Iron Maiden - Diskussion

Dieses Thema im Forum "Stonerrock, Doom, Metal" wurde erstellt von LassenSieMichDurch, 25. November 2016.

  1. LassenSieMichDurch

    LassenSieMichDurch Alter Hase

    Ich schließe mich hiermit den Diskussionsthreads von @Vertigo an und bringe weitere Bands zur Sprache, über die wir uns bereits mehr oder weniger flüchtig ausgetauscht hatten. Hier ist jetzt der Platz dafür, es richtig zu tun.

    Und auch hier gilt natürlich: Bitte keine Youtube-Videos posten. Dafür sind andere Threads da.
    Aber alle Gedanken, die sonst zu einer hoffentlich angeregten Diskussione beitragen, sind willkommen. :)
     
  2. Music is Live

    Music is Live Aktives Mitglied

    Diskutieren über Iron Maiden ist wie Fliegen mit Stäbchen fangen.... :rolleyes:

    Es gibt Bands die scheinen irgendwie alle richtig gemacht haben.... Maiden zählen ganz bestimmt dazu.... will nicht heissen dass alles glänzt was Gold ist doch bei der Menge, die sie produzierten ist dies nicht möglich.

    Schade fand ich immer irgendwie, dass Paul di Anno nicht mit seiner Stimme mithalten konnte, die ersten beiden Alben habe ein eigenes Leben.
    Mit Bruce haben sie dies natürlich bestens aufgefangen und gar verbessert, nur die ersten Beiden wird er immer nur covern können.....

    Die Gesangsphase in den ´90ern übersehe ich mal.... da pausierten Iron Maiden für mich und beschäftigten sich mit einem gleichnamigen Nebenprojekt.....
    Mit Brave New World ging es dann weiter..... nachdem Bruce sich Solo austobte (ebenso "nur" ein Nebenprojekt, nur besser als die von der Band)

    ... und was heute Paul di Anno von sich gibt grenzt an Geschmacksverirrungen plus ein paar Highlights aus seiner Maidenphase. meine Meinung.... sein Getue und Geschimpfe lässt ihn nicht sympathischer werden.
     
  3. LassenSieMichDurch

    LassenSieMichDurch Alter Hase

    Paule ist halt frustriert, ich kann es auch bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Er ist ein grundsympathischer Kerl mit Ecken und Kanten, nur ist in seiner Karriere nach Maiden leider so ziemlich alles schief gelaufen. Das lag natürlich zum Teil auch an ihm selber. Wenn er sich besser im Griff gehabt hätte, wäre vielleicht mehr draus geworden.

    Wenn er jetzt zurückblickt, ist es für ihn natürlich schon schwer erträglich, dass ihn die Leute immer nur mit Iron Maiden assoziieren und sein Name im Prinzip nur noch durch die ersten beiden (großartigen!) Maiden-Scheiben mit Leben gefüllt wird.

    Dass ihn das nicht glücklich macht, wenn sämtliche Soloversuche im Sand verlaufen und es sicherlich schöneres gibt, als ewig und drei Tage mit beliebigen Backingmusikern durch Bierzelte zu tingeln und alte Maiden-Gassenhauer zum Besten zu geben, weil die Leute von ihm nix anderes hören wollen, kann ich mir gut vorstellen.

    Außerdem geht es mit ihm ja auch schon seit Jahren gesundheitlich bergab, das erhöht die Frustrationstoleranz mit Sicherheit nicht gerade. Mittlerweile ist bei ihm der Spruch "Rock´n´Roll bis der Arzt kommt" traurige Wirklichkeit geworden, wenn er da teilweise im Rollstuhl oder an Krücken auf die Bühne gekrochen kommt. Das ist ein trauriger Anblick. Mir tut er ziemlich leid, auch wenn manches von ihm selbstverschuldet ist.

