Genesis

Ich schließe mich hiermit den Diskussionsthreads von @Vertigo an und bringe weitere Bands zur Sprache, über die wir uns bereits mehr oder weniger flüchtig ausgetauscht hatten. Hier ist jetzt der Platz dafür, es richtig zu tun.

Und auch hier gilt natürlich: Bitte keine Youtube-Videos posten. Dafür sind andere Threads da.
Aber alle Gedanken, die sonst zu einer hoffentlich angeregten Diskussione beitragen, sind willkommen. :)


Hier nun also...Genesis !
 

Gast 1

Guest
Du liebst halt mehr die spacerockige Seite von Genesis :D

Jetzt hab ich doch glatt im Yes-Thread schon über Genesis gequatscht, weil ich nicht gesehen hab, dass du hier schon aufgemacht hast.

Also hier nochmal. Genesis von der "Trespass" bis inkl. "Duke" lieb ich sie alle (wenn natürlich auch nicht jeden Song gleich). Ich lernte die Band, wie auch Yes, in den 80ern durch ihre Hits kennen und drum bedeutete sie mir nix. Erst durch die immer wieder auftauchenden Querverweise bei Marillion und dass die angeblich ein Genesis-Klon wären und so einen Quatsch kam bei mir mal die Lust zu hören, wie Genesis denn früher waren. Ich lehnte also die Pop-Sachen aus den 80ern nicht ab weil vorher alles besser war, sondern weils einfach flacher Quark war für mich. Ausnahme allerdings immer Collins' Drumsound, der gefiel mir auch bei den Pop-Sachen. Dass auf den 80er Jahre Alben auch so einige richtig starke Stücke drauf sind wurde mir aber auch erst später in den 90er Jahren bewusst.

Die "Calling All Stations" ist die einzige die ich nicht habe. Immer wieder probiert mit der aber die taugt mir hinten und vorne nicht. Nicht die Musik und nicht der Gesang. Sonst hab ich alle Studioalben und alle offiziellen Livealben sowie einige im Netz kursierende saugute Bootlegs aus der Zeit als Collins' die Band führte Mitte bis Ende der 70er und sie sehr schöne Konzerte mit interessanten Setlists spielten.
 
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Beardfish

Mitglied
Angefangen hat alles vor ein paar Jahren, als ich die "Invisible Touch" geschenkt bekommen habe. Da sind zwar auch starke Stücke wie z.B. "Land Of Confusion" drauf, so richtig überzeugen konnte es mich aber nie. Irgenwann hat dann ein Freund von mir seine CD-Sammlung ausgemistet und festgestellt, dass er "Nursery Crime" doppelt hat. So nahm alles seinen Lauf... :)

Ich finde die Ära mit Peter Gabriel einfach großartig und ich liebe jedes Album mit ihm. Okay, noch habe ich etwas Nachholbedarf: Bisher sind das "Nursery Crime", "Foxtrot" und "Selling Englang By The Pound". Aber ich bin dran, hehe.

Da lasse ich mich durchaus von den Bewertungen bei Progarchives leiten ;)
 

Roller-Rocker

Aktives Mitglied
die spacerockige Seite von Genesis
...oder Genesis, das unbekannte Wesen.:p
Allzuviel hatte und habe ich von Genesis nicht, jedenfalls nicht als CD.
Genaugenommen ist "Wind & Wuthering" die einzige Scheibe. Außerdem noch 2 Alben von Peter Gabriel, nachdem er Genesis verlassen hatte (das Debütalbum und "Plays Live", eines der besten Livealben überhaupt, imho)
Sowohl die Gabriel- Zeit als auch die Ära mit Colins brachten etliche Titel und Alben hervor, die zu Meilensteinen wurden. Die einzigen Alben, mit denen ich nicht viel anfangen konnte, waren "And Then There Were Three" (war mir zu eintönig) sowie "Calling All Stations" - für mich waren Genesis ohne Collins einfach nicht mehr Genesis. - Ray Wilson in allen Ehren (mit Stiltskin kann er's besser).
 

Roller-Rocker

Aktives Mitglied
Der nächste Flohmarkt ist ja kommende Woche in Aue. Wenn ich da schon wieder zuhause bin, fahre ich auf jeden Fall rüber (sind ja nur 10 Minuten mitm Bus)...
Aber wenn, schaue ich nach CDs. Momentan habe ich keinen Plattenspieler.
 

