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THE POOR - Who Cares (1994)

Dieses Thema im Forum "Empfehlenswerte Alben" wurde erstellt von Catabolic, 20. Juli 2018.

  1. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    THE POOR - Who Cares (550 Music 475967 2, 1994)

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    Es ist nicht verwunderlich, dass die australischen AC/DC in ihrem Heimatkontinent schon von Beginn weg lange Schatten geworfen haben, und die Liste der entsprechenden Klone ist nicht weniger lang als anderswo auf der Welt. Und doch hatten die australischen Riff Rock- und Rock'n'Roll Bands stets diesen ganz eigenen, staubtrockenen Wüsten- und Strassenrock, der staubiger wohl nirgendswo gespielt wurde als in Down Under. ROSE TATTOO als die wohl erfolgreichsten Vertreter dieses Strassen-Rocks ebenso wie die "kleinen" AC/DC, THE ANGELS um deren charismatischen und ebenso exaltierten, leider inzwischen verstorbenen Sänger Doc Neeson, waren die wahrscheinlich erfolgreichsten dieser Klone, auch ausserhalb von Australien. Klone soll dabei allerdings mitnichten als abwertend eingestuft, sondern eher als eine Art "zweite Garde" betrachtet werden, denn in vielen musikalischen Momenten waren diese Bands ihren Wegbereitern um Angus Young und Bon Scott zumindest ebenbürtig, auch wenn sie natürlich nie den weltweiten Erfolg von AC/DC einheimsen konnten, was bei vielen Bands allerdings auch an mangelhaftem Producing und hanebüchenem Management lag.

    Eine der interessantesten Riff Rock Bands aus Down Under war neben den erwähnten Angels und Rose Tattoo ein Tollhaufen namens The Poor, der in der australischen Rockszene wie ein Meteor wuchtig aufprallte, alles niederwalzte und kurz darauf sang- und klanglos wieder verpuffte. Die Rede ist von der partyfeiernden und für ihre Trinkfestigkeit bekannte Band THE POOR aus Darwin, die 1994 mit einem ganz grossartigen Strassen-Rock Statement kurzzeitig für Furore sorgte, selbst noch im weit entfernten Amerika, das aber leider kurze Zeit später in der Versenkung verschwand. Wie kam es dazu ?

    Gegründet wurde die Gruppe schon im Jahre 1988, und sie nannte sich in ihren ersten Jahren THE POOR BOYS. In und um ihre Heimatstadt Darwin waren sie innerhalb kurzer Zeit zu den absoluten Lokalmatadoren emporgestiegen und ihre Konzerte waren die reinsten Hardrock Partys, meist begleitet von viel Schweiss, Alkohol und Ohrendröhnung. Mit ihrem Umzug nach Sydney eröffneten sich für die Band grössere Möglichkeiten, das Knüpfen von wichtigen Kontakten, die ihre Karriere in Schwung bringen konnten und nachdem sie mit den Angels einige Konzerte absolviert hatten, anerboten sich Bob Spencer und Rick Brewster als Produzenten für zwei EP's, die sich beide ansprechend verkaufen konnten. Sowohl die erste EP "Rude, Crude & Tattooed" (1992), als auch "Underfed" (1993) halfen mit, den ersten grossen Plattenvertrag an Land zu ziehen, der ein Jahr später in die Veröffentlichung ihres Debutalbums "Who Cares" mündete. 550 Music, ihr Plattenlabel, hatte einen Vertriebsdeal mit Sony Music, weshalb es die CD auch zu einer Veröffentlichung ausserhalb Australien's schaffte, so zum Beispiel in England, Japan, aber auch in den USA.

    In den Staaten war in der Folge die aus dem Album ausgekoppelte Single "More Wine Waiter Please" ein grosser Hit im Rockradio. Die Band nannte sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihrer ersten LP nmur noch schlicht THE POOR, und auch der Schlagzeuger wurde ausgewechselt. Neu an der Schiessbude Platz genommen hatte inzwischen ein gewisser James Young, der Neffe des berühmten Angus Young, der zuvor in der Band BB Steel getrommelt hatte. Ihr kompromissloser Strassen-Hardrock, demjenigen der Band THE BOYZZ nicht unähnlich, vereinigte den rauhen harten AC/DC Sound mit einem guten Schuss whiskeydurchtränkte Southern Rock und stand für eine kurze Zeit lang für den dreckigsten Rock'n'Roll aus ganz Down Under. Leider folgte auf dieses knallgeile Album nicht mehr viel, auch, weil die Gruppe anhaltend vom Pech verfolgt zu sein schien. Eigentlich war eine Welttournee mit AC/DC als deren Supporting Act geplant, aber ihre Plattenfirma bestand darauf, einen Nachfolger für das recht erfolgreiche Album "Who Cares" aufzunehmen, für das eine gewisse Zeit eingeplant worden war. Diese Aufnahmen wurden dann allerdings von der Plattenfirma abgelehnt, weshalb die Jungs dann plötzlich ohne Vertrag da standen. In der Folge machte die Band noch eine zeitlang vertragslos weiter, bevor sie sich vier Jahre später (1998) in Wohlgefallen auflöste.

    Sänger Skenie gründete die leider erfolglose Band LUMP, doch dann gastierte die berühmte Band W.A.S.P. in Australien und lud zu ihrem Auftritt in der Stadt Melbourne THE POOR als Vorgruppe ein, deren Mitglieder inzwischen an der australischen Südostküste beheimatet waren. So kam es zu einer Reunion der Gruppe, die kurz darauf ihre offiziell zweite Platte, welche sie bezeichnenderweise mit "Round I" betitelte, veröffentlichte und erneut durchstarteten. Diesmal war ihr Erfolg nachhaltiger, denn eine Menge ihrer alten Fans erinnerten sich noch an die Truppe mit diesem herrlich rauhen und fetten, hemdsärmlig-ehrlichen Rock und besuchten ihre Konzerte. 2010 erschien mit "Round II" ihr drittes Album, ein phantastisches und um Längen besseres Rock-Brett, das jenem zuvor um Längen überlegen war und als ebenbürtig mit dem Debutalbum "Who Cares" bezeichnet werden kann. Leider sind auch die beiden Nachfolge-Alben zu "Who Cares" hierzulande praktisch unbekannt geblieben, THE POOR letztlich ein rein australisches Phänomen geblieben. Sie genissen in ihrem Heimatkontinent längst Kultstatus.



     
    Otto gefällt das.

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