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Rechtsrock

Dieses Thema im Forum "Stammtisch" wurde erstellt von WeepingElf, 12. Juli 2019.

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  1. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Ich weiß, dies ist ein stark aufgeladenes Thema, aber hoffentlich sind wir hier uns alle im Wesentlichen einig, was man davon zu halten hat, insofern hoffe ich, dass uns das nicht ins Gesicht fliegt. Aus diesen Gründen habe ich lange gezögert, hier einen Strang zu diesem Thema zu eröffnet, aber hiermit gehe ich dieses Wagnis ein.

    Also deshalb zu Anfang eine Klarstellung:

    Rechtsrock ist kein legitimes Musikgenre. sondern ein Vehikel für menschenverachtendes Gedankengut, dem jeder Demokrat bei jeder Gelegenheit klar entgegentreten sollte!

    Mein Interesse an Rechtsrock ist dementsprechend eher von der Art, die ein Mediziner einer Krankheit entgegenbringt, der so viel wie möglich über diese Krankheit in Erfahrung bringen und sie so gut wie möglich verstehen will, um sie besser bekämpfen zu können. Zu einem gewissen Teil hängt mein Interesse an Rechtsrock auch mit meinem Interesse an Prog sowie generell an subkulturellen Dynamiken zusammen, vor allem auch damit, dass ich meine These überprüfen will, dass es keinen rechten Prog gebe. Ich jedenfalls habe ich diesbezüglich noch nichts gefunden, das scheint es in der Tat nicht zu geben.

    Aber nach all diesen Vorbemerkungen nun zum Thema. Es ist schwierig, sich als Außenstehender ein klares Bild zu machen, weil sich Rechtsrock überwiegend in einem hermetisch abgeriegelten Mikrokosmos abspielt, weil die Akteure sich veranlasst sehen, ihre Aktivitäten vor der Öffentlichkeit zu verbergen, um möglichst wenig von ihren Gegnern dabei gestört zu werden. Als Standardwerk hat immer noch das Buch RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien von Christian Dornbusch und Jan Raabe zu gelten, das aber schon etwas älter ist (2002) und daher nicht mehr den aktuellen Stand wiedergibt.Trotzdem ein lesenswertes und informatives Buch!

    Zwischen Rockmusik und Rechtsextremismus besteht zunächst grundsätzlich ein Spannungsverhältnis, vor allem aufgrund der afroamerikanischen Wurzeln der Rockmusik. Aus diesem Grund galt Rockmusik bei Rechtsextremisten bis weit in die 70er Jahre (und gilt bei manchen Rechtsextremisten bis heute) als "entartet" oder "kulturfremd". Zwar gab es immer wieder Rockmusiker mit rechten Positionen (man denke etwa an Ted Nugent, auch von Leuten wie Eric Clapton oder David Bowie gab es Äußerungen, die so verstanden werden konnten), aber das rechtsextreme Musikwesen beschränkte sich auf traditionelle Formen wie Marschmusik oder Fahrten- und Soldatenlieder sowie umgetextete Volkslieder. Vereinzelte frühe rechte Rockgruppen fanden kein Soziotop, in dem sie auftreten konnten, und verschwanden rasch wieder von der Bildfläche. Eine Szene konnte sich nicht ausbilden.

    Das endete sich in den späten 70er Jahren, zuerst in Großbritannien. In diesem Land hatte sich Ende der 60er Jahre die Subkultur der Skinheads ausgebildet, die nach einem Niedergang in den frühen 70ern in den späten 70ern einen zweiten Frühling erlebte. Die Skinheads waren zumeist Jugendliche aus der Arbeiterklasse und hatten, das kann man nicht oft genug sagten, kein gefestigtes rechtes politisches Meinungsbild. Sie interessierten sich für Fußball, nicht für Politik. Aber sie hegten Ressentiments gegen - aus Sicht der extremen Rechten - die "richtigen" Leute: das bürgerliche Establishment, die linksintellektuelle Gegenkultur (deren hehren Idealen sie nichts abgewinnen konnten - sie hatten andere Sorgen), sowie gegen Jugendliche mit Migrationshintergrund (nicht aufgrund irgendwelcher Rassentheorien, sondern ganz einfach, weil sie in ihnen Konkurrenten um die immer knapper werdenden Arbeitsplätze für Geringqualifizierte sahen). Und sie waren gewaltbereit. In den Augen britischer Rechtsextremisten machte sie all das zu idealen Fußtruppen für ihre Bewegung. Jedoch gingen ihnen bei weitem nicht alle Skinheads auf den Leim; bis heute gibt es bedeutende Teile der Skinhead-Subkultur, die sich dem Vorurteil "Skinheads = Nazis" entgegenstellen - aber viele rechts eingestellte Jugendliche wurden dadurch veranlasst, zu Skinheads zu werden.