Georg

Alter Hase
Bei Genesis war ich auch von Anfang an dabei. Die Life-Acts waren zur damaligen Zeit schon etwas ganz Außergewöhmliches. Als Peter Gabriel die Band verlassen hatte, bin ich ihm gefolgt.
Phil Collins mag ein guter Drummer gewesen sein (kann ich nicht beurteilen, weil die Trommelei mir nicht so wichtig ist), jedenfalls war Genesis mit Phil Collins als Sänger oder wer auch immer da dann am Mikro stand, nicht mehr meine Musik, mit einer kleinen persönlichen Ausnahme
(Land of confusion)
Lieblingsplatte: The Lamb lies down on Broadway
Lieblingssong: The musical box (auf Nursery cryme)
 
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Georg

Alter Hase
Es heißt "Nursery Cryme". ;)
Jawoll, schon verbessert, von "Beardfish" abgkupfert und "Wiki" gibt die Erklärung:
"Der Titel ist ein Wortspiel aus Nursery Rhyme (Kinderreim oder auch Kinderlied) und Crime (Verbrechen) und bezieht sich auf die Geschichte des Liedes The Musical Box, in dessen Text der erste Vers des populären englischen Kinderliedes „Old King Cole“ enthalten ist. Harold the Barrel, ein sarkastisches Lied über die Versuche, einen Selbstmörder von seinem Vorhaben abzubringen, zu dem man ihn überhaupt erst getrieben hat."
 
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Georg

Alter Hase
Ich liebe den Peter, aber eher ohne Genesis
Ja, im Gegensatz zu Genesis hat er sich weiterentwickelt; Secret world, Passion, Up und insbesondere Ovo oder der Soundtrack zu "Long walk home" gehören da zu meinen Top-Alben.
Die Genesis-Shows lebten erst richtig durch Peter Gabriels Charisma; der "Drängler" hat ja hier ein Filmverbot ausgesprochen, es gibt da noch viele alte Filmchen bei you tube...
 
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Mel

Mitglied
Ja, im Gegensatz zu Genesis hat er sich weiterentwickelt
Genesis nicht weiterentwickelt ? Vergleche: erste Genesis - Foxtrot - Wind & Wurthering - Invisible Touch.
Also zwischen den genannten Meilensteinen liegen im stilistischen Vergleich Welten. Die müsstest du nochmal nachhören.
Vom Beat zum Prog rüber zum Rock-Pop, das gelingt nicht Jedermann, sogar die 80er Alben sind musikalisch wertvoller, als
manch Album von Yes... aus den 80ern.
 

Music is Live

Aktives Mitglied
Ich wurde durch Mama auf Genesis aufmerksam, hatte wahrscheinlich dadurch das Glück mich dann eher nach den älteren Sachen zu orientieren als den neueren, die ich meist nicht möchte, Betonung auf meist..!!
mein Favorit ist u. bleibt -> Supper´s Ready.... ein Kunstwerk..... hat den Rahmen für vieles andere Song gestellt, nicht nur von Genesis....
auch aus der Collins-Phase gibt es tolle Songs bis hin eben zu Mama u. Home by the Sea pt. I & II, was tolle Übergangssongs sind.

Von Peter Gabriel habe ich leider weniger, irgendwie ging er immer vorbei..... ein wenig seiner ersten (1 & 3), Sledgehammer sowie seinen Soundtrack aus 1985 -> Birdy, welchen ich mag.
 

stellar80

Alter Hase
Ich habe vor ca. 16 Jahren die hier das erste Mal gesehen, ohne vorher auch nur irgendwas mit Peter Gabriel zu tun zu haben...



...und es war um mich geschehen! Einer der größten Künstler unserer Zeit, wie ich finde!
 
Meine Lieblingsalben sind "Nursery Cryme", "Foxtrot" und "Selling England....".

Obwohl ich grudnsätzlich die 70er-Alben bevorzuge (bzw. vergöttere) , bin ich niemand, der alles pauschal mies findet, was die Band in den 80ern gemacht hat.

Auch in der poppigen Phase gab es immer wieder Lichtblicke - Sachen von dieser Qualität (ich sage nur mal "Mama"; "Land of confusion" etc.) würde man sich im Pop-Business heute von so manchem Künstler wünschen.

Die "Calling All Stations" ist merkwürdigerweise immer an mir vorbeigerauscht, obwohl es ja damals hieß, die Band sei stellenweise wieder etwas progressiver zugange. Ich weiß auch nicht, aber ich bin mit dem Ding nie richtig warm geworden, keine Ahnung warum eigentlich genau.
 

