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HEADS HANDS & FEET - Old Soldiers Never Die (1973)

Dieses Thema im Forum "Empfehlenswerte Alben" wurde erstellt von Catabolic, 7. Januar 2019.

  1. Catabolic

    Catabolic Aktives Mitglied

    HEADS HANDS & FEET - Old Soldiers Never Die (Atlantic Records K 40465, 1973)

    Heads Hands & Feet - Old Soldiers Never Die.jpg

    Heads Hands & Feet waren beinahe eine Superband. Alle Mitspieler sammelten Erfahrungen in renommierten Bands und lernten dort ihr Handwerk. Sie kamen von den Outlaws (mit Ritchie Blackmore), Mike Berry, Cliff Bennett, Donovan, Duffy Power, Wilson Pickett, Jerry Lee Lewis, Delaney & Bonnie, Mike Warner und einigen weiteren. Erstmals trafen sich Lee, Colton, Smith und Gavin unter dem Namen: Poet & The One Man Band (Colton, Smith, O'Neill, Gavin, Lee, Pat Donaldson und Jerry Donahue). Der Poet brachte ein ganz brauchbares Album heraus. Der Flamingo Club in London war jahrelang der Treffpunkt dieser Musiker. Tony Colton war in dieser Zeit ein bekannter Produzent und machte sich Gedanken über die ideale Begleitband seiner Musiker. Donaldson und Donahue schlossen sich Fotheringay, der Band Von Sandy Denny an. Chas Hodges kam dazu und "Heads Hands & Feet" war gegründet. Es gab um 1970 einen Run amerikanischer Plattenlabel auf englische Musiker.

    Die Musik bestand aus einer Mischung aus Country, Folk und Rock. Albert Lee hatte schon immer einen Hang zur Country Musik und zeigt es auch noch heute, einige Jahre in Nashville prägen einen Musiker. O'Neill verliess Heads Hands & Feet vor den Aufnahmen zur zweiten LP "Tracks". Die Kritiken auch des zweiten Albums waren durchweg gut. Die Musiker waren alle Profis und spielten hervorragend zusammen. Der Nachteil war: es gab keinen Hit für die Charts. "Country Boy " alleine reichte nicht aus.

    Doch dann kam das grossartige Album "Old Soliders Never Die" 1973, und das war eine totale Abkehr vom alten Sound, den die Band bis dahin gepielt hatte. Es ging mit Orchester, Streichern und ziemlich kitschig los. Schmalzigen Poprock vermutete man bei "Jack Of All Trades" schon voreilig, doch schon im zweiten Song, "Meal Ticket", wurde kräftig losgerockt. Ein Honky Tonk Piano, bearbeitet von Albert Lee, war laut und deutlich zu hören. Herr Lee ist nicht nur ein sehr guter Gitarrist, er kann auch toll Klavier spielen.

    Ruhiger ging es mit "I Want Let You Down" weiter: Akustische Gitarren und ein Sänger, der nach Country klingt. Ebenfalls ruhig "Soft Word Sunday Morning", das zu den bislang gehörten Dur- auch noch Mol-Akkorde brachte und die herrliche Rockballade irgendwie todtraurig machte. Anfangs nur Gesang und Piano, dann wieder Orchesterbegleitung mit Chor und Streichern. Der Song erinnerte mich stark an "Hang On To A Dream" von Tim Hardin.

    "One Woman", der Opener der zweiten LP-Seite war ein genial groovender, rollender - ja schon fast - Hardrock, der in seiner Schmissigkeit vielleicht auch schon fast so etwas wie den späteren Southern Rock in sich trug.

    "Just Another Ambush" hätte auch von The Band stammen können, ganz im Stil von deren Titel "The Weight". Auch "Stripes" folgte dieser Richtung, etwas ruhiger, aber auch sehr eindringlich. Reiner Countryrock war dann "Taking My Music To The Man", einer Honky Tonk Nummer, wie sie auch später immer wieder im Repertoire von Albert Lee auftauchen würde.

    Mit dem ambitionierten vorwärtstreibenden Rocker "Another Useless Day" endete das Album. Der Song lebte von einer umwerfenden Hammond, was ja nun auch nicht gerade das dominierende Instrument bei Country Rock und Artverwandtem ist.

    Viele der Songs sind mit Orchester und Streichern hinterlegt, was aber überhaupt nicht stört. Einzig der Eröffnungstitel wirkt vielleicht etwas kitschig und passt auch nicht zum Rest des Albums. Da der Opener jedoch nahtlos in den zweiten, total genialen Rock'n'Roll Song "Meal Ticket" mündet, inklusive Ueberleitung, dann kann man den Opener auch gut als reines Intro, das vielleicht etwas zu lang geraten ist, bezeichnen. Wer diese LP nicht kennt und bei einer Hörprobe nach diesem Song womöglich aufhört, wird zu einem vollkommen falschen Urteil von "Old Soldiers Never Die" kommen.

    Die Platte war und ist und bleibt eines meiner ewigen Inselalben. Die Musik auf dem letzten Werk der Band ist überhaupt nicht mit jener der Veröffentlichungen davor vergleichbar. Schon von daher könnte ein falscher Eindruck entstehen, wenn man zuerst die "Heads Hands & Feet" und die "Tracks" anhört. Wer sich dann in glücklicher Countryseligkeit wiegt, der wird bei "Old Soldiers Never Die" auf den Boden der Rock-Tatsachen geholt. Müssig zu erwähnen, dass ich die Alben davor trotzdem auch besitze, die "Old Soldiers Never Die" aber immer schon einen Sonnenplatz in meinem Regal und in meinem Herzen hatte.

     

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