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Okzitane

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Wow, hier geht aber ganz gehörig die Post ab!

@Okzitane - Derartiges ist mir wohl bekannt. Das zeigt, dass sich so gut wie jede Musik zu allen möglichen Schandtaten missbrauchen lässt. Manche Leute halten da ganz große kognitive Dissonanzen aus, wie etwa Beate Zschäpe, die U2 im Plattenschrank stehen hatte. Man kann einer Band nicht so recht zum Vorwurf machen, dass ihre Musik von rechten und anderen Extremisten gewürdigt oder als Soundtrack für Kriegsverbrechen missbraucht wird.

Was ich meinte, war aber was anderes, nämlich Musik, die selbst reaktionäres Gedankengut zum Ausdruck bringt. Und das ist mir aus dem Bereich "Prog" (und von diesem Genre sprach ich im Speziellen, nicht von Rock allgemein) bislang eben nicht bekannt. Ich habe zwar mal jemanden gekannt, der ein "staatlich zertifizierter" (sprich: die Polizei stand mit Post vom Generalbundesanwalt auf der Matte) Rechtsextremist war, und der Dream Theater als eine "geile Band" bezeichnete (ich habe selbstredend den Kontakt mit ihm abgebrochen), und in einem vorwiegend von US-Amerikanern frequentierten Rush-Internetforum hatte ich auch einige rechte Wirrköpfe angetroffen, die in Neil Pearts Texte Sachen reininterpretierten, die der gute Mann sicher nie gemeint hat (ich würde Peart nicht als "links" einordnen, sondern als eine Art radikalen Individualisten, aber "rechts" war er für mich auch nicht wirklich, wenn man von der Anfangszeit absieht, als er von Ayn Rand fasziniert war - später hörte man bei ihm so manche Kapitalismuskritik, und er hat sich auch schon mal für solche sozialstaatlichen Institutionen wie ein öffentliches Gesundheitswesen ausgesprochen - alles Dinge, die Ayn Rand vehement abgelehnt hätte).

@Georg u.a. - Wer in einer Naziuniform oder mit Teilen davon auf die Bühne geht, der ist eine Erklärung schuldig. Laibach sind schon selbst dafür verantwortlich, dass manche Leute sie des Faschismus verdächtigten; Rammstein übrigens auch. In beiden Fällen ist aber, denke ich mal, glaubwürdig nachgewiesen, dass dieser martialische Mummenschanz nur Provokation ist. (Bei Laibach ging es wohl darum, aufzuzeigen, dass Faschismus und Kommunismus vieles gemeinsam hatten.) Und Lemmy hatte meiner Meinung nach einen an der Mütze, jeder, der Nazi-Devotionalien sammelt, sollte sich fragen lassen, was er da tut, aber ich glaube nicht, dass er ein Nazi war.

@DerGrobeWestfale - "Noch" stimmt schon. Noch wurde der Progressive Rock nicht von Rechtsextremisten vor den Karren gespannt. Sicher ausschließen, dass sich daran mal etwas ändern wird, kann man natürlich nicht. Aber bei meinen Recherchen zur rechten Musikszene ist mir zweierlei aufgefallen:

1. Es gibt in der rechten Musikszene keine Freiheit der Kunst, sondern einen festen Kanon von "erlaubten" Musikrichtungen. Der hat sich im Lauf der Zeit zwar immer mehr erweitert (vor 1980 waren nur Marschmusik und Fahrtenlieder "zulässig", heute gibt es daneben Liedermacher (z. B. Frank Rennicke), Stumpfrock (nach wie vor der größte Anteil), Hardcore, Black Metal, Neofolk und Industrial), und jede dieser Erweiterungen war Gegenstand heftigster Kontroversen (wie derzeit um rechten Hip-Hop).

2. Die meisten von der extremen Rechten instrumentalisierten Musikrichtungen (die rechte Szene scheint außerstande, eigene Musikformen hervorzubringen) waren von daher für solche Vereinnahmungen geeignet, dass sie ein eher zynisch-nihilistisches Welt- und Menschenbild kultivierten, und zwar bevor sie von den Rechten "entdeckt" wurden. Ich denke, der Progressive Rock ist auch heute noch zu sehr mit positiven, progressiven Assoziationen aufgeladen, die ihn für die rechte Szene nicht anschlussfähig machen. Aber vielleicht ist er auch einfach, wie @Okzitane schreibt, einfach zu klein und nerdig, um den Rechten aufzufallen.
Ist aber alles im vernünftigen Rahmen ohne persönliches angedisse. ;)

