1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

LOTUS - Fruitage (1997)

Dieses Thema im Forum "Empfehlenswerte Alben" wurde erstellt von Catabolic, 16. Juli 2018.

  1. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    LOTUS - Fruitage (Record Heaven Records RHCD4, 1997)

    Lotus - Fruitage.jpg

    Man würde heute dieses tolle Schwedische Hardrock Trio vermutlich in die Stoner Rock Ecke drängen. 1997 befand sich dieser Musikstil jedoch noch in seinen Kinderschuhen, und zählte Lotus folgerichtig zu den sogenannten Hard Psychedelic Rock Bands, die sich am bleischweren Hardrock der frühen 70er Jahre orientieren. Lotus klang dabei wie ein Gemisch aus Leslie West's Mountain und der Band Stray, jedoch mit einer gehörigen Portion hartem Funk mit bei. Tonnenschwer wie Black Sabbath, aber tief in den Blueswurzeln wie Mountain knarzte sich das Trio durch zehn tiefdröhnende Titel, die oft an der Grenze zum Zeitlupen-Rock waren, durch ihre powervolle Bauch-Tiefe aber jederzeit wachrüttelten. Der Gitarrist und Sänger Niklas Börjesson, der Bassist Tomas Modig und der Schlagzeuger Hans Eriksson wandelten stilsicher auf den Pfaden des frühen 70er Hardrock, und auch ihr Outfit, das mal aus psychedelischen Rüschenhemden, Flokati-Mänteln und Blumenhosen bestand, zeigte ihre Verbundenheit mit der Aera des Underground Rocks von Anfang der 70er Jahre.

    Das Trio erregte erstmals Aufmerksamkeit, als es für eine EP mit dem Titel "A Taster For The Big One" den Thin Lizzy-Gitarristen Brian Robertson verpflichetete. Mit diesem preominenten Namen im Gepäck wurde die Rockwelt relativ schnell auf das Trio aufmerksam. Die Band veröffentlichte insgesamt drei Platten, die allesamt auch international vermarktet wurden. Lotus spielten an vielen Open Airs und auch ihre Konzertreisen uter eigener Flagge waren stets gut besucht und führten dazu, dass sich die Gruppe bald schon eine relativ grosse Fangemeinde aufbauen konnte. "Fruitage" war das zweite Album der Gruppe, die zuvor mit dem Erstlingswerk "Taster" noch wesentlich progressiver agierte. Anfangs waren eher Bands wie Iron Butterfly, Cactus oder frühe Deep Purple im Hauptfokus der Gruppe, die sich da noch stärker an den ausgehenden 60er Jahren orientiert hatte. Mit "Fruitage" ging die Band vorwärts in Richtung Anfang 70er Jahre. Die damit verbundene stärker gewordene Elektrifizierung und auch der Anteil an Doom-Elementen, wie sie beispielsweise auch Black Sabbath von Anfang an verwendeten, machte den Sound von Lotus insgesamt wesentlich härter, dreckiger und bedrohlicher. Das zweite Album "Fruitage" war dann aber trotzdem eine Ueberraschung, weil die Gruppe hier sich eher am Songwriting etwa von Leslie West orientierte. Bärenstarke Gitarrensounds, die den Gegenpol bildeten zu den aus der Feder von Felix Pappalardi stammenden Rockballaden mit leicht mystischem Flair: So klang auch das zweite Album von Lotus. Allerdings wie eingangs bereits erwähnt, noch mit einem kleinen Schuss hartem Funk.

    Alle Songs stammen aus der Feder des Trios, sind gemeinsam konzipiert und arrangiert worden, und da und dort gibt es kleinere Gastauftritte etwa von Börje Olofsson, der mit seinen Congas den leichten Funky-Touch in die bleischweren Gitarren-Songs hinein bringt, oder Anders Rimpi, der mit seiner Flöte im Song "Fruitful & Beautiful World" für wunderbare psychedelische und ein bisschen folkig-vernebelte Momente sorgt, die sich wohltuend vom harten Rock der anderen Songs abheben. Die ganze Platte wurde in der ersten Woche im Februar 1997 im J&M Studio in Mölnlycke eingespielt, von Martin Kronlund und Stefan Elmgren. Ihre fette Produktion macht die Platte zu einem hervorragenden Hardrock Dokument zu einer Zeit und in einem Land, da der bleischwere Rock alles andere als angesagt war. Vielleicht konnte die Band deshalb sich so eine grosse Fangemeinde schaffen, weil sie sich an einem Sound orientierte, der zu jenem Zeitpunkt so ziemlich out of fashion war. Heute veröffentlicht, würde diese Platte auf jeden Fall ziemlich grosse Aufmerksamkeit erhalten, denn heute ist diese Musik wieder ziemlich angesagt.

