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    12

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Konstantin Wecker -Vaterland
Sonntag, 20. Juni, 3:10 Uhr, ich sehe im Forum, dass @DerGrobeWestfale robeWestfale von mir etwas zu Konstantin Wecker „Vaterland“ lesen möchte.
Mein erster Gedanke, eine Steilvorlage, doch heute stehen andere Dinge auf dem Programm und jetzt will ich erst mal „The Allman Brothers Band – At Fillmore East“ hören. Doch bereits während „Statesboro Blues“ läuft, läuft bei mir ein gigantisches Kopfkino ab.
Wann habe ich Konstantin Wecker eigentlich zum ersten Mal Live erlebt?
Ja, und dann ist da dieses Konzert 1996 zu seiner Studio-Veröffentlichung „Gamsig“. @Marifloyd berichtete mir damals, wie überragend die Live-Präsentation war und dann, dann wollte niemand Konstantin Wecker aufgrund seiner Drogenverfehlungen live sehen wollen. Mein Gott, wie verlogen war unsere Welt; nein, wie verlogen ist unsere Welt immer noch.
Ich weiß gar nicht genau, wie oft ich Konstantin Wecker live erleben durfte. In Erinnerung ist mir allerdings das ein oder andere spektakuläre Konzert, ob mit kleiner Besetzung oder gemeinsam Charlie Mariano oder später in den 2000er Jahren zusammen mit Hannes Wader. Wecker-Konzerte, die ich enttäuscht verlassen habe, sind mir nicht in Erinnerung.
Dabei fing für mich alles sehr langsam an, es war keine „Liebe“ auf den ersten Blick. Anfang der 70er Jahre gehörte für mich zu einem deutschen Liedermacher eine Gitarre und kein Klavier. Klavier war für mich die Verkörperung der Klassik und damit wollte ich nichts zu tun haben. Die ersten Veröffentlichungen „Die sadopoetischen Gesänge des Konstantin Amadeus Wecker“ (1973) und „Ich lebe immer am Strand“ (1974) waren für mich (zunächst) somit ohne jede Bedeutung. 1976 hörte ich dann bei „Weckerleuchten“, insbesondere bei „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ und „Laufen sie mal Amok“ schon etwas genauer hin. 1977 führte dann an „Genug ist nicht genug“ mit dem Titelsong, „Frieden im Land“ und dem mehr als neun minütigem Stück „Willy“ kein Weg mehr vorbei. Der Bann war gebrochen, Wecker hatte mir viel zu sagen. Seine Texte führten für mich dazu, viele Dinge in meinem Leben zu hinterfragen, auf den Prüfstand zu stellen (Oamoi von vorn ofanga).
1979 erschien das Live-Album „Live“. Vier LP-Seiten mit keiner Schwachstelle, dafür mit einer Intensität, die mir heute noch Gänsehautschauer über den Rücken treibt. Hinzu kommt, dass einige seiner Songs oder Darbietungen an Aktualität nichts verloren haben. In Erinnerung bringen möchte ich hier „Lösungslotterie“ oder „Habemus Papam“. Gerade jetzt vor der anstehenden Bundestagswahl mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass wir wirklich ein Kehrwende in der Politik benötigen, sehe ich, dass es der politischen Linken in der Republik nicht gelingen wird, die hierfür erforderliche Einigkeit herbei zu führen. Auch angesichts der aktuellen Situation der Kirchen wird es allmählich mal Zeit, dass diese ihr Kapital, ihr Vermögen an die zurück geben, die es verdient haben, die es benötigen, So wie es vielleicht tatsächlich ml gedacht war.