BRAIN

Mitglied
sogar die 80er Alben sind musikalisch wertvoller, als
manch Album von Yes... aus den 80ern.
Auf welche Alben spielst du an?
So gaga wie Who Dunnit?" waren YES nie.
Nie so simpel wie Anything She Does und Throwing It All Away.
Und die Balladen ? weia ->In Too Deep, Man on the Corner oder Alone Tonight

Die "Calling All Stations" ist merkwürdigerweise immer an mir vorbeigerauscht, obwohl es ja damals hieß, die Band sei stellenweise wieder etwas progressiver zugange. Ich weiß auch nicht, aber ich bin mit dem Ding nie richtig warm geworden, keine Ahnung warum eigentlich genau.
Geht mir ähnlich und ich höre alle anderen 14 Platten gerne.
Calling ist mir einfach fremd. Ruthie und Banks waren einfach zu wenig.
Für mich klingt die wie schlechter Neoprog.
 
Für mich klingt die wie schlechter Neoprog.
Der Vergleich paßt ganz gut. Es funktionierte so irgendwie einfach nicht. Ein zu bemühtes Album, was aber weder wirklich nach den alten Genesis Prog-Großtaten klang, noch nach den gelungeneren Sachen der Mainstreamphase. Nicht richtig Fisch und Fleisch und nur wenig nährstoffhaltig. Das ist schwer zu beschreiben. Ein ganz seltsames Teil.
 
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micha108

Aktives Mitglied
Kennen gelernt habe ich Genesis 1974 mit der Foxtrot und war fasziniert, die ganze Platte fand ich einfach nur magisch.Schnell hatten ich die anderen Platten auch und konnte so richtig wegtauchen damit, Trespass hat einen eigenen Flair, das Cover von Nursery Cryme passte so perfekt zu dem Inhalt (Lieblingslied The Fountain of Salmacis), Selling England war für mich sehr britisch und in sich völlig geschlossen, die Live - dieser Anfang mit Watcher of the Skies und zum Schluss dieses energetische The Knife.

Lamb lies down ist für mich die Platte von Genesis und der Höhepunkt. Dann ging PG ja weg und ich folgte ihm weiter. Solsbury Hill war so leicht ... PG ist dann aber ein anderer Thread ;)

Im Genesis-Rahmen kam ich dann auch Brand X und auch auf Anthony Phillips ....

A Trick of the Tail fand ich sehr romantisch und schon ein bisschen anders, besonders mochte ich Mad Man Moon und Ripples und zum Schluss das Los Endos ...

Die Konzerte, die ich in der Zeit gesehen habe, sind mir heute noch ziemlich in Erinnerung und auch die Bootlegs dieser Zeit mag ich sehr ... da war dann ja auch die Seconds Out raus, der Film, der damals in den Kinos lief, fand ich eher enttäuschend - meine Erwartung war halt, dass das Live-Gefühl konserviert werden könnte, naja, ich war halt 17 ;)

Wind and Wuthering fand ich zwar sehr gut aber nicht mehr ganz so überzeugend, das Cover mochte ich .....

And then there were Three war dann die Abnabelung, womöglich lag es auch am Abgang von Steve Hackett, das war dann auch die letzte Tour, die ich gesehen habe.
 
Ich gehe mal auf die für mich persönlich wichtigsten Alben etwas genauer ein:

"Trespass" ist ein tolles Album und sowas wie die ultimative Vorstufe zu den Großtaten, die folgen sollten. Es wirkt noch etwas rauer und ungezügelter. Aber hier und dort eben auch noch etwas unausgereifter. Sachen wie "The Knife" hätten problemlos auch auf "Nursery Cryme" stehen können, aber anderes ist noch nicht ganz so rund. Trotzdem mag ich die Scheibe sehr.

"Nursery Cryme" und "Foxtrot" sind für mich eigentlich EIN Album, die sind aus meiner Sicht untrennbar miteinander verbunden. Das dokumentieren äußerlich ja schon die in vergleichbarem Stil gestalteten (Paul Whitehead-)Artworks.

Und auch musikalisch bilden beide Scheiben mehr oder weniger eine Einheit, sind ja auch relativ kurz nacheinander veröffentlicht worden.

