Der Weltraum....unendliche Weiten......

Interessante Sache?


  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    12

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Diese komische Hip Hop Musik passt überhaupt nicht zur dramatischen Botschaft:
"Ich sah sie zu deinem Auto eilen
In einem Moment sind alle schreiend wild geworden
Bis die Dunkelheit das Licht tötete
Ich erinnere mich, dass ich zum Meer gelaufen bin
Die brennenden Häuser und die Bäume
Ich erinnere mich, dass ich zum Meer gelaufen bin
Allein und geblendet von der Angst
Und der Fluss fließt unter deiner Haut
Wie wilde Kräfte, die im Inneren gehalten werden
Und alles ist im Sand verschwendet
Wie Diamanten mit deiner Hand zu brechen
Ich erinnere mich, dass ich zum Meer gelaufen bin
Erinnere dich daran, auf meine Knie zu fallen
Ich erinnere mich, wie ich vom Ufer glitt
Bis ich den Meeresboden berührte
Und der Fluss fließt unter deiner Haut
Wie wilde Pferde, die drinnen gehalten werden
Und alles ist im Sand verschwendet
Wie Diamanten mit deiner Hand zu brechen
Und der Fluss wächst in mir.
und der Fluss...."
Liest sich wie ein apokalyptischer Albtraum.
 

The Wombat

Aktives Mitglied
Ob dieser Bandname in Island für Belustigung sorgt, weiß ich nicht. Mich allerdings hat er schon belustigt, zumal ein Bovist (griffiger Name?) wie folgt abgeleitet ist:
Wiki sagt: "Der Name Bovist ist vom frühneuhochdeutschen Wort vohenfist (aus „vohe“ Füchsin und „vist“ Bauchwind, also „Fähenfurz“ oder „Fuchsfurz“) abgeleitet, aber bald nicht mehr verstanden und zu Bovist latinisiert." :D
Ob die beiden Buben das wussten?
 

doombringer

Mitglied
die entscheidung ist doch schon jetzt gefallen. dieser song der britischen jadekrieger geht an den doomy!


also leg los... @doombringer ;)
Danke für die Nominierung. Die Band kannte ich vom Namen ,mit ihrer Musik
war ich noch nicht in Berührung gekommen. Das Stück hat etwas locker-flockiges.
Easy-Listening im guten Sinne. Congas und Querflöte und ein perlender Gitarrensound
lassen fast schon Beach-Vibes aufkommen. Zum Schluss entwickelt es sich in ein mit
tollem Gitarrensolo in ein orgiastisches Stück Jam-Rock erster Kajüte.
Wertung 8,5 von 10 .
PS . Tut mir leid wg. der verzögerten Antwort. Z.Zt. arbeite ich 12 - bis 14 Std. täglich.o_O

PPS . Mein abartiger Geschmack ist hier wohl bekannt (!?)
Als nächsten nominiere ich @DerGrobeWestfale mit disem
''kranken'' Geschepper

 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Danke für die Nominierung. Die Band kannte ich vom Namen ,mit ihrer Musik
war ich noch nicht in Berührung gekommen. Das Stück hat etwas locker-flockiges.
Easy-Listening im guten Sinne. Congas und Querflöte und ein perlender Gitarrensound
lassen fast schon Beach-Vibes aufkommen. Zum Schluss entwickelt es sich in ein mit
tollem Gitarrensolo in ein orgiastisches Stück Jam-Rock erster Kajüte.
Wertung 8,5 von 10 .
PS . Tut mir leid wg. der verzögerten Antwort. Z.Zt. arbeite ich 12 - bis 14 Std. täglich.o_O

PPS . Mein abartiger Geschmack ist hier wohl bekannt (!?)
Als nächsten nominiere ich @DerGrobeWestfale mit disem
''kranken'' Geschepper

:eek:
Ich wollte schon immer nach Lummerland auswandern
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Hier nun meine Meinung zu dem Titel bevor ich eingewiesen werde
Deutsch Nepal ist ein Titel von Amon Düül, der sich auf „Wolf City“ befindet. Weit gefehlt hat der oder die, wer nun auf Neo-Kraut oder Uralte Klänge in neuer Verpackung getippt hat. Zusammengefasst ist es ein weiteres Projekt und Pseudonym des schwedischen Ambient/Industrial Musikers Peter Andersson. Andere musikalische Beteiligungen wie Frozen Faces oder Lina Baby Doll sind für mich böhmische Großstädte. Das Andersson nebenbei noch das Metal-Label „Entartete Musikk“ betreibt, beruhigt auch nicht.