Der dritte Song der auf dieser LP damals wie heute meine ganze Aufmerksamkeit hatte und hat, war „Vaterland“. Wecker lässt den Buben seinem Vater die Frage stellen, ob er damals wirklich ein Sozi in den dreißiger Jahren war und sich im Widerstand befand. Ohne die Antwort abzuwarten, führt der Bub weiter aus, dass er sich für das Verhalten des Vaters schämt, da er von Recht und Ordnung träumt. Welch ein Zündstoff steckt in diesen Zeilen. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff „Vaterland“, im weitesten Sinne auch „Heimat“ . Die Aufarbeitung dieser Frage würde an dieser Stelle zu weit gehen, doch den zweiten Teil der Frage, ob er Sozi und im Widerstand war, erfüllt mich mit Traurigkeit, mit Wut und werfe die Gegenfrage auf; was ist aus der einst stolzen Sozialdemokratie geworden, deren Stellenwert einst die Verdienste von Curt Schumacher bis hin zu Willy Brandt kennzeichneten, deren Untergang mit der Abwendung vom Godesberger Programm und den Ziel des Demokratischen Sozialismus ihren Einstieg in den Untergang fand.
Der Vater, fast resignieren, erinnert sich an Kommunistenhatz, an Berufsverbote, an unser hochgelobtes Wirtschaftswunder und an Arbeitsnot.
Es bleibt die Frage, was hat sich verändert. Wir leben mitten in einer Pandemie,wir sehen und bekommen es tagtäglich in Magazinen aufgezeigt, wer die „Kriegsgewinnler“ sind. Was tun wir oder ich sollte mir viel mehr die Frage stellen, was tue ich. Okay, da war die ein oder andere Demo gegen TTIP, Friday for future oder Ostermärsche. Ich sehe die aufkommende Nazibrut als gewisse Bedrohung, atme durch, wenn sie nicht die Mehrheit bei einer Landtagswahl findet, doch Erzürne ich mich richtig? Was ist mit meiner Wut?
Schon damals hörten wir während unserer Kellerfeten Weckers „Vaterland“, tranken dabei unseren Rotwein, fühlten uns als Jungsozialisten, wenn wir die geballte Faust gehen Himmel reckten als die kleinen Revoluzzer, trotten aber ansonsten stets brave mit, wenn die „Herrschenden“ vorgaben, in welche Richtung es zu gehen hatte.
Ich merke, ich schweife ab, doch „Vaterland“ wirft damals wie heute für mich so verdammt viele Fragen auf. Wecker gelingt es mit diesem Song perfekt Text und Melodie in einen Einklang zu bringen, dass dieser Song damals wie heute unter die Haut gehen muss; unter die Haut geht. Doch irgendwie ist dies vielleicht doch zu wenig, vielleicht sollte da noch etwas mehr kommen.
Ich will es „kurz“ machen, dieser Song rüttelt auf. Er hätte gut und gern auch nochmals auf sein neues Album gepasst, doch vielleicht sollten wir uns alle mal wach rütteln, damit so manch schreckliche „Utopie“ nicht irgendwann einmal zu einem bösen Erwachen führt.
Ich bin begeistert. Ein einziges Lied, so viele gesellschaftliche Aspekte. Die erst mal in keinem kausalen Zusammenhang zum Lied stehen, aber "Vaterland" ist der Kernpunkt. Ist es noch das Land, in dem ich gerne lebe? Warum wehren sich viele aber noch zu wenige gegen die Verwerfungen in der Gesellschaft? Können wir den Karren nicht aus sondern durch den Dreck ziehen um dann auf einem holprigen und steilem Weg einem neuen "Vaterland" entgegenzufahren?
 

