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IAN MATTHEWS - Some Days You Eat The Bear And Some Days The Bear Eats You (1974)

Dieses Thema im Forum "Empfehlenswerte Alben" wurde erstellt von Catabolic, 17. Mai 2019.

  1. Catabolic

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    Ian Matthews - Some Days You Eat The Bear.jpg

    Jac Holzman, der Gründer und Besitzer des Plattenlabels Elektra Records war schon lange ein grosser Fan von Ian Matthews, und er verfolgte die langsam, aber stetig wachsende Karriere dieses Musikers recht genau. Als Ian Matthews nach zwei Soloalben bei VErtigo Records ohne Vertrag dastand, zögerte er nicht lange, und nahm ihn unter Vertrag. Zu dem Zeitpunkt, Ende 1972, war Ian Matthews gerade dabei, eine neue Band zu gründen: Plainsong. Die Platte "In Search Of Amelia Earhart", ein Konzeptalbum über die legendäre Atlantik-Ueberfliegerin, war das erste Werk, das Jac Holzman mit Ian Matthews auf seinem Plattenlabel Elektra Records veröffentlichte. Der Plattenvertrag umfasste jedoch auch noch zwei weitere (Solo-) Alben, und die lieferte Ian Matthews im Frühjahr 1973 mit der Soloplatte "Valley Hi" und dem gut ein Jahr später veröffentlichten "Some Days You Eat The Bear And Some Days The Bear Eats You" ab. Bereits mit den Aufnahmen zu "Valley Hi" war der Künstler jedoch nicht zufrieden, denn es wurden ihm andere Grundvoraussetzungen zur Einspielung der ausgewählten Songs in Aussicht gestellt. So sollte beispielsweise der ehemalige kreative Kopf der Monkees, Michael Nesmith, die Platte produzieren. Ausserdem hatte Ian Matthews bereits fest mit den Begleitmusikern Jim Gordon und Carl Radle (damals bei Eric Clapton's Derek & The Dominos aktiv) und dem profilierten kanadischen Gitarristen Amos Garrett gerechnet. Stattdessen erwartete ihn in dem Aufnahmestudio die relativ wenig bekannte Countryband Countryside, und als Toningenieur waltete Terry Dunovan, mit welchem Ian Matthews die ganzen Stücke der LP "Valley Hi" auch aufnahm, abmischte und letztlich produzierte.

    Mit dem Endergebnis war Ian Matthews alles andere als zufrieden. Er sah sich von Elektra Records Labelchef Jac Holzmann getäuscht und mochte das Album selbst nicht, weil er sich darunter etwas ganz Anderes vorgestellt hatte. Nichtsdestotrotz wurde "Valley Hi" ein Verkaufserfolg. Es verkaufte sich auch besser als das vorherige Plainsong-Werk, und ebenfalls besser als das nachfolgende "Some Days You Eat The Bear And Some Days The Bear Eats You". Es enthielt einige Coversongs, neben Matthews' Eigenkompositionen. Von den fremdkomponierten Titeln erwies sich beispielsweise das aus der Feder von Jackson Browne stammende Stück "These Days" als eines der besten Coverlieder, die Matthews je aufgenommen hat. Auch Richard Thompson's Song "Shady Lies" war wunderbar. Dank der ihn begleitenden Musikern, die stark in der Country-Tradition verwurzelt waren, erhielten die Lieder einen recht zurückgenommenen, manchmal beinahe intimen Soundrahmen, der den Songs ausserordentlich gut bekam. Das von Matthews' Begleitmusiker Andy Roberts vorgeschlagene Traditional "Old Man At The Mill" war ebenfalls eine sehr gute Wahl. Diesen Titel spielte Ian Matthews dann viele Jahre später auch für das zweite Plainsong-Album noch einmal ein. Und auch das von Singer/Songwriter Steven Young geschriebene Stück "Seven Bridges Road", dessen einziger Hit dieser Titel war, fand einen Platz auf "Valley Hi".