    Die Musik der Skinheads war in den späten 60er Jahren vor allem Ska, Northern Soul und Rockabilly gewesen. In den 70ern trat der sogenannte Oi!-Punk an deren Stelle. Daraus entstand dann auch der erste Rechtsrock-Stil, der bis heute vorherrscht. Als erste erfolgreiche Rechtsrock-Band gilt die Gruppe Skrewdriver, die von Ian Stuart Donaldson gegründet wurde. Sie fand bald Nachahmer in anderen Ländern, auch in Deutschland.

    Aber Rechtsrock ist heute längst kein Einheitsbrei aus Skinhead-Musik mehr. Zwar stellt es sich so dar, dass es in der Rechtsrock-Szene keine Freiheit der Kunst gibt, doch der feste Kanon, welche Stile erlaubt sind, hat sich im Lauf der Zeit erweitert. Heute gibt es eine Reihe von Stilrichtungen, die in rechtsextemen Versionen existieren (es scheint die rechte Szene jedoch unfähig zu sein, eigene Stilrichtungen zu entwickeln; es wurden stattdessen usrprünglich nicht-rechte Musikstile akquiriert).

    In den 90er Jahren entdeckten eine Reihe von Black-Metal-Bands, dass man mit Rechtsextremismus noch besser provozieren konnte als mit Satanismus, wobei zweifellos die Gedankenkette "Satanismus → Neuheidentum → Rechtsextremismus" eine Rolle spielte. Von Satan kommt man eben leicht zu Odin und von dort zu Hitler. Das neue Phänomen, der National Socialist Black Metal (NSBM), fand bald auch Zuspruch bei der organisierten extremen Rechten. Man erkannte, dass man mit NSBM eine Klientel erreichen konnte, der die Skinhead-Musik zu "stumpf" war.

    Seit dem Jahr 2000 treten neben die Skinheads die sogenannten Autonomen Nationalisten, die sich in Auftreten und Aktionsformen an den autonomen Linken orientieren. Diese übernahmen auch deren bevorzugten Musikstil, den Hardcore Punk, und versahen ihn mit rechten Inhalten. Der National Socialist Hardcore (NSHC) war geboren.

    Ein bekanntes neueres Phänomen ist der antisemitische Hip-Hop, wie er vor allem durch den Echo-Skandal letztes Jahr in die Schlagzeilen kam, der natürlich kein "Rock" ist, aber hier der Vollständigkeit halber erwähnt werden soll. Hier treffen sich oft deutsche Rechtsextremisten mit Salafisten aus islamischen Ländern.

    Daneben bildete sich ein intellektueller Flügel der Rechtsrock-Bewegung aus, sofern man bei Neofolk und Industrial noch von Rockmusik sprechen kann. Es gibt seit den 90er Jahren eine Reihe von rechtsextremen Neofolk- und Industrial-Projekten; diese Musik ist natürlich nichts für Skinheads, die mit dem Baseballschläger in der rechten und der Bierdose in der linken Hand "Türken klatschen" gehen. Stattdessen beziehen sich die Texte dieser rechtsintellektuellen Musik oft auf schwer verdauliche rechte oder von rechts vereinnahmte Dichter und Denker wie Friedrich Nietsche, Stefan George oder Julius Evola. Obwohl Neofolk und Industrial sehr verschiedene Musikstile sind, gibt es eine Reihe von Künstlern, die beide Stilrichtungen pflegen.