Die Auszeichnung „Generation der Klangkonstruktivisten der frühen 1990er Jahre“ mag der Klientel, die diese Art von Musik bevorzugt hört, als Leitfaden dienen. Mir hilft das nicht weiter, also hören.

Eine stille Belagerung kann bei kriegerischen Auseinandersetzungen eher zu Erfolg führen als lautes Geschrei. Im Falle dieses Titels kann von Belagerung weniger die Rede sein, als von Ohrenfolter. Repetive Monotonie, die in Guantánamo perfekt zu erzwungenem Schlafentzug, endlosen Stunden Verharrens in einer bestimmten Position gepasst hätte. Weniger dramatisch würde dieser Titel wie das gesamte Album, dass ich jetzt auch noch höre, perfekt zu Visual Arts Happenings auf der Documenta passen. Oder einem schlechten Trip.

Die damalige Radikalität der Krupps(Stahlwerksymphonie), Metal Machine Music von Lou Reed, La Monte Young und das alles nochmals auf die extremst mögliche Spitze getrieben. Das ist meine Definition des gehörten!
 

Georg

Alter Hase
Hier nun meine Meinung zu dem Titel bevor ich eingewiesen werde
Deutsch Nepal ist ein Titel von Amon Düül, der sich auf „Wolf City“ befindet. Weit gefehlt hat der oder die, wer nun auf Neo-Kraut oder Uralte Klänge in neuer Verpackung getippt hat. Zusammengefasst ist es ein weiteres Projekt und Pseudonym des schwedischen Ambient/Industrial Musikers Peter Andersson. Andere musikalische Beteiligungen wie Frozen Faces oder Lina Baby Doll sind für mich böhmische Großstädte. Das Andersson nebenbei noch das Metal-Label „Entartete Musikk“ betreibt, beruhigt auch nicht.

Die Auszeichnung „Generation der Klangkonstruktivisten der frühen 1990er Jahre“ mag der Klientel, die diese Art von Musik bevorzugt hört, als Leitfaden dienen. Mir hilft das nicht weiter, also hören.

Eine stille Belagerung kann bei kriegerischen Auseinandersetzungen eher zu Erfolg führen als lautes Geschrei. Im Falle dieses Titels kann von Belagerung weniger die Rede sein, als von Ohrenfolter. Repetive Monotonie, die in Guantánamo perfekt zu erzwungenem Schlafentzug, endlosen Stunden Verharrens in einer bestimmten Position gepasst hätte. Weniger dramatisch würde dieser Titel wie das gesamte Album, dass ich jetzt auch noch höre, perfekt zu Visual Arts Happenings auf der Documenta passen. Oder einem schlechten Trip.

Die damalige Radikalität der Krupps(Stahlwerksymphonie), Metal Machine Music von Lou Reed, La Monte Young und das alles nochmals auf die extremst mögliche Spitze getrieben. Das ist meine Definition des gehörten!
Das gefällt mir : " Weniger dramatisch würde dieser Titel wie das gesamte Album, dass ich jetzt auch noch höre, perfekt zu Visual Arts Happenings auf der Documenta passen."
 

doombringer

Mitglied
Hier nun meine Meinung zu dem Titel bevor ich eingewiesen werde
Deutsch Nepal ist ein Titel von Amon Düül, der sich auf „Wolf City“ befindet. Weit gefehlt hat der oder die, wer nun auf Neo-Kraut oder Uralte Klänge in neuer Verpackung getippt hat. Zusammengefasst ist es ein weiteres Projekt und Pseudonym des schwedischen Ambient/Industrial Musikers Peter Andersson. Andere musikalische Beteiligungen wie Frozen Faces oder Lina Baby Doll sind für mich böhmische Großstädte. Das Andersson nebenbei noch das Metal-Label „Entartete Musikk“ betreibt, beruhigt auch nicht.

