1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Heft 06-2019

Dieses Thema im Forum "eclipsed - Das Magazin" wurde erstellt von eclipsed, 21. Mai 2019.

  1. Andie Arbeit

    Andie Arbeit Aktives Mitglied

    Alles was hier geschrieben wurde, ist schon sehr interessant und auch irgendwie richtig, insbesondere @ Lamneth, @ phonoline, @ catabolic. Allerdings sind die Blickwinkel immer etwas unterschiedlich. In meiner Jugend startete ich mit Progrock, zog mir Hardrock rein, hatte aber auch immer einen Zugang zu Mainstreamklamotten, liebte in meiner "hochpolitischen" Phase deutschen Politrock sowie Liedermacher und fand Blues alla John Mayall einfach nur sch...
    Heute verschlinge ich Mayall und Blues aller Art. Progrock hatte ich ebenso wie härten Rock ad acta gelegt und aktuell finde ich (fast) wieder zu allem einen Zugang. Aktuell habe ich 32 LPs aus dem laufenden Kalenderjahr auf meiner Favoriten-liste stehen.
    Mir geht es auch so, ich habe drei Magazine im Abo, eclipsed las ich zunächst nur sporadisch, dann häufiger und mittlerweile regelmäßig. Durch den "Zeitfresser" hier im Forum ziehe ich ebenfalls eine Menge Infos und höre mich auch in Dinge rein, zu denen mir der Zugang bislang verwehrt blieb.
    Für mich macht es die Mischung, heute morgen brachte ich vom Flohmarkt 19 schwarze Scheiben mit, okay, alles alte Klamotten und vielleicht auch ein wenig Schrott (bleibt nicht aus), hier im Forum und durch das Magazin erhalte ich immer wieder neue Anstöße, stöbere immer und immer wieder in den Magazinen und ziehe mir gleich das Xte Buch zu Woodstock rein.
    Insgesamt sind wir doch eine aussterbende Spezies, die wir Magazine lesen und LPs und CDs kaufen. Ich erhalte mir allerdings diese Macke, hege und pflege sie. Dafür muss ich nicht in Urlaub fahren, fliegen oder in See stechen...
    Für Menschen in meinem Umfeld habe ich sowieso einen gepflegten Schuss; es sei denn, ich krame abends mal wieder ein paar Kisten Singles raus, mache Musik auf unserer Kerb (Kirmes) oder lege Platten aus den 70s und 80s auf oder, wie am kommenden Samstag bei einer Schlager-Oldie-Night....
    selbst klein.jpg
     
  2. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Ach, die alte Frage, ob früher die Musik besser war als heute. Meiner Meinung nach ist das eine Frage der Wahrnehmung (wie meine frühere - übrigens sehr gute - Psychotherapeutin oft sagte), die vor allem in zwei Punkten danebengeht:

    1. Man erinnert sich vor allem an die gute Musik von früher, und vergleicht das dann mit der gesamten Musik von heute, und übersieht, dass es damals auch schlechte Musik gab, die man nur vergessen hat. Da kann die Musik von heute natürlich nur verlieren!

    2. Es gibt immer ein paar Musikstücke von früher, die zwar eigentlich nicht so toll sind, die man aber mit schönen Erlebnissen verbindet (etwa die Nummer, die im Café lief, als man dort seine große Liebe das erste Mal küsste) und deshalb "gut" findet, und schöne Erlebnisse hatten die meisten von uns in der Kindheit und Jugend mehr als im Erwachsenendasein, also sind die meisten dieser Nummern alt.

    Aber es ist grundsätzlich so, dass man mit einer bestimmten Musikrichtung sozialisiert wurde, dass der Musikgeschmack sich an irgendeinem Punkt im frühen Erwachsenenalter mehr oder weniger verfestigt hat, und man dann unter Umständen Schwierigkeiten hat, neueren Entwicklungen in dieser Musikrichtung zu folgen, weil es eben nicht mehr wie damals klingt. Und wozu eine neue Scheibe auflegen, mit der man nicht so recht glücklich ist, wenn gleich daneben das Lieblingsalbum von früher steht?

