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Heft 11-2019

Dieses Thema im Forum "eclipsed - Das Magazin" wurde erstellt von eclipsed, 22. Oktober 2019.

  1. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    In einem anderen Thread habe ich eben geschrieben, dass für mich früher 7 von 10 Alben geil waren, und es heute genau umgekehrt ist. Genau das, was Du schreibst, ist einer der Hauptgründe dafür, warum ich heute mindestens 7 von 10 Neuerscheinungen kacke finde. Heute wird von offensichtlich unfähigen Tontechnikern im Prinzip brilliante Musik kaputtgemischt und jeglicher Harmonie beraubt durch dieses ätzende Komprimieren - alles muss gleich laut sein, die haben einfach keine Ohren mehr, und das trotz Equipment für eine halbe Million im Studio oder noch teurer - alles Brunz, der nix taugt. Dabei gäbe es längst Software, mit welcher man genau diese analoge Wärme individuell bei einzelnen Aufnahmespuren hinzufügen kann. Auch kenne ich immer mehr angehende Toningenieure (in der SAE - School Of Audio Engineering), die sich wieder vermehrt mit analogen Aufnahmetechniken befassen, und die daraus gewonnenen Erkenntnisse später auch in ihre Studioarbeiten mit einfliessen lassen. Hört Euch als absolutes Negativ-Beispiel mal die aktuelle Dream Theater an. Das ist für mich Verbrechen an der Kunst.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. November 2019
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  2. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Davor graut mir auch schon. Ich hoffe, die Redaktion beschränkt sich auf Prog (ihre Kernkompetenz ??) in den 80ern. Dann könnte noch was draus werden.
     
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  3. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Für 2020 wünsche ich mir diesbezüglich "50 Jahre Sowieso" viel mehr als "40 Jahre Schiessmichtot". Dann könnte ich mich vielleicht schon vorfreuen auf eine Geschichte zu Paul Kossoff und 50 Jahre "Fire And Water" von FREE. Oder ein Porträt zu Leslie West und Felix Pappalardi anlässlich einer der ganz wichtigen Hard Rock Platten der Geschichte, nämlich "Climbing!" von MOUNTAIN. Oder auch ganz profan 50 Jahre "Atom Heart Mother", um wieder die Brücke zu PINK FLOYD zu schlagen (alle Alben 1970 veröffentlicht).
     
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  4. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Einspruch! COMUS ist der Titel eines dramatischen Gedichts des bekannten englischen Dichters John Milton aus dem 17. Jahrhundert, und das zentrale Thema dieses Gedichts - weibliche Keuschheit, die vom dämonischen Zauberer Comus in Versuchung geführt wird - bestimmt viele Songtexte dieses sträflich unterbewerteten Albums aus der Zeit, in welcher noch alles, aber wirklich alles an "Underground", respektive künstlerischer Freiheit und instrumentaler Interpretation, möglich war, insbesondere beim Titel "The Song To Comus". Das Stück "Diana", eine weitere Anspielung auf den griechisch-römischen Mythos, beschrieb die Drohung unersättlicher Tugendlust. Der Zuhörer wurde bei Songs über brutalen Mord, resp. der Nekrophilie, wie bei dem im Artikel übersetzten Song "Drip Drip", aber auch über christliches Märtyrertum wie in "The Bite" und Geisteskrankheiten (im Titel "The Prisoner") verschreckt. Das Wesentliche bei den Songtexten von COMUS war, dass sie mit unbequemer und irritierender Offenheit verfasst waren. Diese teils verstörenden Songtexte und Roger Woottons spezieller Gesangsstil zeichneten die Band letztlich aus. Dass mit so einem Konzept kommerziell kein Blumentopf zu gewinnen war, stand ausser Frage. Heute gelten die beiden COMUS Alben "First Utterance" und "To Keep From Crying" (eine der allerersten Scheiben, die bei Richard Bransons neu gegründetem Label Virgin erschienen war) als Kult unter Fans.
     