    Einige seiner früheren Projekte, wie Di´Anno oder Battlezone, waren aber sehr hörenswert. Das besaß einiges an Potenzial. Und die erste Killers ist auch sehr geil.
     
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  4. Beardfish

    Beardfish Mitglied

    Auch wenn ich jetzt eine Grundsatzdiskussion lostrete... ich find die beiden Alben mit Blaze Bayley ziemlich gut gelungen. Ist halt ein etwas anderer Stil mit anderem Sänger. Aber Songs wie "Don't Look To The Eyes Of A Stranger" sind einfach großartig.

    Daher muss ich tatsächlich für mich eingestehen: Es gab keinen Ausrutschter der Band! Am ehesten Durchschnitt sind für mich noch "No Prayer For The Dying" und "Fear Of The Dark" (ausgenommen natürlich die genialen Titelsongs...)
     
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  5. Pavlos

    Pavlos Mitglied

    Ich liebe The X Factor. Die Scheibe hat eine ganz spezielle, düstere Stimmung inne.
     
  6. LassenSieMichDurch

    LassenSieMichDurch Alter Hase

    Diese eigene, düstere Stimmung finde ich nicht problematisch, die stört mich nicht und die gibt dem Album in der Tat einen besonderen Touch. Aber "The X-Factor" hat zu viele (unter-)durchschnittliche Songs, zumindest für Maiden-Verhältnisse und ist dadurch insgesamt zu lang. Ich war damals voller Vorfreude und wurde mächtig enttäuscht, als ich das Album erstmals hörte.

    Außerdem kam das ab "The X-Factor" zunehmend auf mit diesen immer ähnlich klingenden Intros und den penetranten, uninspirierten Dudelparts bzw. den häufigen, sinnfreien Wiederholungen. Wobei das ab "Virtual XI." noch um einige Eskalationsstufen schlimmer wurde.

    Ganz wichtig außerdem: Die völlig grottige "Produktion", die in jeder Hinsicht weit unter dem gewohnten Maiden-Niveau war. Ich bin mir sicher, dass ein Martin Birch mehr aus der Scheibe herausgeholt und einiges korrigiert hätte, denn der besaß ein sehr gutes Gespür für die Band und hat auch sonst nie irgendwo schlechte Arbeit abgeliefert.

    Habe auch nie verstanden, warum der Mann sich zur Ruhe gesetzt hat, als Bruce damals ausgestiegen war. Birch war da erst Mitte 40 oder so, also im besten Alter. Ist mir unbegreiflich und ich fand und finde das sehr schade.

    Blaze ist ein netter Kerl und auch kein schlechter Sänger, aber er war für Maiden die falsche Wahl. Das war aber nicht unbedingt alleine seine Schuld. Seine Stimme paßte nicht wirklich zum Material von Maiden und er war teilweise damit überfordert. Er klang bisweilen seltsam schief und unsicher. Irgendwie war diese Liaison nicht wirklich stimmig. Was sich etwa aus "Sign of the cross" rausholen läßt, hat Bruce später nach seiner Rückkehr ja diverse Male live bewiesen.

    Die vielgescholtene "No prayer..." finde ich um Längen besser als "The X-Factor" und habe das Rumgehacke auf der Scheibe auch nie kapiert. Ich mochte "No prayer..." immer, auch wenn es natürlich nicht so stark wie die sieben davor ist. Welche Band ist überhaupt so begnadet, sieben sensationelle Alben in Folge zu kreieren ? Dass eine Meisterleistung wie "Seventh Son..." damals auch nicht mehr übertroffen werden konnte, ist irgendwie logisch, denke ich.

    Dennoch ist "No prayer..." trotz mancher Schwachpunkte ein ordentliches Album, das gut auf den Punkt kommt und sinnvolle Strukturen aufweist, ohne sich in halbgarem Gedudel zu verlieren, wie das später so oft zur Regel wurde.