Die Auszeichnung „Generation der Klangkonstruktivisten der frühen 1990er Jahre“ mag der Klientel, die diese Art von Musik bevorzugt hört, als Leitfaden dienen. Mir hilft das nicht weiter, also hören.

Eine stille Belagerung kann bei kriegerischen Auseinandersetzungen eher zu Erfolg führen als lautes Geschrei. Im Falle dieses Titels kann von Belagerung weniger die Rede sein, als von Ohrenfolter. Repetive Monotonie, die in Guantánamo perfekt zu erzwungenem Schlafentzug, endlosen Stunden Verharrens in einer bestimmten Position gepasst hätte. Weniger dramatisch würde dieser Titel wie das gesamte Album, dass ich jetzt auch noch höre, perfekt zu Visual Arts Happenings auf der Documenta passen. Oder einem schlechten Trip.

Die damalige Radikalität der Krupps(Stahlwerksymphonie), Metal Machine Music von Lou Reed, La Monte Young und das alles nochmals auf die extremst mögliche Spitze getrieben. Das ist meine Definition des gehörten!
(hihihi) Du siehst (bzw .hörst ) das Geschmäcker total verschieden sind.
Dabei hab ich für Dich noch ein relativ zahmes Stück ausgesucht.:)
Vielleicht kennst Du ja Peter Andersson's Ambient-Projekt Raison d`Etre ?
Deutsch Nepal und Frozen Faces 'funktionieren' übrigens hervorragend bei SM-Sessions :eek:
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
(hihihi) Du siehst (bzw .hörst ) das Geschmäcker total verschieden sind.
Dabei hab ich für Dich noch ein relativ zahmes Stück ausgesucht.:)
Vielleicht kennst Du ja Peter Andersson's Ambient-Projekt Raison d`Etre ?
Deutsch Nepal und Frozen Faces 'funktionieren' übrigens hervorragend bei SM-Sessions :eek:
Reicht, so oder so. Marquis de Sade heisse ich im übrigen auch nicht.
 

Andie Arbeit

Aktives Mitglied
Für Andie Arbeit oder falls das Wetter es nicht zulässt, bitte weiterreichen