Georg

Alter Hase
Volle Zustimmung! Wieder, ja wieder einmal ganz toll geschrieben. Trifft voll und ganz meine Gefühle, die ich mit Konstantin Wecker und insbesondere mit diesem Song verbinde. Schade, dass der Song, der so ergreifend ist, und Deine Anmerkungen hierzu auf so wenig Leser und Resonanz trifft.
Ja, Mari, gelesen schon, aber wie soll ich das Geschriebene bewerten? Gefällt mir?: dass die gute alte Tante SPD soo tief gesunken ist? Es gibt ein "Gefällt mir" für die hervoragende geschichtliche Analyse der Entwicklung der SPD.
Wenn der Bundespräsident die Tage von 12 Millionen, durch deutsche Soldaten, ermordete Sowjetzivilisten berichtet, geht das dem Bürger hier rein und dort raus; währendessen possieren Politiker mit Stahlhelm in der ehemaligen Sowjetunion....und es wird über die Lieferung von "Verteidigungswaffen" spekuliert, welch ein Antonym, also keine Panzer, aber Panzerabwehrraketen?
Manch schreckliche „Utopie“ hat bereits zu bösem Erwachen geführt, als Alibi für diese neue Eskalationsstufe wird gerne der Umgang mit Systemkritikern im Osten genutzt. Uber Julien Assange und die rechtlos Gefangenen in Guantanamo macht sich schon lange niemand mehr Gedanken....
 
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Georg

Alter Hase
Ich bin begeistert. Ein einziges Lied, so viele gesellschaftliche Aspekte. Die erst mal in keinem kausalen Zusammenhang zum Lied stehen, aber "Vaterland" ist der Kernpunkt. Ist es noch das Land, in dem ich gerne lebe? Warum wehren sich viele aber noch zu wenige gegen die Verwerfungen in der Gesellschaft? Können wir den Karren nicht aus sondern durch den Dreck ziehen um dann auf einem holprigen und steilem Weg einem neuen "Vaterland" entgegenzufahren?
Tja, 1989/1990 haben wir die Chance verpasst...eine gemeinsame Verfassung war ja von KollegInnen von Demokratie Jetzt, Neues Forum, später Bündnis 90 und BRD-NGOs (Nichtregierungsorganisationen) schon recht weit fortgeschritten...., Die Losung der DDR-Bürgerechtler Konrad Weiß, Wolfgang Ullmann, Rudolf Bahro, Rainer Eppelmann, Robert Havemann, Stefan Heym und Millionen anderer) "Wir sind das Volk".
wurde auch mit Interesse in der BRD wahrgenommen, dann kam uns Kohl mit seinen "blühenden Landschaften" dazwischen....nix wars, mit einem neuen, basisdemokratischen Deutschland...
 
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Jester.D

Alter Hase
In der Tat kenne ich von Konstantin Wecker nur sehr wenig. Für mich war er irgendwie nie der klassische Liedermacher, aber auch kein Rocker, kein Poet und kein.....ja was denn nun ? Ich kenne ihn bis heute nur wegen seiner Kokain-Geschichten und habe bis heute...
... kein einziges Album. Es ist nicht so, dass ich ihn gar nicht mag, aber irgendwie haben wir musikalisch nie zusammengefunden. Es gibt aber ein Lied von ihm, eins!!, was ich sehr mag. Hier in einer interessanten Live-Umsetzung:

 

Alexboy

Aktives Mitglied
Natürlich war "der Wecker" - wie viele andere Liedermacher wie Degenhardt, Willy Michel, Schröders Roadshow, Arik Brauer u.v.a. - ab Mitte der 70er in unserer Region in jeder Sammlung vertreten und der "Willi" brachte auch mich zum weinen.
Da meine Ausrichtung in Sachen Album aber immer wenig in Richtung Text sondern in die der Musik ging, waren kaum Vertreter der o.a. Künstler in meinem Bestand, denn ich hörte rundum im Bekanntenkreis und bei Konzerten - für meine Verhältnisse - genug dieser politischen, kritischen und teilweise bewußtseinserweiternden Inhalte.
Trotzdem finde ich die Besprechung von @Andie Arbeit außerordentlich gelungen und kann vieles davon - rückblickend - nachvollziehen.
Genug war eben noch nie genug!:oops:
 

Marifloyd

Inventar

Crucchi Gang - Carta Bianca

@Andie Arbeit machte es mir wahrlich nicht leicht, als er mich hier mit den Worten „Für @Marifloyd dürfte dieser Song nicht schwer zu bewerten sein...“ in den Ring holte. Denn wer so packende Rezensionen wie er zu Papier bringt, bzw. ins Netz setzt, legt die Messlatte wahrlich hoch. Dennoch nehme ich die Aufgabe sehr gerne an, denn dabei sein ist alles.