Ich bezog mich natürlich eher auf klassische Rock-Musik die ja für ihr Macho-Gehabe bekannt ist, und deshalb durchaus Parallelen zum Hip-Hop bietet... halt nur in weiß.
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Ulrike Meinhoff hörte gerne Boogie Woogie, Beate Zschäpe U2, der Lehrer dessen Name ich nicht erwähnen möchte, hört vielleicht gerne Reinhard Mey. Eine gewisse Schizophrenie ist den Lichtgestalten links wie rechts sicherlich zu eigen. Entartete Musik um dieses Terminus mal zu gebrauchen als Transportmittel für krause Ideen zu benutzen ist schon irgendwie o_O Natürlich kann mit Schalmei und Fanfare kein Jugendlicher von heute aus der Komfortzone gelockt werden. Trockene Vorträge bewirken nichts, aber wenn die Musik spielt, hört jede*r zu. Leider! Die Volksverhetzenden Parolen werden in verständliche aber nicht sofort auffallende Parolen verpackt. Simple Dreiwortsätze die sich im Großhirn festsetzen und dort ihre braune Pest einnisten. In Völkischen Jugendlagern wird dann abends am Lagerfeuer zu Gitarrenklängen das hohe Lied auf Deutsche Werte und Rassereinheit besungen. Soziologisch wie psychologisch recht simpel. Ich hole jemanden ab, der an seinem Leben scheitert(Parole "Was tut der Staat für dich"?), füge ihn zu einer Gruppe geläuteter, die wieder eine Sinnhaftigkeit entdeckt haben und lass` aus dem Gruppengefüge heraus die Indoktrination ihre Wirkung entfalten.
Komm gleich wieder.
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Ist aber alles im vernünftigen Rahmen ohne persönliches angedisse. ;)
Ja. Mit "Wow, hier geht aber ganz gehörig die Post ab!" wollte ich auch nur mein Erstaunen darüber ausdrücken, in welch rascher Folge hier die Posts eintrudeln. In der Tat ist die Diskussion hier sehr lebhaft, aber höflich und vernünftig. Das macht richtig Spaß!

Ich bezog mich natürlich eher auf klassische Rock-Musik die ja für ihr Macho-Gehabe bekannt ist, und deshalb durchaus Parallelen zum Hip-Hop bietet... halt nur in weiß.
Genau. Da gibt es durchaus Ähnlichkeiten. Und ich hatte ja ganz konkret von Prog als "saubere Alternative" gesprochen und nicht von diesem "klassischen" Macho-Rock, den Du meinst (und mit dem ich auch nicht viel mehr anfangen kann als mit Gangsta-Rap). In diesem "klassischen" Rock gibt es ja genug reaktionäre Dumpfbacken, ich sag nur Ted Nugent - und der ist keineswegs der einzige.
 

Okzitane

Aktives Mitglied
Erschreckende Entwicklung des derzeitigen mainstream-Denkens:

Die Kolonisierung unserer Ohren
Wobei ich es (...und das als Klassik Fan...) als richtig empfinde, das man sich den eurozentristischen Blick; die Geschichte der Musik alleine von unserer Klassik her zu werten oder deuten; abzugewöhnen und sie globaler zu betrachten.
Das mancher dabei übers Ziel hinausschießt war zu erwarten...
Zumal ich den heutigen Klassikbetrieb eher als Problem des wieder zunehmenden Klassismus sehe, als auf rassistische Hintergründe.
Der Zugang zu klassischer Musik für Kinder und Jugendliche im Ost-Block war wesentlich größer und wurde gefördert. Kann ich aus heutiger Sicht wirklich nicht abstreiten...
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Mal was anderes. Dieser Thread zeigt ganz klar, was in der alten Struktur des Forums möglich gewesen wäre. Hätte es da nicht den einen oder anderen Querdenker gegeben. Wer anderen die Butter auf dem Brot nicht gönnt, hat die simpelsten Regeln de fairen Umgangs miteinander nicht verstanden. Leben und leben lassen. Wenn mir der ein oder andere Post nicht gefällt, gehe ich darüber hinweg. In der(vielleicht etwas eingeschränkten)Vielfalt der täglichen Beiträge findet sich immer was, dass mir etwas bedeutet. Oder ich setze mich einfach mal mit bisher nicht gehörtem auseinander.
 

nixe

Inventar
Wobei ich es (...und das als Klassik Fan...) als richtig empfinde, das man sich den eurozentristischen Blick; die Geschichte der Musik alleine von unserer Klassik her zu werten oder deuten; abzugewöhnen und sie globaler zu betrachten.
Das mancher dabei übers Ziel hinausschießt war zu erwarten...
Zumal ich den heutigen Klassikbetrieb eher als Problem des wieder zunehmenden Klassismus sehe, als auf rassistische Hintergründe.
Der Zugang zu klassischer Musik für Kinder und Jugendliche im Ost-Block war wesentlich größer und wurde gefördert. Kann ich aus heutiger Sicht wirklich nicht abstreiten...
Ja schon, aber gebracht hat*s nicht viel: ok, bin heute etwas aufgeschlossener...
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Es kommt immer darauf an, wie die Schüler*innen an E-Musik herangeführt werden. Zieht der Lehrer nur sein Ding durch oder ist nur als Aushilfe(wie es bei mir der Fall war)tätig, kann das schnell ein Schuss in den Ofen werden.
 