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  5. Mike

    Mike Moderator Mitarbeiter

    Ist für die kommende Ausgabe geplant!;)
     
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  6. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    "Marillion ist schon längere Zeit nicht mehr zu ertragen." Okay, das ist Deine Meinung. Mir gefällt ihre Musik immer noch sehr. So ein Song wie "Gaza" aus dem Jahr 2012 ist für mich ein Kracher.

    "Betroffenheitslyrik". Mir sagt es durchaus zu, wenn eine Band sich traut Postionen zu beziehen.

    So unterschiedlich ist das eben mit dem Geschmack.
     
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  7. Perfectionist

    Perfectionist Mitglied

    Die Weekends-Aufnahmen sind aber schon gut, finde ich. Ich bedaure es jedenfalls nicht, dass ich alle zehn von Edel wiederveröffentlichten Livealben gekauft habe. Gut, ist vorwiegend älteres Material. Aber immer mit toller Stimmung.

    Was ihre neuere Musik angeht, bin ich ganz deiner Meinung. Hätte man FEAR auf die Hälfte (also "Misplaced Childhood"-Länge) zusammengekürzt und besser produziert, würde es mir wahrscheinlich wirklich gut gefallen.
    Hab mir gerade noch mal "War of Kings" vom Eclipsed-Sampler angehört, weil ich Europe ja nicht Unrecht tun will. Klar geht's schlechter, aber die Drums klingen schon ziemlich mies, und irgendwie ist da wie eine "Basswolke". Es klingt einfach... komisch. Schlussendlich spricht mich der Song auch überhaupt nicht an, und Tempests Gesang gefällt meinen Ohren nicht. Besser denn je? Besser als bei "Carrie"? Na ja...

    Was 1970 bei "Deep Purple In Rock" revolutionär war, muss heutzutage m.E. nicht unbedingt sein, zumal digitales Clipping auch anders (schlechter) klingt als analoge Bandsättigung. Und bei Rushs Clockwork Angels haben ja manche auch vermutet, dass gerade die Plugins, die sozusagen "analog" emulieren sollten, mit für das breiige Endprodukt verantwortlich waren (ist natürlich reine Spekulation). Ich weiß, ich hacke zu sehr auf dem Album herum, aber je mehr man eine Band mag, desto mehr regt einen so etwas auf! (siehe auch Everybody Loves a Happy Ending von Tears for Fears und La Futura von ZZ Top)

    Steven Wilson, man mag von ihm halten, was man will, ist jemand, der mit digitaler Technik gut umgehen kann, und der nach ein paar Fehltritten die Wichtigkeit von Dynamik verstanden hat.

    Bei Dream Theater habe ich mal geschaut: http://dr.loudness-war.info/album/list?artist=&album=distance+over+time

    Hochinteressant. Es gibt also eine gut gemasterte Version des Stereomixes auf Blu-Ray Audio und DVD, die von den Dynamikwerten her sehr ähnlich wie Vinyl abschneidet. Der Hi-Res-Download dagegen ist genauso komprimiert wie die CD. Absolut unverständliche Situation. Aber immerhin, hier gibt es wenigstens Möglichkeiten, das Album anzuhören, ohne sich z.B. eine eigene Version zurechtbasteln zu müssen (siehe auch Metallicas Death Magnetic, "Guitar Hero"-Versionen)

    "Gaza" ist für mich ein gutes Beispiel für das Klangproblem der Band. Nachdem ich gesehen habe, dass die Band es auf ihrer Tour letztes Jahr gespielt habe, wollte ich es vor dem Konzert in Stuttgart noch mal hören (kam dann letztlich nicht). Nach ein paar Sekunden hab ich die Studioversion "weggemacht" und mir stattdessen die Aufnahme vom Weekend reingezogen. Klingt viel, viel klarer und besser. Und ja, der Song ist gelungen... auch wenn ihm ein bisschen mehr innerer Zusammenhalt (Reprisen) nicht schaden würde.

    Politisch gesehen bin ich ganz auf Seiten der Band. Aber der poetische Wert der Texte lässt m.E. doch zu wünschen übrig. Gutes Beispiel ist die Textpassage über Enthauptungsvideos des IS in "El Dorado". Gut gemeint, schlecht gemacht.

