Coole Cover-Songs

Dandysaurus Rex

Aktives Mitglied
Poison Ivys mächtiger Gitarrensound ist natürlich prädestiniert für so ein Cover

Am besten ueber Standlautsprecher oder richtig gute Kopfhörer abspielen.
 

Marifloyd

Inventar
Eine lange Dylan-Nacht
Gestern Abend zog ich mal wieder die 1971-ziger LP „Werdohl“ von „Ihre Kinder“ aus dem Regal. An fünf der neun Stücke war Ernst Schultz beteiligt. Er spielte bei „Ihre Kinder“ die Gitarre, betätigte den Bass und nahm hier und da auch die Mandoline in die Hand.
Von „Werdohl“ zu den Schultz-Platten „Glückliche Verlierer“ (1982) und „Irgendsoein Lied“ (1977) mit dem Titel „Meistersinger“ war es nur ein kleiner Schritt von dort bis zum Werk aus dem Jahre 2008. Ernst Schultz versuchte sich an den Titeln von Bob Dylan, übertrug ins deutsch und interpretierte sie nahe am Original jedoch auf seine sich im ganz eigene Art. Um es gleich zu sagen, für mich ist dies Deutschrock und Dylan-Cover allererster Güte.
In einer Rezension zur Veröffentlichung (leider nur als CD erhältlich) las ich, dass sich nicht viele Interpreten, respektive Rockmusiker versucht haben, Dylan zu übersetzen und würdevoll darzubieten. Als geschlossene Dylan-Cover sind mir lediglich Wolfgang Ambros „Wie im Schlaf“ (1978) sowie Wolfgang Niedecken „Leopardefell“ 1985 bekannt.
Okay, da mögen irgendwo im Musikuniversum noch einige Titel umschwirren, als geschlossene Werke finde ich nur die hier erwähnten.
Also habe ich mir diese LPs bzw. CDs rausgeholt und mal laufen lassen. Um diese Aufnahmen in einen internationalen Vergleich zu setzen zog ich auch noch die Scheiben „Any Day now“, Joan Baez singt Bob Dylan (1974) als auch Bryan Ferry's „Dylanesque“ aus dem Regal.
Mit diesen beiden Scheiben möchte ich mich jedoch nicht weiter beschäftigen. Für mich ist dieses Baez-Doppelalbum eines der besten Joan Baez Werke, doch fällt es im Vergleich zu Schultz, Ambros und Niedecken krass ab. Ferry's „Dylanesque“ kann man schön laufen lassen, stört und nervt nicht, ist meines Erachtens jedoch sehr weichgespült. Diesem Album fehlen die Ecken und Kanten. Also hörte ich mir die 20 Schultz, 17 Niedecken und zehn Ambros-Songs in Gänze genauer an. Es begann eine lange Dylan-Nacht ohne den Großmeister.
Wolfgang Ambros „Wie im Schlaf“
Von Wolfgang Ambros befinden sich in meinem Regal 29 Langspielplatten und CDs. Lediglich zwei Veröffentlichungen habe ich sowohl als LP als auch als CD. Dies sind „Wie im Schlaf“ und wie die im Jahr drauf erschienene Live-DLP „…auf ana langen, finstr'n Stroß'n“. Gerade noch ein Satz zu dieser Live-LP. Fünf der 18 Songs stammen von „Wie im Schlaf“ und Ambros präsentiert diese in einer Art und Weise, die heute noch unter die Haut geht und Gänsehautfeeling heraufbeschwört. Dabei verbindet er seine Dylan-Cover und seine eigenen Songs auf schlicht geniale Art und Weise. Für mich ein ganz überzeugendes Album, welches einen eindrucksvollen Beweis dafür ablegt, dass live eben live sein muss und auf die Verwendungen jeglicher Overdubs verzichtet werden kann.
„Wie im Schlaf“ besticht zunächst einmal durch ein fantastisches Cover, wobei die Schönheit dieser Veröffentlichung lediglich in der LP-Version voll zum Tragen kommt.