Konstantin Wecker -Vaterland
Sonntag, 20. Juni, 3:10 Uhr, ich sehe im Forum, dass @DerGrobeWestfale von mir etwas zu Konstantin Wecker „Vaterland“ lesen möchte.
Mein erster Gedanke, eine Steilvorlage, doch heute stehen andere Dinge auf dem Programm und jetzt will ich erst mal „The Allman Brothers Band – At Fillmore East“ hören. Doch bereits während „Statesboro Blues“ läuft, läuft bei mir ein gigantisches Kopfkino ab.
Wann habe ich Konstantin Wecker eigentlich zum ersten Mal Live erlebt?
Ja, und dann ist da dieses Konzert 1996 zu seiner Studio-Veröffentlichung „Gamsig“. @Marifloyd berichtete mir damals, wie überragend die Live-Präsentation war und dann, dann wollte niemand Konstantin Wecker aufgrund seiner Drogenverfehlungen live sehen wollen. Mein Gott, wie verlogen war unsere Welt; nein, wie verlogen ist unsere Welt immer noch.
Ich weiß gar nicht genau, wie oft ich Konstantin Wecker live erleben durfte. In Erinnerung ist mir allerdings das ein oder andere spektakuläre Konzert, ob mit kleiner Besetzung oder gemeinsam Charlie Mariano oder später in den 2000er Jahren zusammen mit Hannes Wader. Wecker-Konzerte, die ich enttäuscht verlassen habe, sind mir nicht in Erinnerung.
Dabei fing für mich alles sehr langsam an, es war keine „Liebe“ auf den ersten Blick. Anfang der 70er Jahre gehörte für mich zu einem deutschen Liedermacher eine Gitarre und kein Klavier. Klavier war für mich die Verkörperung der Klassik und damit wollte ich nichts zu tun haben. Die ersten Veröffentlichungen „Die sadopoetischen Gesänge des Konstantin Amadeus Wecker“ (1973) und „Ich lebe immer am Strand“ (1974) waren für mich (zunächst) somit ohne jede Bedeutung. 1976 hörte ich dann bei „Weckerleuchten“, insbesondere bei „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ und „Laufen sie mal Amok“ schon etwas genauer hin. 1977 führte dann an „Genug ist nicht genug“ mit dem Titelsong, „Frieden im Land“ und dem mehr als neun minütigem Stück „Willy“ kein Weg mehr vorbei. Der Bann war gebrochen, Wecker hatte mir viel zu sagen. Seine Texte führten für mich dazu, viele Dinge in meinem Leben zu hinterfragen, auf den Prüfstand zu stellen (Oamoi von vorn ofanga).
1979 erschien das Live-Album „Live“. Vier LP-Seiten mit keiner Schwachstelle, dafür mit einer Intensität, die mir heute noch Gänsehautschauer über den Rücken treibt. Hinzu kommt, dass einige seiner Songs oder Darbietungen an Aktualität nichts verloren haben. In Erinnerung bringen möchte ich hier „Lösungslotterie“ oder „Habemus Papam“. Gerade jetzt vor der anstehenden Bundestagswahl mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass wir wirklich ein Kehrwende in der Politik benötigen, sehe ich, dass es der politischen Linken in der Republik nicht gelingen wird, die hierfür erforderliche Einigkeit herbei zu führen. Auch angesichts der aktuellen Situation der Kirchen wird es allmählich mal Zeit, dass diese ihr Kapital, ihr Vermögen an die zurück geben, die es verdient haben, die es benötigen, So wie es vielleicht tatsächlich ml gedacht war.
Der dritte Song der auf dieser LP damals wie heute meine ganze Aufmerksamkeit hatte und hat, war „Vaterland“. Wecker lässt den Buben seinem Vater die Frage stellen, ob er damals wirklich ein Sozi in den dreißiger Jahren war und sich im Widerstand befand. Ohne die Antwort abzuwarten, führt der Bub weiter aus, dass er sich für das Verhalten des Vaters schämt, da er von Recht und Ordnung träumt. Welch ein Zündstoff steckt in diesen Zeilen. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff „Vaterland“, im weitesten Sinne auch „Heimat“ . Die Aufarbeitung dieser Frage würde an dieser Stelle zu weit gehen, doch den zweiten Teil der Frage, ob er Sozi und im Widerstand war, erfüllt mich mit Traurigkeit, mit Wut und werfe die Gegenfrage auf; was ist aus der einst stolzen Sozialdemokratie geworden, deren Stellenwert einst die Verdienste von Curt Schumacher bis hin zu Willy Brandt kennzeichneten, deren Untergang mit der Abwendung vom Godesberger Programm und den Ziel des Demokratischen Sozialismus ihren Einstieg in den Untergang fand.
Der Vater, fast resignieren, erinnert sich an Kommunistenhatz, an Berufsverbote, an unser hochgelobtes Wirtschaftswunder und an Arbeitsnot.
Es bleibt die Frage, was hat sich verändert. Wir leben mitten in einer Pandemie,wir sehen und bekommen es tagtäglich in Magazinen aufgezeigt, wer die „Kriegsgewinnler“ sind. Was tun wir oder ich sollte mir viel mehr die Frage stellen, was tue ich. Okay, da war die ein oder andere Demo gegen TTIP, Friday for future oder Ostermärsche. Ich sehe die aufkommende Nazibrut als gewisse Bedrohung, atme durch, wenn sie nicht die Mehrheit bei einer Landtagswahl findet, doch Erzürne ich mich richtig? Was ist mit meiner Wut?
Schon damals hörten wir während unserer Kellerfeten Weckers „Vaterland“, tranken dabei unseren Rotwein, fühlten uns als Jungsozialisten, wenn wir die geballte Faust gehen Himmel reckten als die kleinen Revoluzzer, trotten aber ansonsten stets brave mit, wenn die „Herrschenden“ vorgaben, in welche Richtung es zu gehen hatte.
Ich merke, ich schweife ab, doch „Vaterland“ wirft damals wie heute für mich so verdammt viele Fragen auf. Wecker gelingt es mit diesem Song perfekt Text und Melodie in einen Einklang zu bringen, dass dieser Song damals wie heute unter die Haut gehen muss; unter die Haut geht. Doch irgendwie ist dies vielleicht doch zu wenig, vielleicht sollte da noch etwas mehr kommen.
Ich will es „kurz“ machen, dieser Song rüttelt auf. Er hätte gut und gern auch nochmals auf sein neues Album gepasst, doch vielleicht sollten wir uns alle mal wach rütteln, damit so manch schreckliche „Utopie“ nicht irgendwann einmal zu einem bösen Erwachen führt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Marifloyd

