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Rechtsrock

Dieses Thema im Forum "Stammtisch" wurde erstellt von WeepingElf, 12. Juli 2019.

Schlagworte:
  1. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Das sehe ich allerdings anders. Die AfD bedient sich der Sprache und der Agitation der Nazis. Diese waren in ihren Anfängen auch Wölfe in Schafspelzen. Ich befürchte, sie legen Feuer, um es anschließend in radikaler und menschenverachtender Manier zu löschen.
    Diese Woche wurde eine interessante Reportage in der TV Sendung "Panorama" ausgestrahlt. Hier wurde der Sprachgebrauch der Nazis und der AfD übereinander gelegt. Was dabei heraus kam war erschreckend. "Wir werden sie jagen", "1000 Jahre Deutschland". Nein guter @WeepingElf , da möchte ich Dir widersprechen. Mir machen diese Rattenfänger Angst. Ich fürchte, die AfD benutzt die Demokratie um sie zu zerstören. Und ihre Agitation trägt "hallische" Früchte. Und der Staatsapparat schläft auf diesem Pulverfass...

     
  2. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Da hast Du sicher nicht Unrecht - der Unterschied ist allenfalls ein gradueller, die menschenverachtende Ideologie ist die gleiche. Zwar hat die AfD (noch) kein Pendant zur SA, die schon vor der Machtergreifung den NS-Terror auf die Straßen trug, aber wer weiß, was da noch kommt. Zwar kleidet sich die AfD in einen bürgerlich-konservativen Schafpelz, ein faschistischer Wolf ist sie gleichwohl.

    Ich bin aber auch der Meinung, dass man Leute, die nicht das gleiche machen - und AfD und Neonazis machen eben nicht das gleiche, sondern führen ihren Kampf mit unterschiedlichen Mitteln - nicht so einfach über einen Kamm scheren sollte. Deshalb ziehe ich hier vor, zu differenzieren, und mit dem Wort "Nazi" vorsichtig umzugehen; "Rechtsextremismus" ist hier ein weiter gefasster und passenderer Begriff.

    Auf der linken Seite mache ich auch Unterschiede, denn nicht alles, was einer legitimen Sache dienen soll, ist auch legitim. Der Zweck heiligt die Mittel eben nicht! Deshalb halte ich etwa nicht viel von Sea Shepherd: der Schutz der Meere ist ein gutes, richtiges und wichtiges Anliegen, und ihre Wut ist verständlich, aber sie gehen mir mit ihren Sabotageaktionen zu weit. Und die Leute, die meinen, etwas gegen den Kapitalismus tun zu können, indem sie Schaufenster einwerfen und Autos abfackeln, sind einfach nur Vollidioten, die den Rechten Wahlkampfmunition liefern!

    Aber hier geht es ja um die Rechten, und da ist schon die Sache illegitim, und es macht keinen so großen Unterschied, ob legale oder illegale Mittel eingesetzt werden. Da sind die "Legalen" vielleicht sogar noch perfider und gefährlicher als die offenkundigen Terroristen. Ich meine, bei den Biedermännern kann man besser damit landen, dass man verspricht, die Grenzen zu schließen und den Diesel zu retten, wenn man denn an die Macht gewählt wird, als damit, Inhaber von Dönerbuden zu ermorden oder Synagogen abzufackeln.

    Ich meinte ja auch eher, dass die rechten Musiker, die aus dem konspirativen Ghetto ausbrechen und Major-Deals bekommen konnten, lediglich in ihrem Auftreten weniger radikal zu sein scheinen als die, die auf konspirativen "Festivals" wie in Themar oder Ostritz auftreten, aber die Ideologie ist doch die gleiche. Insofern kann man vielleicht Acts wie die Lunikoff-Verschwörung als musikalische Pendants der "Freien Kameradschaften" und solche wie Frei.Wild als musikalische Pendants der AfD auffassen. Die ersteren sind offen rechtsextrem bis hin zum nackten Terror, die letzteren tun so, als seien sie nur "wertkonservative Patrioten" und "keine Nazis".

