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SAVOY BROWN - Street Corner Talking (1971)

Dieses Thema im Forum "Empfehlenswerte Alben" wurde erstellt von Catabolic, 7. August 2018.

  1. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    SAVOY BROWN - Street Corner Talking (Parrot Records PAS 71047, 1971)

    Savoy Brown - Street Corner Talking.jpg

    Der Savoy Brown Gitarrist, Leader und Gründer Kim Simmonds sah sich zu Beginn des Jahres 1971 der Situation gegenüber gestellt, dass sich seine bis dato exzellent aufspielende Combo verselbständigte, weil sie geschlossen zurücktrat, um die Formation Foghat zu gründen, nachdem sie sich in schneller Folge zunächst Brandywine, anschliessend Hootch und schliesslich Foghat nannte. Dave Peverett, Tony Stevens und Roger Earl, die den Gitarristen noch auf dem vorherigen Album "Looking In" begleitet hatten, strebten eine Karriere an, die mehr im Rock'n'Roll und Boogie Rock beheimatet war, als im zuletzt eher angejazzten Bluesrock ihres Mentors Kim Simmonds. Dieser suchte sich in der Folge neue Mitstreiter und rekrutierte diese zusammen mit seinem Bruder Harry Simmonds, der auch der Manager der Band war. Die erste Savoy Brown Besetzung nach diesem geschlossenen Abgang seiner gesamten Begleitband bestand danach aus dem Sänger Pete Scott und umfasste ausserdem das Bass- und Schlagzeug-Rhythmusgespann von Blodwyn Pig, das zuvor für den ehemaligen Jethro Tull Gitarristen Mick Abrahams tätig war. So bestanden Savoy Brown zum Zeitpunkt der Kompositionsphase zum späteren Album "Street Corner Talking" zunächst aus dem Sänger Pete Scott, dem Gitarristen Kim Simmonds, dem Bassisten Andy Pyle und dem Schlagzeuger Ron Berg.

    In dieser Besetzung tourte die Gruppe Savoy Brown vor allem zu Beginn des Jahres 1971 in den Vereinigten Staaten, zusammen mit der Grease Band (der ehemaligen Begleitband von Joe Cocker) und Rod Stewart. Savoy Brown spielten dabei immer als Supporting Acts. Wie auch immer: Für Kim Simmonds erwies sich diese Situation als höchst unbefriedigend, wollte er doch auf jeden Fall als Headliner in Erscheinung treten und nicht nur als Anheizer für berühmte Musiker und/oder Bands herhalten müssen, weshalb er diese neue Inkarnation seiner Gruppe kurze Zeit später erneut auflöste, nur um kurz darauf erneut eine neue Band zusammenzustellen, die seinen Vorstellungen in musikalischer Hinsicht besser entsprach. Nachdem sich zeitgleich auch bei der von Stan Webb angeführten britischen Bluesrock Band Chicken Shack ähnliche Auflösungserscheinungen auftaten, die vor allem aufgrund ihres desillusionierten Chef-Gitarristen entstanden waren, kontaktierte Manager Harry Simmonds die Musiker von Chicken Shack und bot ihnen an, Probesessions mit Kim Simmonds abzuhalten. Dies führte letztlich dazu, dass gleich drei Musiker von Chicken Shack zu Kim Simmonds wechselten, die sogleich das neue Fundament von Simmonds' Band Savoy Brown bildeten: Paul Raymond stieg als zweiter Gitarrist und Keyboarder bei Savoy Brown ein, Andy Silvester als Bassist und Dave Bidwell als Schlagzeuger.

    Was noch fehlte, war ein prägnanter Leadsänger. Dieser fand sich in der Person des ehemaligen Idle Race Sängers Dave Walker. Dieser aus Walsall in den West Midlands stammende Sänger hatte ein wesentlich differenzierteres Image als zuvor Chris Youlden und/oder Dave Peverett, welche in den Jahren zuvor als Leadsänger bei Savoy Brown in Erscheinung getreten waren. Dave Walker trug weder einen Hut, noch rauchte er Zigarre auf der Bühne wie Chris Youlden, sondern war einfach ein brillianter Performer mit einer angenehm rauchigen Stimme, und er war vor allem ein exzellenter Frontmann, der Stimmung machte und das Publikum mitzureissen verstand. Walker sang neu einstudierte Bluesklassiker wie etwa den "Wang Dang Doodle" aus der Feder von Willie Dixon mit solcher Inbrunst, als wäre es sein eigener Song gewesen. Auch der Rhythm'n'Blues-Klassiker "I Can't Get Next To You", den die Temptations populär gemacht hatten, erhielt in der Savoy Brown Version einen erneuten Popularitätsschub, der vor allem Paul Raymond's exzellentem Keyboardspiel und selbstverständlich Dave Walker's genialer Vokalarbeit geschuldet war. Dabei standen Paul Raymond's Piano-Variationen in krassem Ggensatz zu jenen von Bob Hall, der einige Jahre zuvor bei Savoy Brown die Tasten gedrückt hatte und der wesentlich puristischer und blueszugewandter gespielt hatte. Paul Raymond hingegen war wesentlich mehr dem Rock zugewandt als dem Blues. Der Good Time Rock'n'Roll hielt damit definitiv Einzug in der Musik von Savoy Brown, und der puristische Blues der Anfangsjahre war weitgehend weggewischt.