    Ansonsten hört man ab und zu von rechten Tendenzen in der Hardcore-Techno-Szene, aber darüber weiß ich nichts Näheres, und es ist auch kein Rock und somit kein Rechtsrock im eigentlichen Sinne. Ferner gibt es eine ganze Reihe von Grauzonen-Bands, die immer wieder verdächtigt werden, rechts zu stehen. Das bekannteste Beispiel sind die Böhsen Onkelz, über die einige sagen, ihre Lossagung von der rechten Ideologie sei nicht glaubwürdig, andere hingegen, sie hätten mit den "Türken raus"-Songs eh nur provozieren wollen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Umstritten ist auch die militant lokalpatriotische Südtiroler Band Frei.Wild, von der die einen sagen, sie seien Nazis, andere hingegen (so auch sie selbst), sie wollten nur keine Italiener sein. Bei Gruppen wie Laibach oder Rammstein hingegen dürfte gar keine rechte Ideologie vorhanden sein, sondern nur ein provokantes Spiel mit der Ästhetik der totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts.

    Rechten Progressive Rock habe ich bislang hingegen nicht ausfindig machen können, auch wenn Rush sich mit den Werken von Ayn Rand und Museo Rosenbach mit denen von Friedrich Nietzsche auseinandergesetzt haben, und in einem Konzertbericht in der Eclipsed John Petrucci mal als "Trump-Befürworter" bezeichnet wurde. Mir sind Gerüchte zu Ohren gekommen, dass "Progrock" ein neuer Trend in der rechten Musikszene sein soll, aber es ist anscheinend Progrock im Sinne des Alternative Rock gemeint (ich habe schon zwei Rechtsextremisten kennen gelernt, die bekennende Tool-Fans waren), und gehört habe ich diese Musik auch noch nicht.

    Insgesamt gesehen ist die Rechtsrock-Landschaft also weitaus vielfältiger als Medienberichte über solche Bands wie Störkraft oder Landser vermuten lassen, auch wenn solche Skinhead-Rock-Bands wahrscheinlich auch heute noch den Löwenanteil des Rechtsrock ausmachen dürften.
     
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  2. Music is Live

    Music is Live Aktives Mitglied

    Du bist ja echt gut informiert....

    das sind die Bands und Musiker, die offen erkennbar sind.... bei anderen, wie z.B.genannte Freiwild streiten sich die Geister und Freiwild selber bezeichnet sich als nationalistisch, Heimatverbunden....
    und machen Sessions mit anderen Musikern, die mehr oder minder ähnlich gelagert sind.... (da gab es mal ein Benefizprojekt von Freiwild ins leben gerufen, irgendetwas für Kinder)
    u.a. mit dem Berliner Martin Kesici, welcher durch seinem Sieg bei einer Casting Show Bekanntheit erlangte....

    ein ehm. Bekannter nahm Gitarrenuntericht bei ihm und wurde zum Geb. von Martin eingeladen, der nach seiner Bekanntheit war.... er spielte mit seiner Powermetal Band was wir uns gratis anhörten, weil der Bekannte uns mitnahm.... danach gab es im kl. Kreis, d.h. ohne uns, eine Party mit Essen usw. ....
    da kam dann ein Fan, der irghendwie von der Aktion hörte, jedoch nicht wusste, dass Martin heute mit seiner Metalband spielte und rein gar nix mit seiner Fernsehaktion zu tun hatte....
    er versuchte unbedingt reinzukommen, was der "Kesici Security" verhinderte.....
    das Problem dabei.... der Typ war schwarz und ziemlich unbedarft..... und ein gefundenes Fressen für die A....löcher die ihn richtig Maß nahmen und Ausländerfeindlich sich äusserten mit entsprechenden Naziparolen..... als wir dies erfuhren sahen wir nach, doch es war vorbei und der arme Typ humpelte von dannen..... wir natürlich auch sofort....

    was will ich damit sagen...??

    nicht die offentsichtlichen Nazis sind die gefährlichen, die unbekannten und dadurch mehr in der Öffentlichkeit stehen sind gefährlichen.... in der Musikwelt, wie woanders auch....
    selbst im Arbeitsumkreis gibt es immer wieder unbedachte Äusserungen von Fremdfirmen, die einen die Haare zu Berge stehen lassen.....
    zeigt man Zivilcourage, stellen die auf Durchzug und sich blöd..... toller Trick....
     