Inventar
Konstantin Wecker -Vaterland
Sonntag, 20. Juni, 3:10 Uhr, ich sehe im Forum, dass @DerGrobeWestfale robeWestfale von mir etwas zu Konstantin Wecker „Vaterland“ lesen möchte.
Mein erster Gedanke, eine Steilvorlage, doch heute stehen andere Dinge auf dem Programm und jetzt will ich erst mal „The Allman Brothers Band – At Fillmore East“ hören. Doch bereits während „Statesboro Blues“ läuft, läuft bei mir ein gigantisches Kopfkino ab.
Wann habe ich Konstantin Wecker eigentlich zum ersten Mal Live erlebt?
Ja, und dann ist da dieses Konzert 1996 zu seiner Studio-Veröffentlichung „Gamsig“. @Marifloyd berichtete mir damals, wie überragend die Live-Präsentation war und dann, dann wollte niemand Konstantin Wecker aufgrund seiner Drogenverfehlungen live sehen wollen. Mein Gott, wie verlogen war unsere Welt; nein, wie verlogen ist unsere Welt immer noch.
Ich weiß gar nicht genau, wie oft ich Konstantin Wecker live erleben durfte. In Erinnerung ist mir allerdings das ein oder andere spektakuläre Konzert, ob mit kleiner Besetzung oder gemeinsam Charlie Mariano oder später in den 2000er Jahren zusammen mit Hannes Wader. Wecker-Konzerte, die ich enttäuscht verlassen habe, sind mir nicht in Erinnerung.
Dabei fing für mich alles sehr langsam an, es war keine „Liebe“ auf den ersten Blick. Anfang der 70er Jahre gehörte für mich zu einem deutschen Liedermacher eine Gitarre und kein Klavier. Klavier war für mich die Verkörperung der Klassik und damit wollte ich nichts zu tun haben. Die ersten Veröffentlichungen „Die sadopoetischen Gesänge des Konstantin Amadeus Wecker“ (1973) und „Ich lebe immer am Strand“ (1974) waren für mich (zunächst) somit ohne jede Bedeutung. 1976 hörte ich dann bei „Weckerleuchten“, insbesondere bei „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ und „Laufen sie mal Amok“ schon etwas genauer hin. 1977 führte dann an „Genug ist nicht genug“ mit dem Titelsong, „Frieden im Land“ und dem mehr als neun minütigem Stück „Willy“ kein Weg mehr vorbei. Der Bann war gebrochen, Wecker hatte mir viel zu sagen. Seine Texte führten für mich dazu, viele Dinge in meinem Leben zu hinterfragen, auf den Prüfstand zu stellen (Oamoi von vorn ofanga).
1979 erschien das Live-Album „Live“. Vier LP-Seiten mit keiner Schwachstelle, dafür mit einer Intensität, die mir heute noch Gänsehautschauer über den Rücken treibt. Hinzu kommt, dass einige seiner Songs oder Darbietungen an Aktualität nichts verloren haben. In Erinnerung bringen möchte ich hier „Lösungslotterie“ oder „Habemus Papam“. Gerade jetzt vor der anstehenden Bundestagswahl mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass wir wirklich ein Kehrwende in der Politik benötigen, sehe ich, dass es der politischen Linken in der Republik nicht gelingen wird, die hierfür erforderliche Einigkeit herbei zu führen. Auch angesichts der aktuellen Situation der Kirchen wird es allmählich mal Zeit, dass diese ihr Kapital, ihr Vermögen an die zurück geben, die es verdient haben, die es benötigen, So wie es vielleicht tatsächlich ml gedacht war.