    "Fear of the dark" sehe ich ungefähr gleichwertig mit "No prayer..." auf Augenhöhe, man hätte aber auf zwei, drei Füllsongs verzichten können.

    Der Scheibe fehlt etwas die Kompaktheit von "No prayer...", dafür bietet sie im Gegenzug aber wieder epischere Tracks (wie "Afraid to shoot strangers" oder den Titelsong).

    Wohlgemerkt, bevor irgendwas im falschen Hals landet: Das ist meine persönliche Auffassung, die ich aber niemandem aufzwingen will. Nur dass es keine Mißverständnisse gibt. ;)

    Ich liebe Iron Maiden über alles. Das ist für mich die wahrscheinlich beste und größte Heavy Metal-Band aller Zeiten und daran ändern auch Alben nichts, die ich persönlich vielleicht für weniger gelungen halte. Punkt. :cool:
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. November 2016
  7. LassenSieMichDurch

    LassenSieMichDurch Alter Hase

    Manchmal denke ich sowieso, es gibt nur wenige Bands, über die sich so leidenschaftlich und mit derart viel Herzblut diskutieren läßt, wie über Maiden. Egal, ob man hinterher dann einer Meinung ist oder nicht. :):D
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. November 2016
  8. Beardfish

    Beardfish Mitglied

    Genau da bin ich anderer Meinung. Ich mag dieses "Gedudel" überaus gerne. Ich finde, die beiden Alben haben den neuen Maiden-Stil vorweggenommen und damit die neue Ära eingeläutet. Davor wurden die Songs (fast) immer direkt auf den Punkt gebracht, das hat sich nun geändert. Findest du denn nur die beiden CD's schlechter oder magst du allgemein den jetzigen Stil weniger?

    Klar, dass Bruce deutlich besser zu Maiden passt ist unbestritten.

    Wieso sollte das im falschen Hals landen? Eine Diskussion lebt doch von verschiedenen Meinungen :)

    Signed!
     
  9. LassenSieMichDurch

    LassenSieMichDurch Alter Hase

    Allgemein finde ich den heutigen Stil weniger überzeugend und "The X-Factor" ist für mich der Anfang dieser Entwicklung. Ich finde, das äußerte ich an anderer Stelle auch schon mal, dass nur Länge um der Länge willen keine
    Progressivität erzeugt. Auch wenn man Maiden heute gerne in die progressivere Ecke schiebt: Ich finde beispielsweise "The final Frontier" als negativen "Höhepunkt" dieser Entwicklung zum Beispiel komplett öde, spannungsarm und strunzlangweilig.

    Es ist nicht progressiv, Lieder künstlich aufzublasen, durch Dudelparts und Wiederholungen in die Länge zu ziehen (ganz schlimm ist diesbezüglich ja "The angel and the gambler" vom "Virtual XI."-Album) und einfach Parts irgendwie aneinanderzuklatschen.

    Wie man das überzeugend hinbekommt, organisch-fließend und voller Abwechslung, Spannung und Dynamik, haben Maiden früher ja sehr wohl gezeigt mit Großtaten wie "Rime.." oder dem "Seventh son..."-Titeltrack und diversen anderen Longtracks. Und das ganz ohne uninspiriertes Herumgedudel.

    Gerade deswegen verstehe ich diese Entwicklung ja überhaupt nicht. Für mich ist das eine Verschlechterung.

    Aber andererseits will ich auch nicht falsch verstanden werden. Das ist natürlich meckern auf hohem Niveau. Ich besuche Maiden trotzdem nach wie vor liebend gerne live, stelle mir auch ihre neuen Alben hin ("The book of souls" fand ich stellenweise sogar überraschend gut, da sind für mich die stärksten Songs seit "Fear of the dark" drauf) - selbst, wenn sie mir vielleicht weniger zusagen - und bin der Meinung, dass selbst die schwächsten Maiden-Songs bei anderen Bands immer noch zu den Highlights gehören würden. Ist also alles relativ. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. November 2016
  10. Music is Live

