Die Zukunft des Progressive Rock

@alle
Haut euch eure Befindlichkeiten per PN um die Ohren. Dieser Thread verkommt sonst wieder zum Kriegschauplatz des Nebensächlichen und am Thema vorbei.
genau dies tat Wombat... schenkte aus um mich sogleich für weiteres zu sperren....
und sowas soll ich ernst nehmen... ???
wie herrlich und sicher doch diese Immunität im Netzt doch sein kann...
Feiglinge werden zu Helden...

und ich bin weg....
 
genau dies tat Wombat... schenkte aus um mich sogleich für weiteres zu sperren....
und sowas soll ich ernst nehmen... ???
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Bleib mal hier! Wo mehrere unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen ist Dynamit im Fass! Nicht jeder kann mit jedem! Deswegen: HOLD YOUR HEAD UP!
 
Ich versuche mal einen anderen gedanklichen Ansatz. Teilen wir das ganze doch auf. Progressiv und Rock. Stellen dann die Zukunftsfrage. Gibt es genug Progression um "Rock" auch dauerhaft in all seinen Variationen am Leben zu erhalten? "Progressive Rock" wäre dann ein Teil der Frage.
 
Ich bleib mal beim Thema Zukunft und wie schon zuvor bei Riverside - aber diesmal bei Genesis.

Als deren einziges Album mit Ray Wilson erschien (Calling All Stations) hatte ich auch so ein Gefühl wie - hey, das könnte die neue Prog Richtung werden. Liege ich da total daneben? Ich weiß, dass auch dieses Album sehr umstritten ist.
 
Ich bleib mal beim Thema Zukunft und wie schon zuvor bei Riverside - aber diesmal bei Genesis.

Als deren einziges Album mit Ray Wilson erschien (Calling All Stations) hatte ich auch so ein Gefühl wie - hey, das könnte die neue Prog Richtung werden. Liege ich da total daneben? Ich weiß, dass auch dieses Album sehr umstritten ist.
Ob das eine neue Richtung des Prog einläutete wag ich zu bezweifeln. Vielleicht Prog Pop? Das meine ich ich nicht despektierlich. Ich mag Prog und ich mag Pop.
Zu dem Album fällt mir allerdings noch eine Rezension im "Rolling Stone" ein, die das Album und jeden der Musiker total verriss. Der Kritiker war meines Wissens nicht bereit dem Album einen Punkt zu geben. Das hatte zur Folge, dass ich mich zunächst nicht mit dem Album befassen wollte. Eine Arbeitskollegin lieh mir die CD und siehe da, ich war und bin noch immer von dem Teil sehr angetan.
 
Ich höre ja gerade das erste LIFT-Album und bei Wiki steht übrigens u.a.
Lift ist eine 1973 in Dresden gegründete, deutschsprachig singende Artrockband.
 
Tja, wie klingt der Progressive Rock der Zukunft? Wir wissen es nicht. Irgendwie sind in den letzten 20 Jahren kaum neue Stile nachgekommen, nicht im Prog und auch nicht anderswo. Wenn man sich etwa diesen Genre-Stammbaum anschaut, kommt da einfach nichts mehr. Es werden stattdessen bestehende Stile weiter gepflegt und wieder aus der Versenkung hervorgeholt. Es ist irgendwie alles schon mal da gewesen, und umgekehrt ist alles, was es mal gab, noch oder wieder da. Prog macht da (leider) keine große Ausnahme. Insofern scheint es derzeit, als würde der Progressive Rock der Zukunft nicht viel anders sein als der Progressive Rock der Vergangenheit ;)

Doch denke ich, dass Prog vielleicht doch entwicklungsfähiger ist als manche andere Genres, die oftmals von Extremen leben, die sich kaum noch weiter steigern lassen. Das Problem hat man ja auch in der "E-Musik", wo sich die Avantgarde im Grunde genommen schon vor Jahrzehnten totgelaufen hat, wie soll man so ein Stück wie 4'33" von John Cage noch steigern? Stattdessen begannen Leute wie John Adams oder Michael Nyman ein paar Schritte zurück zu gehen und auf eigentlich schon "veraltete" tonale Kompositionsweisen zurückzugreifen, um daraus was Neues zu entwickeln, das beim Hörer besser ankommt als die Avantgarde-Musik des 20. Jahrhunderts, ganz egal was Adorno und ähnliche Theoretiker der Avantgarde über die "Unmöglichkeit" angeblich "veralteter" Kompositionsweisen gesagt haben.