Okzitane

Aktives Mitglied
Ja schon, aber gebracht hat*s nicht viel: ok, bin heute etwas aufgeschlossener...
In unserer Generation denke ich mal schon noch... schau dir nur mal die Zusammensetzung des Publikums bei Open Air Klassik-Veranstaltungen an. Da ist im Osten doch noch viel "älteres" Klientel aus klasssischen Arbeiterberufen vor Ort.
Diese Trennung ist wohl auch erst vor seit 2000 so richtig zu beobachten.

Was den Lehrplan betrifft: wir hatten einen sehr aufgeschlossenen Musiklehrer, das hat sicher geholfen.
 

nixe

Inventar
In unserer Generation denke ich mal schon noch... schau dir nur mal die Zusammensetzung des Publikums bei Open Air Klassik-Veranstaltungen an. Da ist im Osten doch noch viel "älteres" Klientel aus klasssischen Arbeiterberufen vor Ort.
Diese Trennung ist wohl auch erst vor seit 2000 so richtig zu beobachten.

Was den Lehrplan betrifft: wir hatten einen sehr aufgeschlossenen Musiklehrer, das hat sicher geholfen.
Mich haben erst dies Mittwoch Nächte 23:00 Uhr überzeugt.
Ich war ja sowas gegen Russen, das ich nicht bemerkt hatte, das genau die richt gut waren, allen voran natürlich die Bilder einer Austellung, die ich mir sogar in der reinen piano Version angeschaut hatte.
OK, damals schon Die Symphony mit dem PaukenSchlag!
 

WeepingElf

Aktives Mitglied
Ich hatte auch einen guten Musiklehrer. Jung, humorvoll, und vor allem offen gegenüber moderner "U"-Musik (er spielte selbst in einer Jazzband Schlagzeug). Der hat mal eine Unterrichtseinheit zum Thema "Original und Bearbeitung" gemacht, und zwar an Hand der Bilder einer Ausstellung von Mussorgski. Er stellte uns vier Versionen vor: die originale Klavierfassung, die Orchesterfassung von Ravel - und die Versionen von ELP und Isao Tomita. Das war meine erste bewusste Begegnung mit Prog (wenn auch noch nicht mit der Genrebezeichnung), noch vor der Nummer mit der Plattenkiste (schon zuvor war das eine oder andere an meine Ohren gedrungen, weil das Zimmer des Onkels mit der Plattenkiste neben meinem lag, aber damals fand ich die Musik zwar irgendwie "dufte", wie man damals sagte, war mir aber nicht so recht bewusst, dass das was anderes war als das, was im Radio lief). Und anscheinend war ich nicht der einzige Schüler in der Klasse, der auf den Prog-Trip kam, denn ein paar meiner Klassenkameraden entdeckten den Prog auch für sich, und von denen bekam ich auch so einige Tipps.
 

DerGrobeWestfale

Alter Hase
Bei uns war das so. Wer singen konnte, erste Reihe. Der Rest(ich auch), Holzklasse, Noten transponieren. Ab und zu war mal der Pädagoge mit ihm durchgegangen, dann gab es Instrumentenkunde. Jedenfalls irgendwann brach die Revolution aus und wir kleinen Tertianer verlangten nach "vernünftigem" Unterricht.
"Dann mache ich Lehrplan"
"was sieht der denn vor?"
"Jazz und 12 Ton"
Das haben wir dann 2 Stunden durchgehalten und dann war die alte Ordnung wieder hergestellt.
In der neuen Schule gab es nur eine wöchentliche Musik-AG. Die war eher :rolleyes: Havana Nagila auf ausgenudelten Schulinstrumenten selber einspielen, ein Radiofeature zum Thema Schlager und deren Konsumenten. Nach damaliger Vorstellung Musik für Verkäuferinnenen, Friseure/Frisösen, einfache Arbeiterschicht. Die Krönung war dann das jede*r eine seiner Lieblingssingle mitbringen durfte. Meine fanden alle :eek: Warum:rolleyes:

 

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