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THE LONG RYDERS - Two Fisted Tales (1987)

Dieses Thema im Forum "Empfehlenswerte Alben" wurde erstellt von Catabolic, 11. Februar 2019.

  1. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    THE LONG RYDERS - Two Fisted Tales (Island Records 7 90594-2, 1987)

    The Long Ryders - Two Fisted Tales.jpg

    Die Musik der Long Ryders klang anfänglich etwa so, als würden die Beatles Songs von den Byrds spielen - oder umgekehrt. Irgendwie war diese Gitarrenband aus Hollywood zwar von Hippieseligkeit durchtränkt, jedoch schrieb sie tolle eingängige eindeutig pop-ausgerichtete Lieder, die sie dann wiederum so arrangierte, dass sie auch dem klassischen amerikanischen Rock'n'Roll huldigten. Sehnsucht, Freiheit, ein bisschen Nostalgie und jede Menge guter Laune verströmte ihre Musik, die anfänglich noch recht rauh und ungeschliffen klang. So war sowohl auf dem ersten Mini-Album "10-5-60", als auch auf dem ersten richtigen Album "Native Sons" 1984 der ruppige Rock'n'Roll etwa der Ramones durchaus herauszuhören, was ihre Optik mit den lässigen Sonnenbrillen, den engen Jeans und den Pilzkopf-Frisuren unterstrich. Auch optisch also ein Mix aus Beatles und amerikanischem Rock'n'Roll.

    Als die Band immer grössere Aufmerksamkeit fand, wurden auch die etablierten Plattenlabels auf Sid Griffin, Stephen McCarthy, Greg Sowders und Des Brewer (später ersetzt durch Tom Stevens) aufmerksam. 1985 bot Island Records einen Vertrag an, welcher im zweiten Album "State Of Our Union" resultierte. Diese Platte zeigte leider die üblichen Glattheiten eines Albums, das auf einem internationalen Label erscheint: Dem rohen, bisweilen ungehobelt wirkenden Rock'n'Roll wurde eine Fönwelle verpasst, die Hemden wurden bunter, die Jeans neuer und der Popanteil in der Musik grösser. Was im Falle der Long Ryders aber eigentlich nicht wirklich ein Minuspunkt war, denn gute Songs schrieben sie auchweiterhin. 1987 kam dann das zweite Album für Island Records heraus, und das war in mancherlei Hinsicht das Ausgereifteste und Professionellste der Band. Vom ursprünglich rotzfrechen Rock'n'Roll war zwar so gut wie nichts mehr zu hören, indes verstand es die Band hier perfekt, ihre sympathischen Scheppergitarren in perfekt arrangierte Rocksongs zu verpacken, die mal härter, mal sanfter, aber immer sehr hörenswert klangen.

    Produziert von Ed Stasium finden sich auf dem Album etliche Ohrwürmer der Extraklasse, wie zum Beispiel schon den Opener "Gunslinger Man" mit einem aus dem Riff-Rock entlehnten Gitarren-Geraffel, das die stilistische Nähe zum härteren Rock nachwievor demonstrierte, auch wenn hier nicht mehr die Ramones Pate standen. Der Song treibt das Album trotzdem gleich mächtig vorwärts. Im nachfolgenden, vom NRBQ-Pianisten geschriebenen "I Want You Bad", kommt Byrds-Feeling auf, das von den beiden Gastsängerinnen Debbie und Vicky Peterson der damals sehr populären Bangles ("Walk Like An Egyptian") veredelt wird. Danach gibt es herrlichen Mandolinen-getragenen zügigen Countryrock in "The Light Gets In The Way" mit dem Los Lobos-Musiker David Hidalgo als Gast und einem songbestimmendem Akkordeon, das den Track in Richtung Tex-Mex befördert. Ausserdem der an uralter Folktradition und sogenannten "Train Songs" orientierte Titel "Harriet Tubman's Gonna Carry Me Home", der viel Gospelflair und Baumwollfelder-Romantik versprüht. Schliesslich zählt auch "Spectacular Fall", der letzte Song des Albums zu den Höhepunkten dieses abwechslungsreichen und sehr stimmigen Rock Album, das trotz grosser Werbung und intensivem Touren der Band kein Verkaufserfolg wurde.

    Nach dem Album war bald einmal Ende Feuer. Die Band trennte sich noch im selben Jahr. Die Musiker blieben aber weiterhin sehr aktiv. Am meisten Respekt konnte Sid Griffin für sich einheimsen durch sein Bluegrass-Projekt The Coal Porters, sowie später mit der leider nur kurzlebigen Americana-Band Western Electric. Griffin schrieb auch Bücher über Bob Dylan. Stephen McCarthy wiederum gründete seine eigene Band Walker Stories, die kaum zählbaren Erfolg verbuchen konnte, gelangte aber über Steve Wynn's Supergroup Gutterball (sehr gut!) über die Band House Of Freaks zu den Jayhawks. Greg Sowders wiederum wurde eher bekannt als Ehemann der Musikerin Lucinda Williams denn als Musiker und schliesslich noch Gründungsmitglied Des Brewer, der seine eigene sehr traditionell ausgerichtete Country & Western Band The Misbegotten Cowboys gründete. Seit einiger Zeit sind sie wieder zusammen unterwegs und veröffentlichen noch in diesem Monat endlich auch wieder mal ein neues Album:

    https://www.cherryred.co.uk/product/the-long-ryders-psychedelic-country-soul/
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2019
  2. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

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