    Und wie ich schon geschrieben habe, ist die 68er-Generation heute dermaßen kaufkräftig, dass es sich eher lohnt, für die eine Zeitschrift zu machen als für die paar Versprengten, die modernen Prog hören.
     
    nixe und Marifloyd gefällt das.
  3. Lamneth

    Lamneth Aktives Mitglied

    Das ist sehr verallgemeinert , ich erinnere mich sehr wohl, dass es früher Musik gab, mit der ich nichts anfangen konnte. Ich vergleiche aber die Musik von heute keineswegs mit der von früher, es macht doch überhaupt keinen Sinn zB. Led Zeppelin III mit einer Produktion von heute zu vergleichen. Früher musste die Musik schon eine bestimmte Qualität besitzen, um sich durchzusetzen, natürlich sind auch früher gute Alben nicht erfolgreich gewesen , meistens lag der Fehler dann bei der Plattenfirma oder dem Management. Heute wird aber selbst austauschbare, belanglose Musik gepuscht, sei es durch YouTube, Spotify oder andere Medien. In der Masse heute etwas außergewöhnliches, beständiges zu finden,ist deutlich schwerer und zeitaufwendiger als früher. Da bin ich in den Plattenladen, suchte mir ein paar Alben aus, hörte Probe und entschied dann, kaufen oder nicht kaufen. Das geht heute doch gar nicht mehr, mein subjektiver Eindruck ist, heute gibt es einfach viel mehr Müll. Da vergleiche ich doch gar nicht, was war 1975 toll und kann das oder das Album da mithalten.
    Zeitschrift wie eclipsed und besonders dieses Forums sind äußerst hilfreich, mit der Zeit kenne ich die Vorlieben der User und kann mich wunderbar daran orientieren.
    Ich bin sehr daran interessiert , dass eclipsed erfolgreich ist, denn ohne Magazin wohl auch kein Forum.
     
    passionplayer und nixe gefällt das.
  4. Georg

    Georg Aktives Mitglied

    Na..ja, hmmm deine Allgemeinplätze kann ich für mich nicht unterschreiben. Der Zeitgeist spielt da für mich auch eine erhebliche Rolle. Ca. 10 Jahre lang, da war ich 25-35 Jahre alt, sind wir regelmäßig zu Folk-Festivals gefahren, z.B. zum Song, Lied, Chanson -Festival nach Ingelheim; heute höre ich nix mehr davon (Clannad, Dubliners oder sowas) Glam-Rocker fand ich toll, finde ich heute nur ätzend.
    Afrikanische World-Music.... total out.,
    Nö, Woodstock auch nicht mehr, vieeel zu oft gehört...Ritchie Haevens Freedom,... Freeeedom....., Joan Baez schon lange nicht mehr, furchtbares Gequicke und Gejammere.....
     
  5. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Das Forum ist auf der einen Seite eine Bereicherung und geht infolge von vielen guten Tipps zugleich ans Geld. Zudem ist der gemeinsame Austausch von Meinungen und Infos sehr schön.
    Wo trifft man sonst auf Menschen, die zur besonderen Spezies der "Jäger und Sammler" zählen. Zumindest für mich, der auf dem Lande lebt und infolge von krankheitsbedingten Mobiltätsproblemen einen Plattenladen, Flohmarkt oder eine Plattenbörse nicht ohne größere Anstrengung erreichen kann.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2019
    Perfectionist, micha108, nixe und 2 anderen gefällt das.
  6. Lamneth

    Lamneth Aktives Mitglied

    Liegt es wohlmöglich daran, dass man früher Musik gerade bei Festivals gerne mit marokkanischen Agrarprodukten kombinierte?
    :D:rolleyes:
     