  3. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Ja, die heimlich tuenden Rechten sind gefährlicher als die, die sich offen zeigen. Wenn mir ein Typ begegnet, der etwa rechte Symbole an seiner Kleidung trägt, dann weiß ich ja von vornherein, dass da was nicht stimmt. Von den Rechtsextremisten, die sich in meinen Bekanntenkreis "mogelten", war keiner auf Anhieb als solcher zu erkennen, die machten auf mich anfangs zum Teil einen interessanten oder gar sympathischen Eindruck. Das wurde immer erst später deutlich, wenn entsprechende Bemerkungen in Gesprächen fielen. Natürlich bin ich dann in allen Fällen so weit wie möglich auf Distanz gegangen. Für Rechte ist in meinem Freundeskreis kein Platz! (Für Linksextremisten oder Salafisten aber auch nicht!)

    Zur Frage, warum es keinen rechten Prog gibt, fällt mir noch ein, dass Prog in weiten Kreisen mit der Hippiekultur assoziiert wird (obwohl die Verbindung in Wahrheit nie so sehr eng war, bei den Hippies war Prog nur ein kleiner Teil ihres musikalischen Universums - in Woodstock etwa wurde kein Prog gespielt - und es gab und gibt heute natürlich viele Progfans, die keine Hippies sind - ich selbst etwa würde mich nicht als Hippie bezeichnen, ich sehe nicht aus wie einer, und teile zwar viele, aber längst nicht alle Ideen, die in Hippiekreisen im Schwange war, habe etwa mit Esoterik und "psychedelischen" Drogen nichts am Hut); darüber hinaus gilt Prog bekanntlich als "nerdig". Und Rechte hassen Hippies und Nerds, und nerdige Hippies erst recht, also warum dann "deren" Musik abkupfern?

    Aber vielleicht ist die Frage auch falsch gestellt, und es stellt sich die Gegenfrage "Warum sollte es gerade das geben?", es gibt ja so viele Musikgenres, die es nicht in einer rechten Version gibt. Wie ich ja schon geschrieben habe, gibt es da einen festen Kanon von "zulässigen" Musikstilen, und wenngleich sich dieser Kanon im Lauf der Zeit erweitert hat, ist er doch ein fester Kanon, der nicht überschritten werden darf. Und die Stile, die von der extremen Rechten kooptiert wurden, wiesen allesamt konkrete Angriffspunkte für die extreme Rechte auf, sei es Kulturpessimismus, Satanismus, Neuheidentum oder ganz allgemein Nihilismus und Zynismus.

    Musikstile, die diese Angriffspunkte nicht bieten, sind für Rechtsextremisten nicht sonderlich interessant als Propagandavehikel, und wie ich schon am Anfang des Eingangsposts geschrieben habe, ist das Verhältnis zwischen Rechts und Rock (aufgrund der nicht wegzudiskutierenden afroamerikanischen Wurzeln der Rockmusik) generell ein angespanntes (auch heute noch lehnen viele rechte Funktionäre Rockmusik ab und können sich nur mit Bauchgrimmen mit dem Phänomen Rechtsrock arrangieren), darüber kann die Existenz des Rechtsrocks nicht wirklich hinwegtäuschen.
     