Ich denke, die "U-Musik" ist um 2000 an einem ähnlichen Punkt angelangt. Man kann eben Parameter wie Tempo oder Lautstärke nicht ins Unendliche steigern, deshalb hat sich etwa Speedcore längst totgelaufen, und auch im Extreme Metal scheint das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Und je mehr Terrain kartiert ist, desto weniger unkartiertes Terrain bleibt übrig - es gibt nicht mehr so viel, was nicht schon vorher von irgendwem gemacht worden ist. Mancher Musiker meint, etwas völlig Neues zu machen - aber dann kommt irgendein Experte um die Ecke, der eine Platte von Anno Tuck aus dem Hut zaubert, die fast genau so klingt, und schon ist das vermeintlich Neue nur noch ein "Revival von irgend was Altem".

Ich habe gerade damit angefangen, das Buch Retromania von Simon Reynolds noch mal zu lesen, das diese Situation zum Thema hat. Weil es schon ein paar Jahre her ist, als ich es das letzte Mal gelesen habe, und mir vieles davon nicht mehr präsent ist und aufgefrischt werden muss, kann ich im Moment nicht allzu viel darüber sagen, was er da schreibt, darum lese ich es ja jetzt noch einmal. Und natürlich weiß auch Simon Reynolds nicht alles über das Retro-Phänomen und hat auch nicht immer Recht ;)
 
;)

Nein, "Art Rock" ist schon gemeint als "Kunst-Rock", also Rock mit Kunstanspruch - aber darauf hat Progressive Rock kein Monopol. Einen Kunstanspruch hatten auch Frank Zappa, Velvet Underground, und später u.a. Throbbing Gristle, die Einstürzenden Neubauten und noch andere, ohne dass das viel mit Progressive Rock zu tun hätte.

P.S. Ich kann mich auch nicht an eine Diskussion mit einem Wolfram Porr erinnern (ich meine allerdings, diesen Namen irgendwo mal gelesen zu haben), es sei denn, er ist ein Forumsmitglied, von dem ich nur den Nickname kenne ;)
Hallo! ;)

Bin jetzt allerdings verwirrt, lieber @Georg! Meine Bemerkung "etwas klingt wie" war auf unsere Rezis gemünzt und was dort unter den Bewertungssternchen steht, nämlich "Artverwandt". Art Rock kommt natürlich von Kunst, muss aber nicht zwingend besonders kunstvoll sein. Denke, am ehesten könnte man da Peter Gabriel, natürlich Pink Floyd oder so jemanden wie Laurie Anderson nennen, die das verkörpern, was für mich klassischer Art Rock ist und was vielleicht mal damit gemeint war. Aber da gehören sicherlich auch Bands wie Airbag, The Pineapple Thief oder andere dazu, die mitunter als Prog eingestuft werden, aber m.E. gar nicht soo viele Progelemente in ihrer Musik versammeln, weil sie zum Beispiel nicht wahnsinnig frickelig sind. Klar könnte man die auch in andere "Schubladen" stecken, aber diese "Schubladen" sollen ja auch eher ein Anhaltspunkt für die Leser sein, um gleich zu sehen, "oh, das könnte was für mich sein".
 