Insbesondere "Nursery Cryme" ist für mich so homogen geraten, dass ich da nicht mal gezielt einen Song herauspicken könnte. Früher war mal "The return of the giant hogweed" mein Lieblingsstück, aber heute stehen für mich alle Lieder gleichberechtigt nebeneinander, was auch die kürzeren, scheinbar unspektakuläreren Zwischenspiele ("For absent friends"; "Harlequin") mit einschließt. Das Album wirkt und funktioniert für mich als ganzes, da ist alles für mich dort, wo es hingehört. Diesem Geniestreich würde ich weder was hinzufügen, noch was wegstreichen. Mein persönliches Lieblingsalbum.

Na ja und bei "Foxtot" wird natürlich vordergründig alles vom unglaublichen "Supper´s ready" überstrahlt, aber beispielsweise stehen der phänomenale Opener "Watcher of the skies" (dieses Mellotron-Intro...aaarggh....das ist so unfaßbar geil, das Lied wäre schon eine Wucht, wenn es nur aus diesem Intro bestehen würde!) oder "Get ´em out by friday" dem in nichts nach, zumindest sehe ich das so.

"Selling England..." steht dann wieder auf seinem ganz eigenen Sockel. Ich habe das auch mal so vernommen, dass es das englischste aller Genesis-Alben sein soll, aber ich empfinde "Foxtrot" oder "Nursery Cryme" nicht als weniger englisch oder weniger kauzig. Aber "Selling England..." ist nochmal eine völlig eigene, in sich abgeschlossene, verwunschene Wunderwelt und ob ihr es glaubt oder nicht, aber bei "Firth of Fifth" stehen mir jedesmal Tränen in den Augen. Dieses Stück nimmt mich emotional völlig gefangen. Das ganze Album ist einfach gigantisch.

Das sehr ambitionierte "The lamb lies down on Broadway" hat für mich sehr ordentliche bis herausragende Passagen, überzeugt mich aber nicht bedingungslos. Das ist für mich nicht der absolute Höhepunkt, wie für so viele. Vielleicht konzeptionell schon, aber nicht musikalisch. Dafür ist es mir stellenweise etwas zu zerrissen und es gibt neben vielen Genesis-typischen großartigen Momenten auch einfach Teile, die ich weniger zwingend oder mitreißend finde. Trotzdem immer noch ein sehr gutes Album.

"A trick of the tail" ist ein feines Album, obwohl es mir hier und dort etwas infantil vorkommt, von den Melodien her. Manches erinnert von der Stimmung her an die Alben davor, manches ist aber auch anders als zuvor. Im Genesis-Rahmen auf jeden Fall eine gewisse Weiterentwicklung des bis dato gültigen Klangbildes. Mein Highlight ist "Dance on a volcano".

"Wind and wuthering" hat eine etwas unterkühlte, leicht melancholische Grundstimmung und ist, wie schon am Cover deutlich wird, ein perfektes Album für lange Herbst- und Winterabende. Früher fand ich es sogar einen Ticken besser als "A trick of the tail", heute ist es eher umgekehrt. "Eleventh Earl of mar" und "Blood on the rooftops" sind meine Favoriten auf diesem letzten wirklich großen Genesis Prog-Album.

"...and then there were three" war dann ziemlich enttäuschend. Zwar ist der "altmodische" bisherige Genesis-Sound schon noch vorhanden, aber teilweise bereits stark vereinfacht bzw. halbherzig umgesetzt. Einige Nummern sind richtig schwach, mit Sachen wie "Down and out" beispielsweise ist aber nach meinem Ermessen auch noch sehr gelungenes Material drauf. Das erste Album minus Hackett ist eine ziemlich zwiespältige, ambivalente Angelegenheit.

"Duke" ist insgesamt modernisierter ausgefallen, aber die Scheibe wird unterschätzt. Hier sind auf jeden Fall noch Prog-Gene vorhanden und manches ist sogar überzeugender und konsequenter ausgefallen, als auf dem halbgaren Vorgänger. Ein im Vergleich zu "...and then there were three" gelungenerer Übergang zwischen Alt und Neu, wo poppige und progressivere Elemente gleichberechtigt zueinander finden. Und der Drumsound ist fantastisch und bis heute state of the art.
 
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micha108

Aktives Mitglied
Nett zu lesen zur der Genesis-Phase bis zu den letzetn Drei, quasi auch ein Fan-Buch ist von Armando Gallo, auch mit tollen Bildern bestückt ...
 

Gast 1

Guest
Dann geh ich die auch mal Album für Album durch


- "From Genesis To Revelation": Hör ich eigentlich nie. Wenn doch mal, dann denk ich mir so fünf Songs lang "doch ganz nett" um dann so nach 8 Songs zu denken, naaah da tut sich nix mehr.