Es ist schon fatal, wie es manchmal so läuft, denn am vergangenen Samstag nach dem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft setzten meine Frau und ich uns auf unsere Terrasse und genossen den warmen Sommerabend mit einem Caipirinha. Was noch fehlte war etwas Musik und so entschieden wir uns zu einer Playlist mit italienischem Schlager. Adriano Celentano, Tuto Cutugno, Paolo Conte, Gianna Nananni, Dean Martin u.v.a. ließen uns in unserer Hollywoodschaukel behutsam mitwippen. Die südlich anmutende Atmosphäre brachte uns gar dazu einige Refrain mitzusingen.

Und nun kommt Andie ins Spiel, als hätte er uns singen gehört, und stellt einen Song von Sven Regner in italienischer Sprache vor. Obwohl mir Andie von diesem Album vor einiger Zeit mal telefonisch etwas berichtete, hatte ich das Album der „Crucchi Gang“ nicht mehr auf dem Schirm.

Und um was geht es denn hier nun? Sven Regener (Element Of Crime) und Francesco Wilking (Die höchste Eisenbahn, Tele) hatten nach einem Bob Dylan Konzert beim Bier die Idee deutschsprachige Musiker italienisch die eigenen Songs singen zu lassen. Wilking kümmerte sich um die Übersetzung der Lieder. Einige der Künstler der „Crucchi Gang“, wie Thees Uhlmann, Sophie Hunger, Faber, Von wegen Lisbeth, Clueso, sind mir durchaus bekannt. Andere, wie Steiner & Madlaina, Francesco Wilking oder Françoise Cactus, habe ich nun, da ich mir das gesamte Album angehört habe, kennengelernt. Vorweg, das gesamte Album gefiel mir „molte buona“!

Sven Regner singt auf dem Album eine „una canzone popolare“ von Element Of Crime mit dem italienischen Titel „Carta Bianca“. Dieser Song dürfte jedem, der Element Of Crime schon mal gehört hat, sehr vertraut sein, denn er heißt wie das gleichnamige Album „Weißes Papier“. Bei meinem ersten Hördurchgang dachte ich zunächst: „Die Stimme kennst du doch. Die Melodie ist auch vertraut.“ Dann machte es Klick und deutlich, dass der Song in italienischer Sprache gesungen doch ganz anders rüberkommt. Er klingt nun nach abends am Strand sitzen, die Sonne untergehen sehen und dem Meeresrauschen lauschen. Er passt aber auch wunderbar zu einem romantischen italienischen Abendessen mit seiner Liebsten. Aber vielleicht auch dann, wenn Italien gegen Deutschland im EM Finale spielen sollte. :D
Ich bin froh, dass ich auf diesem Wege den Song, aber auch das Album, kennengelernt habe. Ein ganz feiner und „sommerlicher“ Tipp!

Und zum Vergleich die deutschsprachige Fassung von Element Of Crime.

 
Zuletzt bearbeitet:

Jester.D

Alter Hase
Einige der Künstler der „Crucchi Gang“, wie Thees Uhlmann, Sophie Hunger, Faber, Von wegen Lisbeth, ... sind mir durchaus bekannt. Andere, wie Steiner & Madlaina, Francesco Wilking oder Françoise Cactus, habe ich nun, da ich mir das gesamte Album angehört habe, kennengelernt.