    Aber letzten Endes besteht zwischen "Blau" und "Braun" kein wesentlicher Unterschied! Ob da die Hakenkreuzflagge oder die Wirmer-Flagge hochgehalten wird, ist völlig nebensächlich, hier wie dort geht es darum, auszugrenzen und zu verfolgen, was nicht in das eigene enge Weltbild passt. In dieser Hinsicht nehmen sich auch Neonazis auf der einen und Salafisten auf der anderen Seite nichts, beide stehen vereint im Hass auf Juden, Demokraten, sexuell Diverse und dergleichen mehr. (Siehe auch die Kooperation von Kollegah - einem "arischen" Deutschen - und Farid Bang - einem Migranten aus dem arabischen Kulturkreis - auf dem Album, das 2018 zum Echo-Skandal führte.)

    Es mag zwar Bands und Solokünstler geben, die keine echte rechte Gesinnung haben und mit Versatzstücken der extremen Rechten nur provozieren wollen, aber es stellt sich die Frage, ob solche "Provokationen" angesichts der realen Gefahr von rechts nicht brandgefährlich sind, weil echte Rechte sie aufgreifen und für bare Münze nehmen, so dass es dann eben keine Provokation mehr ist.

    Wo tatsächlich nur Provokation im Spiel ist, das sind solche Acts wie Laibach oder Rammstein, und wenn man da genauer hinsieht, sind da keine authentischen Symbole und Inhalte irgendwelcher rechter oder sonstiger totalitären Ideologien zu finden, nur ein Spiel mit der typischen martialischen Ästhetik totalitärer Bewegungen - bei der sich "linke" und rechte Totalitarismen kaum voneinander unterscheiden (man denke an die vielen Bauten in der Sowjetunion der Stalin-Ära, die durchaus von Albert Speers Reißbrett stammen könnten).

    Ungefährlich sind solche "Spielereien" freilich nicht! So gelten Laibach als "Geburtshelfer" des rechten Industrial - sie waren selbst nicht rechts, aber sprachen Rechte an und brachten sie auf die Idee, dass man mit solcher Musik und solchem Auftreten auch rechte Ideologie zum Ausdruck bringen kann. (Throbbing Gristle waren ja noch zu queer und zu eindeutig nicht rechts, als dass sie da als Vorbild hätten fungieren können.) Es soll auch rechte Rammstein-Klone geben, auch wenn mir keiner bekannt ist (ich habe mal den Namen "Riefenstahl" sowohl auf einer Liste von Rechtsrock-Bands als auch auf einer Liste von NDH-Gruppen gesehen, weiß aber nicht, ob dieselbe Band gemeint war).

    Ich habe auch schon mal gelesen, dass die Hammerskins ihr Emblem aus The Wall entlehnt hätten, weiß aber nicht, ob das stimmt. Und Roger Waters stand damals ja bekanntlich eindeutig links (auch wenn man sich dessen heutzutage nicht mehr sicher sein kann, siehe seine Unterstützung der BDS-Kampagne) und die Typen mit den gekreuzten Hämmern sind in The Wall ebenso eindeutig die Bösewichte - was sie freilich wiederum zu geeigneten Identifikationsfiguren für Rechtsextremisten macht.
     
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  3. Music is Live

    Music is Live Aktives Mitglied

    jeder politische Extremismus ist gefährlich und einfach Schei...

    auch der aktuelle "Ich mache keine Politik und halt die Schnauze Extremismus, wie gerade von der (F)Merkel Regierung!!!!
    Stichwort --> türkische Invansion...
     
  4. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Das ist mir zu undifferenziert. Man kann zu Recht kritisieren, dass die jetzige Bundesregierung in vieler Hinsicht zu wenig tut (das betrifft nicht nur den türkischen Krieg gegen die syrischen Kurden, sondern auch und vor allem den Klimaschutz und noch ein paar andere Dinge), aber mit Bestrebungen, die Demokratie zu zerstören, von welcher Seite auch immer, kann man das nicht vergleichen, wenngleich die blasse Politik der Regierung Merkel sicher einer der Gründe ist, warum so viele Leute von der Politik generell frustriert sind und AfD wählen. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass hier zwei Parteien miteinander koalieren, die traditionell die jeweiligen politischen Hauptgegner sind und in vielen Punkten unterschiedliche Positionen vertreten, so dass am Ende nur ein schwacher Minimalkonsens dabei herauskommt.
     