    Das will ich der Band ja auch gar nicht absprechen - aber ein solches Thema unvermittelt in allen Details auf den Leser loszulassen, finde ich dann doch ein bisschen hart. Manches ist zu Recht Underground ;)Wäre es nur eine Rezension der Alben, oder ein Feature über die Band gewesen, hätte ich damit kein Problem.

    Gut, gut. :cool:

    Wie steht es denn eigentlich mit den "Later Years"? Es gibt zwar erste Rezensionen, aber die sind für ein so umfangreiches Produkt viel zu oberflächlich. Wenn ich eine Review darüber lesen will, dann will ich auch die Details wissen. Als Beispiel, sind die Solos in "Sorrow" und "Comfortably Numb" (DSOT-Film) tatsächlich endlich ungekürzt? Und ist PULSE auch akustisch eine Verbesserung zur DVD von 2006, die ja vor allem visuell wegen ihrer (Video-)Kompressions-Artefakte nicht sonderlich geschätzt wird, was auf Blu-Ray ja kein Thema mehr ist? Ist der Film zu The Endless River sehenswert? Wie sind Knebworth und Venedig von der Qualität her, ist "High Hopes" (early version) noch auf CD in der Box oder nur noch Teil des Highlights-Sets... Fragen über Fragen!

    Ich weiß, dass es bei einer derartigen Menge an Material auch mit Vorab-Exemplaren kaum möglich sein wird, alles zu checken, aber zumindest ansatzweise wäre schon schön.
     
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  8. Mike

    Mike Moderator Mitarbeiter

    Wir haben im kommenden Heft zunächst ein kurze Besprechung der Highlight-2CD und dann in der Januar-Ausgabe die genauere Besprechung der großen Box geplant. Diese hat uns nämlich bis jetzt noch nicht erreicht bzw. die Kürze der Zeit reicht dann nicht für eine intensive Auseinandersetzung.
     
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  9. nixe

    nixe Inventar

    Marifloyd, ich bin da völlig bei Dir: Gaza & F.E.A.R. sind Klasse!
     
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  10. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    "Gaza" ist für mich ein gutes Beispiel für das Klangproblem der Band. Nachdem ich gesehen habe, dass die Band es auf ihrer Tour letztes Jahr gespielt habe, wollte ich es vor dem Konzert in Stuttgart noch mal hören (kam dann letztlich nicht). Nach ein paar Sekunden hab ich die Studioversion "weggemacht" und mir stattdessen die Aufnahme vom Weekend reingezogen. Klingt viel, viel klarer und besser. Und ja, der Song ist gelungen... auch wenn ihm ein bisschen mehr innerer Zusammenhalt (Reprisen) nicht schaden würde.

    @Perfectionist ,
    bezüglich der Klangqualität stimme ich Dir gerne zu. Viele Live - Aufnahmen der Band klingen meinem Erachten nach besser als die Studiofassungen. Mir gefallen die Aufnahmen von "A Sunday Night Above The Rain - Holland" auch besser als von "Sounds That Can't Be Made"...



    Aber wir kommen hier vom Thema des Thread ab.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. November 2019
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  11. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Das mit dem "chaotischen Brexit-Chaos" ist mir auch aufgefallen. Und was die Beobachtung betrifft, dass die 80er das letzte Jahrzehnt seien, wo man noch was mit der Mainstream-Musik anfangen könne, so liegt das meiner Meinung nach ganz einfach daran, dass sie das letzte Jahrzehnt waren, in dem der meiste Pop noch auf Rock basierte, also mit E-Gitarren, echtem Schlagzeug usw. - danach kam der Siegeszug des bis heute dominierenden samplebasierten Pop, der ohne echte Band am Computer zusammengebastelt wird. Dass darunter die Qualität der Musik entscheidend litt, kann sich jeder an den sprichwörtlichen zehn Fingern ausrechnen.
     
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  12. Foxy`s Roadie

    Foxy`s Roadie Mitglied

    @WeepingElf
    Aber die 80er waren doch eigentlich das Jahrzehnt des Synthie-Pop, der Drum-Computer and so on. Da fing das doch an. In den 90ern wurde es dann wieder rockiger mit Grunge, Alternative etc. und das , was du meinst, hielt ja eigentlich erst in den 2000ern so richtig Einzug.
     