Sven Regner singt auf dem Album eine „una canzone popolare“ von Element Of Crime mit dem italienischen Titel „Carta Bianca“.
Da bin ich mal sehr froh, dass dieser Kelch an mir vorbeigegangen ist.
:cool:
 

Andie Arbeit

Aktives Mitglied

Crucchi Gang - Carta Bianca

@Andie Arbeit machte es mir wahrlich nicht leicht, als er mich hier mit den Worten „Für @Marifloyd dürfte dieser Song nicht schwer zu bewerten sein...“ in den Ring holte. Denn wer so packende Rezensionen wie er zu Papier bringt, bzw. ins Netz setzt, legt die Messlatte wahrlich hoch. Dennoch nehme ich die Aufgabe sehr gerne an, denn dabei sein ist alles.

Es ist schon fatal, wie es manchmal so läuft, denn am vergangenen Samstag nach dem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft setzen meine Frau und ich uns auf unsere Terrasse und genossen den warmen Sommerabend mit einem Caipirinha. Was noch fehlte war etwas Musik und so entschieden wir uns zu einer Playlist mit italienischem Schlager. Adriano Celentano, Tuto Cutugno, Paolo Conte, Gianna Nananni, Dean Martin u.v.a. ließen uns in unserer Hollywoodschaukel behutsam mitwippen. Die südlich anmutende Atmosphäre brachte uns gar dazu einige Refrain mitzusingen.

Und nun kommt Andie ins Spiel, als hätte er uns singen gehört, und stellt einen Song von Sven Regner in italienischer Sprache vor. Obwohl mir Andie von diesem Album vor einiger Zeit mal telefonisch etwas berichtete, hatte ich das Album der „Crucchi Gang“ nicht mehr in auf den Schirm.

Und um was geht es denn hier nun. Sven Regener (Element Of Crime) und Francesco Wilking (Die höchste Eisenbahn, Tele) hatten nach einem Bob Dylan Konzert beim Bier die Idee deutschsprachige Musiker italienisch die eigenen Songs singen zu lassen. Wilking kümmerte sich um die Übersetzung der Lieder. Einige der Künstler der „Crucchi Gang“, wie Thees Uhlmann, Sophie Hunger, Faber, Von wegen Lisbeth, Clueso, sind mir durchaus bekannt. Andere, wie Steiner & Madlaina, Francesco Wilking oder Françoise Cactus, habe ich nun, da ich mir das gesamte Album angehört habe, kennengelernt. Vorweg, das gesamte Album gefiel mir „molte buona“!

Sven Regner singt auf dem Album eine „una canzone popolare“ von Element Of Crime mit dem italienischen Titel „Carta Bianca“. Dieser Song dürfte jedem, der Element Of Crime schon mal gehört hat, sehr vertraut sein, denn er heißt wie das gleichnamige Album „Weißes Papier“. Bei meinem ersten Hördurchgang dachte ich zunächst: „Die Stimme kennst du doch. Die Melodie ist auch vertraut.“ Dann machte es Klick und deutlich, dass der Song in italienischer Sprache gesungen doch ganz anders rüberkommt. Er klingt nun nach abends am Strand sitzen, die Sonne untergehen sehen und dem Meeresrauschen lauschen. Er passt aber auch wunderbar zu einem romantischen italienischen Abendessen mit seiner Liebsten. Aber auch, wenn Italien gegen Deutschland im EM Finale spielen sollte. :D
Ich bin froh, dass ich auf diesem Wege den Song, aber auch das Album, kennengelernt habe. Ein ganz feiner und „sommerlicher“ Tipp!

Und zum Vergleich die deutschsprachige Fassung von Element Of Crime.

Klasse!!!
 

Jester.D

Alter Hase
Okay, es geht los.