  5. Music is Live

    Music is Live Aktives Mitglied

    das habe ich absichtlich nicht ausgeweitet... das geht mir dann hier zu weit...

    hier spielt Musik die erste Geige...
     
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  6. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Ja. Und die Beurteilung der Merkel-Regierung und die Gründe dafür, warum sie so wenig macht, haben auch nichts mit dem Strang-Thema "Rechtsrock" zu tun! Also genug davon. Es ging mir nur darum, dass man das wirklich nicht mit Rechtsextremismus auf eine Stufe stellen kann; wahrscheinlich habe ich Dich aber auch nur falsch verstanden.

    Also zurück zum Thema. Ich habe kürzlich ein kleines, aber nicht uninteressantes Buch zum Thema rechte Ideologien in der Popmusik gelesen: Pop und Populismus von Jens Balzer. Darin schildert der Autor, wie es zum Echo-Skandal gekommen ist, und wie rechter Pop in den Charts Fuß fassen konnte. Allerdings lässt er die Geschichte mit Bushido beginnen und erwähnt mit kaum einem Wort, dass es schon lange vorher (nämlich seit Ende der 70er Jahre) eine konspirative Rechtsrock-Szene gab und noch gibt (die aber nie Teil der Massenkultur war, sondern eben im Verborgenen "blühte" - aber es gab sie), insofern ist seine Behauptung, der Rechtsextremismus sei ein "Populismus ohne Pop", nicht zutreffend. Skrewdriver machten schon rechtsextreme Musik, als Bushido noch in die Windeln pfiff.
     
  7. Switchback

    Switchback Neues Mitglied

    Sind die echt so vom Weg abgekommen ? Ich musste jetzt grad mal leer schlucken, denn Skrewdriver hatte ich noch als eine der coolsten Punkbands in Erinnerung. Ihre Stones-Adaption steht bei mir noch heute als Single im Regal.



    Ansonsten kann und will ich mich zu diesem Thema nicht äussern. Linksextreme ebenso wie Rechtsextreme werfe ich quasi in denselben Topf. Die vertreten beide nicht mein Weltbild, weder die einen, noch die anderen. Ich bin aber zumindest so grün, dass ich mir im Leben nie ein Elektroauto kaufen würde.
     
  8. nice_psycho

    nice_psycho Mitglied

    1. Da musst du ein bisschen weiter zurück gehen - bereits Mitte/Ende der 50er gab es eine "rechte" Country und Western Szene in den USA als Antwort auf die Bürgerrechtsbewegung. 1966 wurde - ebenfalls in den USA - ein Plattenlabel für "white power music" gegründet. Google dazu Johnny Rebel.
    2. Du meinst die Skrewdriver Mark 2. Die Originalband hat mit Rechts nix am Hut.
    3. Die Liste der Musiker, die sich politisch "rechts" geäußert haben ist ellenlang und beinhaltet einige große Namen. Geht es dir hier um rechte Musiker oder um Neonazi Bands?
     
  9. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    ad 1: Das war mir noch nicht so im Detail bekannt, obwohl mir natürlich schon seit langem bekannt ist, dass die C&W-Szene zumindest in dem Ruf steht, größtenteils rechts zu stehen, und traditionell mit sozialen Milieus verbunden ist, in denen rechtes Gedankengut verbreitet ist. Aber es gibt ja auch Leute, die deutschem Schlager und "Volksmusik" unterstellen, politisch rechts zu stehen, aber die Beweise schuldig bleiben. Sicher gibt es da einschlägige Fälle oder zumindest Verdachtsfälle, aber man kann das nicht verallgemeinern. (So weit mir bekannt ist, steht Roland Kaiser beispielsweise der SPD nah.) Dass bestimmte Musikrichtungen unter rechten Arschgeigen beliebt sind, sagt erst mal nicht viel über diese Musikrichtungen aus.

    ad 2: Ganz richtig. Es gab zwei Bands, die nur den Namen und den Frontmann gemeinsam hatten. Genau das wollte ich auf Switchbacks Post antworten, aber Du warst schneller ;) Und Ian Stuart Donaldson ließ es nicht mit der Gründung einer Band bewenden, sondern gründete auch das Blood & Honour-Netzwerk, das international Rechtsrock-Konzerte organisiert.

