Prog-Stilkunde nach 2000

Dieses Thema im Forum "Prog und Artrock" wurde erstellt von WeepingElf, 27. September 2017.

  1. WeepingElf

    WeepingElf Mitglied

    Im Zuge meines Buchprojekts bin ich auch dabei, eine Stilkunde des Prog zu entwickeln. Na gut, man kann den Sinn der ganzen Schubladenmeierei trefflich in Frage stellen, und es kann und soll nicht darum gehen, das Stil-Klein-Klein der Elektronikszene zu kopieren, wo man bisweilen den Eindruck hat, dass es da schon um Nachkommastellen der BPM-Zahl geht;) Auch die Metalfraktion und selbst die Punker und Indies kacken da manchmal Korinthen. Aber ich denke, eine gewisse Klassifikation in etwa ein Dutzend Stilbereiche kann angesichts der verwirrenden Vielfalt des Progressive Rock schon hilfreich sein, den Überblick zu behalten.

    Was die Geschehnisse vor 2000 betrifft, ist eigentlich alles klar, wie es auch in der Wikipedia steht. Da gibt es Proto-Prog, klassischen Prog, Canterbury, RIO, Neoprog, Progmetal usw. Wo es noch "weiße Flecken" auf meiner Prog-Landkarte gibt, ist unser eigenes 21. Jahrhundert. Da gibt es den New Prog à la Steven Wilson, aber nicht nur das. Wie sollte man etwa das nennen, was (anscheinend vor allem kontinentaleuropäische) Gruppen und Projekte wie Pain of Salvation oder Ayreon fabrizieren, mit epischen Konzeptalben usw.? Sicher wurzelt das vor allem im Progmetal à la Queensrÿche oder Dream Theater, aber es hat doch auch schon wieder eigene, modernere Züge, Einflüsse einerseits vom Folk-Rock und Folk Metal, andererseits von Noise und Industrial (oder nicht?). Vielleicht "Euro-Prog"? Oder "New Epic Prog"? Oder noch was ganz anderes?

    Und damit sind die Randbereiche, wo man sich streiten kann wie die Kesselflicker, ob das denn überhaupt noch Prog ist, noch gar nicht einbezogen. Was gibt es da so? Eine Zeitlang war da ja so viel von "New Artrock" die Rede, aber die Bezeichnung scheint auch wieder aus der Mode zu kommen. Dann gibt es das weite Feld des Technical Metal und des Djent, die ganzen Postrock- und Postmetal-Geschichten und was weiß ich noch.
     
  2. Jan

    Jan Mitglied

    Alternative Progressive Rock á la Thank You Scientist, The Pineapple Thief, Agent Fresco und Co nicht zu vergessen. Gut ich bin mal so dreist und zähle Amplifier noch dazu. Da hats einige Perlen dabei
    (Hoffentlich liest Win meinen Post :cool:;))
     
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  3. WeepingElf

    WeepingElf Mitglied

    Es scheint hier doch jemand mein Post gelesen zu haben, nachdem es fast 2 Wochen lang von niemandem beachtet worden zu sein scheint ;)

    Man kann natürlich darüber streiten, ob Musikstil-Klassifikationen von dieser Art überhaupt sinnvoll sind, gerade im Prog, wo doch die Individualität einer Band hoch geschätzt wird, und daraus eine große Vielfalt resultiert. Aber ich denke, es ergibt Sinn, zu versuchen, da eine übersichtliche Struktur reinzubringen.

    Die meisten hier scheinen "Schubladenmeierei" eher abzulehnen, und man kann es, wie ich selbst ja geschrieben habe, übertreiben. Da gelten ja auch in verschiedenen Musikgenres unterschiedliche Kriterien. Um nur ein Beispiel zu nennen: Für die Elektroniknerds ist eben die BPM-Zahl ungeheuer wichtig, weil man die beim Beatmatchen kennen muss, während in unseren Gefilden kein Hahn danach kräht, zumal sie sich nicht selten innerhalb eines Stücks verändert :cool:

    Ich weiß selbst noch nicht so richtig, wie man die Sorte Prog nennen soll, für die ich im Eingangpost die Bezeichnungsvorschläge "Euro-Prog" und "New Epic Prog" in den Raum gestellt habe. Ich neige derzeit zu "Euro-Prog". Gibt es da bessere Vorschläge?
     

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