    Music is Live Aktives Mitglied

    In die progressive Ecke schieben ist nur bedingt berechtigt, dies aber dann nicht erst seit den neueren Alben. Sie haben schon immer fortschrittliche Musik gezaubert, mal mehr -mal weniger gut.
    Für damalige Zeiten ist es auch schon leicht progressive was sie mit Rime... und aus meiner Sicht A Tame to Land angestellt haben. diesen Faden haben sie, neben ihren normalen Klassikern immer wieder mal gezaubert. Untypische Rythmen eingebaut und mit harmonischen Melodien verbunden. Nicht umsonstz sind sie auch für viele Progmetalbands dadurch Vorbild geworden, wie z.B. Dream Theater immer wieder gerne zugegeben hat und auch mit Stolz für Maiden den Support stellten als sie selber schon eine "dicke Nummer" waren.

    Das letzte Album, a Book of Souls ist mit Abstand das stärkste von den neuen und hat auch wieder tolle Anlehnungen an den Progrock. Ich sehe dies bei manch anderer Band jedoch auch, was ich als Reifegrad betrachte, wodurch diese Bands sich für ihre Verhältnisse eben fortbewegen und voranschreiten. Dies macht für den Konsumenten der Musik es weiterhin spannend.
    Ist doch toll. ;)
     
    Beardfish gefällt das.
  11. LassenSieMichDurch

    LassenSieMichDurch Alter Hase

    Jahaa, ich habe überhaupt nichts gegen Weiterentwicklung, bei keiner Band. Aber das Ergebnis muß mich überzeugen und das tut es bei Maiden einfach nicht bzw. nur bedingt.

    Gerade weil sie ja einstmals wußten, wie man progressive Meisterwerke vom Feinsten komponiert, irritiert es mich heute umso mehr, dass die neuen / jüngeren Sachen oft erhebliche Längen und Schwächen aufweisen, die es auf den früheren Werken definitiv so nicht gab.

    Der Witz ist dabei auch (und das meinte ich konkret):

    Früher galten Maiden als reine Metal-Band, haben aber dabei zahlreiche progressiv orientierte Kleinode der allerersten Güteklasse fabriziert, die von hinten bis vorne stimmig waren. Ich spare mir jetzt mal die Aufzählung, es sind bekanntlich etliche.

    Heute dagegen werden sie viel stärker als gereifte, progressiv ausgerichtete Band wahrgenommen und gefeiert, das hat sich zweifelsohne erst ab / nach "The X-Factor" so entwickelt.

    Im Gegenzug kann dabei kurioserweise nun aber gerade das neuere Material ab dieser Zeit überhaupt nicht oder nur selten mit den alten Großtaten mithalten, auch wenn es noch so sehr vordergründig auf verschachtelt und Überlänge getrimmt wurde.

    Irgendwie möchten Steve & Co. wohl gerne progressiv erscheinen, haben da aber irgendwas im Laufe der Zeit falsch verstanden bzw. schlicht und einfach verlernt, wie es geht. Sie kommen mir heute auch zu verkrampft in ihrem Bestreben vor, vielleicht liegt es daran.

    Früher waren sie unbekümmerter und lockerer und haben, wie gesagt, eine (progressiv ausgerichtete) Bombe nach der anderen quasi im Vorbeigehen gezündet. Und es war jedesmal ein Volltreffer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. November 2016
  12. Music is Live

    Music is Live Aktives Mitglied

    vielleicht liegt das Problem auch darin, dass sie bereits Progmetal "light" schufen als es noch keinen Progmetal gab.... :)

    Was bei Maiden zum Part Progmetal fehlt sind die klassischen Wechsel zwischen den Takten, was ein wichtiger Erkennungsfaktor für den Prog darstellt.... auch die Tempiwechsel sind gering.... aber vorhanden... bleibt die Vielfalt im Song.... die zumindest beim letzten Album wieder gegeben ist..... neben ihren üblichen Klassikern haben sie doch gute Perlen dabei.....
    aber müssen für Prog immer alle Erkennungsmerkmal vorhanden sein???
    ich empfinde für Iron Maiden Songs wie Empire of Clouds fortschrittlich.... sowas wie The Red and the Black ist abwechslungsreich und stimmig
    bei anderen, reine Progmetal Bands wären sie weniger fortschrittlich, eher erwartungsgemäß.....
     
