte, ihren Stil, was gefällt, was nicht. Über die Soloalben der Musiker und der zahllosen Ex-Musiker.

Und noch ein kleines Märchen:
Es gab eine Zeit vor You Tube, liebe Kinder. Da gab es auch schon Musik-Foren. Da trafen sich Leute die Musik gerne hören und ja, sie sprachen resp. schrieben zu den Themen. Und kein einziger kleiner Clip ward gesehen. Und es war spannend. Und es war lustig. Es war informativ und es war lebendig.

Ob diese Zeit noch einmal wiederkehrt?
 
Gut, gut. :)

Ich stelle mal fest: Hawkwind waren auch nach 1975 immer wieder für gute bis exzellente Alben zu haben, "Levitation" ist da für mich wohl das beste, aber selbst noch in den Neunzigern kamen immer wieder sehr hörenswerte Sachen heraus. Zumindest dann, wenn Brock & Co. gut drauf waren.

Ich müßte auch mal sehr lange überlegen, ob mir wirklich ein völlig uninteressantes oder gar mieses Hawkwind-Album einfällt...denn selbst die schwächsten Alben hatten ihre ansprechenden Momente, eigentlich.

Wir haben das Thema ja schon mal im Hörenthread angeschnitten, Du erinnerst dich sicherlich.

Was ich sehr schade finde ist die ignorante Wahrnehmung vieler angeblicher Hardcore-Fans der Band, dass quasi alles nach Lemmys Rausschmiß automatisch Müll gewesen wäre bzw. die wahren Hawkwind nur auf frühen Alben wie "In search of space" zu finden seien.

Diese Ansicht ist mir schon des öfteren untergekommen und löst bei mir immer wieder Kopfschütteln aus, weil ich mich frage, ob diese Leute spätere Alben überhaupt wirklich angehört haben.
 

Gast 1

Guest
Diese Hardcore-Typen die nix gelten lassen, außer ihren eng definierten Rahmen, findet man glaub ich bei jeder Band. Kann ich aber nie ernst nehmen. Menschen verändern sich halt und ich fänds schlimm wenn nicht. Seh ich außerdem an mir selber ja auch. Manche Veränderung ist gut, manche nicht so gut, Leben halt.

Die jüngeren Hawkwind-Alben hab ich jetzt mal alle ausgelassen. Nachdem ich die "Onward" schon eine sehr schwache Restverwertung fand, hab ich in die späteren bisher nur reingehört. Kann aber sein, dass es mich mal packt und dann schau ich dass ich mir die nun fehlenden doch besorge.

Generell machts sich Brock ein bisserl zu einfach die letzten Jahre aber finde ich. Gut, Hawkwind ist sein Leben und damit kommt Geld rein, aber er ist da relativ anspruchslos wie das Geld reinkommen soll.

Hatte es ja schon im Hörthread geschrieben, Hawkwind waren für mich immer noch stärker, wenn Brock einen starken Partner hatte. Lemmy, Nik Turner, Bob Calvert, Michael Moorcock, Alan Davey, Ron Tree, das sind alles Charakterköpfe. Da muß man nicht alles gut finden was die taten und sagten und komponierten, aber sie gaben eben der Musik immer noch eine Extrazutat mit. Das fehlt mir a bisserl.

Vor allem der Nik natürlich, den ich einen wunderbar schrägen Vogel finde. Ich weiß nicht ob ich mit dem auskommen würde privat, aber es ist schon amüsant seine Wege so zu verfolgen.
 
Vergiß nicht Ginger Baker und Hew Lloyd-Langton, denn ohne die beiden wäre ein Hammeralbum wie "Levitation" wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Wer weiß, was kreativ noch passiert wäre, wenn diese Besetzung länger Bestand gehabt hätte.
 