- "Trespass": Empfinde ich wie die Blaupause für Genesis. Ab da war die Grundidee geboren, an der Ausfertigung mußte noch gefeilt werden. Wenn auch die einzelnen Songs nicht so großartig sind, ich mag die Scheibe sehr gern. "Looking For Someone" und natürlich "The Knife", dessen treibende Hammond natürlich schon ein Volltreffer bei mir ist.


- "Nursery Cryme" & "Foxtrot": Da gehts mir wie dem LaSiMiDu, das sind Zwillinge. Die beiden gehören zusammen. Dachte ich übrigens auch, als ich die Platten erst noch nur vom Sehen kannte. "The Fountain Of Salmacis", "The Musical Box", "The Return Of The Giant Hogweed", "Watcher Of The Skies", "Get 'em Out By Friday", "Can-Utility And The Coastliners" und "Supper's Ready". Das ist doch der Genesis-Kanon. Der Grundstock. Alles das warum wir überhaupt heute über die Band reden. Ohne diese Songs gäbs nicht die Nachfolgetaten. Und die Texte!! Gabriels Kinderlied von der Musical Box, das zum ausgewachsenen Horrortrip wird wärs ja allein schon. Aber die Geschichte über den Riesenbärenklau der das Land verwüstet, die Mieter die rausgeworfen werden vom Spekulanten, dem Außerirdischen der diese seltsame Spezies Mensch beobachtet, das versponnen Märchen um den Brunnen, das alles sind textliche Meisterstücke, Kleinode in der Rockmusik. Na und "Supper's Ready" setzt auch textlich all dem die Krone auf.


- "Selling England By The Pound": Für mich nicht britischer als die anderen, weil Genesis sowieso sowas wie DIE britische Progband waren (da Tull, die ich mindestens so britisch empfinde, ja nicht durchgehend Prog spielten, nicht zähle hier). "Firth Of Fifth", "The Cinema Show", "Dancing With The Moonlit Knight", "I Know What I Like", Phil's ersten Versuch "More Fool Me", das sind alles wunderbare Songs. Einzig das sehr ambitionierte "The Battle Of Epping Forest" ist zu sperrig geraten. Da verzettelt Peter sich in all dem was er über diesen Bandenkrieg erzählen will und die Musik und der Text passen darum nicht zusammen. Ich mags trotzdem, es ist aber kein so unabdingbarer Höhepunkt.


Die kleinen Zwischenspiele auf diesen drei Alben lieb ich übrigens genauso. Hat sich mir noch nie erschlossen, warum da von manchen Rezensenten von überflüssig geredet wird. Relevanz hat nur was 10 Minuten dauert und nen Knoten ins Hirn macht? Size Matters? Echt so primitiv?


- "The Lamb Lies Down On Broadway": Fand ich anfangs sperrig und unrund. Wurde mit jedem Hören wichtiger und schlüssiger und spätestens seit der Liveumsetzung der Band The Musical Box kann ich da nur den Hut ziehen. Welch ein großartiges Werk. All die kleinen Teile aus denen das Große Ganze entsteht. Hier machte Peter alles richtig. Viele kleine und durchaus unterschiedliche Songs ergeben das Gesamtbild. Der Zyklus braucht keinen wirklichen Longtrack um genial zu sein. Höhepunkte hats hier genug, da könnte ich vieles rausnehmen, was sich aber eigentlich nicht geziemt. Wenn doch, dann sinds "The Waiting Room", "The Cage" und "The Colony Of Slippermen" und "The Grand Parade Of Lifeless Packaging". DAS wär doch mal ein passender Song fürs Werbefernsehen. Würde sich auch in jedem Bürohaus gut machen