  13. Gast 1

    Gast 1 Guest

    habs irgendwo ja schon geschrieben, dass ich Maiden seit dem unglaublich geilen Comeback "Brave New World" erst wieder so richtig auf dem Schirm habe. In den 80ern waren sie schon meine Metal-Helden, aber auch da mochte ich immer die langen Songs, die "progressiveren" und konnte mit vielen Drei-/Vier-Minuten Stücken nix anfangen, hätte mir da den einen oder anderen gern länger gewünscht. Genau das machen sie verstärkt seit dem Jahr 2000. Viele lange Songs, mehrere Parts einbauen, Intros (die zugegeben zu oft einfach Harris auf dem Bass sind) und allgemein viel weniger Heavy Metal als früher. Das empfinde ich als Weiterentwicklung und kommt mir sehr entgegegen. Auch gibts seit der "X-Factor" immer wieder mal Folk-Melodien in ihrem Heavy-Metal und damit rennen sie natürlich weit offene Türen bei mir ein. Was mit Bayley aufgrund seines mangelnden Stimmumfangs noch nicht so recht umgesetzt werden konnte, klappt seit Dickinsons Rückkehr hervorragend. Weniger Hau-Drauf Metal, mehr Arrangement. Meine Musik. Die Bayley-Zeit hat aber auch mit "Sign Of The Cross" und "The Clansman" zwei Maiden-Meisterwerke allererster Güte hervorgebracht.

    @LaSiMiDu: Sowas wie "Speed Of Light", dass du neulich gepostet hattest empfand ich auf der neuen als "nett". Ach so eine Reminiszenz an die 80er dachte ich da und fands drum nett. Weil halt drumrum noch viele andere amspruchsvollere Sachen sind. Ein Album voller Songs wie "Speed Of Light" von ihnen, würd ich vermutlich heute auslassen oder erst kaufen wenns mir sehr bilig über den Weg läuft.

    Diese Songs hab ich nie vermisst. Die heutigen langen Maiden-Songs muß man sich viel mehr erschließen, schießen dir nicht sofort in den Körper wie die langen Stücke der 80er. Und das kommt mir sehr entgegen, ich mag das mich in Musik reinarbeiten zu müssen.

    Ich find Harris macht das perfekt. Die Songs klingen alle immer noch nach Maiden, sind anspruchsvoller geworden ohne komplett weg vom maidentypischen zu gehen und sind für die Herren herausfordernder zu spielen, so dass auch da der Spaß bleibt. Dass sie keine große Lust mehr auf 3-Minuten Kracher haben nenne ich persönliche Entwicklung.
     
  14. LassenSieMichDurch

    LassenSieMichDurch Alter Hase

    Das wäre ja alles überhaupt kein Problem, wenn mich, wie ich schon äußerte, das neue Material überzeugen würde. Und das tut es leider viel zu selten.

    Ich habe überhaupt keine Schwierigkeiten damit, mich in komplexere Arragements reinzuhören, aber wenn es in Spannungslosigkeit, Gedudel, unnötigen Wiederholungen oder einfallslosen "ho,ho,ho"-Parts mündet, ist mir das zu wenig und langweilt mich.

    Vergleiche das nochmal nur mit "Rime of the ancient mariner" - das Stück wäre selbst dann ein Highlight, wenn es nicht in einem Metal-Kontext entstanden wäre, weil dort die Arrangements stimmig sind und nichts verkrampft aneinandergereiht wird, nur um möglichst progressiv oder anspruchsvoll rüberzukommen. Und vor allem ist das alles punktgenau, ohne überflüssige Längen und Gähnparts. 13 Minuten Dynamik pur.