Der dritte Song der auf dieser LP damals wie heute meine ganze Aufmerksamkeit hatte und hat, war „Vaterland“. Wecker lässt den Buben seinem Vater die Frage stellen, ob er damals wirklich ein Sozi in den dreißiger Jahren war und sich im Widerstand befand. Ohne die Antwort abzuwarten, führt der Bub weiter aus, dass er sich für das Verhalten des Vaters schämt, da er von Recht und Ordnung träumt. Welch ein Zündstoff steckt in diesen Zeilen. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff „Vaterland“, im weitesten Sinne auch „Heimat“ . Die Aufarbeitung dieser Frage würde an dieser Stelle zu weit gehen, doch den zweiten Teil der Frage, ob er Sozi und im Widerstand war, erfüllt mich mit Traurigkeit, mit Wut und werfe die Gegenfrage auf; was ist aus der einst stolzen Sozialdemokratie geworden, deren Stellenwert einst die Verdienste von Curt Schumacher bis hin zu Willy Brandt kennzeichneten, deren Untergang mit der Abwendung vom Godesberger Programm und den Ziel des Demokratischen Sozialismus ihren Einstieg in den Untergang fand.
Der Vater, fast resignieren, erinnert sich an Kommunistenhatz, an Berufsverbote, an unser hochgelobtes Wirtschaftswunder und an Arbeitsnot.
Es bleibt die Frage, was hat sich verändert. Wir leben mitten in einer Pandemie,wir sehen und bekommen es tagtäglich in Magazinen aufgezeigt, wer die „Kriegsgewinnler“ sind. Was tun wir oder ich sollte mir viel mehr die Frage stellen, was tue ich. Okay, da war die ein oder andere Demo gegen TTIP, Friday for future oder Ostermärsche. Ich sehe die aufkommende Nazibrut als gewisse Bedrohung, atme durch, wenn sie nicht die Mehrheit bei einer Landtagswahl findet, doch Erzürne ich mich richtig? Was ist mit meiner Wut?
Schon damals hörten wir während unserer Kellerfeten Weckers „Vaterland“, tranken dabei unseren Rotwein, fühlten uns als Jungsozialisten, wenn wir die geballte Faust gehen Himmel reckten als die kleinen Revoluzzer, trotten aber ansonsten stets brave mit, wenn die „Herrschenden“ vorgaben, in welche Richtung es zu gehen hatte.
Ich merke, ich schweife ab, doch „Vaterland“ wirft damals wie heute für mich so verdammt viele Fragen auf. Wecker gelingt es mit diesem Song perfekt Text und Melodie in einen Einklang zu bringen, dass dieser Song damals wie heute unter die Haut gehen muss; unter die Haut geht. Doch irgendwie ist dies vielleicht doch zu wenig, vielleicht sollte da noch etwas mehr kommen.
Ich will es „kurz“ machen, dieser Song rüttelt auf. Er hätte gut und gern auch nochmals auf sein neues Album gepasst, doch vielleicht sollten wir uns alle mal wach rütteln, damit so manch schreckliche „Utopie“ nicht irgendwann einmal zu einem bösen Erwachen führt.
Volle Zustimmung! Wieder, ja wieder einmal ganz toll geschrieben. Trifft voll und ganz meine Gefühle, die ich mit Konstantin Wecker und insbesondere mit diesem Song verbinde. Schade, dass der Song, der so ergreifend ist, und Deine Anmerkungen hierzu auf so wenig Leser und Resonanz trifft.
 

Catabolic

Alter Hase
In der Tat kenne ich von Konstantin Wecker nur sehr wenig. Für mich war er irgendwie nie der klassische Liedermacher, aber auch kein Rocker, kein Poet und kein.....ja was denn nun ? Ich kenne ihn bis heute nur wegen seiner Kokain-Geschichten und habe bis heute nur ein einziges Album von ihm in meiner Sammlung. Das heisst "Live" und ist ein Doppelalbum von 1979, das ich mir damals vor allem wegen dem Titel "Genug ist nicht genug" gekauft hatte. Ansonsten ist er für mich bis heute....komplett unbekannt. :(
 

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