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Midnight Oil

Dieses Thema im Forum "Classic Rock" wurde erstellt von Perfectionist, 1. Mai 2019.

  1. Perfectionist

    Perfectionist Mitglied

    Nun, nachdem meine Erwähnung der Band in einem anderen Thread für ein wenig Irritation gesorgt hat ;), ist die Zeit für ein eigenes Thema reif, finde ich. Die Band ist ja jetzt sogar auf der eclipsed-Webseite!

    Um es von Anfang an klar zu machen: Ich halte Midnight Oil für die wichtigste, originellste und wohl auch beste Rockband aus Australien. Ihr Stil ist absolut unverkennbar und absolut australisch. Einerseits kennt man ihren Rocksound, wenn man ihren größten Hit "Beds are Burning" kennt: Dynamische Drums, pumpender Bass, spartanische Keyboards und New-Wave-artige Gitarren, darüber die markante, kraftvolle Stimme von Peter Garrett mit dem markanten australischen Akzent, gerne in Backing Vocals der anderen Bandmitglieder eingebettet. Aber es gibt auch die leiseren Midnight Oil, in deren klanglicher Weite sich die oft kargen australischen Landschaften widerspiegeln (vergleichbar vielleicht damit, wie ZZ Top ihre Heimat Texas auf "Tejas" umgesetzt haben).

    Tatsächlich habe und kenne ich nur zwei komplette Alben der Band, sowie diverse Einzelsongs von anderen Platten. Sie waren nie ganz oben auf meiner Liste, aber mittlerweile merke ich, dass ich mich mehr mit ihrer Musik auseinandersetzen sollte (und das eclipsed könnte das auch mal machen, z.B. als Einkaufszettel). Ob ich die Band bei ihrer Comebacktour sehen werde - wir werden es sehen. Ihren Ruf als hervorragende und mitreißende Liveband haben sie auf jeden Fall nie verloren. Ein paar Worte zu den beiden Platten, die ich beide als Klassiker bezeichnen würde:

    "Diesel and Dust" von 1988 ist das Album, das den wirklichen Durchbruch der Oils markiert, dank mehrerer Hitsingles. Den Opener "Beds are Burning" dürften die meisten Rockhörer kennen; die simple, aber wirkungsvolle Hymne bildet zusammen mit dem spannenden "Put Down that Weapon" und dem drückenden, voranpreschenden "Dreamworld" eine der besten Eröffnungstrilogien, die ich von einem Rockalbum kenne. Die Dramaturgie ist einfach toll: "Beds Are Burning" ist eine Art Eröffnungsfanfare, "Put Down that Weapon" (über die nukleare Bedrohung) fast schon gespenstisch ruhig, bevor sich die Spannung im wüsten, wütenden Mittelteil entlädt. "Dreamworld", eine Art Abschiedslied für eine geliebte Landschaft, das ich übrigens vor vielen Jahren zuerst bei Volker Rebell auf HR3 gehört habe, genau andersherum: Druckvoll mit diesmal prägenden Keyboards und Hammond-Orgel und einer punkigen Intensität, dabei dennoch immer sehr professionell gespielt, aber in der Mitte wird plötzlich Raum für eine ganz andere Stimmung.

    Auch wenn die restlichen Stücke dieses Niveau nicht alle halten und das Album gegen Ende sogar etwas belanglos wird, hat "Diesel and Dust" noch einige weitere Highlights zu bieten. "Whoah" mit einer völlig unerwarteten Wendung von der Strophe hin zum Refrain gehört dazu, bekannter dürfte "The Dead Heart" sein, das auch immer noch an und an im Radio zu hören ist. Hier hört man die anderen Oils: Eine Band, die auch fast ohne elektrische Gitarren eine Menge Dynamik erzeugen kann, und wunderbare Melodiebögen spannt. Kein Wunder, dass die Jungs zu MTV Unplugged eingeladen wurden.

    Das 1990 veröffentlichte "Blue Sky Mining" ist vielleicht Midnight Oils erfolgreichstes Album und wohl eines ihrer ambitioniertesten. Genauso wie bei "Diesel and Dust" fällt hier eigentlich nur der vorletzte Track ein wenig ab, ansonsten ist das Niveau aber noch mal deutlich höher. Der Fast-Titelsong "Blue Sky Mine" ein kleines Meisterwerk in vier Minuten mit ständigem Wechsel zwischen angespannter und etwas relaxter Atmosphäre und Garretts wilder Mundharmonika (die bei ihrem späteren Hit "Truganini" noch mal zu hören sein wird). Man beachte auch das Zusammenspiel zwischen Gitarre und Orgel. Das sich direkt ohne Pause anschließende "Stars of Warburton" ähnlich, aber etwas getragener - und mit einem wirklich genialen Songtext (dazu später mehr), inklusive Zeilen wie "The listener is listening as he hits the ground" oder "Don't want to talk about Elvis Presley, don't want to see his white shoes walking around and around and around all over here"! "Forgotten Years" über die dunklen Kapitel in der Geschichte und das offensive (ich kling' schon wie Alan Tepper...) "King of the Mountain" schlagen in eine ähnliche Kerbe, aber die wirklichen Monumente finden sich in den drei düsteren Tracks "Bedlam Bridge", "Mountains of Burma" (mit gruseligen Schreien!) und "River Runs Red" (unheimlich!). Mit dichten Arrangements bauen die Oils hier eine eigene Form von Progressivität, die auch den fantastischen Schlusstrack "Antarctica" durchzieht (getragen vom Mantra "I'm a snow plough, I must now plough on" - genial!!). Für die Qualität der Platte ist wohl auch Co-Produzent Warne Livesey mitverantwortlich, der später mit Mark Hollis an dessen einzigem Soloalbum arbeiten sollte. Viele Songs gehen ineinander über.