- "A Trick Of The Tail" & “Wind & Wuthering”: Seeeeehr britisch. Alle beide. Frühling und Sommer in England bei der ersteren. Picknick am Fluß, Krocket auf den Wiesen, Mädels in Blumenkleidern und tanzende Schmetterlinge. Und den 5-Uhr Tee bitte nicht vergessen. Wunderbare Scheibe. Mein erster Höhepunkt da drauf war "Entangled", weil der musikalisch genau das verkörpert was ich grade beschrieben hatte. Der zweite und absolute Höhepunkt, der aber erst duch die Liveaufnahmen sich mir erschlossen hatte ist dann "Dance On A Volcano / Los Endos". Im Duett und NUR im Duett für mich einer der ganz ganz großen Genesis-Höhepunkte. Natürlich nur echt mit dem Drum-Duett dazwischen. Ob nun anderthalb Minuten oder 10 Minuten lang. So muß das sein beim hellen, lichten Album. Auch hier gibt’s den Zwillingsbruder. Das Herbst- und Winteralbum. Da ich ein Typ für diese Jahreszeiten bin, ist mir die Platte ein klitzeklein wenig näher, aber ohne der Sommerscheibe nicht denkbar. „One For The Vine“, „Eleventh Earl Of Mar“, das so schöne melancholisch-liebevolle „Your Own Special Way“, das Doppel “Unquiet Slumber For The Sleepers In That Quiet Earth”, “Blood On The Rooftops” und “All In A Mouse’s Night”. Und dann dieser herrlich melancholische Schluß, bei dem nochmal die Wärme des Sommers durchkommt, “Afterglow”, das Nachglimmen, das Abendrot. Was für ein wunderschönes Bild. Dass auf der Scheibe auch das blöde „Wot Gorilla“ drauf ist ignorier ich, ja vergess ich sogar, immer. Macht nix.


– „And Then There Were Three“: Die ganz besondere Scheibe in der Discographie. Kein Album davor, kein Album danach hat diesen Sound wie hier. Dicht, warm, fast ein bißchen undurchdringlich. Das Cover übernimmt das „Afterglow“ und die Platte scheint diesen Zustand musikalisch über das ganze Album tragen zu wollen. Vielleicht fühlten sie sich so, nachdem mit Hackett der nächste raus war. „Down And Out“, ich hatte es ja schonmal gepostet, Meisterstück an den Drums. Eingängig und kompliziert in einem Song, toll! „Undertow“, „Burning Rope“, „Follow You Follow Me“, eine Ballade schöner als die andere. Genesis sind hier sehr wehmütig. Vielleicht lieb ich die Scheibe darum so sehr weil ich den Zustand gut kenne. Die einzige Genesis-Scheibe von allen bei denen mir die Songs fast wurscht sind, so sehr lieb ich den Klang dieser Platte.


– „Duke“: Da ist der Plan für das Genesis-Trio. Pop und Prog, von jedem ein bisserl, Balladen nicht zu knapp. Wo die „And Then There Were Three“ noch wie ein Epilog zu ihren Progzeiten wirkt, ein Übergangsalbum, ein unentschlossen schönes „Was machen wir denn jetzt?“ sind sie bei „Duke“ angekommen. Collins übernimmt jetzt wirklich das Ruder. Damit das auch jeder mitbekommt, hat das Album den geilsten Drumsound aller bis dahin erschiennen Platten. Allein dafür gehört die Scheibe mehr als gelobt. Jeder schwafelt immer über Gitarrenhelden die ab Punkt X alles revolutionierten. Und was ist mit den Drummern? Collins Drumsound auf „Duke“ ist die Blaupause für Schlagzeug bis zum heutigen Tag. Dazu gibt’s eine sehr gute Prog-Suite mit dem dreiteiligen „Behind The Lines / Duchess / Guide Vocal“ in 13einhalb Minuten gleich zu Anfang um allen Leuten zu sagen, „wir können das noch“. Bevor sich Pop und Ballade die Tür geben und danach mit „Turn It On Again“ ein perfekter Pop-Rock Song kommt. Genial als Live-Medley wo Collins allerlei alte Lieblingssongs von ihm integriert. Hatten Genesis bis dahin bei den Kritikern oft den Ruf nicht spassig genug zu sein (als ob das irgendwie Pflicht wäre, nur weil man auf ner Rockbühne steht) kommt hier der Spaß definitiv vorbei. Da kann man tanzen, da kann man mitsingen und man könnte das Stück weitere 10 Minuten so ausdehnen und es wär immer noch eine spassige Frage „Was integriert er denn als nächsten Song hier rein?“. Ja sowas mag ich auch gern, augenzwinkernd, nicht alles bierernst nehmen wie die Herren Progkritiker das meinen immer tun zu müssen. Das Album klingt nach ein paar nicht so auffälligen Stücken mit dem Prog-Abschluß „Duke’s Travels / Duke’s Ends“ nochmal richtig mit einem Höhepunkt aus.


der Rest folgt im zweiten Teil, das System mag zu lange Texte nicht. Ist wohl aus der SMS-Generation :D
 
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