    Georg gefällt das.
  7. phonoline

    phonoline Mitglied

    Ich bin der festen Überzeugung, dass es früher genauso viel musikalischen Müll gab wie heute und vice versa: genauso viel Qualität. Nur werden wir heute durch die digitalen Medien und portable Boomboxen immer mehr und ungefiltert auch mit dem Schrott konfrontiert. Da verhält es sich genauso wie mit schlechten Welt-Nachrichten: die gabs früher auch schon, man konnte ihnen nur leichter entfliehen.
    Wenn ich früher loszog, um Schallplatten oder CDs zu kaufen, dann hatte ich zwei Möglichkeiten: Raritäten im Oldie-Markt und Goldmine oder ab in den Plattenladen. In Hamburg City gab es da mal unzählige Möglichkeiten: von Heimann Hits über Brinkmann zu Mö Schallplatten, WOM und Michelle Records mit zwei Geschäften. In beiden Fällen war das immer ein ereignis: anstrengend, aber immer der Mühe wert. Allein die Aufregung, wenn ich mit all den neuen Scheiben nach Hause kam oder nach Wochen endlich die megarare Scheibe aus Japan kam!
    Heute gibts nur noch Michelle in einem Laden und Saturn. Und online unzählige Shops. Irgendwie ist da beim Musikeinkaufen etwas die Luft raus, die Spannung, das Erlebnis. Heute bin ich einen Klick entfernt von neuer Musik. Früher waren das Stunden, Tage, manchmal Wochen. Diese Limitierung - mir fehlt das.

    Das nächste ist: Musik hat deutlich - politisch wie gesellschaftlich - an Bedeutung und Sinn verloren. Wann hatten wir eigentlich die letzte musikalische Revolution, die eine ganze (Welt-) Generation prägte? Anfang der 90er, wenn ich nicht irre. Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden usw. Danach? Gefühlt nix.
     
    Perfectionist, nixe, Catabolic und 2 anderen gefällt das.
  8. Georg

    Georg Aktives Mitglied

    Nö,;););) in Ingelheim war es eher dieser "Rebensaft"; kannst du dir bestimmt vorstellen, diese Weißgesichter aus Hessisch Sibirien unter der glühenden Pfälzer Pfingst-Sonne mit ner Pulle Wein bei Dudelsackmusik....:cool::confused::confused::cool::eek::eek::eek:
     
    Andie Arbeit und Lamneth gefällt das.
  9. Lamneth

    Lamneth Aktives Mitglied

    Du meinst sicher die glühende rheinhessische (kommt von Hessen übern Rhein) Pfingst-Sonne. :D
    Von mir nach Ingelheim sind es gerade mal 13 km, Ingelheim hat den Beinamen "Rotweinstadt", da liegt es nahe, ein paar Schoppen zu trinken. :)
    Ich habe da eher zu ausländischen Agrarprodukten tendiert, da weniger Kopfschmerzen ....:D
     
    Georg und Andie Arbeit gefällt das.
  10. Lamneth

    Lamneth Aktives Mitglied

    @phonoline
    Prozentual gab es früher vielleicht genauso viel Müll, aber in der absoluten Zahl gibt es heute deutlich mehr Müll, da ja viel mehr produziert wird.
     
    nixe und WeepingElf gefällt das.
  11. WeepingElf

    WeepingElf Aktives Mitglied

    Das kann schon sein.

    Aber was hat diese Diskussion noch mit dem aktuellen Eclipsed-Heft zu tun? ;)
     
    Marifloyd gefällt das.
  12. Marifloyd

    Marifloyd Inventar

    Hast recht.
     
  13. Lamneth

    Lamneth Aktives Mitglied

    Ist doch nett, wo sollte diese Diskussion denn sonst entstehen und wie? Das hat sich doch aus dem Inhalt der neuen eclipsed ergeben. Alt und neu, zu wenig oder zu viel, warum ja oder nein, all das kam doch zur Sprache. Das dann noch Meinungen ausgetauscht werden, ist doch wünschenswert und gut, auch wenn's dann mal ein wenig abschweift.
     
    Catabolic, Marifloyd und toni gefällt das.
  14. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Sachlich und vernünftig: Genau diese beiden Attribute treffen bei mir persönlich auf Musik so gar nicht zu.