    Als wäre eine kontinuierlich gleichbleibende Besetzung von Savoy Brown von langer Dauer, konnte man sagen, dass dieses neue Line Up mit einer Beständigkeit von 18 Monaten die stabilste Besetzung in der gesamten Bandhistorie von Savoy Brown darstellte. Die Gruppe veröffentlichte in dieser Zeit drei ihrer absolut stärksten Alben: Das 1971 veröffentlichte Werk "Street Corner Talking", sowie die beiden 1972 veröffentlichten Alben "Hellbound Train" und "Lion's Share". Obwohl sich die Band in kreativer Hinsicht in diesen knapp eineinhalb Jahren äusserst produktiv zeigte, spielte sie trotzdem auch viele Konzerte in den USA, in Kanada und in Europa. Diese drei Alben währende Phase war auch die Zeit von Neil Slaven, der Savoy Brown in dieser Zeit managte und produzierte. Er war Angestellter bei Decca/Deram Records und ein wahrer Bluesologe, also ein grosser Kenner der Blues-Musik. Neil Slaven war auch schon seit längerer Zeit ein persönlicher Freund und Unterstützer von Kim Simmonds und seiner Truppe und schrieb auch die Liner Notes zu einigen von Savoy Brown's bisherigen Alben. Mit ihm als Produzenten und persönlichem Freund gestaltete sich das Erarbeiten der neuen Songs wesentlich lockerer und ungezwungener, denn die Musiker und er verstanden sich grossartig und in erster Linie als Freunde und nicht wie ein Produzent und dessen Schützlinge.

    Die Arbeiten am Album "Street Corner Talking" erhielten dann noch eine nicht ganz geplante Verzögerung, weil sich der Bassist Andy Pyle aus der Band verabschiedete und für ihn der ehemalige Chicken Shack Bassist Andy Silvester in die Band kam. Danach fanden die Aufnahmen an vier aufeinanderfolgenden Nächten bei jeweils 12 Stunden Arbeitsdauer statt, und zwar in den renommierten Olympic Studios in London im September 1971. Decca Records veröffentlichte das Album in ihrer Deluxe Veröffentlichungs-Serie, zu erkennen an den Katalognummern-Codes 'TXS', unter welcher Decca unter anderem auch Alben von den Moody Blues veröffentlichte. In den USA erschien das Album ebenfalls als Gatefold-Cover in exzellenter Aufmachung auf dem amerikanischen Decca-Pendant Parrot Records. Eine 'Street Corner'-Szene, designed von dem Maler David Anstey zierte das Cover der Platte. Sieben Songs fanden sich auf dem hervorragend produzierten und abgemischten Werk, darunter fünf eigene Songs plus zwei Covertitel. Diesmal wählten die Musiker vor allem Coversongs aus, die dem neuen Sänger Dave Walker perfekt auf den Leib geschrieben waren: Willie Dixon's "Wang Dang Doodle" und das von Norman Whitfield verfasste Stück "I Can't Get Next To You". Von den Eigenkompositionen überzeugten vor allem die Stücke, in welchen die Band den Rock'n'Roll stärker in den Fokus stellte als die bluesigen Töne, so etwa "Let It Rock", "Tell Mama", das zu einem Konzert-Dauerbrenner im Repertoire der Band bis heute werden sollte, sowie die Nummer "Time Does Tell".

    Auf der stilistisch anderen Seite stand der Longtrack "All I Can Do", der zwar fest im bluesigen Rock verankert war, jedoch sehr schöne Jazz-Passagen zeigte, insbesondere in der langen Instrumental-Jam. Dazu kam mit dem Titelstück "Street Corner Talking" gar eine frühe Form von Funkrock, die auf dem Album im Kontext zu den anderen Stücken eine ausserordentlich gute Figur machte. Kurzum: Das Album klang wesentlich offener, stilistisch positiver und weitaus griffiger und vor allem rockiger als der Vorgänger "Looking In", der teilweise noch recht düstere Momente aufwies. "Street Corner Talking" war eine neue Savoy Brown-Welt, die auch näher am kommerziellen Rock angesiedelt war als je zuvor. Dies machte sich auch in den Verkaufszahlen und insbesondere auch in den Charts-Notierungen bemerkbar: Sowohl die ausgekoppelte Single "Tell Mama" (mit dem Stück "Let It Rock" als B-Seite), und auch das Album erreichten in den USA die Billboard Charts. Für das Album erhielten Savoy Brown eine Platin-Auszeichnung und die LP konnte sich während 17 Wochen in den Billboard Charts halten. Höchste Platzierung war Platz 75 am 18. September 1971. Die Single "Tell Mama" stieg am 6. November 1971 in den Billboard Charts ein und schaffte es bis auf Platz 83. Erstaunlicherweise gelang der Band ein Erfolg in dieser Dimension in ihrer Heimat England nicht. Dies führte schliesslich sogar dazu, dass Savoy Brown ihrer Heimat den Rücken drehten und sich in den USA niederliessen.