    ad 3: Es geht mir hier um Musiker und Bands, die in ihrer Musik bzw. in ihren Songtexten rechte Positionen verbreiten. Es gibt natürlich viele Musiker, die unpolitische Songs schreiben und "privat" rechts stehen, so wie es auch viele Musiker gibt, die unpolitische Songs schreiben, obwohl sie links stehen. Ich würde deshalb auch Leute wie Roger Waters oder Eric Clapton nicht als "Rechtsrocker" einstufen.
     
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  10. nice_psycho

    nice_psycho Mitglied

    Ich bin beim Schauen von "American History X" zum ersten Mal drauf aufmerksam geworden (der dicke Neonazi Seth singt ein eindeutig rechtes Lied) und habe mich danach mit der rechten C&W Szene beschäftigt. Es gab (gibt?) einige sehr gute Bücher zu dem Thema.

    Aber - und das ist ein großes aber - es kommt immer auf die Perspektive an (und damit zu "rechts"): was bedeutet rechts und rechte Musik/Texte eigentlich? Das Eis auf das wir uns begeben kann sehr dünn werden. Eine Band wie Kategorie C ist zweifelsfrei rechtsradikal, aber was sind rechte Positionen? Ist Kid Rock rechts oder nur ein konservativ denkender Patriot? Waren Lynyrd Skynyrd rechts oder hatten sie ein besonderes Verhältnis zu ihrem Heimatstaat? Selbst bei einer Band wie Frei.Wild muss der Kontext der Band (sprich ihre Sozialisation) betrachtet werden.

    Ist die folgende Textzeile rechts:

    Our founding fathers are rolling in their graves
    The land of liberty needs a regime change
    Until you no longer know right from wrong
    The constitution isn't worth the paper it's written on

    oder diese:

    And I'm proud to be an American
    Where at least I know I'm free
    And I won't forget the men who died
    Who gave that right to me
    And I'd gladly stand up next to you
    And defend Her still today
    'Cause there ain't no doubt
    I love this land
    God Bless the U.S.A.

    Nichts für ungut, ich bin durchaus dafür solche Themen in einem Forum zu diskutieren, aber hier muss uns klar sein wovon wir reden. Die englische (meine) Sichtweise zu rechts kann anders sein als deine.
     
  11. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Die von Dir zitierten Textzeilen würde ich ohne mit der Wimper zu zucken als "rechts" einordnen, auch wenn das mit Nazis nichts zu tun hat.

    Zweifellos ist die extreme Rechte in den USA anders als in Europa. Die meisten amerikanischen Rechten pochen auf die Verfassung, die ihrer Meinung nach von der etablierten Politik falsch ausgelegt wird, insbesondere auf das Grundrecht auf Waffenbesitz. Die würden niemals einem amerikanischen Hitler nachlaufen, das geht so weit, dass sie Hitler gar nicht als "rechts", sondern als "links" einordnen. Natürlich gibt es in den USA auch Nazis, aber die sind innerhalb der extremen Rechten in den USA in der Minderzahl. Insofern wäre es falsch, etwa Trump, einen ziemlich typischen US-amerikanischen Rechtsextremisten, als Nazi zu bezeichnen. Das ist er nicht!

    Und Gruppen wie Lynyrd Skynyrd oder Frei.Wild bewegen sich in einer Grauzone. Die verherrlichen eigentlich nur ihre Heimat, aber in solch verstiegener Weise, dass einem das nicht mehr geheuer ist, so nach dem Motto "Sag was Schlechtes über Alabama/Südtirol/welchen Landstrich auch immer, und es gibt was auf die Fresse!". Zwar ist Philipp Burger von Frei.Wild ziemlich offensichtlich ein Rechter, er war mal in einer Rechtsrockband namens "Kaiserjäger" (die sich auflöste, nachdem es bei ihren Konzerten immer wieder zu Schlägereien zwischen deutschsprachigen und italienischsprachigen Faschos gekommen war) und zeitweise Mitglied in der militant separatistischen Partei "Die Freiheitlichen", die enge Kontakte zur FPÖ pflegt, aber so viel ich weiß, sind die Lyrics von Frei.Wild einfach nur militant lokalpatriotisch und separatistisch. Das ist schon irgendwie "rechts", aber Nazis sind das nicht unbedingt wirklich, auch wenn sie in solchen Kreisen gut ankommen.
     