    Viele - nicht alle - der neueren Maiden-Sachen klingen mir viel zu bemüht, so, als ob man auf Teufel komm raus etwas sein möchte, was man eigentlich gar nicht ist. Selbst oft gute Ansätze werden bisweilen so endlos breitgetreten, ohne dass dem wirklich noch neue, spannende Aspekte oder Überraschungen hinzugefügt werden, das ich mich wirklich oft frage:

    Mußte dieser oder jener Song jetzt auf 12 Minuten aufgeblasen werden ? Auf 5, 6 oder 7 Minuten belassen wäre alles gesagt gewesen und es wäre ein geiles Stück geworden. Wie ich schon an anderer Stelle schrieb, durch Länge alleine erzeugt man keine Spannung oder Dynamik und kaschiert auch keine Schwächen in Songwriting oder Arrangement, ganz im Gegenteil.

    "Ghost of the Navigator" ist zum Beispiel ein toller Song, hätte aber auch mindestens um eine Minute gestrafft werden können. Und dafür gibt es leider zahlreiche Vergleichsbeispiele bei den jüngeren Maiden-Werken. "The Legacy" von AMOLAD ist auch bis zur Hälfte großartig, und wird dann hinten raus viel zu zäh, weil die verbratenen Ideen einfach nicht die letztliche Länge des Stückes rechtfertigen.

    Hingegen habe ich bei keinem einzigen der alten Maiden-Prog-Kracher auch nur jemals für eine Sekunde das Gefühl gehabt, da hätte was weggekürzt werden können oder müssen. Da ist alles exakt so, wie es sein muß.

    Die Kritikpunkte nochmal im einzelnen (ab "The X-Factor"):

    1. Endlose "Dudel"-Parts, vor allem während der Solospots.
    2. Uberflüssige Wiederholungen und unnötig in die Länge gezogene Passagen.
    3. Gute Ansätze, die solange ausgewalzt werden, bis sie nervtötend sind und mehr oder weniger ins Leere laufen.
    4. Ideen, die nicht auf den Punkt gebracht werden.
    5. Bisweilen schlicht uninspiriert und halbherzig wirkende Einfälle.
    6. Aufgrund ihrer inflationären Häufung nervige, langatmige und ewig gleich klingende Käse-Intros bei zahlreichen Songs. Sollen wohl die atmosphärische Seite der Band stärker betonen, sind aber einfach nur lästig auf Dauer.

    Ansonsten:

    "The Clansman" ist wirklich geil und bei "Sign of the cross" zeigten sie ja auch, dass sie eigentlich durchaus noch in der Lage waren, klasse Material abzuliefern. Da bin ich ganz Deiner Auffassung. Und jetzt stell Dir mal vor, wie großartig diese Songs erst geworden wären, wenn Birch produziert und Blaze besser (oder gar nicht) gesungen hätte und was man für Alben hätte entstehen lassen können, wenn nur Material dieser Güteklasse verwurstet worden wäre.

    Geht es eigentlich nur mir so, oder kommt Bruce Euch in den letzten Jahren auch ein Stück kraftloser, dünner und angestrengter als früher in den hohen Tonlagen vor ?
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. November 2016
  15. Beardfish

    Beardfish Mitglied

    Bei den alten Prog-Songs muss ich dir auf jeden Fall beipflichten, die sind wirklich großartig. Jedoch bei den neuen gehen unsere Ansichten definitiv auseinander. Ich finde z.B. die 18 Minuten von "Empire Of The Clouds" weder langweilig noch kann ich Längen darin finden und halbherzig ist er meiner Meinung nach schon gar nicht. Ich genieße jede Minute des Songs ;)
     