    Sachlich ? Für mich ist Musik pure Emotion, wie soll ich da sachlich bleiben, das ist unmöglich. Wenn mir eine Platte gefällt, ist sie nicht gut, sondern mega geil, phänomenal, absolut wunderbar und ich freue mich sowas von tierisch, dass ich dieses Kleinod für mich entdeckt habe. Ich kann mich da noch wie ein kleines Blag freuen und merke dabei in keinem Moment, dass ich doch schon 60 bin. Wenn mir eine Platte nicht gefällt, ist sie nicht "nicht gut", sondern beschissen, grottenschlecht, furchtbar grauslig - aber eigentlich werte ich dann damit nicht in erster Linie die Musik, sondern noch vielmehr meine dämliche Emotionalität, die mich mal wieder was kaufen liess, ohne mich vorher gründlich damit zu beschäftigen. Ich bin leider neben emotional auch noch spontan und dadurch schon Jahrzehnte notorisch geschmacksgeschädigt.

    Und wer kann noch von Vernunft sprechen, wenn er wie ich nur wegen eines einzigen Songs alle Platten einer Band/eines Künstlers zusammenkauft ? Sowas konnte ich früher schon, und das hat sich leider noch nicht geändert. Immerhin habe ich in den letzten Jahrzehnten auch immer wieder mal ausgemistet, Platten zeitweise sogar paketweise bei Ebay verschleudert. Aber es kommen halt schnell wieder viele hinzu. Ich habe mir schon überlegt, ob ich zu wenig lange die Mutterbrust hatte, Schnullerverlust nicht verarbeitet womöglich oder vielleicht war es auch die erste Liebe, weil sie sich als enttäuschender herausstellte als die Yes-Platte, die ich zeitgleich liebte. Bestimmt war es auch noch ein bisschen Eltern ärgern: Was ihnen missfiel, gefiel mir umso besser. Ich weiss nicht. Sachlich und vernünftig - das sind zwei Eigenschaften, die noch nie auf mich zutrafen. Ich traue in der Regel sachlichen Menschen auch eher nicht, weil sie gerne Dinge zerreden, kaputtlabern und - höflich ausgedrückt - klugscheisserisch ausformulieren. Das mag eine ziemlich geniale Charaktereigenschaft sein, ich kann sie nur leider meist nicht nachvollziehen, weil - eben - Musik für mich nichts Sachliches oder Vernünftiges ist, sondern etwas rein Emotionales.

    Der freundschaftliche Umgang miteinander ist dann wieder was Anderes, das ich nicht auf die Musik beziehe, sondern mit Toleranz zu tun hat.
    Interessanterweise haben beide Charakteren mitunter dieselben Probleme im gemeinsamen Umgang - die Hochemotionalen wie ich genauso wie die Sachlich-Vernünftigen. Aber so tut das, wenn es menschelt. Ich finde das sehr bereichernd.
     
  15. phonoline

    phonoline Mitglied

    Das hat schon noch mit eclipsed zu tun, siehe auch Hodgson Interview, in dem er indirekt auf dieses Thema eingeht. Wenn Musik in der Gesellschaft an Sinn und Bedeutung verliert, verlieren auch Musikmagazine an Bedeutung.
     
  16. Perfectionist

    Perfectionist Mitglied

    Das Cover geht jetzt schon in die Ruhmeshalle der besten Eclipsed-Cover ever ein. Klar, das Motiv an sich ist schon mal grandios, aber auch das Heftdesign passt einfach wunderbar dazu. (Schade allenfalls, dass das aus dem Toaster herausschauende Toastbrot ein wenig verdeckt ist...)

    Und zur Frage aller Fragen: Ich finde "Breakfast in America" toll, aber gebe persönlich "Crime of the Century" den Vorzug - hauptsächlich, weil ich "Lord Is It Mine?" und "Casual Conversations" für etwas schwächer halte, und "Crime" im Vergleich praktisch gar nicht schwächelt (sowie nicht so sehr totgenudelt ist). Die beiden Alben nehmen sich aber nicht viel.

    Meine Nummer 3 ist übrigens tatsächlich das stiefmütterlich behandelte "Some Things Never Change", das meiner Meinung nach grotesk unterschätzt wird. Die Rezension im ROCK-Buch wird der CD in keinster Weise gerecht. Hier kann man am besten erleben, wie Rick Davies all seine Einflüsse und Lieblingsstile offenlegt, und trotz der enormen Spieldauer hat die Platte kaum Hänger - einfach zeitlos gut.