  12. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Noch ein Nachtrag: Manche fragen sich hier vielleicht, warum ich hier so viel Wert auf Differenzierung lege (von wegen, "die sind rechts, aber keine Nazis"), wo das doch "alles eine einzige braune Soße" sei. Nun, auch und gerade wo man sich einer Sache entgegensieht, die insgesamt abzulehnen und zu bekämpfen ist, ist es wichtig, zu differenzieren, weil es nicht die eine Strategie gibt, die gegen alle Arten von rechten Ideologien und Bewegungen greift. Es ist eben nicht "alles eine einzige braune Soße".

    Das ist wie in der Medizin, wo eben auch nicht jeder Tumor gleich "Krebs" ist und Windpocken noch lange keine "richtige" Pocken sind. Erkrankungen sind das alles, und der Arzt ist dazu da, sie zu bekämpfen, aber jede Erkrankung braucht auch eine entsprechende Behandlung, die bei anderen Erkrankungen wirkungslos oder gar schädlich ist (klassisches Beispiel: Antibiotika sind gegen Viren völlig nutzlos). Daher ist eine Differenzialdiagnose so ungeheuer wichtig!

    So ist das auch mit Rechtsextremismus und Rechtsrock. Volksverhetzung ist eine Straftat, Terroranschläge sowieso, aber es gibt eben vieles im rechten Spektrum, wo solche Strafrechtsnormen nicht greifen und eine politische oder kulturelle Abwehrstrategie viel wirkungsvoller ist. Man kann in einem demokratischen Rechtsstaat nicht alles verbieten! Und deshalb ist es wichtig, etwa zu erkennen, dass die meisten AfDler eben keine Nazis sind, die bereit wären, Schaufenster jüdischer Geschäfte einzuwerfen oder Moscheen niederzubrennen. Sondern "nur" Biedermänner, die Einwanderung, offene Grenzen und dergleichen ablehnen und dementsprechende Gesetzesänderungen fordern. Rechtsextremisten sind sie, ja, aber man kann sie nicht etwa mit dem NSU über einen Kamm scheren.

    Und noch was: Eine undifferenzierte Rundumschlag-Strategie, die alle Unterschiede innerhalb der rechten Szene ignoriert, nützt wiederum den Rechten, weil sie all zu oft die Falschen trifft und es den Rechten ermöglicht, ihre Gegner als intolerant hinzustellen. Man kann den Faschismus nicht mit seinen eigenen Mitteln bekämpfen, wie das viele Antifa-Anhänger glauben, tun zu können - und nicht selten Faschisten zu sehen glauben, wo gar keine sind.
     
  13. Switchback

    Switchback Neues Mitglied

    @WeepingElf:

    Genau dieses 'Differenzieren' halte ich für ziemlich problematisch. Wo hört ein Rechter auf, rechts zu sein und wo beginnt der Nazi ? Ich finde gerade diese Diskussionen, wohlgemerkt, die fast immer "verniedlichenden" Charakter haben, problematisch. Meist wird nämlich nicht der Nazi als das verurteilt, was er ist, sondern der AfD'ler verharmlost, dass er eben kein Nazi ist. So verniedlicht man die Thematik "rechts" und schafft gefährliche Interpretations-Spielräume, die nicht selten dazu führen, dass nicht Wenige denken: Aber eigentlich haben sie ja in Vielem recht, was sie sagen. Ich finde, die Probleme fangen dort eben schon an. Nein, für mich gibt es da keinen Differenzierungs-Spielraum. Das Problem in der heutigen Social Media-Landschaft und grundsätzlich in der gesellschaftsbezogenen Berichterstattung ist eben die andauernde Thematisierung. Solange über die Rechten debattiert wird, werden sie auch Zulauf haben. Es ist vielleicht wie bei einer schlechten Rockband: Erst wenn Niemand mehr über sie berichtet, interessiert sich keine Sau mehr dafür. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, und die ist in Deinen Augen vielleicht zu eng.
     