    Das Album verkaufte sich wie erwähnt recht gut, doch im Herbst 1973 veränderte sich die Situation rund um Matthews' Vertrag bei Elektra Records dramatisch. Jac Holzman verkaufte sein Label Elektra Records, das Label wurde ein Teil des WEA Konzerns (Warner Brothers), und das Label Elektra geriet unter die Kontrolle von David Geffen, der es neu ausrichten wollte, zusammen mit dem zweiten Plattenlabel Asylum Records, das ihm übergeben wurde. Für Matthews, der, vertraglich gebunden, noch ein weiteres Album für Elektra Records abliefern musste, waren das keine guten Neuigkeiten, weil Jac Holzman stets sein bester Supporter war, und David Geffen, ein eher wenig schnell zu beeindruckender Geschäftsmann, eher auf seine eigenen Schützlinge fokussiert war, die er für sein Label Asylum gewonnen hatte, so unter anderem die Eagles oder Jackson Browne. Dazu Ian Matthews: "I could feel the change in the company when he came in. It became the 'A' league of Asylum acts and the 'B' league od Elektra acts, and I was in the latter with a bunch of other people".

    Bald darauf begann Ian Matthews dennoch mit den Aufnahmen zum Album "Some Days You Eat The Bear And Some Days The Bear Eats You", seinem letzten Werk für Elektra Records. Der bemerkenswerte Titel für das Album kam von dem Toningenieur Fritz Richmond, der die Aufnahmen leitete. Es gab eine dritte Zeile, die Matthews jedoch für den Titel der Platte wegliess, weil der Name sonst viel zu lange geraten wäre. Der gesamte Spruch lautete "Some Days You Eat The Bear And Some Days The Bear Eats You And Some Days We Both Go Hungry". Für die Aufnahmen zu dem Album erhielt Ian Matthews relativ freie Hand, was ihn dazu inspirierte, sich mehr auch um technische Belange zu kümmern, als er das sonst tat. Dies schlug sich am Ende in einer schönen Atmosphärik in seinen Songs nieder, die man bis dahin von dem Künstler so noch nicht gehört hatte. Seine insgesamt eher träumerisch wirkende Stimme erhielt auf dem Album nun auch musikalisch das richtige, manchmal fast fragil wirkende Kleid. Beides passte wunderbar zusammen, auch wenn das Album deutlich countryesker ausfiel als noch "Valley Hi". Auch erste Reminiszenzen an die kommerzielle Popmusik waren auszumachen.

    Für das Repertoire der Platte wählte Matthews einige Songs aus, die er für ein zweites Plainsong Album vorgesehen hatte, das jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht realisiert worden war. Die Titel "Home" und "Keep On Sailing" gehörten dazu. Auch "A Wailing Goodbye" war eine dieser Nummern. Alle drei Titel tragen eine sehr romantische Grundstruktur, und wie durch ein Nebel klingen sie sehr verwunschen und tagträumerisch. "A Wailing Goodbye" war ein Song über den Countrymusiker Hank Williams und auch über Gram Parsons, zwei Musikern, die an ihrem Erfolg und am Leben scheiterten. Matthews bezeichnete sich als grossen Verehrer von Hank Williams, nahm jedoch nie einen seiner Songs selber auf. Eine weitere wunderbare Coverversion spielte Matthews mit dem Tom Waits-Stück "Ol' 55" ein. Den Song legte er gar an den Anfang der Platte. Fast zeitgleich nahm auch die Band Eagles den Titel auf. Die Version von Ian Matthews ist jedoch wesentlich schöner, romantischer und wirkt noch heute beim anhören wie ein einziger grosser Glücklichmacher. Für die Version der Eagles war wiederum David Geffen verantwortlich. Geffen schlug den Song Ian Matthews vor, gab ihn aber schon eine Woche später an die Eagles weiter. Bemerkenswert war, dass die Eagles wesentlich näher am Original von Tom Waits blieben, den Song eher langsam spielten, währenddessen Ian Matthews dem Song einen stimmigen Westcoast-Popappeal verpasste.