    Bei den Einzelrezensionen der Songs vermisse ich mal wieder den Hinweis auf Roger Hodgsons geniale Gitarrenarbeit in "Goodbye Stranger" und "Just Another Nervous Wreck".

    John Helliwells Interview ist zwar ganz nett, aber er scheint an einigen Stellen doch ein bisschen heiße Luft zu verbreiten bzw. den Fragen auszuweichen. Das Beste ist natürlich, dass man durch ihn ein wenig über Rick Davies' aktuellen Gesundheitszustand erfährt. Ansonsten finde ich es etwas befremdlich, dass er als einer der besten Rock-Saxofonisten seinen "Ersatz" in Hodgsons Band, Aaron MacDonald, zu loben scheint: Der Mann kann mit seinem quäkigen Sound Helliwell nicht mal ansatzweise das Wasser reichen. Soviel ich weiß, hat Hodgson mittlerweile auch einen anderen, deutlich besseren Saxer - entweder das, oder MacDonald hat sich unglaublich verbessert...

    Roger Hodgson ist im Interview etwas offenherziger, aber auch er liefert nicht immer klare Antworten. Dass er, wohl auch angesichts Davies' Gesundheit, eher moderate Töne anschlägt und auch nicht so sehr auf seiner alleinigen Autorenschaft herumhackt, stößt bei mir durchaus auf Wohlwollen. Trotzdem kann ich nicht so leicht vergessen, dass er jahrelang Fans hat drangsalieren lassen, die seine Songs (z.B. als Cover) auf YouTube hochgeladen haben, was teilweise zur Sperrung von ganzen Kanälen geführt hat, und offenbar "Fans" beauftragt, in Foren aufdringlich Werbung für seine Konzerte zu machen sowie alle Setlisten auf setlist.fm, in denen einer seiner Songs vorkommt, entgegen den dortigen Gepflogenheiten so zu bearbeiten, dass auch dem letzten Depp nicht entgeht, dass alles SEINE Songs sind... das passt einfach nicht zu seinem Love&Peace-Image. Zudem widerspricht er an einigen Stellen früheren Aussagen (was die Thematik der Platte angeht und die Tatsache, dass "Casual Conversations" und "Child of Vision" durchaus auf die Beziehung Hodgson/Davies anspielen), und ich muss Dougie Thomson beipflichten, der vor einigen Jahren mal sinngemäß gesagt hat, dass Hodgson seine Meinung öfter wechselt als seine Unterwäsche.

    Interessanter finde ich da schon mehrere Andeutungen über neue bzw. unveröffentlichte Songs. Das ist ja auch so eine Seltsamkeit: Von Supertramp kam nach 2002 nix mehr, Hodgsons letztes Studioalbum liegt noch zwei Jahre mehr zurück. Kann sich nicht ein Label dafür finden? (Mit Alan Parsons hat es ja jetzt auch funktioniert...) Auch Davies hat vor Jahren behauptet, eine Menge Bluesstücke für ein mögliches Soloalbum auf Lager zu haben.

    Zu den Leserbriefen: Informativ! Karin spricht mir hinsichtlich des SW-Zitats aus der Seele, allerdings weiß ich nicht, wie ernstgemeint "Led Clones" von Gary Moore und Ozzy Osbourne (!) wirklich war. Der Text klingt für mich doch recht humorig, alleine die Zeile "I saw them on the radio, I heard them on a video, I don't think I can take much more..." Und natürlich stellt sich die Frage, wie weit Hommage in Ordnung ist. Aber ehrlich: Solange im eclipsed so viel Werbung für Cover- und Tributebands ist, verbietet sich die Diskussion eigentlich. Denn eine Band, die neue, eigene Songs im Stil ihrer Vorbilder schafft, ist wenigstens kreativer als eine, die nur nachspielt.

    Mitkomponist von "Led Clones" (und vieler anderer Moore-Songs der Rock-Ära) war übrigens Gary Moores "rechte Hand" Neil Carter, der jetzt zu meiner Überraschung wieder bei UFO eingestiegen ist. Wäre vielleicht auch mal eine Beleuchtung wert?