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  4. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Rechtsrock. Rechtsruck. Irgendwie ähneln sich diese beiden Worte gefährlich. Ich selbst bin überhaupt nicht im Bilde, wie der sogenannte Rechtsrock klingt. Möchte ich eigentlich auch nicht. Aus den Nachrichten und Politikmagazinen im TV habe ich mich jedenfalls versucht zu informieren. Das reicht mir. Die Diskussion hier im Thread verfolge ich mit Interesse, da ich schon sehr politisch interessiert bin. War auch mal eine Zeit lang in meinem Leben selbst politisch aktiv.
    Rockmusik und rechtsradikales Gedankengut sind für mich ein Widerspruch, denn Rockmusik ist bunt, vielfältig und kulturell offen. Ein so ekelhaft negatives Menschenbild, wie das der Rechtsradikalen, hat da keinen Platz. Rechtsradikale Rockmusik ist Mittel zum Zweck und passt zur Rattenfängermentalität der braunen Brut.
     
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  5. Dandysaurus Rex

    Dandysaurus Rex Aktives Mitglied

    Prog wuerde sich aufgrund seiner Komplexität gar nicht dafür eignen um relativ schnell Menschen anzusprechen. Ein probates Mittel der Rechtsextremen ist nämlich bekannte und möglichst einfältige Popsons mit einem eigenem Text zu versehen. Selbst rechtsextreme Feindbilder wie Bob Marley oder die Ramones mussten schon daran glauben.
     
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  6. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    @Marifloyd: Ich habe auch noch nicht viel Rechtsrock gehört, will ich auch nicht wirklich. Man erfährt ja in normalen Medien allenfalls ein paar einschlägige Bandnamen, die man dann bei YouTube eingeben kann; das ist für Außenstehende so ziemlich der einzige Zugang (auch ich kenne das wenige, das ich gehört habe, genau daher). Und oft sind das dann Namen von Gruppen, die es schon längst nicht mehr gibt.

    Aber ich kann Dir sagen, Du hast nichts verpasst. Diese Musik ist durch die Bank hässlich und fast immer grottenschlecht. Das dominante Genre ist immer noch stumpfer Skinhead-Rock mit schätzungsweise ca. 90% aller Produktionen; NSBM, NSHC, rechter Neofolk und rechter Industrial sind allesamt Nischengenres. Rechter Gedankenmüll und kreative Rockmusik passen eben nicht zusammen; es spricht Bände, dass die Rechtsrockszene in den 40 Jahren ihres Bestehens noch keinen einzigen eigenen Stil hervorgebracht, sondern sich immer nur Stile von außen unter den Nagel gerissen hat - sehr zum Leidwesen der nicht-rechten Vertreter dieser Stile, denn so wie viele Leute glauben, alle Skinheads seien Nazis (was nicht stimmt), gibt es einige, die Black Metal, Neofolk und Industrial per se für Nazi-Musik halten (was genau so falsch ist).

    @Dandysaurus Rex: Das kommt auch noch dazu. Rechtsrock "muss" "voll auf die Glocke" gehen, es geht darum, Dummköpfen dumme Ideen einzuhämmern. Dazu ist eine so intellektuelle Musik wie Prog einfach nicht geeignet. Und für die (wenigen) rechten Intellektuellen (die aber dafür um so gefährlicher sind) gibt es ja Neofolk und Industrial.
     
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  7. Music is Live

    Music is Live Aktives Mitglied

    ... oder sie hören ganz historisch und verehrend --> Wagner.... :(
     
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  8. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Genau! Wagner ist, denke ich, in der rechtsintellektuellen Szene nach wie vor sehr beliebt. Es gibt ja auch heute noch viele Rechtsextremisten, die Rockmusik generell für "entartet" halten und daher auch jegliche Spielarten des Rechtsrock ablehnen. Das hatte ich ja schon im Eingangspost geschrieben. Daher sind die rechten Neofolk- und Industrial-Szenen winzig klein. Der gemeine Nazi-Skin, der mit dem Baseballschläger in der rechten und der Bierdose in der linken Hand "Asis klatschen" geht, hört eben nicht Von Thronstahl oder Death in June, sondern Die Lunikoff-Verschwörung oder wie auch immer die aktuellen Nazi-Skinhead-Stumpfrock-Kapellen heißen mögen. Und der rechte Parteifunktionär legt eben lieber Wagner auf den Plattenteller. Rechtsrock ist für den doch nur Mittel zum Zweck, weil er eben weiß, dass man mit Wagner oder mit altmodischen HJ-Fahrtenliedern kaum noch irgendwelche Schwachköpfe für die "nationale Sache" begeistern kann. Das ist alles Kalkül, ein "notwendiges Übel" sozusagen.
     