    Die an den Aufnahmen der Platte beteiligten Hauptmusiker auf "Some Days You Eat The Bear And Some Days The Bear Eats You" stammten alle aus Amerika. Matthews bestritt zu der Zeit zusammen mit der Country-Poprockband America eine gemeinsame Tournee, und der Bass- und Schlagzeugspieler der Gruppe America, Willie Leacox und David Dickey, spielten auch für Matthews als Backing Band. Ausserdem spielten zwei Musiker der Gruppe Rhinoceros für Ian Matthews (Michael Fonfara und Danny Weis). Im Tonstudio nahmen zeitgleich auch Steely Dan einige Tracks auf, und so gesellte sich deren Musiker Jeff "Skunk" Baxter ebenfalls zu den Aufnahmen hinzu. Die prominentesten Mitmusiker waren jedoch Jackson Browne und David Lindley, auch ihre instrumentalen und gesanglichen Darbietungen waren exzellent. Trotz einer absolut wundervoll produzierten und eingespielten Platte konnte "Some Days You Eat The Bear And Some Days The Bear Eats You" die Erwartungen des Labels nichterfüllen - die Platte verkaufte sich nicht so gut wie der Vorgänger "Valley Hi". So blieb "Some Days You Eat The Bear And Some Days The Bear Eats You" die letzte Platte, die Ian Matthews in einem einigermassen von Country- und Folkmusik geprägten Umfeld zeigte.

    Die schönsten musikalischen Darbietungen auf dem Album kamen beispielsweise von Gitarrist David Lindley, der mit seinen gefühlvollen Gitarrenklängen etwa die Songs "Biloxi" oder "Do I Still Figure In Your Life" veredelte. Ein weiteres Highlight war auch die Steely Dan-Nummer "Dirty Work", die der Gastmusiker Jeff "Skunk" Baxter, Mitglied von Steely Dan, mitbrachte. Sowohl die Originalversion von Steely Dan auf deren Debutalbum, als auch diese Coverversion von Ian Matthews waren einfach brilliant. Und dann war da ja auch noch das tolle Stück "I Don't Wanna Talk About It" aus der Feder von Danny Whitten. Ursprünglich im Original von Neil Young's Begleitband Crazy Horse gespielt, brachte es der schottische Sänger mit seiner Variante 1975 zu einem Welt-Hit. Zuvor schon zeigte hier auf diesem Album auch Ian Matthews, dass er den Song wunderbar gefühlvoll intonieren konnte. Seine Version besass wesentlich mehr Coolness und war sowohl dem Original, wie auch Rod Stewart's VErsion gegenüber wesentlich flotter im Tempo. So oder so: Das ist noch immer ein zauberhafter Song, ganz egal in wessen Version man ihn sich anhört. Erwähnenswert ist sicherlich auch Gene Clark's "Tried So Hard", das Ian Matthews ebenfalls sehr schön zu covern verstand und eine Verneigung vor dessen Autor war.

    Ian Matthews wechselte danach zum Label Columbia Records und veröffentlichte dort mit "Go For Broke" im Jahre 1976 und "Hit And Run" (1977) zwei eher auf Poprock ausgerichtete Alben, die sich jedoch wieder besser verkauften. Danach sanken Matthews' Verkaufszahlen kontinuierlich, obschon er weitere, ganz hervorragende Platten präsentierte. Meistens blieb es dabei bei einmaligen Plattenveröffentlichungen aufeinem Label, sodass Matthews in den kommenden 20 Jahren bei verschiedenen Plattenfirmen unter Vertrag stand, so unter anderem bei Rockburgh Records, Polydor, Windham Hill, Perfect Pitch, Watermelon, Dirty Linen, Gold Castle Records oder auch beim deutschen Labels Line und Blue Rose Records.
     
  2. Catabolic

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