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  13. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Ja, das war ein allmählicher Prozess, der in den 80ern schon anfing, aber erst nach 2000 zum vollen Durchbruch gelangte. Aber schon in den 90ern war nicht Alternative Rock der Mainstream, sondern eher Eurodance und natürlich Techno, welcher in den Charts nur deshalb weitgehend unsichtbar blieb, weil die Charts im Wesentlichen nur den Verkauf von Tonträgern zum Hören zu Hause erfassten, während man für Techno in die Clubs ging, ganz einfach weil diese Musik zu Hause auf Zimmerlautstärke gehört einfach reizlos war. Techno-Platten wurden deshalb vor allem von DJs gekauft, was natürlich den Charts-Braten nicht fett machte...

    Die Charts sagen eben nicht die Wahrheit, aber das weiß hier eigentlich jeder ;) Seit langem ist auch das Phänomen bekannt, dass in den Single-Charts andere Musik dominiert als in den Album-Charts, weil verschiedene Genres in verschiedenen "Packungsgrößen" gekauft werden - Rockhörer etwa bevorzugen Alben, während Pop eher als Single (heute meist als Stream) verkauft wird.

    Aber es stimmt: in der Rockmusik war um 2000 in der Tat der Ofen so ziemlich aus. Neue Rock-Untergenres kamen eigentlich nicht mehr auf, fast alles ist seither nur noch retro. Zwar machte 9/11 mit dem Techno-Hedonismus Schluss, aber das damals viel beschworene "Ende der Spaßgesellschaft" manifestierte sich nicht in einem Rock-Revival, sondern in einer Hip-Hop-Hochkonjunktur, die bis heute anhält.

    Man sieht das auch am Instrumentenmarkt: wer hätte zu Hochzeiten der Rockmusik geahnt, dass eine Firma wie Gibson jemals pleite gehen könne? Aber es interessieren sich heute eben so wenige Leute für E-Gitarren, dass ein paar unkluge Investitionen einen Marktführer ins Aus befördern konnten. Und Synthesizer werden immer mehr nach den Bedürfnissen von Pop- und Hip-Hop-Produzenten statt nach denen von Rock-Keyboardern konzipiert und gebaut, so dass es für die letzteren gar nicht mehr so einfach ist, das richtige Instrument zu finden außer am Gebrauchtmarkt (ich spreche hier aus eigener Erfahrung).
     
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  14. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Wer sich in den 90er Jahren für neue Bands interessiert hat, der konnte vielfach feststellen, dass diese in den 00er Jahren ihre allerbesten Sachen veröffentlicht hatten. Für mich waren die 00er Jahre hochinteressant, nach den durchaus guten 90er Jahren. Ich persönlich mache immer noch am meisten nichtssagende Musik in den 80er Jahren aus.

    Bissl geiler 00er Stoff:





     
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  15. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Ja, es gab und gibt auch heute noch gute interessante Rockmusik. So ist es nicht. Aber es fühlt sich doch ein bisschen so an, als seien seit 2000 nicht mehr viele neue Trends gekommen (aber vielleicht ist es einfach noch zu früh, da eine Stilkunde zu erstellen, man weiß ja noch nicht, was zukunftsweisend und was Eintagsfliege sein wird). Vor allem aber schert sich die breite Masse heutzutage anscheinend einen Dreck um ehrliche, handgemachte Musik. (Na gut, früher hörten viele Leute auch Bockmist, nur gab es damals noch keine Musikroboter, so dass auch das von Musikern aus Fleisch und Blut gespielt werden musste.)

    Rock ist heute eben ein Nischengenre, in sich lebendig, aber von der Mehrheit (und in zunehmenden Maße auch von der Industrie) völlig ignoriert. Ein bisschen wie Jazz, aber ohne die gleiche Anerkennung durch die Institutionen der Hochkultur. Und insbesondere Prog ist anscheinend heutzutage "der totale Nerd-Kram", dabei sind meiner Meinung nach die Nerds in der Musikszene gerade diejenigen, die ihre Musik auf einer DAW zusammenbasteln, ohne irgendwelche "richtigen" Instrumente zu spielen!