Ambros war einer der ersten deutschsprachigen Musiker, die sich an Dylans Werke trauten. Er bediente sich der Texte Bob Dylans, die er lediglich als Vorlage nutzte und ersetze sie komplett mit eigenständigen Worten. Das Album wird in der Fachwelt mit dem Superlativ „legendär“ umschrieben und wird damit der Veröffentlichung vollauf gerecht. Mit seinen Texten ist Ambros vor knapp 40 Jahren ein Meilenstein, ja ein Meisterwerk gelungen, welches noch heute frisch und prickelnd klingt. Ich möchte nicht wissen, wie viele unglücklich Verliebte damals durch ihre Wohnung grölten „Na, na i bin's ned und i bin's ned und i bin's ned“. Highlights der LP sind zweifelsohne „Alan wia a Stan“ (Like a Rolling Stone“ und „Denk ned moch“ (Don't think twice) und gehören noch heute zum Repertoire des Interpreten.
Meine persönlichen „Hits“ dieser Scheibe sind „Des Sandler's Flucht“ (Drifter's Escape) und „Früher oder später“ (One of uns must know).
Insgesamt ist „Wie im Schlaf“ eine LP von einer Genialität, die Ambros zuvor und auch später in diesem Masse nie wieder erreicht hat. Meines Erachtens hat Ambros an ein solches Werk erst wieder angeklopft, als er im Jahr 2000 auf seiner Veröffentlichung „Nach mir die Sintflut“ Interpretationen von Tom Waits herausbrachte.
Jedenfalls hat „Wie im Schlaf“ keinen Schwachpunkt.
Mittlerweile wurde „Wie im Schlaf“ neu aufgelegt. Aus der einfachen LP-Einsteckhülle wurde ein feines Gatefold-Cover und der Sound wurde aufgefrischt und klingt transparenter.
Damals wie heute ist „Wie im Schlaf“ eine ganz feine Mucke, die immer wieder gut zu hören.
Wolfgang Niedecken „Leopardefell“
Ich sage es gleich vorweg; wenngleich in im Besitz von allen BAP-Veröffentlichungen bin, so bin ich weit davon entfernt mich als BAP-Fan outen zu müssen.
Niedecken war für mich immer überzeugend, wenn er als „Wolfgang Niedecken“ aufgetreten und nicht als „BAP“. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Im vergangenem Jahr war ich vom Live-Auftritt sowie der damaligen Veröffentlichung „Lebenslänglich“ schwer angetan. Überzeugend für mich auch das BAP-Album „Da Capo“ mit dem Highlight „Op dä Deckel vum Clown“. Unübertroffen allerdings mit seinen „Complizen“ ist die Veröffentlichung „Schlagzeiten“ mit dem tollen Song „Maat et joot“.
Sieben Jahre später dann, befasste sich Niedecken auf einer kompletten CD mit den Songs seines Idols.
Brav bedankt sich Niedecken bei seinen einführenden Worten bei „BAP“ für die Freistellung zu diesem Projekt mit der „Leopardenfellband“, wenngleich die Musik Niedeckens musikalischen Background nicht ganz verheimlichen kann. Die Zusammenarbeit mit Carl Carlton ergibt für mich einen gewissen besonderen Kick. (Übrigens: Carlton hat gerade in diesem Jahr ein tolles Live-Album herausgebracht.)
Auffallend ist, dass sich Niedecken insgesamt 17 Dylan-Titel herauspickte, die nicht unbedingt als die Dylan-Hits angesehen werden müssen. Klar sind da Titel wie „Unfassbar viel Regen“ (A Hard Rain's a-gonna fall), „Das bin ich nicht“ (It ain't me babe) und „Jeder ist manchmal einsam, nicht nur du“ (It's all over now, Baby Blue), wobei gerade diese Songs auch irgendwie geprägt sind. Die vielen guten Covers von „It ain't me babe“ muss ich hier nicht explizit erwähnen; auf „I bin's ned“ ging ich ja bereits ein. Mit „It's all over now“ ist der geneigte Hörer/Hörerin schnell gedanklich bei „Them“ und Van Morrison.
Egal wie, Niedecken umschifft diese Klippen perfekt, bringt Dylan in einer ihm (Niedecken) eigenen Interpretation. „A hard rain's a-gonna fall“ ist ein perfekter Opener.