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  9. nixe

    nixe Inventar

    Mein Schwager ist auch so*n VollTrollo & ich mußte es mir auch mal anhören. Es war Folk, aber die Texte ...
     
  10. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Ja, Folk und Liedermacher mit rechten Texten gibt es auch, das habe ich im Eingangspost vergessen. Zum Beispiel Frank Rennicke - der musikalisch eine schlechte Kopie von Reinhard Mey sein soll. Auch hier gilt die Regel: Alles, was es an rechtsextremen Stilen moderner U-Musik gibt, gibt es auch in nicht rechter Ausführung, und das auch noch in besserer Qualität - es gibt also wirklich keinen Grund, über rechte Texte hinweg zu sehen, weil einem die Musik als solche gefällt!

    Und wenn man nicht selbst zur rechten Szene gehört, ist es auch schwierig, an einschlägige Tonträger oder Konzerttickets heranzukommen. Das wird alles konspirativ organisiert, allein schon um politische Gegner fernzuhalten. (Die Polizei ist gar nicht mal der Hauptgegner, die kann oft eh nicht allzu viel unternehmen, weil das meiste ganz geschickt so ausgetüftelt ist, dass Straftatbestände wie Volksverhetzung umschifft werden - es ist in der rechten Szene gang und gäbe, Texte von Rechtsanwälten gegenlesen zu lassen. Da wir - anders als die Rechten behaupten - in einem Rechtsstaat leben, kann Vater Staat eben nur dann eingreifen, wenn es zu Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten kommt.) Die wichtigsten rechten Netzwerke im Rechtsrock-Sektor waren früher und sind vielleicht noch heute die von Skrewdriver-Chef Ian Stuart Donaldson gegründete Organisation Blood and Honour und die aus den USA stammenden Hammerskins. Die waren lange Zeit erbitterte Konkurrenten, zwischen denen es immer wieder zu Schlägereien kam, doch sollen sie mittlerweile miteinander Frieden geschlossen haben und zusammenarbeiten.

    Früher wurden oft Säle unter falscher Flagge angemietet, was in der Regel einmalige Aktionen waren, denn wenn sich erst einmal eine "Hochzeitsfeier" als Rechtsrock-Konzert entpuppt hatte, dann konnte man weitere Konzerte in diesem Lokal jedenfalls vergessen. Mittlerweile gibt es aber genug Gastwirte, die selbst mit der rechten Sache sympathisieren und bereit sind, ihre Häuser für Rechtsrock-Konzerte zur Verfügung zu stellen. Das ist auch der Grund, warum bestimmte kleine Orte wie Themar (Thüringen) oder Ostritz (Sachsen) immer wieder Schauplatz für Rechtsrock-Veranstaltungen sind, weil es dort eben solche Wirte gibt.
     
  11. Dandysaurus Rex

    Dandysaurus Rex Aktives Mitglied

    Ein sehenswerter YouTube Film zum Thema Rechtsrock.


    Mitunter gleicht es einer waren Schnitzeljagd überbaut auf so ein Konzert zu kommen.
     
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  12. Music is Live

    Music is Live Aktives Mitglied

    vom Y-Kollektiv (ARD-YouTube Channel) war ein Reporter in Ostriz....
    seine Berichterstattung ist schon interessant....
     
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  13. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Mein lieber Schwan. Ein interessanter Bericht. Respekt vor diesem Mut.
     
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  14. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Das ist alles schon bestürzend. Mit Musik hat das eigentlich nichts mehr zu tun, die (fast stets unterirdisch schlechte) Musik dient nur als Vehikel für menschenverachtende Propaganda. Da müssten mehr verdeckte Ermittler her, die die auf solchen Events begangenen Straftaten niet- und nagelfest dokumentieren, um sie strafrechtlich verfolgen zu können. Da muss schwereres Kaliber aufgefahren werden als Alkoholverbote, wie kürzlich in Ostritz!

