Deutsche Progbands

Georg

Alter Hase
Flying Circus aus Grevenbroich

Aus den babyblauen Seiten:
Als Gitarrist Michael Rick, Schlagzeuger Falco Kurtz und Sänger Michael Dorp Ende 1988 als gelangweilte Teenager in der rheinischen Kleinstadt Grevenbroich aufeinandertrafen, feierten Bands wie BON JOVI und die Kommerzversion einer ehemals recht guten Band namens WHITESNAKE gerade erstaunliche Chart-Erfolge. Klar, harte Rock-Musik wollte man zwar auch machen, aber nicht so wie diese 'Poser'. Post-pubertäres Bedürfnis, sich vom Mainstream abzugrenzen, hatte alle drei in musikalische Richtungen geführt, die gerade ziemlich out waren: Falco Kurtz hatte sich die alten GENESIS- und MANFRED MANN'S EARTH BAND-Platten seines großen Bruders unter den Nagel gerissen, das Zimmer von Michael Dorp zierten Poster von BLACK SABBATH und LED ZEPPELIN, und Michael Rick übte auf seiner Gitarre Stücke von fast vergessenen Bands wie FREE oder BLUE CHEER.
Gemeinsame Basis der drei war also ein offensichtliches Faible für die Sounds der 70er Jahre, und so ist es kaum verwunderlich, dass man erst einmal damit begann, Klassiker aus dieser Zeit nachzuspielen. Da die musikalische Erfahrung auf allen Seiten anfangs nicht gerade groß war, beschränkte man sich zunächst auf straighte Rockstücke, denen man aber alsbald erste eigene Kompositionen an die Seite stellte. Nach einiger Zeit des Kommens und Gehens verschiedener Mitmusiker und der Erwägung einiger passender Bandnamen war es schließlich im Herbst 1990 so weit, und man stieg zum ersten Mal als FLYING CIRCUS auf die Bühne. Damals realisierte man es kaum, doch schrieb der gewählte Name der damals hierzulande noch wenig bekannten, gleichnamigen 70er-Jahre-Comedy-Serie der britischen Komikertruppe MONTY PYTHON den bis heute gültigen Bezug zu der Zeit der Schlaghosen und Batik-T-Shirts endgültig fest.
Dass es fast zwei Jahre dauerte, bis man sich das erste Mal in die Öffentlichkeit wagte, mag erstaunen, doch damals wie heute wollte die Band ihre Sache einfach gut machen. Abgesehen davon hatte sich die Geduld ausgezahlt: Ironischerweise hatten nämlich gerade die oben genannten kommerziellen End-80er-Bands mit ihren ungenierten, einfach in ein modernes Soundgewand gepackten LED ZEPPELIN-Anleihen den Boden für ein revitalisiertes Interesse an der Musik der 70er bereitet, und so nahm man den Sound von FLYING CIRCUS in der regionalen Musikszene mit offenen Armen auf.
Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich FLYING CIRCUS zu einer ebenso gefragten wie erfahrenen Live-Band, die es jedoch mit der Zeit langsam leid wurde, die immer gleichen Stücke auf Parties zum besten zu geben. Nummern wie 'Smoke on the Water', 'All Right Now' oder 'Born To Be Wild' kommen zwar irgendwie immer ganz gut an, stellen jedoch nach ungefähr anderthalb Mal Spielen nicht mehr gerade eine große Herausforderung dar, und so versuchte man bewusst, Pfade zu beschreiten, die noch nicht so ausgetreten waren.
Michael Rick öffnete mit seinem wachsenden Interesse an der akustischen Gitarre und Erfahrungen als Gastmusiker in einem Folk-Projekt für FLYING CIRCUS erstmals Türen auch in andere Richtungen als die des klassischen Hard Rocks, die Texte von Michael Dorp entfernten sich unter dem wachsenden Einfluss so verschiedener Lyriker wie Blake, Coleridge und T.S. Eliot immer mehr von den üblichen Rock'n'Roll-Lyrics, und mit Markus Erren konnte man 1994 einen Bassisten verpflichten, der mit seinem fanatischen Interesse an progressiver Rockmusik für die Band zu einer Art Katalysator auf dem Weg in die Richtung wurde, die sie verfolgen wollte.
Gemeinsam mit zwei Musikern, die der Band beide in vergangenen Zeiten als Bassisten gedient hatten (Lorenz Gelius-Laudam an der zweiten Gitarre und Harald Krause an den Keyboards) entwickelte man schließlich den größten Teil der Stücke, die dann Ende 1997 auf FLYING CIRCUS' Debüt-CD "Seasons" erschienen. Die nach wie vor vorhandenen, mitreißenden Heavy-Parts werden hier immer wieder durch psychedelische Klanggemälde oder lyrisch-folkige Parts ergänzt und schaffen so, eingebunden in teilweise recht komplexe Arrangements eine ganz eigene Mischung aus Hard- und Progressive Rock, was visuell durch die im CD-Booklet verwendeten, phantasievollen Bilder von Gitarrist Lorenz Gelius-Laudam ideal ergänzt und abgerundet wird.
Bei all ihrem Facettenreichtum repräsentiert die erste CD jedoch keineswegs den Endpunkt der Entwicklung von FLYING CIRCUS. Allein durch den Umstand, dass Keyboarder Harald Krause noch während der Aufnahmen zu "Seasons" aus Zeitgründen seinen Abschied von der Band erklärte und durch Mitproduzent Roger Weitz ersetzt wurde, haben sich weitere Veränderungen ergeben: Durch Weitz' langjährige Erfahrung auch in Bands aus dem Jazz-Rock-Bereich sind die neueren Stücke vor allem arrangementmäßig noch sehr viel dichter geworden. Wenn man Sänger Michael Dorp Glauben schenken kann, sind die beiden Pole, zwischen denen sich die Band bewegt, auf der kürzlich fertig gestellten zweiten CD "Out of the Waste Land" noch weiter verschmolzen: "Die neuen Stücke, die gemeinsam mit Roger entstanden sind, sind in keinem Moment mehr ENTWEDER Hard Rock ODER Progressive, sondern stets beides zugleich. Ich denke, wir nähern uns damit einer noch perfekteren Umsetzung der Vision, die wir jetzt schon seit längerer Zeit verfolgen und mittlerweile einfach immer konkreter fassen können." Eines wird sich allerdings sicherlich nicht ändern. Die Musik der 70er Jahre bleibt für FLYING CIRCUS nach wie vor ein Ideal, dem es nachzueifern gilt: "Was einerseits Bands wie LED ZEPPELIN oder BLACK SABBATH mit ihren abgedrehteren Songs, andererseits Bands wie PINK FLOYD, YES oder KING CRIMSON in ihren nachvollziehbareren Momenten geschaffen haben, sucht bis heute seinesgleichen. Wenn man derartiges verbinden könnte, wäre das Ergebnis sicherlich kaum noch zu übertreffen."
 

Georg

Alter Hase
Zum 30. Bandjubiläum bringen die Flying Circus ein selbstbetiteltes Album mit 15 Songs ihrer besten Sachen der vergangenen Jahre heraus:
 

Georg

Alter Hase
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pandeiro

Mitglied
„Westend“, so nennt sich das Debüt der Tausend Augen.
Bevor ich das Video sah, dachte ich schon Herwig Mitteregger hat ne neue Band :D
Mit nem Mix aus Postpunk und Krautrock hat auch unser Lieblingsmagazin die 3 entdeckt.
 

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