  16. Gast 1

    Gast 1 Guest

    @LaSiMiDu: Das kann ich nicht nachempfinden. Außer den zu oft einfach von Steve atmosphärisch gehaltenen Intros, die ich an sich superschön finde, nur ists halt oft dasselbe nur ein wenig variiert, seh ich die anderen Punkte für mich gar nicht. Das Dudeln lieb ich, klar, ich bin ja Jazzhörer, da bin ich auch 40minütige Dudeleien gewöhnt. Wiederholungen in der Musik find ich essentiell wichtig, weils den Mantraeffekt ergibt, man merkt sich sowas ob man will oder nicht. Und dass die Songs nicht auf den Punkt kommen ist ja genau das was ich heute an Maiden mag. Es ist eben nicht mehr hauptsächlich Heavy Metal. Der muß auf nen Punkt kommen, grooven, dich packen und ist nur wenig kopflastig. Maidens heutige Musik hat deutlich das Schwergewicht auf dem Kopflastigen. Da du ja die "Tales und Relayer" auch beide nicht so schätzt, vermute ich schwer, das ist es was dir den Zugang da versperrt. Du magst es nicht kopflastig denke ich. "Tales" ist enorm kopflastig mit sehr wenig Körper, "Relayer" hat das ein bißchen mehr in der Balance. Alte Maiden Songs sind da auch ausbalancierter zwischen Kopf und Körper und das gefällt mir auch sehr gut, aber wenn ich die Wahl habe oder wählen müsste, dann bevorzuge ich den Kopf.
     
  17. LassenSieMichDurch

    LassenSieMichDurch Alter Hase


    Ich habe ja auch "viele - nicht alle" geschrieben. ;)
     
  18. LassenSieMichDurch

    LassenSieMichDurch Alter Hase

    Das würde ich pauschal nicht sagen, dass es mir zu kopflastig ist. Jazz oder Jazzrock höre ich ja schließlich auch sehr gerne, Miles Davis liebe ich sehr, um nur ein Beispiel herauszukramen. Das sind bisweilen hochkomplexe Sachen, die überhaupt nicht leicht zugänglich sind, aber eben dennoch genau das Gegenteil von uninspiriertem Herumgedaddel.

    Das gleiche ist ja in der klassischen Musik der Fall, also ich bin durchaus in der Lage, mir kopflastige Sachen zu erschließen und mache das auch sehr gerne.

    Und wenn King Crimson - die ich abgöttisch liebe - nicht kopflastig sind, was bitte dann ? Da ist die ganze Herangehensweise aber auch eine völlig andere.

    Aber wenn es wie bei den jüngeren Maiden-Scheiben eine krampfige Kopflastigkeit nur der Kopflastigkeit zuliebe ist, mit willkürlich gesetzten Stolperbreaks und unpassend zusammengefriemelten Parts und eben diesen unnötig langgezogenen Dudeleien, was man heute wohl im Hause Harris bzw. Maiden anscheinend für Prog hält, dann kann mich das einfach nicht packen.

    Und was "Tales from topograhic oceans" angeht, so zitiere ich mich mal der Einfachheit halber selbst und gebe an dieser Stelle nochmal wieder, was ich bereits in einem anderen Forum dazu geschrieben habe:

    "Es ist pikanterweise genau jenes Yes-Album aus der großen Zeit der Band, welches ich am wenigsten mag. Das war schon immer so, leider. Die beseelte Genialität und der Hirn, Herz und Bauch ansprechende Geist von in vollendeter Brillianz schwelgenden musikalischen Wundertüten wie "The Yes-Album", "Fragile" oder "Close to the edge" sind auf dem Ozean-Album einer prätentiösen aber inhaltslosen Leere gewichen, die mich überhaupt nicht mehr anspricht. Pompös inszeniert und aufgeblasen, aber kaum ein Ton davon konnte mich je wirklich erreichen."

    Sorry. :)
     

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