     
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  2. nixe

    nixe Inventar

    Um die muß ich mich noch kümmern, thx!
     
  3. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Doch, @nixe, solltest Du machen. Habe mich auch erst infolge @Catabolic näher mit der Band befasst. was ich bisher gehört und mir angeschafft habe, gefiel mir durch die Bank. Bin aber absolut kein Savoy Brown Experte, so wie Catabolic. Mit dem von ihm so umwerfend gut beschriebenen Album hebe ich heute auch erst meine Bekanntschaft gemacht und "All I Can Do" ist doch wohl ein hammerguter Song.
    Besten Dank Catabolic!
     
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  4. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Das nun folgende Album "Kings Of Boogie" stammt aus 1989 und gefällt mir auch bärig gut...

     
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  5. Warren

    Warren Aktives Mitglied

    Ich brauche will nicht zu erwähnen das ich das Album habe und auch sehr gut finde:).
     
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  6. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Savoy.jpg

    SAVOY BROWN - WITCHY FEELIN'


    Eine so ausführliche Rezension wie sie unser guter @Catabolic zu "Street Corner Talking", werde ich zu Witchy Brown nicht hinbekommen. Aber das aktuelle Album von Savoy Brown aus dem Jahre 2017 verdient es etwas näher beschrieben zu werden. Da ist zunächst einmal dieses diabolische Cover, das auf eine teuflisch gute Bluesmusik hinweist. Ach Quatsch, meines Erachtens kommt man bei der Betrachtung dieses makabren Covers eigentlich nicht auf Bluesmusik. Da denkt man er an hammerharte Klänge von Iron Maiden. Nicht aber an so einen so schönen gefühlvollen Bluesrock der Marke Savoy Brown. Ansonsten ist das Cover der des bei Ruf erschienenen Album leider etwas spartanisch.

    Zur Musik:

    In der klassischen Bluesbesetzung Gitarre (Kim Simmonds), Bass (Pat DeSalvo) und Schlagzeug (Garnet Grimm) bekommt man hier ein Album prallgefüllt mit wunderschönen Bluesrocks geboten. Besonders gefühlvoll und langsam schleppend kommt der Titelsong "Witchy Feelin" daher. Einfach nur traumhaft schön. Knackige Riffs leiten das rockig anmutende "Guitar Slinger" ein und nehmen mich zu einem sehr schönen Gitarrensolo mit. Mein absolutes Lieblingsstück des Albums ist "Thunder, Lightning & Rain". Es ist auch mit fast 8 Minuten der längste Song des Albums. Genug Zeit für Kim Simmonds begnadetes Gitarrenspiel zu lauschen. Das Album endet mit dem schönen Instrumentalsong "Close To Midnight". Für mich geht die "Savoy Entdeckungsreise aber weiter und endet auch nicht nach Mitternacht.

    Folgendes Zitat zu "Witchy Feelin" und zu Kim Simmonds selbst fand ich auf einer JPC Seite:

    "»Die Songs von diesem Album sind zwei Jahre in der Produktion gewesen«, reflektiert er, »ich habe versucht Songs zu schreiben, die eine persönliche Sichtweise haben und für jeden nachvollziehbar sind. Ich bin überrascht, dass ich immer noch die Energie in mir habe, Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben. Ich war in meinem Leben gesegnet und danke Gott dafür. Ich habe nie daran gedacht an der Vergangenheit festzuhalten – ich schaue nicht zurück und gratuliere mir selbst! Ich will immer den nächsten Berg erklimmen – und freue mich sehr über das neue Album.«

    Also, ich glaube, wer Savoy Brown in sein Herz geschlossen hat, kommt nicht an "Witchy Feelin" vorbei.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. August 2018
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  7. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Und hier ist "Thunder, Lightning & Rain" in voller Gänze zu genießen...

     
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  8. Warren

    Warren Aktives Mitglied

    Hi Marifloyd, schön das dir auch der Song Thunder, Lightning & Rain so gut gefällt.

    An die Vinyl Fans wie schon mal gesagt auf der LP ist der Song nicht darauf.

    @Marifloyd, wenn dir das Witchy Feelin' Album so gut gefällt halte mal Ausschau
    nach dem Steel Album von Savoy Brown, denn das geht auch ungefähr in die Richtung.

    [​IMG]
    Vom dem Steel Album gibt es zwei Ausführungen und die neuere Version beinhaltet zwei
    Bonus Songs und davon ist der eine Song eine schöne Live Version von Hellbound Train.
     
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  9. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Steht jetzt auch auf meiner Wunschliste...





     
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  10. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Da kam für ein paar Jahre (und drei Alben) noch einmal der rauchige Sänger Dave Walker zurück, nachdem er für ein paar Wochen und wohl ein oder zwei Auftritte nur bei Black Sabbath als Sänger war (!). War auch eine tolle Phase der Band.
     

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