    Ich spreche hier auch aus leidvoller eigener Erfahrung. Ich habe ein Jahr lang vergeblich versucht, Leute für die Gründung einer Prog-Band zusammen zu bekommen (in einer Stadt mit 250.000 Einwohnern). Heraus gekommen ist GAR NICHTS. Es meldeten sich im Laufe des Jahres ca. 30 Leute auf meine Anzeige, aber nach meiner Antwort auf die übliche Frage, was genau ich vorhabe, kam in den meisten Fällen gar nichts mehr, auch keine Absage. Und wenn doch, dann war es eben eine Absage - die meisten wollten keinen Prog machen, sondern Prog-Rock, wie das in der Alternative-Rock-Szene verstanden wird, und das ist was ganz anderes (siehe den "Inflationärer Gebrauch..."-Strang im Prog/Artrock-Bereich). Nur mit zwei Kandidaten kam ein Treffen zum Kennenlernen zustande - der eine war ein Junkie, der andere ein arrogantes Arschloch, das nur seine eigenen Experimente machen und auch seinen Probenraum nicht für die Band zur Verfügung stellen wollte.

    Nach so vielen Misserfolgen, die mich zuletzt derart fertig machten, dass ich kaum noch meinen Beruf ausüben konnte (der nichts mit Musik zu tun hat), musste ich die Notbremse ziehen und die Suche einstellen. Vielleicht war auch nur meine Strategie falsch (zwei Freunde rieten mir, erst mal mehr Musik vorzuproduzieren und dann nach Mitmusikern zu suchen, aber ich weiß auch nicht so recht, ob das Sinn macht und wie das gehen soll), aber im Moment weiß ich wirklich nicht mehr, wie ich da weiter verfahren soll.

    Unter solchen Umständen nimmt es dann auch kein Wunder, wenn die Instrumentenindustrie auch in der Krise steckt. Wenn etwa auf einen Rock-Keyboarder (und welche Rockband hat heutzutage überhaupt noch einen Keyboarder, man hat bisweilen den Eindruck, das gibt es fast nur noch im Prog und in verwandten Metiers) zwanzig Pop-, Electro- und Hip-Hop-Produzenten kommen, dann ist klar, was für Dinger Yamaha, Roland, Korg & Co. auf den Markt bringen. Noch gibt es durchaus geeignete Instrumente für Rock-Keyboarder zu kaufen, aber die Auswahl ist schon deutlich kleiner als noch vor 10 Jahren.

    Aber wir haben uns hier so weit vom Thema dieses Strangs entfernt, also genug davon an dieser Stelle. Wir können ja an anderer Stelle einen neuen Strang dafür aufmachen und dort weiter diskutieren.
     
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  16. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Ooh, ooh Baby, Yeah Baby, I love you much too much, Baby Baby, uhhh-huuu, yeah, I'm so in love, Baby Baby, come on dance with me, ooohh oohh huuu-uuhhhh...

    DAS ist für mich "Betroffenheitslyrik".

    Findet man gottseidank nicht bei Marillion.

    :D:D:D:D:D
     
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  17. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Der Terminus "Betroffenheitslyrik" bringt ein Problem auf den Punkt, das ich bei so manchen engagierten Texten aller Art schon seit langem wahrnehme. Es werden immer wieder die mittlerweile sattsam bekannten Probleme heruntergebetet, statt positive Visionen zu entwickeln, wie wir dieser Probleme Herr werden könnten. Vor ein paar Monaten war mal in einem Interview in der Eclipsed zu lesen, warum eine Band (ich weiß nicht mehr wie sie hieß) trotz politischen Interesses keine politischen Lieder mache: weil die Leute beim Musikhören "nichts von Problemen hören" wollten. Und damit haben sie gar nicht mal Unrecht. Irgendwann haben die Leute davon einfach genug.