Doch da sind auch noch einige andere Sachen, die man nicht jeden Tag hört.
Für mich ist das absolute Highlight dieser CD „Da Joker danz“. Dabei muss ich immer an die Vorstellung der LP „Infidels“ von Peter Rüchel im WDR denken.
Fazit:
Niedecken ging mit der Interpretation von Dylan-Songs 17 Jahre nach Ambros ein gewisses Wagnis ein; es gab eine perfekte deutsche Veröffentlichung und es gab mittlerweile viele gute internationale Cover-Versionen. Wer Niedecken damals unterstellte, er wolle nur mit dem Namen „Dylan“ Geld machen, lag und liegt falsch. Eigentlich konnte er nur verlieren, doch er gewann. Niedecken ist die Gradwanderung perfekt gelungen.
Im gelang wie Ambros der Beweis, dass Dylan auch in deutscher Sprache perfekt funktioniert.
Ernst Schultz „Es ändern sich die Zeiten“
Das mittlerweile auch schon mehr als zehn Jahre alte Werke vom inzwischen fast 77-jährigen Ernst Schultz ist mit 20 Songs die umfassendste deutsche Dylan-Veröffentlichung.
Diesen Wunsch erfüllte sich Schultz zu seinem 65. Geburtstag, denn auch bei ihm lagen die Hürden, die vom Großmeister aufgestellt werden, hoch. Sämtliche Texte müssen stets wieder ins Englische zurückübersetzt und genehmigt werden. So geschehen, doch bis es soweit war, verging Zeit, viel Zeit. Für Schultz, der sich mit diesem Projekt schon zwanzig Jahre beschäftigte, kein Problem. Die Genehmigung kam.
Wie bereits Ambros und Niedecken, so versuchte auch Schultz bei seinen Texten und seiner Interpretation den Liedern seine persönliche Note einzuhauchen. Aus „Absolutely Sweet Marie“ wurde schlicht „Süßmarie“, aus „It’s All Over now Baby Blue“ wurde schlicht „So leicht flieht man nicht von hier“.
Hatte es Ambros noch einfach, da es so gut wie keine deutschen Dylan-Songs gab, so wird und wurde es mit der Zeit immer schwieriger. Einerseits sollte es am Wiedererkennungswert nicht fehlen, anderseits durfte die Musik nicht beliebig werden. Diese Aufgabe löst Schultz vorzüglich. Er bedient sich Standards wie „The Times they are a-changing“ und „It's all over now Baby Blue“, packt aber auch Songs wie „All along the Watchtower“ und „Master of war“ an.
Diese CD hat zwanzig absolut hörenswerte Songs. Mein Highlight „Oben auf'm Wachturm“. Einfach klasse gemacht.
Insgesamt sind dies drei deutsche Dylan Veröffentlichungen, die es verdient haben, sich immer mal wieder im CD-Player zu drehen. Es sind drei Beispiele dafür, wie Super-Musik neu, anders, auf Deutsch interpretiert werden kann.
Nun warte ich auf eine weitere deutsche Dylan-Veröffentlichung und hoffe, dass dann auch mein ganz persönlicher Dylan-Lieblingssong mit dabei ist: „Brownville girl“. Zutrauen würde ich dies Stoppok, der mit "Weit weg" einen Song von Dylan sehr ansprechend coverte. Allerdings ist dies ein Cover eines Covers, nämlich der Version von Bernies Autobahnband....
Möchte mal vor Deinen tollen und informativen Beiträgen meinen Hut ziehen. Auch diesen habe ich mit Genuss gelesen.
 

Marifloyd

Inventar
Nightwish mit einer schönen Coverversion von Gary Moore. Jukka Nevalainen, Schlagzeuger von 1996 bis 2019 bei Nightwish, wird heute 42 Jahre alt.

 

Warren

Aktives Mitglied
Hier hat Nick eine schöne Cover Version von dem alten Song eingespielt:).

Nick Gravenites - Key to the Highway (2008)
 

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