Zunächst war ich etwas irritiert und hatte das Ding vor Augen:



Okay, Synapsenfehler. Weiter. Moon Safari - die Band. Die Band. Aha. Ich kenne die nicht. Tante Wiki vermeldet
"Moon Safari are a Swedish progressive rock band formed in Skellefteå in 2003." Aha. Schweden und Prog. Mit beiden hab ich kein Problem, die Flower Kings kommen doch auch aus der Ecke, oder?

Ich lausche. Beim Gesang muss ich spontan zunächst an - sorry - Gilbert O'Sullivan denken, weshalb auch immer.
Der Song ist stark strukturiert, wechselt sprunghaft bei Melodie, Takt, Stimm-und Instrumenteneinsatz und auch bei den Stilmitteln. Immer wieder schimmern Anleihen diverser Bands durch - manchmal kommen Kansas um die Ecke, dann kommt ein breites Grinsen von Queen, auch Styx schauen mal eben vorbei und selbst die Landsmänner der Flower Kings sind nicht allzu weit. Tja, und insgesamt kommt mir das eher wie eine Prog-Parodie mit viel Harmoniegesang vor, bei der am Ende irgendeine britische Pop-Band allen die Zunge rausstreckt (in einer Rezension las ich was von Take That, ähm...).

Ich komme nochmal zum Gesang - am Ende steigert sich der Kollege und es klingt etwas mehr nach Rock - zuvor singt er aber wie ein Popsänger und schwebt mit der Stimme über einem Gemischtwarenladen diverser Stilzitate, der zwar hin und wieder ganz putzig und unterhaltsam klingt, aber letztendlich - ähnlich einem versalzenen bzw. überwürzten Eintopf - keinerlei Genuss bringt. In einer Eclipsed-Rezension stand übrigens etwas von der "seichten, verträumten Variante des Prog", welche die Band bedient. Das ist noch sehr nett formuliert. Die beiden ersten Alben sollen aber dessen ungeachtet ziemlich gut sein. Egal.

Fazit. Sorry - das gefällt mir überhaupt nicht.

Und mein Lieblingszitat zum kompletten Album, aus dem der Song hier stammt, zum Schluss:
"Wer aber mit einer CD leben kann, die vor Schmalz trieft und der Schwiegermutter ebenso gefällt wie der kleinen Schwester liegt mit „Lover’s End“ goldrichtig!

Okay, ich halte jetzt Ausschau nach einem Song und einem Kandidaten dazu.
 
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Georg

Alter Hase
Ich habe 3 CDs, habe Moon Safari live gesehen (engagierte Performance)... , habe es wirklich versucht, mir die Kapelle schön zu hören, hat alles nix genützt... :confused:
 

Marifloyd

Inventar
Hallo @Jester.D .
Ja, ich glaube, wir beide kommen mit unserem Musikgeschmack wohl eher nicht überein. Macht aber nichts. Mir gefällt Moon Safari jedenfalls. Ich höre da etwas ganz anderes als Du. Ich höre nicht Gilbert O'Sullivan, Styx, Kansas oder gar Take That. Ich höre hier Kreativität und viel musikalisches Können mit wunderschönen mehrstimmigen Gesang. Hier geht es nicht um Nachahmung.
Deine Kritik ist völlig in Ordnung, denn jeder hat nun mal seinen eigenen Geschmack und der deckt sich, zumindest was Moon Safari betrifft, absolut nicht mit meinem. Das ist absolut in Ordnung so.

Hier mal eine andere Meinung und zwar aus den "Babyblauen Prog Reviews". Diese entspricht eher meinem Empfinden, wenn ich Moon Safari höre.


"Moon Safari zählen zum vielversprechenden Prog-Nachwuchs aus Schweden. Sie stammen aus dem Dunstkreis der Flower Kings, da ihr Debütalbum von Flower Kings-Keyboarder Tomas Bodin produziert wurde. Ausgefeilte Gesangsarrangement mit ausgiebigem Gebrauch vielstimmiger Gesangsmelodien fallen auf, der Retrosound wird durch die Keyboards repräsentiert, die Saitenarbeit fokussiert zu einem erstaunlich hohen Prozentsatz auf akustische Gitarren. Das sind die offensichtlichsten Charakteristika, die auf diese junge Band zutreffen."