    Besonders arg ist es im Theater, das sich ja gern an das Schillersche Diktum von der "moralischen Anstalt" hält. Und so machen viel zu viele Theatermacher moralinsaure Stücke mit dem Unterhaltungswert eines Bußpredigers. Oder man schaue sich die Nahzukunftsgeschichten an, die so am Markt sind. Das sind zu mehr als 99% Dystopien, in denen Zukünfte geschildert werden, in denen die Probleme der Gegenwart aus dem Ruder gelaufen sind, wenn die Welt nicht gar von Zombies überrannt wird (die sind derzeit besonders beliebt) oder aus anderen unwahrscheinlichen Gründen den Bach runter geht.

    Aber auch von Leuten, die konkret was ändern wollen, wird immer noch viel zu oft falsch kommuniziert. Da kommen dann zwar Lösungsstrategien, aber allzu häufig heißt es "Wir müssen ..." - das mag zwar anders gemeint sein, hört sich aber an wie "Wir wollen es zwar selbst lieber nicht, aber es muss leider sein". Noch schlimmer: das wird auch schon mal in den Konjunktiv der Vergangenheit gesetzt. "Man hätte das und das tun müssen". Da klingt immer (wenn auch ungewollt) der Halbsatz mit: "... aber jetzt ist es eh zu spät". Das motiviert nicht!

    Mein Anliegen ist es, das zu ändern. Wo bleiben die positiven Visionen und Strategien? Es gibt sie, nur liegen sie in Sachbüchern und wissenschaftlichen Arbeiten begraben, die viel zu wenige Leute lesen. Wir wissen, wie man eine CO2-neutrale Energieversorgung aufbaut, mit welchen Maßnahmen man Leute dazu bringt, vom Auto auf Bus, Bahn und Fahrrad umzusteigen, und dergleichen mehr. Nur sind diese Strategien noch nicht hinreichend in der Öffentlichkeit präsent, und deshalb herrscht so großer Frust in der Gesellschaft. Ich will Musik und Geschichten schreiben, die von einer erfolgreichen Wende zur Nachhaltigkeit handeln, und eine glaubhafte und optimistische Vision präsentieren. Das gibt es meines Erachtens noch viel zu wenig!
     
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  18. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    @Weeping Elf:

    Ich denke manchmal, dass Musik durchaus überhaupt nicht innovativ zu sein braucht. Gerade der ProgRock hat doch öfters mal bewiesen, dass zuviel Kopflastigkeit und ein viel zu übertrieben verstandener und umgesetzter Visions- und Strategie-Anspruch irgendwann in die Irre führt. Wenn es bis heute eine Musikform gibt, die noch immer das Fundament für Alles darstellt, ist es nachwievor der Rock'n'Roll. Und der ist überhaupt nicht innovativ - aber extrem wandlungsfähig. Und er kann sich seit bald 70 Jahren auch immer wieder neu erfinden. Im Rock'n'Roll gibt es allerdings auch keinen Kopf - nur Herz, Bauch und Beine. Das genügt manchmal vollauf. Lieber einfach gestrickte Ehrlichkeit auf drei Akkorden, als übertrieben elitären Strategiekram.
     
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  19. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Verstehe. Vielleicht nehme ich mich und die Musik, die ich schätze und die, die ich machen will, einfach zu wichtig ;) Für die meisten ist Musik einfach dazu da, den Alltag angenehmer zu gestalten, indem man sie nebenbei hört, und da will man dann keine Kopfmusik haben. Aber wir sind jetzt auch so weit vom Thema "Heft 11-2019" abgekommen, dass wir diese Diskussion genauso gut beenden können.
     
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  20. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Nur noch eine kleine Anmerkung: Ich habe auch lange aktiv Musik gemacht und Musik immer in erster Linie als Spass betrachtet. Die Musik wichtig nehmen war nicht so im Vordergrund dabei. Das hat aber eher mit einer inneren Einstellung zu tun. Ich habe weder mich, noch mein Musikmachen, und auch nicht irgendeinen Anspruch irgendwie sehr ernst genommen. Ich hab es einfach fliessen lassen. Der Spass am Musizieren stand dabei immer im Vordergrund.

    Was mich ein bisschen stört ist, dass Du öfters relativ ausufernde Themen anreisst (prima¨!), sie dann aber selber wieder für beendet erklärst. Schade, finde ich. Ist doch egal, in welchem "Strang" sich eine angeregte Diskussion herausentwickelt, oder ?
     

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