Gast 1

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Vergiß nicht Ginger Baker und Hew Lloyd-Langton, denn ohne die beiden wäre ein Hammeralbum wie "Levitation" wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Wer weiß, was kreativ noch passiert wäre, wenn diese Besetzung länger Bestand gehabt hätte.
Hab ich bewusst beide weggelassen, weils mir bei der Aufzählung auch um starke prägende Charaktere ging. Baker ist zwar einer, hat sich aber, bei allem was ich gelesen hatte, wohl nicht wirklich eingebracht in die Band. Dass die "Levitation" so ein geiles Getrommle hat, is halt der Tatsache geschuldet, dass der Bursche gar nicht schlecht trommeln kann. Und Huw Lloyd-Langton war ja auch immer eher nur mit seinen Problemen beschäftigt als mit der Band, war irgendwie auch immer nur so halbherzig dabei hab ich den Eindruck oder konnte mit Brock nicht. Jedenfalls stieg der meines Wissens immer selber aus, wurde nicht gefeuert.

Aber vom Prinzip hast du natürlich schon recht. Brock fehlen einfach gute Nebenleute und da gehören Baker und Llyod-Langton natürlich mit dazu
 
Aber vom Prinzip hast du natürlich schon recht. Brock fehlen einfach gute Nebenleute und da gehören Baker und Llyod-Langton natürlich mit dazu
Das isses ja eben. Baker hätte die Scheibe wahrscheinlich sogar noch mit gefesselten Händen, Hexenschuß und 40 Grad Fieber traumhaft eingespielt, unabhängig von seiner persönlichen Verbundenheit zur Band.

Und geschmackssicherere und stilvollere sowie besser ausgearbeitete Gitarrenparts als die von Lloyd-Langton auf "Levitation" gibt es wohl auf keinem anderen Hawkwind-Album zu hören. Also, halbherzig klingt das für mich überhaupt nicht.

Die Scheibe ist wirklich was ganz besonderes, sicherlich in gewisser Weise eine Ausnahmeerscheinung im Hawkwind-Kanon. Absolut rund und in jeder Hinsicht stimmig, da paßt alles.
 
Zuletzt bearbeitet:

Gast 1

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Das isses ja eben. Baker hatte die Scheibe wahrscheinlich sogar noch mit gefesselten Händen, Hexenschuß und 40 Grad Fieber traumhaft eingespielt, unabhängig von seiner persönlichen Verbundenheit zur Band.

Und geschmackssicherere und stilvollere sowie besser ausgearbeitete Gitarrenparts als die von Lloyd-Langton auf "Levitation" gibt es wohl auf keinem anderen Hawkwind-Album zu hören. Also, halbherzig klingt das für mich überhaupt nicht.

Die Scheibe ist wirklich was ganz besonderes, sicherlich in gewisser Weise eine Ausnahmeerscheinung im Hawkwind-Kanon. Absolut rund und in jeder Hinsicht stimmig, da paßt alles.
Nein nein, die Gitarrenarbeit von Lloyd-Langton ist phantastisch schön, einfach geschmackvoll, stilvoll, paßt ideal zur Band. Da hat er sich immer eingebracht, wenn ihm nicht die Drogen nen Strich durch die Rechnung gemacht haben grade. Ich meinte bei ihm hatte ich immer so den Eindruck er kommt mal grade vorbei, bleibt bei der Band hängen, spielt saugut, hat grad Lust und Zeit auf ne Tour und dann muß er wieder weg. Das meinte ich mit sich nicht so eingebracht. Ich glaub Hawkwind war für ihn nicht so entscheidend wichtig wie es für viele andere in der Band war. Vielleicht warens aber einfach wirklch nur die Drogen die das bei Lloyd-Langton bewirkten.
 
Gut, okay, das kann natürlich sein, dass er sich auf diese Weise auch selbst ziemlich im Weg gestanden hat. Wobei auch die anderen ja keine Kostverächter waren und bei Hawkwind immer schon alles eher chaotisch ablief bis zu einem gewissen Grad.
 