"Von: Nik Brückner (Rezension 2 von 2)

Dieser Band, diesem Album gelingt, woran viele Progbands scheitern: Eingängig zu sein, ohne doof zu sein. Klar, eingängig ist man nicht mit 17/8-Takten und krampfigen Melodien, die sich kein Mensch merken kann. Moon Safari gehen das Risiko ein, cheesy zu sein, und bestehen, weil sie die richtigen Entscheidungen treffen, die richtigen Vorbilder aufgreifen. Kitsch? Ja klar - aber mal ehrlich, der gesamte Retroprog, der gesamte Neoprog und große Teil des Progmetals sind kitschig, das gehört zur Definition des Genres dazu. Die Leichtigkeit ist es, die frühlingshafte - was für ein Wort! - Beschwingtheit, die den Charme dieser Musik ausmacht. Irgendwo zwischen Yes, oder besser: den drei, vier Wakeman-Klassikern, The Enid und den Beatles gelingt Moon Safari das Album, das die Flower Kings nie auf die Reihe kriegten. Wunderbar.

Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, dem sei das leichtfüßig-fröhliche und unglaublich proggige "Diamonds" empfohlen, oder "Mega Moon", ein veritables Mini-Musical mit wunderbarem mehrstimmigem Gesang im Stil wechselweise von Enid, Robbie Valentine und amerikanischen Vokalensembles der 50er-Jahre. Warum die Band in den USA populär ist? Deshalb.

Polyrhythmik? Gitarrengewitter? Trübe Texte, von trüber Stimme melodiearm vorgetragen? Wer braucht das schon, wenn es auch so geht.

Ach so. Stimmt. Können muss man's halt."
 
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Jester.D

Alter Hase
Hallo @Jester.D .
Ja, ich glaube, wir beide kommen mit unserem Musikgeschmack wohl eher nicht überein.
Also, Anliegen des Threads ist es ja gerade nicht, Geschmäcker abzugleichen, sondern eine Bewertung aus dem Blickwinkel des nominierten Users heraus zu jeweils einem Song zu erstellen. Ohne Ansehen der Person und des zu begutachtenden Objektes. Punkt.

Du hast das offensichtlich gerade sehr persönlich genommen. Das darfst du nicht. Du musst dich weder rechtfertigen, noch verteidigen. Dir gefällt es? Ist doch okay! Kein Problem.

Es ist übrigens auch wenig hilfreich, jetzt mit anderen Rezensionen dagegenzuhalten. Da könnten wir uns dann gleich auschließlich auf Zitate aus der Fachpresse stürzen. Es wird immer und für alles ein Für und Wider geben.

Anliegen ist es doch vielmehr auch, hier Songs/Interpreten vorzustellen, die eventuell jemand interessieren, der diese noch nicht kennt.

Also, bitte nicht übelnehmen und weiter mitmachen.
 

Marifloyd

Inventar
Also, Anliegen des Threads ist es ja gerade nicht, Geschmäcker abzugleichen, sondern eine Bewertung aus dem Blickwinkel des nominierten Users heraus zu jeweils einem Song zu erstellen. Ohne Ansehen der Person und des zu begutachtenden Objektes. Punkt.

Du hast das offensichtlich gerade sehr persönlich genommen. Das darfst du nicht. Du musst dich weder rechtfertigen, noch verteidigen. Dir gefällt es? Ist doch okay! Kein Problem.

Es ist übrigens auch wenig hilfreich, jetzt mit anderen Rezensionen dagegenzuhalten. Da könnten wir uns dann gleich auschließlich auf Zitate aus der Fachpresse stürzen. Es wird immer und für alles ein Für und Wider geben.