    Dass die Beziehung zwischen Eric Clapton und J.J. Cale eine eher einseitige Sache war, das hatte ich übrigens schon länger vermutet. Nicht ganz korrekt ist die Behauptung hinsichtlich des geplanten Nachfolgers zu "The Road to Escondido": Es stimmt zwar, dass J.J. Cale die Aufnahmen wegen gesundheitlicher Probleme abgebrochen hat, aber er war wohl auch mit Claptons Ideen nicht zufrieden. Da "Escondido" fast nur aus Cale-Songs bestanden hatte, wollte J,J, bei einem zweiten gemeinsamen Album, dass Clapton mehr Songs beisteuert, aber EC litt unter einer Schreibblockade (die im Übrigen bis heute anhält!), und der Vorschlag, Jazzklassiker zum Besten zu geben, hat Cale wohl auch nicht begeistert.

    Letztlich landeten die drei gemeinsam aufgenommenen Songs auf Claptons 2010er Album "CLAPTON": "Everything Will Be Alright", "River Runs Deep" (beide von Cale) und der alte Robert-Wilkins-Bluesklassiker "That's No Way to Get Along".


    Fehlerkatalog:

    Heißt die Band auf S. 11 jetzt 3 Crows oder 3 Cows? :p

    Immer wieder amüsant die Silbentrennung: "The Th-rill Is Gone" ;)

    Außerdem ist der Name von Ian Crichton bei den Tourdaten falsch geschrieben.

    Das sagt für mich aber schon wieder viel über das merkwürdige Klangverständnis eurer Redaktion. Alle (!) audiophilen Fans sind sich nämlich einig, dass "Famous Last Words" das am schlechtesten gemasterte Album der klassischen Ära ist. Das Schlagzeug klingt hohl, das Klavier dumpf, der Mix wirkt insgesamt so, als ob man keine Lust mehr hatte, dem vorigen Standard gerecht zu werden. Und das will was heißen, denn sowohl "Crime" als auch "Breakfast" gelten bis heute als außergewöhnlich gut klingende Alben - ich persönlich würde "Brother Where You Bound" auf jeden Fall auch hinzuzählen. (Aber interessant, jetzt verstehe ich auch Kommentare wie "druckvoll" etwas mehr und übersetze diesen Begriff in Zukunft für mich immer in "schwammig" - das dürfte so manchen Fehlkauf verhindern...)

    Und auch was die Songs angeht, empfinde ich die Platte als Ganzes nach wie vor als Riesenenttäuschung... mit Ausnahme der ersten beiden und letzten beiden Songs (auch wenn "Don't Leave Me Now" eine unsäglich banale, tausendmal gehörte Akkordsequenz hat, die auf keinem der vorigen Tramp-Alben Platz gehabt hätte...) Alleine der Text von "Bonnie" regt mich auf, was ist denn da bitte in Rick Davies gefahren? Oder diese schwülstigen Streicherkeyboards am Ende von "My Kind of Lady" - eine solche Geschmacklosigkeit findet sich auf den vorigen vier Alben an keiner Stelle!

    Auch Davies und Hodgson empfanden das im Übrigen so. Hodgson hat mal zugegeben, dass die Band in ihrem zerfahrenen Zustand fast nur noch die kitschigsten, poppigsten Songs irgendwie zu Ende bringen konnte. "Brother Where You Bound", was Hodgson korrekt als Davies' bis dahin besten Song bezeichnet hat, schaffte es z.B. deswegen nicht auf die Platte, dasselbe gilt für etliche von Hodgsons Songs von seiner ersten Soloplatte. :(
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Mai 2019
    Lamneth gefällt das.
  17. Perfectionist

    Perfectionist Mitglied

    Das kult! kaufe ich nicht, aber GoodTimes habe ich schon lange im Abo. Sorry, aber deine Kritik greift doch etwas zu kurz. Die neuen Manfred-Mann-Raritäten-Alben sind z.B. im GoodTimes viel besser und ausführlicher besprochen als im eclipsed, und auch ansonsten hat das Heft Facetten, die man beim Einfach-So-Durchblättern vielleicht nicht gleich mitbekommt. Die Rubriken wie z.B. das (irreguläre) Blues-Porträr, Kreuzverhör, Album-Cover u.a. finde ich eigentlich immer lesenswert.