    Mir fällt noch ein, dass solche Aktivitäten oft auch die nicht rechten Pendants der einschlägigen Musikrichtungen in ein schiefes Licht rücken. So wie viele fälschlich der Meinung sind, alle Skinheads seien Nazis, werden auch Black Metal, Neofolk und Industrial oft einem Generalverdacht unterstellt. (Nicht dass mir diese Musikrichtungen gefallen würden, aber sie sind bei weitem nicht in Gänze rechts! Jedenfalls glaube ich nicht, dass Leute wie Genesis P-Orridge oder David Tibet etwas mit Faschismus am Hut haben, so seltsam ihre Denke und ihre Musik auch sein mag.)

    Und die Gegenreaktionen sind auch manchmal seltsam. "Sollen sie doch ihre Musik haben, aber nicht in unserem Ort!" Das erinnert an Leute, die für Atomkraft sind, aber kein AKW im eigenen Landkreis haben wollen. Irgendwo habe ich mal eine Äußerung eines Black Metallers aufgeschnappt, NSBM sei kein echter Black Metal, weil er eine "lebensbejahende" Ideologie transportiere. Bitte was, Faschismus soll "lebensbejahend" sein???
     
  15. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Es ist oft so. Dein Beitrag erinnert mich sehr an das St. Florian Prinzip:

    "Das Sankt-Florian-Prinzip (österreichisch: Floriani-Prinzip) oder die Sankt-Florian-Politik bezeichnet Verhaltensweisen, potentielle Bedrohungen oder Gefahrenlagen nicht zu lösen, sondern auf andere zu verschieben. Die englischsprachige Entsprechung ist Nimby, ein Akronym für „Not in my backyard“.

    Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!“

    Wikipedia
     
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  16. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Ich denke mal, in diesem konkreten Fall von "Nimby" ging es den Leuten um den Ruf ihrer Gemeinde, die in den Medien eben vor allem für die dort stattfindenden Rechtsrock-Veranstaltungen bekannt ist. Aber wie sie das auch immer begründen mögen, es ist grundfalsch. Zeigt nur, dass da dem Rechtsrock falsche Toleranz entgegengebracht wird. Es würde mich auch nicht verwundern, wenn viele von denselben Ostritzern, die den Nazis "ihre Musik lassen" wollen, "nur nicht in unserem Ort", AfD wählen würden.
     
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  17. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Das sehe ich auch so.

    Eine Demokratie muss wehrhaft sein. Besonders gegenüber Faschisten.
     
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  18. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Was mit einer Demokratie passiert, die nicht wehrhaft ist, hat man ja in der Weimarer Republik gesehen. Oder in den USA. Die Amerikaner glaubten an eine absolute Meinungsfreiheit, wonach selbst die abscheulichsten Meinungen toleriert werden müssten - und jetzt haben sie Donald Trump. Nicht umsonst werden viele Rechtsrock-CDs in den USA produziert, wo es keinen Straftatbestand der Volksverhetzung gibt - oder in Russland.
     
  19. Dandysaurus Rex

    Dandysaurus Rex Aktives Mitglied

    Du arme Sau. Ich kann deine Situation gut nachvollziehen,da ich mit ähnlichen Schwachmaten gesegnet wurde.Als langhaariger amtsbekannter Hippie Kiffer bin ich fuer die natürlich DER Antichrist. Aber ich bin natürlich schon Stolz auf mich und mein Verhalten und dass ich mich absolut gegensätzlich entwickelte!
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juli 2019
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  20. nixe

    nixe Inventar

    Stimmt, auch ich war in meiner Family weniger wert!
    "Das ist doch keine Musik, was Du da hörst!"
    Ich habe zwar nix gescheites auf die Reihe gebracht, außer meinen super MusikGeschmack, Auf den ich natürlich auch stolz bin! & ich bin nicht versumpft! verstumpft! & verblödet!
     

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