Gast 1

Guest
Gut, okay, das kann natürlich sein, dass er sich auf diese Weise auch selbst ziemlich im Weg gestanden hat. Wobei auch die anderen ja keine Kostverächter waren und bei Hawkwind immer schon alles eher chaotisch ablief bis zu einem gewissen Grad.
"Im Weg gestanden", dass war die Redewendung die ich suchte und du fandest :D

Hawkwind ohne Drogen geht natürlich nicht, schon richtig. Es scheint aber manche Leute zu inspirieren, bei manchen bewirkts gar nix und andere gehen dabei drauf. Hat vermutlich damit zu tun wie stark dein Charakter schon vorher ist, wenn man auf Dr.Lemmy hört. Lloyd-Langton glaub ich war da eher ein labiler Typ, der lieber die Finger davon hätte lassen sollen. Brock dagegen braucht das Zeug wahrscheinlich inzwischen längst schon zum Frühstück damit sein altes Gestell noch funktioniert. Die Hawkwind-Story ohne Drogen jeder Art geht gar nicht.

Drum ists ja so lustig, dass Lemmy von der Band gefeuert wurde, wegen den Drogen. Er hatte halt die falschen, er war ein Speedfreak, ein Motorhead, wie man die Leute nannte, und gab sich dauernd Kokain. Und Hawkwind pendelten zwischen LSD für die Visionen und allen Arten von Gras zum Entspannen. Das stank dem Brock damals sehr und als Lemmy dann wegen Drogenbesitzes während der Tour verhaftet wurde, war das für Brock der Grund ihn zu feuern.
 
Und wenn man sich dann noch überlegt, WIE LANGE Lemmy diesem Lebensstil gefrönt hat und was er sich alles reingepfiffen hat über die Jahrzehnte, dann ist es umso erstaunlicher, dass er das so lange nahezu unbeschadet durchgehalten hat.

Vor allem: Lemmy hatte einen starken Charakter und meines Wissens hat er in all den Jahren unter Drogen oder Alk nie Stuß gelabert, nie Scheiße gebaut, immer auf der Bühne gestanden und gespielt (außer zum Schluß, als er ein paar mal gesundheitlich bedingt dann aussetzen mußte) und bis zum Schluß ein minutiöses Erinnerungsvermögen gehabt. Und damit dürfte er eine echte Ausnahmeerscheinung sein.

Damit will ich keineswegs Drogen- und Alkoholkonsum glorifizieren. Ich halte sowas überhaupt nicht für empfehlenswert, für mich wär das absolut nichts. Und die wenigsten verkraften sowas dauerhaft so wie Lemmy.
 

BRAIN

Mitglied
Ich habe schon mehrfach probiert mich mit der Band anzufreunden.
Aber selbst Aushängeschilder wie In Search Of Space oder Doremi Fasol Latido haben mir nie richtig gefallen.
Das liegt hauptsächlich an den einfallslosen harten Gitarrenriffs, mehr als 2,3 Akkorde scheint die Band nicht auf der Pfanne zu haben.
Auch sonst empfinde ich die Musik als monoton, simpel und reizlos, von den spacigen Synthiewällen mal abgesehen.

Einige Songs finde ich aber doch ganz gut, z.B. Hurry on Sundown, Silver Machine oder Master of the Universe.
Die Live LP "Space Ritual" von 1973 gilt ja als Spacerock Meilenstein, am Stück kann ich mir die jedoch nicht anhören, ist wohl eher was für Weltraumfahrer! :D
Eine mag ich dann doch sehr: Warrior on the Edge of Time von 1975, die klingt um einiges variabler und dynamischer.
"Assault and Battery (Part 1)" und der Übergang zu "The Golden Void (Part 2)" ist mega-genial.
"Opa-Loka" und "Magnu" sind auch fantastisch.
 
Jetzt komme ich wieder mit "Levitation" an...aber meinst Du nicht, dass die vielleicht was für Dich sein könnte ? Die ist nämlich ja doch recht anders und eindimensional ist sie auch nicht.
Ich denke da nur an Spitzentracks wie "Who´s gonna win the war", "Space Chase", "World of Tiers" oder "Dust of time".
 