    Blöd finde ich eigentlich nur, dass die Rezensionen so wild durcheinander gewürfelt sind...
     
    Catabolic gefällt das.
  18. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Schön, dass Du eine Lanze brichst für die Good Times. Insbesondere die brandaktuelle Ausgabe präsentiert bald mehr Prog-relevante Artikel als die Eclipsed. Ich finde die Good Times bei weitem nicht so schlecht wie man öfters mal hört/liest.
     
    Perfectionist gefällt das.
  19. Okzitane

    Okzitane Aktives Mitglied

    Erst einmal 100% Übereinstimmung betreff der Platte des Monats. Ich hab sie zwar noch nicht gehört, aber die Rezension von Walter Sehrer ließt sich wie die Speisekarte zu einem 5-Gänge-Menü in einem provencalischen Sternerestaurant. Es läuft einem schon beim lesen das Wasser im Mund zusammen!
    Hätte ich das Teil nicht schon bestellt, spätestens nach der Rezi hätte ich sofort zugeschlagen. Prog ohne dieses nervende Metal-Geschrammel (selbst DANIEL TOMPKINS hat davon wohl genug)... Halleluja! :D
    Dazu paßend natürlich das Interview mit dem Heiland PETER HAMMILL, und in derselben Ausgabe der Artikel über seinen genialen Zeitgenossen ROBERT FRIPP... meinen Geschmack habt ihr diesen Monat getroffen.

    Die "Längst vergessen..."-Story über ROUSSEAU (die ich absolut nicht kannte) führt wohl zu nicht geplanten Ausgaben, also auch hier diesmal ins Schwarze getroffen... und auch mit POPOL VUH (ihre Soundtracks zu Herzog-Filmen sind wirklich einzigartig) muß wohl nun doch her.

    Zu SCOTT WALKER hätte ich mir ausführlicheres gewünscht, aber der Mann spaltete ja schon zu Lebzeiten die Hörergemeinde, so das ich zumindest für die eine Seite meinen Dank ausspreche...

    Die Erinnerung an THE WATERBOYS kam mir auch sehr gelegen, und eure Titelstory über amerikanische Frühstücksgewohnheiten (englisch/irisch ist viel besser :D ) war für mich informativ, da ich mich mit SUPERTRAMP bisher nicht intensiver beschäfftigt habe...

    Eine kurze Bemerkung noch über Mr.MORSE: ich denke zu wissen (nicht glauben!) warum ich mit seinem Oeuvre nie so wirklich richtig warm geworden bin. Es gibt schon zuviel religiöse Fanatiker, denen muß ich dann nicht auch noch Platten abkaufen...

    P.S.: Morgen Mittag LIVE -Stream THE CURE... Kreischalarm!!! :p:D
     
    Perfectionist gefällt das.
  20. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    Seit Februar 2014 wandert keine Eclipsed mehr in die Altpapiersammlung, und davor tat sie das auch nur, weil ich beim Umzug tabula rasa mit allen alten Heften machte, auch anderen. Damit möchte ich diesen Monat einsteigen, weil es für meinen Geschmack seit Februar 2014 kein so schönes Frontcover mehr gegeben hat bei einer Eclipsed. Das passt alles wunderbar, ist stimmig und huldigt einem Album, das schon ein Titelbild und eine Titlstory verdient hat, auf jeden Fall.

    In der aktuellen Ausgabe gibt es mal wieder einige ganz besonders kleine Dinge, die mir auffallen. Erst mal die schöne Plattenkritik von Alan Tepper zu zwei der aktuell erschienenen Rockpalast Veröffentlichungen. Kevin Coyne für mich ein absolutes Muss, genauso wie Spirit, deren Gig ich ebenfalls noch in bester Erinnerung habe als einen der dynamischsten Rock Gigs des Rockpalasts. Beide Veröffentlichungen habe ich inzwischen geordert. Alan Tepper fragt zum Schluss in seiner Rezi, wann endlich der brilliante Auftritt der holländischen Vitesse erscheint. Ja, da warte ich auch sehnsüchtig drauf. Bis es - hoffentlich - so weit ist, greife man zur Live-CD "Vitesse Live In Germany : Would You Buy A Second-Hand Car From One Of These Guys", auf welchem ein absolut berauschender 1981er Gig mit dem Gitarristen Carly Carlton (später nur noch Carl Carlton) konserviert wurde. Leider ist die CD nur schwer zu finden. Weil es für meinen Geschmack so ein schweinegeiles Live-Album ist, stelle ich es hier im Forum auch gleich mal bei den empfehlenswerten Alben rein.