    Niklas Börjesson sagte in einem Interview, dass die Idee eines klassischen Rocktrios von Anfang an geplant war, und dass auch Gruppen wie beispielsweise Cream zum Zeitpunkt der Bandgründung Pate stand: "I've always liked the idea of being only three people playing together. There's enough space for everyone in the band to fill out, and you also get a certain kind of energy out of a trio. Das Bemerkenswerte dabei war, dass sich die Band dann an Konzerten nie wie ein Trio anhörte, sondern wesentlich fülliger und satter, als wären mindestens zwei weitere Musiker auf der Bühne. Diese klassische Triobesetzung macht auch letztlich den Reiz dieser Musik aus: Wie Börjesson erklärt, kommen dabei alle drei Bandmitglieder zu ihren Freiräumen, in welchen sie sie sich entfalten können, was besonders in längeren Jams bei Triobesetzung natürlich vor allem der Gitarrist ist. Doch dank dem sehr intelligenten und äusserst perkussiven Schlagzeugspiel von Hans Eriksson und dem weite Melodiebögen präsentierenden Bassisten Tomas Modig, der sehr oft nicht nur Grundton, sondern auch Melodieteile liefert, wirkt der Sound der Band üppig und dicht.

    Was auf "Fruitage" an Power losgelassen wird, ist für mich als knochentrockener Hardrock zu bezeichnen. Die heute gängige Bezeichnung Stoner Rock passt meiner Meinung nach nicht zum Sound von Lotus, dafür spielt dieses Trio zu differenziert und vielfältig. Die Bezeichnugn Stoner Rock wird dem Album daher nicht gerecht. Was eine gewisse Nähe zu dieser Musikart hingegen schon symbolisiert, ist der Umstand, dass viele der Songs auf diesem Album instrumental gehalten sind, was im Bereich Hardrock dann doch wieder eher ungewöhnlich ist. Lotus sind auch keine typischen Rock-Protagonisten, sie dreschen sich roh, ungehobelt und perfid dröhnend durch die 41 Minuten Spielzeit des Albums ohne anbiedernde Superstar-Saitenakrobatik. "Fruitage" ist ein Album, das sich letztlich nicht schubladisieren lässt. Der Hörer bekommt knallharten Rock serviert, der so einige Elemente aus dem Funk bereithält, dazu tolle Gitarrenläufe ohne "ich-bin-der-Schnellste"-Attitüden - und manchmal, da beginnt man instinktiv mit dem Head zu bangen, allerdings weitgehend in Zeitlupe. Gefällt mir jedesmal, wenn ich mir die Platte auflege, wieder wie beim ersten Anhören damals.

    Das Coverdesign, ein Werk des bekannten italienischen Malers der Spätrenaissance Giuseppe Arcimboldo, passt einerseits zum Titel der Platte, aber auch zum musikalischen Inhalt, der mehr als einmal eine vegetarische Grundausrichtung der Musiker (gewollt ?) verrät: Einige Titel des Album erhalten Namen wie zum Beispiel "Psychedelic Salad", "Green Power", "Rhubarb City", "Avocado Eldorado", "Pink Heaven", "Banana Head", "Tangerine", "Fruitage" oder "Fruitful & Beautiful World". Der Maler Arcimboldo hat schon einige Rockbands mit seinen Werken zu Plattencovers inspiriert, so beispielsweise die Gruppe Kansas, die das Bild "Wasser" von ihm als Cover für ihr Werk "Masque" verwendete, ausserdem die amerikanische Poprock-Band Baby Grand, deren Albumcover "Ancient Medicine" das Bild "Die 4 Jahreszeiten" von Arcimboldo ziert.



     

Diese Seite empfehlen