    Midnight Oil waren immer eine politische Band. Kaum ein Song, der nicht politische oder sozialkritische Töne anschlägt. Damit haben sich die Jungs weiß Gott nicht nur Freunde gemacht, besonders beim konservativen Establishment. Aber gerade ihr unermüdliches Engagement für Umweltschutz, Abrüstung und die Rechte der australischen Ureinwohner macht die Oils so einzigartig. Wie viele Rockbands können schon von sich behaupten, dass sie sich aufgelöst haben, weil ihr Sänger in die Politik ging? Und Garrett hat es weit gebracht, nämlich bis in die Regierung als Minister. Die Texte mit ihrer Mixtur aus politischen Anspielungen und surrealen Momenten (s.o.) können mit denen eines Roger Waters durchaus mithalten, und genauso wie bei Waters kann man Musik und Text/Aussage kaum voneinander trennen - musikalisch sind die Australier dem Solowerk des Ex-Pink-Floyd-Bassisten aber in meinen Ohren Lichtjahre voraus.

    Hier noch eine ihrer tollen Textzeilen: "You can say you're Peter, say you're Paul, don't put me up on your bedroom wall"!
     
  2. Lamneth

    Lamneth Aktives Mitglied

    Ich kenne nur die Diesel And Dust gut, die bekam ich damals als LP geschenkt. Die Texte gefielen mir auch ganz gut, ich fand es immer wichtig, dass es Bands gibt, die sozialkritische und politische Aussagen mit ihren Texten machen. Nur die Musik war mir bisweilen etwas sperrig, da gefällt mit vor allem die Amused To Death von Waters (mit dem superben Jeff Beck) doch deutlich besser.
     
  3. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Oh, da habe ich doch wesentlich mehr von MO in meiner Sammlung. Die Band begleitet mich schon bereits seit vielen Jahren und ich freue mich über die Erstellung dieses Threads. Prima Idee und sehr schöne einleitende Worte zum Thread.

    Da steige ich mal mit einem kurzen Instrumental vom Album "Red Sails in the Sunset" ein, der für Überraschung sorgen sollte und mich an die Augsburger Puppenkiste erinnert....

     
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  4. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Noch ein weiterer Song des vorgenannten Albums...



    Up there on the platform
    He is speaking to the people
    The people are responding
    With clapping and a'cheering
    But the meaning of the message
    Not revealed to those assembled
    They're taken for a ride
    Taken In his stride
    When the Generals talk
    You better listen to him
    When the Generals talk
    You better do what he say
    There's a rumor in the ranking
    Someone's talking insurrection
    So the General has a purge
    Cause he wants to win elections
    With the…
     
  5. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Ein ganz tolles Live Album ist "Scream In Blue". Das Album habe ich in mein Herz geschlossen. Es erschien 1992.



     
  6. toni

    toni Aktives Mitglied

    Ich mag Midnight Oil auch sehr , habe von ihnen diese Cd`s :

    • 1982: 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1
    • 1990: Blue Sky Mining
    • 1993: Earth And Sun And Moon

    Live habe ich Sie 1 mal gesehen







     
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  7. Andie Arbeit

    Andie Arbeit Mitglied

    Asche auf mein Haupt. Als ich las, ein Thread für Midnight Oil dachte ich doch, die haben in den 80zigern "Diesel and Dust" gemacht und das war es auch. Dann sah ich, dass ich selbst zwei LPs und sechs CDs im Regal stehen habe und da ist wirklich mehr drauf als nur "Beds are Burning".
    Hier mal ein Song aus "Blue Sly Mining"...
     
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  8. toni

    toni Aktives Mitglied

    Ein Song denn ich sehr mag und mich zum nachdenken bringt !

     
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  9. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Ein toller Song vom Diesel And Dust Album...



    Wir dienen nicht eurem Land,
    Dienen nicht eurem König,
    Kennen eure Bräuche, sprechen eure Sprache nicht.
    Der Weiße Mann kam und nahm jeden.

    Wir dienen nicht eurem Land,
    Dienen nicht eurem König.
    Weißer Mann, hör' unseren Liedern zu, die wir singen!
    Der Weiße Mann kam und nahm alles.

    Wir tragen in unseren Herzen das wahre Land,
    Und das kann nicht gestohlen werden.
    Wir folgen auf den Fußspuren unserer Ahnen,
    Und das kann nicht gebrochen werden.

    Wir brauchen keinen Schutz,
    Brauchen nicht eure Hand.
    Haltet euer Versprechen, worauf wir stehen,
    Wir werden hören, wir werden verstehen.

    Minen-Gesellschaften, Glaubensgemeinschaften,
    Uran-Gesellschaften,
    Verwertungsgesellschaften,
    Sie bekamen mehr Rechte als die Ureinwohner,
    Hatten mehr zu sagen als die Ureinwohner,
    Vierzigtausend Jahre können einen Unterschied machen zum heutigen Stand der Dinge.
    Das Tote Herz lebt hier.
     
    Andie Arbeit und toni gefällt das.
  10. Perfectionist

    Perfectionist Mitglied

    Wow - da kam ja einiges zusammen!
     

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