  14. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Na ja ... wenn der Vergleich zur Differenzialdiagnose in der Medizin das nicht klar genug gemacht hat, versuche ich es mal anders, einfacher und näher am Thema: Man bestraft einen Taschendieb doch nicht so hart wie einen Raubmörder - wo kämen wir denn da hin?

    Wenn Du den Eindruck hast, für mich gäbe es "gute" Rechte (AfD) und "böse" Rechte (Nazis), dann ist der falsch! Es gibt für mich keine "guten" Rechten, ich lehne alle extremistischen Ideologien ab. Aber es gibt da durchaus noch Abstufungen, weshalb es für mich auch keinen Sinn ergibt, sie alle über einen Kamm zu scheren. Insofern würde ich auch z. B. die Südtirol-Hymnen von Frei.Wild nicht mit Liedern gleichsetzen, in denen ganz offen zur Ermordung von Juden aufgerufen wird - auch wenn ich auch die besagten Südtirol-Songs ablehne.
     
  15. nice_psycho

    nice_psycho Mitglied

    Aber nicht jeder Rechte ist gleich ein Extremist! Viele Musiker (auch die beiden von mir zitierten) machen kein Hehl aus einer konservativen oder republikanischen Gesinnung, würden aber nicht zum Verbrennen von Juden aufrufen.
     
  16. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Ganz genau! Und deshalb kann man sie eben nicht mit Leuten gleichsetzen, die "Lasst die Messer flutschen in den Judenleib" grölen. Konservative sind zwar auch irgendwie rechts, aber keine Extremisten, da kann man dagegen sein, muss aber nicht. Und Extremisten gibt es ja auch links, und die lehne ich auch ab.
     
  17. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Viele AfD - Wähler wollen wahrscheinlich kein viertes Reich, aber eine Partei, die mal wieder so richtig aufräumt und für Recht und Ordnung in diesem "kaputten Staat" sorgt. Einfache Antworten auf komplexe Fragen. Das sie dem "Wolf im Schafpelz" ihre Stimme geben ist ihnen bewusst oder vielleicht auch nicht, aber sie verhelfen dem braunen Zerstörern zur Macht und hinterher wollen sie wieder von allem nichts gewusst zu haben. Auch will ich hier deutlich machen, dass ich ebenso dem Linksextremismus die rote Karte gebe und verurteile. Die eigentliche Frage ist doch, wie soll sich ein demokratisch gesinnter Mensch diesem unbelehrbaren Mob entgegenstellen? Wie kann die Demokratie wehrhaft bleiben, um nicht so zu enden wie die Weimarer Republik. Um zum eigentlichen Thema dieses Threads zurückzukommen, wie sollte unser demokratischer Staat mit diesen Bands umgehen? Verbote stehen der Meinungsfreiheit entgegen, aber welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, sich dieser menschenfeindlichen Kultur entgegenzustellen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2019
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  18. Switchback

    Switchback Neues Mitglied

    Komplette Ignoranz. In einer selbstdarstellerischen Welt wie der heutigen die einzige wirksame Waffe - und leider auch die Einzige, die genau deshalb nicht funktioniert.
     
  19. Switchback

    Switchback Neues Mitglied

    Kann ich das so verstehen: Der Rechte ist gegen Ausländer, der Extremist greift sie an ? Dann ist das genau die Verniedlichung, die ich vorher in meinem Post meinte.
     
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  20. Dandysaurus Rex

    Dandysaurus Rex Aktives Mitglied

    ...dann gibt's ja auch noch Rechte die mittels Gesetzen Minderheiten verfolgen. Beispielsweise Bundeskanzler Kurz. Obwohl er.sich.seinerzeit mit der FPÖ in's.Bett lag,wuerden ihn wohl.die wenigsten als Extremisten bezeichnen. Ein scheußlicher Demagoge bleibt und ist er trozdem.

    Wuerde ich hier publik geben,was ich ueber ihn auch und den.Großteil seiner.Wähler.halte,wuerde wohl alsbald der Verfassungsschutz vor meiner Tür stehen.
     
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