Hallo! ;)

Bin jetzt allerdings verwirrt, lieber @Georg! Meine Bemerkung "etwas klingt wie" war auf unsere Rezis gemünzt und was dort unter den Bewertungssternchen steht, nämlich "Artverwandt". Art Rock kommt natürlich von Kunst, muss aber nicht zwingend besonders kunstvoll sein. Denke, am ehesten könnte man da Peter Gabriel, natürlich Pink Floyd oder so jemanden wie Laurie Anderson nennen, die das verkörpern, was für mich klassischer Art Rock ist und was vielleicht mal damit gemeint war. Aber da gehören sicherlich auch Bands wie Airbag, The Pineapple Thief oder andere dazu, die mitunter als Prog eingestuft werden, aber m.E. gar nicht soo viele Progelemente in ihrer Musik versammeln, weil sie zum Beispiel nicht wahnsinnig frickelig sind. Klar könnte man die auch in andere "Schubladen" stecken, aber diese "Schubladen" sollen ja auch eher ein Anhaltspunkt für die Leser sein, um gleich zu sehen, "oh, das könnte was für mich sein".
Na, gut wieder eine Illusion weniger, dass ich mal eine Schublade verstanden hätte Der Kunstbegriff wird ja gerade bei uns auf der Dokumenta15 intensivst wieder diskutiert. Der Kunstbegriff in der Musik kann dann natürlich alles oder nichts, dieses oder jenes, abstraktes oder gegenständliches, traditionelles oder offenes bedeuten.
Laurie Anderson würde ich eher in eine Kunst-Schublade mit den Einstürzenden Neubauten, als mit Peter Gabriel stecken.
Klassische Kunst würde ich bei Faust (Mischmaschine und Bohrmaschine, Seitenschneider) und aus der Neuzeit "Heilung"mit Texten und Gegenständen aus der Eisenzeit, sehen, vielleicht auch für Kapellen, die nicht unbedingt mit den klassischen Instrumenten Gitarre, Bass, Schlagzeug arbeiten; tja andererseits könnte es auch Musik sein, die nur noch mit Reglern, Knöpfen und Pedalen arbeiten, die perfekte Kunst, ohne "Handwerk" im Sinne eines erlernten Instrumentes, um wieder den Bogen zum Thema zu bekommen:
Der Übungskeller hat ausgesorgt, Musikdatein werden durchs www hin- u. hergeschickt und irgendwo zusammengebastelt, falls ein Instrument fehlt, künstlich am Computer erzeugt, manchmal sogar ein ganzes Sinfonieorchester...
Wie in der realen Welt auch: Vom Mechaniker zum Mechatroniker...
P.S. Danke an Wolfram Porr für die Aufklärung :)
 