Anliegen ist es doch vielmehr auch, hier Songs/Interpreten vorzustellen, die eventuell jemand interessieren, der diese noch nicht kennt.

Also, bitte nicht übelnehmen und weiter mitmachen.
Ich habe hier lediglich meine Meinung zu Deiner Bewertung geäußert und das ist ja wohl in Ordnung. Das hat nichts mit übel nehmen oder rechtfertigen zu tun.
 

Catabolic

Alter Hase
Für mich waren, sind und bleiben Moon Safari eine der allerschönsten Hippie-Glückseligkeit-Positivgefühl-Symphonic-Wohlfühl-Sommerlust-Progrock Bands überhaupt. Die Band zieht konsequent das durch, was ich bei allen Neal Morse-Projekten - manchmal ansatzweise, manchmal konsequenter - durchscheinen höre. Die Band bedient fast schon gebetsmühlenartig ein Klischee, das seit jeher in den verkopften Gehirnen der Prog-Gemeinde verankert zu sein scheint: Viel zu viel Melodie, viel zu wenig Anspruch. Isso. Hat man nicht gerade Neal Morse immer wieder Komplimente gemacht für seine bisweilen an den Beatles-angelehnten Gesangsarrangements ? Also solche Arrangements höre ich bei Moon Safari in ganz vielen Songs. Ich finde, genau das hebt diese Band von so vielen steif-strategischen Progbands ab.

Moon Safari - alleine schon der absolut passende Bandname zu solcher Musik: Da sehe ich vor meinem geistigen Auge einen knallbunt bemalten Bulli, der am Strand im Sonnenuntergang leuchtet, während das Hippie-Pärchen, das damit unterwegs ist, im Sand sitzt und an einer perfekt gedrehten, wunderbar duftenden Tüte zieht.

Noch zu den genannten Gilbert O'Sullivan, Styx, Kansas und Take That: Mir gefällt da so richtig eigentlich nur Gilbert O'Sullivan. ;)

"Bluebells" von meinem Moon Safari-Lieblingsalbum "Blomljud" ist einer der schönsten Prog-Songs, die ich je gehört habe.

 
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DerGrobeWestfale

Alter Hase
Für mich waren, sind und bleiben Moon Safari eine der allerschönsten Hippie-Glückseligkeit-Positivgefühl-Symphonic-Wohlfühl-Sommerlust-Progrock Bands überhaupt. Die Band zieht konsequent das durch, was ich bei allen Neal Morse-Projekten - manchmal ansatzweise, manchmal konsequenter - durchscheinen höre. Die Band bedient fast schon gebetsmühlenartig ein Klischee, das seit jeher in den verkopften Gehirnen der Prog-Gemeinde verankert zu sein scheint: Viel zu viel Melodie, viel zu wenig Anspruch. Isso. Hat man nicht gerade Neal Morse immer wieder Komplimente gemacht für seine bisweilen an den Beatles-angelehnten Gesangsarrangements ? Also solche Arrangements höre ich bei Moon Safari in ganz vielen Songs. Ich finde, genau das hebt diese Band von so vielen steif-strategischen Progbands ab.

Moon Safari - alleine schon der absolut passende Bandname zu solcher Musik: Da sehe ich vor meinem geistigen Auge einen knallbunt bemalten Bulli, der am Strand im Sonnenuntergang leuchtet, während das Hippie-Pärchen, das damit unterwegs ist, im Sand sitzt und an einer perfekt gedrehten, wunderbar duftenden Tüte zieht.

Noch zu den genannten Gilbert O'Sullivan, Styx, Kansas und Take That: Mir gefällt da so richtig eigentlich nur Gilbert O'Sullivan. ;)

"Bluebells" von meinem Moon Safari-Lieblingsalbum "Blomljud" ist einer der schönsten Prog-Songs, die ich je gehört habe.

Jetzt habe ich Lust auf eine Hörprobe :)
 

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