BRAIN

Mitglied
Jetzt komme ich wieder mit "Levitation" an...aber meinst Du nicht, dass die vielleicht was für Dich sein könnte ? Die ist nämlich ja doch recht anders und eindimensional ist sie auch nicht.
Ich denke da nur an Spitzentracks wie "Who´s gonna win the war", "Space Chase", "World of Tiers" oder "Dust of time".
Sicher, ich habe alle CDs bis "Warrior" und die Quark, Strangeness and Charm.
In den 90ern hatte ich auch noch 2 aktuellere Scheiben an die ich mich nicht mehr entsinne (oft liefen sie nicht!)
Levitation ist definitiv auf meinem Einkaufszettel.
Ich hab die noch nicht aufgegeben, taste mich weiter ran.
 

Gast 1

Guest
Und wenn man sich dann noch überlegt, WIE LANGE Lemmy diesem Lebensstil gefrönt hat und was er sich alles reingepfiffen hat über die Jahrzehnte, dann ist es umso erstaunlicher, dass er das so lange nahezu unbeschadet durchgehalten hat.

Vor allem: Lemmy hatte einen starken Charakter und meines Wissens hat er in all den Jahren unter Drogen oder Alk nie Stuß gelabert, nie Scheiße gebaut, immer auf der Bühne gestanden und gespielt (außer zum Schluß, als er ein paar mal gesundheitlich bedingt dann aussetzen mußte) und bis zum Schluß ein minutiöses Erinnerungsvermögen gehabt. Und damit dürfte er eine echte Ausnahmeerscheinung sein.

Damit will ich keineswegs Drogen- und Alkoholkonsum glorifizieren. Ich halte sowas überhaupt nicht für empfehlenswert, für mich wär das absolut nichts. Und die wenigsten verkraften sowas dauerhaft so wie Lemmy.
Und noch etwas das ich an Lemmy so geschätzt habe, er hatte Moral. Heute gilt ja Moral als verpönt, weils bedeutet man hat eine Haltung zu den Dingen auf der Welt, im Leben. Lemmy hatte das und ich liebe das wenn Menschen eine haben. Selbst wenn sie nicht die meine sein sollte, ist mir das lieber als all die aalglatten Durchschleimer.

Ich nehme an du kennst sein Buch "White Line Fever"? (wenn nicht dringenst nachholen, eines der besten Rockbücher). Ich hab das in Arzt-Wartezimmern gelesen, was ich nicht tun hätte sollen, weil ich diverse Male laut auflachen mußte :D

Toll finde ich auch seine Lebensweisheit. Ich weiß nimmer, wars im Buch oder im Film (oder in beiden) wo er über seine große Jugendliebe redet und schwärmt und erzählt, dass die ja an Drogen starb und dann sagt, "andererseits ist die ja so jung gestorben, wer weiß ob die nicht eine blöde Schlampe heute wäre", weil ihm klar ist, die hatte ja gar keine Chance negative Erinnerungen in ihm wachsen zu lassen. Das fand ich wunderbar realistisch. Weit weit weg von jeder Verklärung, lässt er einerseits seine Gefühle zu und blendet andererseits die mögliche Realität dazu nicht aus. Kriegen nur wenige Menschen hin auf beides zu achten. Lemmy wird zurecht so verehrt heute.
 
Zuletzt bearbeitet:
Du sagst es. Lemmy war nicht bestechlich. Nicht in seinem Denken, nicht in seinem Tun und Handeln und nicht in seinen Überzeugungen. Seine Haltung war in jeder Hinsicht authentisch, er war immer ehrlich zu sich selber und anderen und ich denke, dass kann ich auch guten Gewissens sagen, ohne ihn persönlich gekannt zu haben.

Das hat auch nichts mit diesem absonderlichen Lemmy-Kult zu tun, der sich in den letzten 10-15 Jahren entwickelt hat.

Klar habe ich das Buch hier stehen und auch schon mehrfach gelesen, ebenso wie ich den Film mir schon des öfteren angeguckt habe.
 

micha108

Aktives Mitglied
Mal so nebenbei, bei meinen Reisen is Russland war ich echt überrascht, wie gross die Hawkwind Fan-Gemeinde dort ist, ich kenne tatsächlich mehr Hawkwind-Fans in Russland als hier :)
 

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