Na, gut wieder eine Illusion weniger, dass ich mal eine Schublade verstanden hätte Der Kunstbegriff wird ja gerade bei uns auf der Dokumenta15 intensivst wieder diskutiert. Der Kunstbegriff in der Musik kann dann natürlich alles oder nichts, dieses oder jenes, abstraktes oder gegenständliches, traditionelles oder offenes bedeuten.
Laurie Anderson würde ich eher in eine Kunst-Schublade mit den Einstürzenden Neubauten, als mit Peter Gabriel stecken.
Klassische Kunst würde ich bei Faust (Mischmaschine und Bohrmaschine, Seitenschneider) und aus der Neuzeit "Heilung"mit Texten und Gegenständen aus der Eisenzeit, sehen, vielleicht auch für Kapellen, die nicht unbedingt mit den klassischen Instrumenten Gitarre, Bass, Schlagzeug arbeiten; tja andererseits könnte es auch Musik sein, die nur noch mit Reglern, Knöpfen und Pedalen arbeiten, die perfekte Kunst, ohne "Handwerk" im Sinne eines erlernten Instrumentes, um wieder den Bogen zum Thema zu bekommen:
Der Übungskeller hat ausgesorgt, Musikdatein werden durchs www hin- u. hergeschickt und irgendwo zusammengebastelt, falls ein Instrument fehlt, künstlich am Computer erzeugt, manchmal sogar ein ganzes Sinfonieorchester...
Wie in der realen Welt auch: Vom Mechaniker zum Mechatroniker...
P.S. Danke an Wolfram Porr für die Aufklärung:)
Wenn man Bücher und Aufsätze zum Thema "Rockmusik und Kunst" oder "Rockmusik und Avantgarde" liest, so werden dort nur selten Progressive-Rock-Acts genannt. Am ehesten noch King Crimson, oder auch Pink Floyd, die letzteren aber weniger in Bezug auf ihre Musik (und wenn, dann auf die Werke der 60er Jahre, vor alle, jene mit Beteiligung von Syd Barrett), sondern auf die von ihnen eingesetzte Medientechnik, wie etwa Lightshow und Raumklangsysteme. Stattdessen werden vor allem solche Künstler erwähnt wie Velvet Underground, die Residents, Frank Zappa, Captain Beefheart, Faust, Can und andere Krautrockgruppen, Kraftwerk, Throbbing Gristle, Einstürzende Neubauten, Devo, Björk, Sonic Youth, usw. Das ist ein ganzer Kanon von "Kunst-Rock"-Bands, der wenig bis gar nichts mit Progressive Rock zu tun hat. Darüber hat Andreas Kühn ein interessantes Buch mit dem Titel Anti-Rock geschrieben. Niemandem käme es in den Sinn, solche Bands wie Marillion oder Dream Theater in diesem Zusammenhang zu erwähnen!

Das ist also was ganz anderes als Progressive Rock. Dieser ist in den Ohren der meisten Kritiker und Wissenschaftler nur eine Spielwiese für musikalische Nerds, die spätestens mit der "Punk-Revolution" jede historische Relevanz verloren hat. Vor kurzem etwa habe ich das Buch Das entfesselte Jahrzehnt von Jens Balzer gelesen, das die Popkultur der 70er zum Thema hat. Da kommt Prog so gut wie gar nicht drin vor, der wird nur gelegentlich gestreift. Etwa wenn es im Zusammenhang mit der Tolkien-Begeisterung heißt, dass sich eine Band "Marillion" genannt hat, nach dem Buch The Silmarillion von Tolkien. Oder dass ein gewisser Rick Wakeman auf David Bowies erstem Hit "Space Oddity" Mellotron gespielt hat. Das ist sicher einer der Gründe, warum bisher über Prog so wenig geschrieben worden ist, vor allem nicht über die weitere Entwicklung des Prog über 1977 hinaus - Neoprog, Prog Metal und was danach alles so kam. Das ist aus der Sicht der etablierten Popkritik eben keine große Kunst, sondern allenfalls eine skurrile Fußnote in der Popgeschichte.

Aber das heißt natürlich noch lange nicht, dass Progressive Rock geschichtslos sei oder keine Zukunft hätte! Wobei man meiner Meinung nach wiederum trennen sollte zwischen dem Progressive Rock im Sinne des Classic Rock und dem im Sinne des Alternative Rock. Ich weiß natürlich, dass das oft als ein Genre angesehen wird, aber meiner Meinung nach sind die Unterschiede so groß, dass das nicht zusammengehört (man erkennt hier wieder einmal, dass Genre-Klassifikationen immer subjektiv sind, weil dem einen Unterschiede wichtig sind, die ein anderer für nebensächlich hält). Tatsächlich hat der Prog-Rock im Sinne des Alternative Rock meiner Meinung nach weniger mit dem Progressive Rock im Sinne des Classic Rock zu tun als mit dem oben genannten "Kunst-Rock-Kanon", dem "Anti-Rock" Andreas Kühns. Diese beiden Genres haben nur wenige Berührungspunkte, und jedes hat seine eigene Geschichte und seine eigene Zukunft.
 
Okay, danke. Das sind dann aber nach meiner Meinung keine großen Unterschiede und sicher gibt es da auch einige Überschneidungen. Porcupine Tree würde ich eher in die erste Gruppe stecken.
 

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