    Zum irgendwie Kleingedruckten zähle ich auch immer die Underground-Sparte. Da freue ich mich sehr, dass auch mal Die tödliche Doris erwähnt wird. Die waren in den 80er Jahren in meinem Kollegenkreis absolut Kult und voll angesagt. Die dürftet Ihr auf jeden Fall mal ausführlich porträtieren, zumal erst vor kurzem das LP-Box Set "Das typische Ding / Reenactment (I)" in limitierter Auflage beim Major Label aus Leipzig erschien. "Chöre und Soli" interessiert mich vor allem, weil es die Japaner mal wieder verstehen, das damalige Original nachzuempfinden für eine längst fällige Wiederveröffentlichung. Mein Frage zum Schluss wäre hier lediglich: Wie zum Henker erreichten diese wirklich sehr schrägen Künstler überhaupt japanische Ohren ?

    Und Kleingedrucktes als längst Vergessenes: Rousseau. Jedes Album ein wundervolles Stück Musik. Leider halt in der Tat völlig unbekannt geblieben, damals wie heute. Gottseidank gibt es alle ihre Alben auch als CD-Wiederveröffentlichungen. Ich empfehle unbedingt das ausgegrabene und vorgestellte Debutalbum, aber auch insbesondere das dritte Werk "Square The Circle" (CD auf Musea Records Frankreich, wo auch die Sandstone Alben und etliche weitere unbekannte Perlen herauskamen).

    Der Popol Vuh Artikel in der aktuellen Good Times gefällt mir besser (Inhaltsverzeichnis siehe Seite 61), die Festival-Hinweise unumgänglich, und dann kommen schon die Rezensionen. Und der Einkaufszettel mit Jefferson, dem Flieger und der Rakete. Deckt sich ziemlich mit meinem eigenen Gusto: "Dragon Fly" und "Bark" braucht man einfach, "Red Octopus" ist viel zu Kommerz leider, aber natürlich auch irgendwie gut, und aus historischer Sicht sowohl die "Volunteers" (ein politisches Statement der Extraklasse) und die "Surrealistic Pillow" mit dem Einstand von Frau Slick, absolut phänomenal. Nur die drei "Ausser Konkurrenz" Alben, das tut mir sehr weh. Vor allem der Hinweis auf "seichten Radio Pop-Rock mit Easy Listening Tendenz" bezüglich dem 78er Album "Earth". Alleine schon der klasse laidback'e Opener "Love Too Good" ist eines der schönsten musikalischen Statements kalifornischen Sommers. Und Marty Balin's "Count On Me" sowas von schwelgerisch und verliebt, dass man schon ein eiskalter Knochen sein muss, wenn einem das nicht dahinschmelzen und auf einen baldigen Sommer mit heissen Temperaturen und noch heisseren Mädels hoffen lässt.

    Platten des Monats, soweit schon angetestet: Manx Marriner Mainline und Lonerider, Enttäuschungen: Black Mountain und Earth.
    Danke für die Erwähnung von Stillwater (Rock Candy Records) und Sahara (Ohrwaschl neue Ausgabe) bei den News from the Past: Zwei meiner ewigen Inselalben in Top Remaster Klang!

    Persönliches Fazit:

    Titelbild: Rindersteak (Extraklasse)
    Inhalt: Currywurst (ganz okay)
    Rezis: Grillplatte (für Jeden etwas)

    Es wird ja hoffentlich bald Sommer, nech....

    ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Mai 2019
    Steven Thomsen gefällt das.

Diese Seite empfehlen